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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-26 · Heft 48 (26.11.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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.:'.-- 2 : beizutragen. Herr Rabbiner Dr.Loevy dankte jedem Redner besonders! - und ' versprach, auch irr Zukunft dem Gemeinwohl sein-.Leben, zä - weihen. Auch von den früheren .Tätigkeitsorten' Göttingen und y Birkenfeld waren eine Menge Telegramme) Glückwünsche und Freund^ schaftsbeweise eingetroffen.- ' - -? U. Bromberg, 18. November. „Die alte Geschichte, die ewig , > neu bleibt!" Weil sich in Wongrowitz die jüdischen Bewohner bei 'den Stadtverordneten Wahlen der deutschen Partei angeschlossen und dieser so mit zum Siege verhölsen haben, schreibt' die wutentbrannte ' „ Gazeta Grudziowzkä“: „Als " Antwort auf dieses Verhalten dürste kein Pole den jüdischen Blutegeln (sie!) auch nur einen Groschen hin- ' tragen. Mögen unsere dortigen Nationalgenossen dafür sorgen, baß es so geschieht! Mögen die Jüdchen hinausfliegen aus' Wongrowitz - nach dem neuen Palästina — Berlin! Bei den kommenden Wahlen werden dann die polnischen Kandidaten siegen." Das polnische Blatt ' empfiehlt hier wiederum den Boykott als Üniversalmittel, das kaum bei dem gesunden Sinn der polnischen Bürgerschaft in Wongrowitz die erwartete Wirkung haben wird. Wir würden von dem Wutausbruch jenes. Blattes kaum Notiz genommen haben, wenn es nicht von Zeit zu Zeit angebracht wäre, auf die eigenartige Stellung, die die Juden in best polnisch-deutschen Städten einnehmen, hinzuweisen und namentlich zu zeigen, wie schwer es ihnen von allen Seiten ge- ' macht wird, für die deutsche Sache einzntreten. H. W. Posen, 18. November. Auf Anordnung des hiesigen Generalkommandos hat in diesenl Jahre wieder wie in früherer Zeit die Vorvereidigung der jüdischen Rekruten stattgefunden. Zu der militärischen Feier hatten sich viele Mitglieder der Gemeinde ' eingefunden. Herr Oberräbbin'er Dr. W. Feil che nselb ermahnte die junge Mannschaft zur Erfüllung ihrer Berusspslichten und zum Gehorsam gegen die Vorgesetzten. Dem jüdischen Soldaten liege es ganz besonders ob, in und außer dem Dienste sich so zu verhalten, daß kein Anlaß zu einer Unzüfriedenheit vorliege. Er legte den.' jungen Leuten auch ans Herz, in allen Verhältnissen des Dienstes den! Glauben der Väter nicht zu vergessen. Gesang und Gebet für den Landesvater beschlossen den feierlichen Akt.; ' N Breslau, 17. November. Am Freitag, den 12. d. M., feiert/ -der Primärarzt der inneren Abteilung am israelitischen Kranken^ hause, Herr Sanitätsrat Dr. Sandberg, einer der bekanntesten ' und beliebtesten Aerzte unserer Stadt, seinen 60. Geburtstag. Mittags um 12 Uhr fand in der Wohnung des Jubilars ein Festakt statt? zu dem sich außer einer großen Zahl von Verehrern und Freunden auch Abordnungen des Krankenhausvorstandes und des jüdischen Schwesternheims, sowie die Primärärzte und Assistenzärzte des Krankenhauses eingefunden hatten. Namens des Kuratoriums des israelitischen Krankenhauses gratulierte Herr Eduard Sachs, der in eindrucksvoller Rede die Verdienste feierte, die sich der Jubilar während einer mehr als 30 jährigen Tätigkeit um das Krankenhaus erworben hat. Herr Sanitätsrat Dr. Reich überbrachte die Glückwünsche des Vorstandes des jüdischen Schwesterheims, zu dessen Begründern und eifrigsten Förderern Sanitätsrat Sandberg gehört. IV. Liegnitz, im November. Das „Liegnitzer Tageblatt" brachte dieser Tage folgende Notiz: „Ein Verzweifelter". „Sägen Sie mir, zu welchem Gott soll ich beten" — mit diesen Worten hielt in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr ein'junger Mann einen friedlich auf dem Heimweg wandelnden älteren Herrn aus der Goldberger Straße an. Der Herr, welcher infolge des aufgeregten Wesens des jungen Mannes glaubte, daß dieser angetrunken sei, wies ihn ab und sagte, daß er müde sei und deshalb keine Zeit für jenen habe. „Nein Sie müssen mich anhören, denn noch in dieser Nacht werde ich sterben, und vorher muß ich beten." rief nun der junge Mann und erzählte dem Herrn in kurz abgebrochenen Sätzen folgendes: Er habe seinem Prinzipal, einem hiesigen Kaufmann, eine größere Summe unterschlagen und am'Sonnabend, beim Abschluß der Bücher, lei seine Verfehlung zur Kenntnis des Prinzipals gekommen. Dieser werde' die Sache zur Anzeige bringen. Daß die Leute aber nunmehr mit Fingerst astf ihn zeigen würden, das könne er nicht aushalten, und darum müsse er sterben. Er habe sich einen Revolver, gekäusk, und noch vor 5 Uhr früb müsse er sich erschießen. Jetzt wolle er, da er Jude sei, nur wissen, welches der'„beste Gott" sei, und zu diesem wolle vorher beten.