Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Emmy v. Holstein, unterstützt durch den sympathischen Tenor des Herrn W. Perk. bestritten. Durch hervorragendes Können entzückten Fräulein Alix Houng auf der Violine, sowie der bekannte jugendliche Cellist Herr Johannes Bielenberg die Hörer, dieser begleitet von Frau Henriette Bielenberg, jene von Fräulein M. Martini. Alles in allem, ein äußerst gelungener Abend, der feinen Zweck erfüllt haben dürfte. *** Berlin, 28. November. Der Verein zur Förderung der Interessen der Israelitischen Taubstummen in Deutschland veranstaltet, wie alljährlich, auch in diesem Jahre am 12. Dezember ein Chanukahfest, verbunden mit Bescherung , von warmen Kleidungsstücken usw. an seine armen Mitglieder und deren Kinder. Der Verein bittet alle Edeldenkenden, seiner Schutzbefohlenen auch in diesem Jahre zu gedenken und etwaige Zuwendungen ari den Vorsitzenden Herrn Erwin Kaiser. Charlottenburg, Dahlmannstraße 27, zu senden. *** Danzig, 28. November. Die Institution der jüdischen Krankenpflegerinnen besteht nun am hiesigen Platze seit fünf Jahren und hat in dieser Zeit den vollgültigen Beweis ihrer Existenzberechtigung erbracht. Die segensreiche Tätigkeit unserer beiden Schwestern Rahel und Cilla wird von immer weiteren Kreisen in Anspruch genommen, und die hingebungsvolle und aufopfernde Arbeit dieser Schwestern erobert in immer steigendent Maße die Herzen auch derjenigen, die anfänglich diesem Unternehmen kühl gegenüberstanden. Das wird bezeugt durch mündlichen und schriftlichen Ausdruck der Dankbarkeit aller derer, welche direkt oder indirekt die Hilfe der Schwestern in Anspruch genommen, und durch die große Nachfrage, der wir bei weitem nicht Genüge leisten konnten. Obwohl wir seit dem 19. November v. I. zwei Schwestern beschäftigen, waren wir dock gezwungen 30 Gesuche um Nollpflege und eine erhebliche Anzahl Gesuche um Ambulanzbesuche abzulehnen, weil keine der Schwestern zu der entsprechenden Zeit dienstfrei war. Allerdings war der vorige Winter ein bedeutend harter, und unsere Schwestern waren ohne jede Ruhepause bis Ende April tätig. Diese überaus anstrengende Arbeit hatte beide Schwestern erheblich angegriffen; speziell Schwester Rahel bedurfte infolgedessen eines längeren Erholungsurlaubes. In diesem Berichtsjahre waren die Mitgliederbeiträge ein wenig, und die Entschädigungen für Pflege erheblich gestiegen, indessen sind auch die Ausgaben gewachsen und betragen mehr als das Doppelte des vorigen Jahres. Wir sind daher gezwungen,., um weitere Unterstützungen und wenn möglich um Erhöhung der Beiträge zu bitten. Das Kuratorium hat in gewohnter Weise seine Arbeit erledigt und bemüht sich, nach wie vor, jüdische junge Mädchen dem edlen Berufe der Krankenpflegerinnen zuzuführen. H. Bromberg, 28. November. Wir hatten die Aufmerksamkeit auf eine Notiz der „Gaz. Grud." gelenkt, die in gehässiger und aufhetzender Weise die Beteiligung der jüdischen Bewohner von Wongrowitz zugunsten der dortigen deutschen Stadtverordnetenkandidaten besprach. Das polnische Blättchen scheint nicht zu w.ssen oder will es jedenfalls in seinem blinden Eifer nicht wissen, daß, wie in vielen Städten Posens, auch in W. für die Stadtverordnetenwahlen schon seit vielen Jahren ein Kompromiß dahin besteht, daß die 18 Stadtverordneten zu je sechs von jeder der drei Konfessionen — evangelisch, katholisch, jüdisch — normiert und gewählt werden, und daß dieser Kompromiß auch bei den diesmaligen Wahlen beobachtet und gewahrt worden ist. Selbst das konservative „Bromberger Tageblatt" nimmt mit Entrüstung von den Schmähungen des Polenblattes Notiz und erklärt, „dieser Fall beweise wieder aufs neue, daß die Polen jeden Anlaß zur Hetze ergreifen und daß ihnen dazu jedes Mittel recht sei." — Die jüngsten Repräsentantenwahlen in unserer Gemeinde hatten folgendes Resultat: zu Repräsentanten wurden gewählt die Herren Kaufleute Moritz Meyersohn, Sally Schendel, Leo Brückmann, Willy Bärwald. Martin Schönfeld und Zahnarzt S. Jacobowski; als Stellvertreter die Kaufleute Herren Arno Ascher, Siefried Fink, Emil Chaskel und als Ersatzmann Herr Kaufmann Joseph Treumann. — Herr Bankdirektor Martin Friedländer wurde zum unbesoldeten Stadtrat gewählt. Dem hiesigen Magistratskollegium gehören nunmehr drei jüdische Bürger an, und zwar außer dem genannten Herrn Friedländer die Herren Geh. Kommerzienrat L. Aronfohn und Justizrat M. Bär Wald. Posen, 18. November. Gestern nachmittag fand hier in der Ritsche-Flatauschen Waisenerziehungsanstalt für Mädchen die Seelengedenkfeier für die verstorbenen Wohltäter statt. Die Anstalt ist von Herrn Isidor Flatau zum Andenken an seine Mutter, eine geborene Ritsche, gegründet worden und beherbergt jetzt 17 Zöglinge. