Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 580 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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jbie Hilfe der berufsmäßigen Missionare.; Die allermeisten „Neubekehrten" sind Produkte äußerer Erwägungen, und sie bedeuten für das Judentum keinen Verlust-und: für das Christentum keinen Gewinn. Will man in Wirklichkeit den Unglauben bekämpfen,-dann hat man alle Ursache, das. Judentum zu stärken' und nicht zu schwächen. Denn man bereitet der Tochter keine Freude, wenn man in ihrem Namen die Mutter beschimpft. Wir Juden haben nie Proselytenmacherei getrieben, ja. unser Gesetz schreibt vor, daß man den Proselyten auf die Schwierigkeiten des.jüdischen Glaubens hinweist und ihm von, seinem folgenschweren Schritt äbrät. Wir ehren und achten jede religiöse Ueberzeugung rmd haben, wohl. das Recht,zu verlangen, daß man uns gegenüber dieselbe Taktikbefolge. Wie gesagt, es ist selten von der Mission etwas Gutes zu berichten-. Um so erfreulicher ist' eswenn man auch bei der Mission eine gesunde Erkenntnis trifft, In der Hamburger Missionszeitschrist „Rettungsanker" (Nr. 8, 1909) finden . wir folgende Betrachtung: „Bei dem Namen „Jude" läuft es manchem Menschen unter: den.sogenannten Christen kalt über, und es ist durch Unwissen-: heit einerseits und Ueberhebung und Mangel an Liebe anderseits dahin gekommen, daß in vieler Herzen, ja sogar in großen und weiten Kreisen das Volk der Juden als ab getan , gilt. Auf deutsch gesagt, man hat die Juden gar nicht mehr „auf der Rechnung", man betrachtet sie lediglich nur noch als notwendiges /siebel. . Als ich kürzlich.in unserer Sonntagsschule die Frage stellte: .„Kinder, habtihr die Juden lieb?" Da"kam die Chorantwort wie aus . einem Münde: „Neins" Hier müssen wir einsetzen, wenn unser - Blick erweitert, unser Herz gegründet und unsere Arbeit im- Reiche Gottes gesegnet werden soll:- Israel hat dennoch Gott zum Trost, und ich bin - überzeugt,' die Augen - Jehovas' haben noch keinen - -der Söhne' Jakobs äüßbr acht gelassen! Israel ist und bleibt das auserwählte tzolk '.Gottes, das. Volk des Eigentums, der Träger aller köstlichen . Verheißungen, und wenn es zurzeit noch in der Verbannung schmachtet, Gott löst sein Wort ein."- .. Natürlich sind, unsere Antisemiten darüber entrüstet. Sie kokettieren zwar gern, wenn es das Geschäft erfordert, mit christlicher Frömmigkeit, aber sie möchten sich ein echt germanisches Christentum - konstruieren, das pom alten, Bunde ganz losgelöst ist, und sie begreifen nicht, daß sie dadurch die Wurzel des Christentums vernichten: Ist doch in den letzten Jahren sogar wiederholt der törichte Versuch gemacht worden, Christus zum Arier zu machen. Diese neuen Retter des „verjudeten Christentums" sind nicht immer gegen jüdische Proselyten, sie haben sich ihrer sogar oft zu ihren Zwecken bedient,, aber, diese neuen Christen müssen sich durch ihre antisemitische Gesinnung legitimieren, um Gnade zu finden. Dr. David Einhorn (1909 bis 1879). . :: Nur wenig Erfreuliches istanzusügem - Dazu gehört der von uns - bereits mitgeteilte Beschluß der Hamburger Gemeindebehörden, daß jüdische Geistliche bei- Leichenverbrennungen Mitwirken dürfen, der umt e r Zustimmung ' der Prediger Dr. LeiMdörser und Dr. Sonderling gefaßt wurde. Ferner, daß die liberale Bewegung in Paris, wie einem Privatbriefe zu entnehmen ist, rüstig, fortschreitet. Dort., fand am 7. November eine Gastpredigt des Herrn Rabbiners Leonard Levy aus Pittsburg.statt über das Thema: „Was gewinnen wir durch die Reform?" Die Teilnahme des Publikumswar so groß, daß 200 Personen keinen Einlaß finden konnten. Endlich berichtet ,/lbe Llyrmog bieacler", daß zu London in der New Westend Synagoge ein Nachmittagsgottesdienst am Sonnabend unter außerordentlicher Beteiligung abgehalten wurde. Er ~ bestand hauptsächlich in englischen Gebeten, , Gesängen und^ einer Predigt, des Dr. Io s. Hochmann, Glückauf! Eur Lrinnrrung an Dayid Lmhoxn hat die Kar 8inai Googregatiou in Baltimore, deren RabbinerKinhorn von 1855 bis 1861 war, ein .Schriftchen herausgegeben,.,■ mit einem Bilde geziert, das wir in dieser Nummer bringen. Es enthält die: Antrittsrede, die David Einhorn in der genannten Gemeinde am 29. September 1855 gehalten hat^, nebst persönlichen Erinnerungen an den vortrefflichen Mann.. Die letzteren^ sind von Salomon Lauer niedergeschrieben, der bei dem Eintritt des Rabbiners in Amerika ein. achtjähriger Knabe war und das Glück hatte,, oft im .Haufe des- Geistlichen zu verkehren. Sie - würdigenin pietätvollere Weise den. Prediger, -. den Lehrer, .den freundlichen Wirt, den ' Geistlichen besonders - in der-Veranstaltung von Konfirmationen. David- Einhorn ist ' am 10. November 1809 geboren und "1879 gestorben. Heute soll nur, wenn auch leidet etwas verspätet, dieses Tages gedacht werden; eine' Würdigung des ausgezeichneten . Mannes, eineS der Hauptbegründer der reförmatorischen Richtung.in Ameri.kasoll auf Grund bon Publikationen, die anläßlich des Gedenke tages aus seiner zweiten Heimat sicher zu erwarten sind, später versucht werden. L. G. Die jüdische Leoölkerung in Mah-Lothringen (1871 bis . Von Ernst Waller stein-Straßburg:- ^^^ir wollen in diesen Zeilen eine Erscheinung besprechen; V V' die, so auffallend sie an und für sich ist, doch irstden weitesten Kreisen unbekannt ist und daher absolut nicht der Beachtung gewürdigt wird, die sie verdient. Dabei trifft - es sich, daß die'sich anr wenigsten um dieselbe kümmern, die sie in erster Linie an geht? ' Diese Erscheinung ist die rapide Abttähm'e