^Aer Herr setzte nun in ruhiger Weise dem 'veMpe-Ätsn jN^genDst^m auseinander. Haß or als Christ den . ChUsteNlWt für''>sden'chKsten halten--müsse, 'denn dieser sei ein Gott der'Liebe und der Vergebung, der auch den Sünder nicht verwerfe/ ' tyestN-.erM^este und dasMestrebtzn^der'Besserung zeige; der.Gott des Alten Testgments sei dagegen ein Gott der Gerechtigkeit und. des Gerichts. Aber auch zu diesem könne er beten, denn nur die Ansicht dex.Hhristewund Juden über das Wesen.Gottes.sei.verschiedene der Gott sei ein und derselbe. Auch rate er ihm. nicht durch Selbstmord die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen; er möge sich am andern Tage .sofort selbst dem Gericht stellen und seine Schuld offen bekennen. Zu diesem übermittelte ein Berliner Leser dem „Liegnitzer Tageblatt" folgendes „Eingesandt": Dem freundlichen Herrn, der dem „Verzweifelten" (vergl. Nr. 222 d. Bl.) den Unterschied des Christengottes-., vom Judengott auseinandersetzte, ist bei der Beurteilung des letzteren ein Irrtum unterlaufen: auch der Gott des Alten Testaments ist ^ein Gott der Liebe und der Vergebung, wie zahlreiche Bibelstellen beweisen: „Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldige und von. großer Gnade und Treue! Der da bewähret-Gnade bis ins tausendste Geschlecht und vergibt Missetat, Uebertretung und Sünde" (2./Buch Mos. 34, 6 u. 7). „Barmherzig und gnädig, ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Wie ein Vater sich erbarmt über Kinder, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten" (Psalm 103, 8. 10 und 13). „Der Gottlose lasse von seinem Wege, und der Uebeltäter seine-Gedanken, und bekehre sich zum Herrn, so wird er sich sein erbarmen,, und zu unserm Gott, 'denn bei ihm ist viel Vergebung" (Jes. 55, 7). . „So wahr als ich lebe, spricht der Herr, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosest, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe" (Hesekiel 33, 11) u. a. *** Bremen, 15. November. Das hiesige Komitee für hilfsbedürftige durchreisende Juden versendet nachstehenden Bericht -über seine Tätigkeit im Jahre. 1908. „In bezug auf die Auswanderung-ist das Berichtsjahr 1908 ein stilles Jahr zu nennen, besonders wenn man es mit dem Jahr 1907 in Vergleich zieht. Die schwere wirtschaftliche Krisis, die in den Vereinigten Staaten während des letzten Jahres anhielt, hat einen ganz gewaltigen Rückgang der Auswanderung nach Nordamerika hervorgerusen. Selbstredend hat auch die jüdische Auswanderung dorthin stark nachgelassen, wenn auch nicht in dem Maße, wie die allgemeine. Immerhin wanderten im Jahre 1908 über Bremen nach. Amerika 9345 Juden aus: nach New Iork-Baltimore 8301, Argentinien 661, Brasilien 46, Galveston 337. Ein großer Teil der jüdischen Auswanderer hat die Hilfe unseres Instituts in Anspruch genommen. Vielen Hunderten wurde Auskunft über Reise und Einwanderungsbedingungen, sowie über die Lebens¬ und Arbeitsverhältnisse in den von ihnen gewählten Jmmigrationsländern. In einigen Füllen sahen wir uns veranlaßt, durch die russisch-jüdische Presse auf das betrügerische Treiben russischer Agenten oder vielmehr Emigrantenschlepper aufmerksam zu machen. Es gibt noch immer russische Agenten, die dem armen. Auswanderer das Geld abnehmen, ihnen Schiffskartenanweisungen geben, .sie ^nach Bremen abschicken, es aber unterlassen, .das Geld für die vollbezahlte Schiffskarte dem Schiffsexpedienten oder dem Lloyd in Bremen zu überweisen. In einem Falle ist es uns gelungen, einem solchen Schwindelagenten das Handwerk zu legen. Da dieser Fall durch die jüdische Presse in Rußland in den breitesten Schichten der auswanderungslustigen Juden bekannt wurde, so wird dies zugleich als Warnung und abschreckendes Beispiel dienen für andere unredliche Emigrantenschlepper. Wie in früheren Jahren wandten sich an uns um Rat auch in diesem Berichtsjahre jüdische Frauen, deren Männer schon früher nach Nordamerika oder Argentinien ausgewandert waren, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. Wir ermöglichten diesen verlassenen Frauen die Uebersahrt " nach Amerika und gaben, ihnen Empfehlungsschreiben an unsere'dvrtigen„Freunde mit, durch deren Hilfe sie ihre Männer aufsuchen konnten, um das-Eheleben zu erneuern oder die gesetzliche Scheidung zu erlangen. Einige hundert Auswanderer, die in ihrem Aeußern ganz vernachlässigt und verwahrlost hierher kamen, wurden von uns mit Kleidung. Wäsche und Schuhen versehen. Da wir in diesem Jahre so viele verarmte < i *

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