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Präludium des Herrn Chordirigenten Seligmann. Darauf trug Herr Kantor Oswald das Minchagebet vor. Der hiesige Gemeindechor sang den 103. Psalm. Es folgte nun das Gebet eines Wäisenmädchens, worauf Herr Manasse Werner für das Seelenheil der verstorbenen Gönner der Anstalt betete. Er erwähnte den schweren Verlust, den sie durch den Tod des Herrn Gustav Kronthal. der Damen Lina Goldenring und Jda Schleyer im letzten Jahre erlitten hat. Da stets neue Gesuche um Aufnahme einliefen, müsse man immer wieder die Mildtätigkeit edler Menschen in Anspruch nehmen. Herr Oberkantor Leibowitz. sang das Li moIe raedLmim und darauf abwechselnd mit dem Damenchor ein sehr stimmungsvolles Lied. Mit einem tiefergreifenden Gesänge schloß die Feier. — Die hiesige Synagogengemeinde hat durch den Tod des Herrn Julius Wolffsohn ein sehr achtbares Mitglied verloren. Der Dahingeschiedene hat namentlich auf dem Gebiete der Wohltätigkeit Ersprießliches geleistet. Seit April 1885 im Ehrendienst der Armenverwaltung stehend, hat er mit außerordentlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit seines Ehrenamtes gewaltet und ist dadurch seinen jüngeren Mitarbeitern ein leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung, den ihm unterstellten Armeri ein väterlicher Freund und Berater gewesen. N. Breslau, 26. November. Die von dem verstorbenen Bankier Louis Hille und seiner gleichfalls verstorbenen Ehefrau Fanny, geb. Litt au er. begründete Stiftung hat nunmehr die königliche Bestätigung, erhalten. Der Stiftung, die einen interkonfessionellen Charakter hat, steht ein Kapital von etwa 1*/* Million zur Verfügung. Sie hat den Zweck, älteren, nicht mehr erwerbsfähigen Personen Wohnung und Verpflegung zu gewähren. Die Kuratoren der Siftung sind bekanntlich die Herren Bankier Hans Wachsmann (Inhaber des Bankhauses Louis Hille) in Breslau, .Professor Dr. med. Konrad Alexander in Breslau und Geheimer Justizrat Landgerichtsrat Dr. Ludwig Borchert in Berlin. 21. Hamburg, 25. November. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt kürzlich eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn I. Alexander ab. Zunächst wurde die Abrechnung für das Jahr 1908 einer dreigliedrigen Kommission überwiesen. Der Gemeindevorstand teilte mit, daß er dem Antrag der Repräsentanten, die Armenkommission der Gemeinde um drei weibliche Personen zu ergänzen, seine Zustimmung gegeben habe. Die von dem Gemeindevorstand dem Kollegium zur Mitgenehmigung vorgelegte Wahlordnung für die in diesem Jahr noch vorzunehmende Neuwahl der Repräsentanten wurde mit dem Amendement angenommen, daß die Feststellung des Wahlresultats öffentlich zu geschehen habe. — Den Hauptpunkt der Sitzung bildete das mit einem Defizit von 31000 Mark im Voranschlag gebrachte Gemeindebudget für 1910 Unter den Ausgaben figuriert an erster Stelle das Armenwesen mit 65000 Mark und das Schulwesen mit 67000 Mark. Diese beiden Positionen wurden ohne Debatte angenommen. Ebenso wurden die Zuschüsse für das Siechenheim und das Mädchenwaisenhaus der Gemeinde mit 7500 respektive 4000 Mark genehmigt. Zu lebhaften Auseinandersetzungen kam es bei der Position Begräbniswesen. Die eingesetzte Kommission wünscht die Uebernahme der Friedhofsverwaltung in Gemeinderegie. In anderen Großgemeinden habe sich dieses System wohl bewährt. Die Kommission habe jedoch bei dem Gemeindevorstand nicht das genügende Entgegenkommen gefunden. Nach längerer Debatte, an der sich unter anderem die Herren D. Münden und Paul Laskar beteiligten, wurde schließlich nachstehender Antrag der Herren Dr. Plaut und I. Ritter einstimmig angenommen: „Das Repräsentantenkollegium beschließt und ersucht den Gemeindevorstand, den Kontrakt des Friedhofsinspektors in Ohlsdorf auf den nächsten Termin zu kündigen und die Friedhofs- Verwaltung in erster Linie die des Friedhofs in Ohlsdorf in eigener Regie zu übernehmen bezw. eine Submission auszuschreiben." Die Ausgabeposition für das Begräbnis wesen wurde deshalb nur für sechs Monate