Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
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5S1 dex Khischest Bevölkerüng in Elsäß-Löthringen. Weüu man bemerkt) daß z. B/in: Posen die, jüdische Bevölkerung in den Jahrerr 1871- bis 1900. von. 61.982 auf 35,327 gesunken,ist, daß sich auMiW-Kornmern-, ein-MckKaug'konstätieren.läßt, so sieht man hoch, .wenn man die Ziffern für Preußen überblickt, daß zwischen dieser Abnahme und der -Zunahmein Brandenburg usw.gewisse Beziehungen, hergestellt werden können, die die ganze. Lage weniger beunruhigend erscheinen lassen.. Für die Reichslande aber sind solche Beziehungen nicht mit -positiver Sicherheit zu .bestimmen. ' -. Zunächst noch eine Frage: Woher kommt es, daß man so wenig.guf Tatsachen, gibh.hie am sichersten feststehen, wie . die Statistik? Ein Blicke in die Literatur, in die Presse, in die gebildeten, Kreise der Juden gibt die Antwort. Durch die allgemein geübte Gewohnheit der Zeitungen, statistische. Angaben entweder ohne Kommentar Wiederzugeben, oder. tendenziöse Bemerkungen an sie zu knüpfen, wird dem Publikum' die Möglichkeit verschlossen, die Statistik sachgemäß zu benutzen. Man.: kann dem Leser nicht zumuten, die zerstreuten,' um systematzsch dargebotenen Zahlen zu sammeln und zu einem Gesamtbild zu vereinigen' —. der einzige Weg, aus denselben irgend etwas. herauszuhplen. So,, wie man.' dem Publikum die-Ziffern vorführt, bestätigen 5 sie die Behauptung, ..mit der Statistik-, könne man. alles, Beweisen. Das Material. muß gesammelt, gruppiert , und in ein ^festes System -gefügt, werden.- Und diese. Arbeit kann der Lesernicht machen, die ' muß die Presse tun., Wenn, dann die Allgemeinheit sieht, daß. die Statistik in der Weise vor Mißbrauch-geschützt wird, ' wird sie sicherlichan diesem Stief- und Schmerzenskind der Wissenschaft das Interesse nehmen, das dasselbe beanspruchen kann. - ';: On Folgendem werden wir zunächst die reinen Tatsachen gehen und dann besprechen, wie man sich in den Reichslandett denselben gegenüber verhält. / - . ’ Von IO OOO- Einwohnern 5 . Gesamtbevölkerung . Juden . waren Juden , . 1871 1549 735 ' 40L12 ' . 265 - '7 - -7,'5i- 7 1875 '1 531:704 . ' G,902 / : ..256 : .' 7 1880 . 1 566 670 39 278 7 , 250- - . .. ' 1885 - 1 564-355 - 36 876 -7 - /. 236 . ' .. .. 7 1890 1 603 58h 34 645 .216, . 1895 1,640 986, 32859 7, 7 200 - ';,. - 1900 .-719 470 ' 32'264 7 ,188 : ... /; .. > -Die Tabelle geigt eine äb s 0 lute und r elat-i d e Abnahme der Juden. ' Um den Lesern ein Bild vom der Stärke'dieses Rückganges zu geben, führenwir-die Zahlen für das Deutsch e Reich.anr ^' - - -V;:' .... -•>- / . Won? IttöOOEinwohnern . ’ . ... Gesamtbevölkerung Juden .. .. waren.Juden i- .7 1871:.: s:.41;05$,7;92. 512153.;:;5,424,7 / . : t -1880. . .45234 061 . . 5.61 612. .124,0 - . '7 180h. ,7.49 428 470 / 7,563 172 a 5 414^ . : ... . , 1900,.; .5&367 128 : . 57.6 833^ 5 104,1 ' T)ie'beiden Tabellen zeigen,' 'hast die jüdische Bevölkerung, in hen ReichsAnden hinsichtlich ihrer Vermehrung^ nichtnur. Untep/ihren LäNd'sleüten,' '-sönderü^Mch' Hmter-Hrey.M.äü^ genofftn im Reich erheblich zürückgeblietzen fist.^ Das ist schon' aus der Tatsache ersichtlich, daß sich' diese in derselben Zeltum- 75 00O'Seelen v ermehrt haben-'' in -der die reichsläNöischen Juden um 8500 - z Urückgeg ang tn find/';Der Unterschied tritt ln-den Anteilzahlen äüi deutlichsten,tzervvr^''^Amk,Peutscheu 'Reich sänka'dxr. '' 'Untest^'vvn ,lä5 . 'aüf,.'.'10^/..M..Maß-' Lothringen von 265 äüß488;.boxt iint-1.6,B ApioYeTil,'-^)iejc' um 29,4 Prozent.' Das sind die einfachen ' näMn. .Ha^Kchen;. Ueberblickew wir einmal die verschiedenen Beträchtüngsarten, I denen . man bei den verschiedenen Parteien diese Bewegung unterwirft/ Während die religiösen Elemente sichum die Vermehrung oder Verminderung derer, die nicht zu ihrer Fahne stehen, absolut nicht kümmern, stürzt man sich - in neuerer Zeit im nationalen Lägermit Eiset -auf den Fund Dabei kalkuliert mmn — etwas unwissenschaftlich, aber höchst einfach. und praktisch — ungefähr folgendermäßen: Die öko^ yomische Lage der Juden 5 aus dem Land. wird durch die natürliche Entwicklung der Verkehrs- und, Handelsverhältnisse usw.. einerseits und anderseits durch gesetzliche- Maßnahmen und andere staatliche Maßregeln so ungünstig, daß die.Juden sich wirtschaftlich nicht mehr halten können und answandern. Diese Auswanderung ist aber — ungeregelt, sv , daß viele. Auswanderer wirtschaftlich verunglücken, und sie Muß.daher eine systematische Regelung^ erhalten. — nach. Zion! — Man 'sieht, der Wunsch war der Vater des Gedankens, und die .süfie" -Hoffnung', 'ist'.' stätiv,' geworden., -Diese Än-> fchäüüng übersteht doch gar mancherlei. Ein Vergleich mit den Verhältnissen in den Bundesstaaten dürfte schon, genügenzu zeigen, daß mit dieser einfachen Deduktion die Sache nicht abgetan'.'werden känn.7"In'Preußen z..B., wo die .Wirtschaft-; liche Lage der Juden doch sicher keine bessere ist, sank, dev Anteil in dem gleichen Zeitraum nur! von 132 auf 114, in Bayern von'104 änf 89, im benachbarten Baden von 176 äüf 140 usw., Daß man also mit, dieser vereinfachten Logik der Erscheinung nicht aus' den Grund komnit, dürfte wohl klar sein. ' i' '7 . -; v -Noch weniger gründlich ist eine andere beliebte Methode,^ die wir npr . der Vollständigkeit halber; Wied ergeben/ Diese nimmt von vornherein die Tatsachen nicht, wie siesind. Sie blinzelt durch, die farbige Brjlle. des Chauvinismus ünäwundert sich/dann, daß nicht alle Leute. die .Sachlage, in derselben Färbung . und denselben Umrissen sehen, wie. sie;--.- vier Tendenz .' ergibt sich dabei.natürlich nach Wunsch.'/Jnner-l hn l b dieser: Anschauung aber, wird. hüben und ^drüben gefehlt," von Aingewanderten wie von Einheimischen- Und. ein Streit um die "Priorität-- oder Z.ar,nm den Graddes Ehauvinismus dürfte unentschieden bleibe.n.-Da^Charakteristisches dieser Anschauung, ist im/ganzen neben..der Verkeünung.:der nnckten ^Sachlage . das,.-kriMoie Mnrcheinanderwerfmr der.- verschiedensten: für; die ^Bevölkerungsbewegung in Betracht kommenden Faktoren. Man .wird verstehen,; warum: wir be?, merkten, daß diese.Anschauung nur der;Bollständigkeit halber hier'Plätz' findet. . Sie hält einer. ernsthaftewPrüfung in ,keiner Weise 7^stantyrst7,aber 7^ wie sich, aus den politischen VerhältnisseN erklären läßt ^^m. .Msaß-Lythringen vertreten.^ -- .. '.Der größte Teil - derr'eichsländischen Juden > aber 'weißnichts von alledtzm>mnd-rvenn eL- 'es Wüßte, ivürdees lh'n auch nicht weiter: intevessierett/ Einen-allen Parteien ^gemeinfamen' Grundfehler müssenwir in nerster Linie feststellew undcköÄWMn" Man.hastet^.zu;sehr an dein GesamtbiM-Änfi Kht einzelne. ->'L)hne- MtzDßMdtz IIMrsüWng ^anDklestzu wollen, . geben wir hier V'!,7v7; 1885.7 1:/»]; Straßbmg'-Stad>t/i.371i;s r:4017. - . ili 4605 ^/ . Mülhausen . ' ^'^3827:?^ MStäffiZ’. 5;;-j 365ÖHra . Gosmar D .^2849^.:/- 2728 v ..... j/1397 /;.■ 13705/;;; 13245a-!- Straßburg-Land/'. v'2815 . -2602.. J 2367; i . •4tä\n-h\: :;MTp ,/2258/^:: ,2092^;/- ^a'2Q25^rs-; .MsteW . /-ijü;.,,-;;- .jb2307;:.? v/2025 ,;:-i882i<2 6272-7-