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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-26 · Heft 48 (26.11.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang Nr. 48. Der OemetndeLote. Berlin, 26. November 1909* Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". Sorrelponden?m und Mschrichtrn. - Deutschland. — Berlin, 23. November. In dem soeben vom Reichsamt des Innern zur Publikation gelangenden vorläufigen Entwurf der Novelle zum Gesetz betreffend die Regelung der Sonntagsruhe befindet sich auch eine Bestimmung.spezifisch jüdischen Interesses. Der Entwurf sieht nämlich vor, daß in jenen Geschäftsbetrieben, deren jüdische Inhaber an den israelitischen Feiertagen die Arbeit völlig ruhen lassen und ihre Betriebsstellen geschlossen halten, die jüdischen Angestellten am Sonntag bis zur Dauer von drei Stunden beschäftigt werden können. Voraussetzung ist ferner, daß die Beschäftigung in geschlossenen Geschäftsräumen erfolgt. Diese Ausnahmebestimmung zugunsten der aus religiösen Gründen an der traditionellen strengen Sabbatruhe festhaltenden jüdischen Geschäfte ist indes nicht als gesetzliches Obligatorium in Aussicht genommen, sondern ihre Anwendung von dem Ermessen der lokalen respektive oberen Verwaltungsbehörde abhängig gemacht. Nach dem vorläufigen Entwurf kann die Versagung dieses Zugeständnisses an die am.Sabbat schließenden jüdischen Geschäftsleute seitens der lokalen Behörde ersetzt werden durch einfache Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde. Auch wer nicht auf dem streng traditionellen Boden steht, wird das in dieser Bestimmung enthaltene Entgegenkommen des Reichsamts des Innern in einer Frage, die für viele unserer Glaubensgemeinschaft eine Gewissensfrage ist, nur freudig anerkennen. Sie dient fraglos bis zu einem gewissen Grade dem Schutze der Gewissensfreiheit. Dafür einzutreten aber ist der Ausfluß gerade liberaler Weltanschauung. Wünschenswert wäre nur, daß diese dankenswerte Bestimmung zugunsten strengreligiöser jüdischer Geschäftsleute dem diskretionären Ermessen der Behörde entzogen und ihr der Stempel eines gesetzlichen Obligatoriums aufgedrückt würde. Schon um der Einheitlichkeit willen, damit den jüdischen Geschäftsleuten, die von dieser Ausnahmebestimmung Gebrauch machen wollen, nicht etwa im schächtverbotsreudigen Angermünde untersagt ist oder nicht zustehe, was ihnen in Stettin anstandslos gestattet wird. Berkin, 23. November. Der Etat des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde für die Zeit vom 1. April 1910 bis dahin 1913 weist eine bedeutende Erhöhung gegen die Vorjahre aus, welche durch die stets wachsenden Anforderungen an moderne Krankenpflege, aber auch durch die steigenden Gehälter der angestellten Beamten und des Warte- und Dienstpersonals, entstehen. Hierbei kommt noch in Betracht, daß durch die Ausdehnung des Krankenkassenwesens für viele jüdische Arbeiter, Lehrlinge nsw. die Kassen die Verpflegungskosten tragen, was bisher nicht in solchem Maße der Fall war. Selbstverständlich aber findet jeder arme Kranke unentgeltliche Aufnahme, so daß im jüdischen Krankenhause für alle Kranken gesorgt ist, die aus rituellen Rücksichten oder aus anderen Gründen diese Anstalt aussuchen. Die Pläne für den Bau des neuen Krankenhauses, welches in der Exerzierstraße belegen sein wird, sind soweit fertiggestellt, daß mit dem Beginn des Baues wohl gerechnet werden kann. *** Berlin, 23. November. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sprach am .16. d. M. Rabbiner Dr. Ackermann-Brandenburg über das Thema: „Ein Kapitel aus der Geschichte der Berliner Inden". Redner gab . ein ausführliches, auf archivalischen Spezialstudien beruhendes Bild von der Stellung und der tragischen Geschichte des brandenburgischen Münzjuden Lippold, der unter der Anklage, den Kurfürsten Joachim II. vergiftet zu haben, im Jahre 1573 hingerichtet wurde. Fern von aller Schönfärberei schilderte Redner den vielfach abstoßenden Charakter Lippolds und stellte ihn als das unglückliche. Opfer einer verblendeten, in den finstersten Wahnvorstellungen befangenen Zeithin, für dessen Unschuld zuerst kein Geringerer als Moses Mendelssohn eintrat. Der Vor. trag, der besonders interessante Streiflichter auf das Treiben am Hose des Hohenzollernfürsten warf, fand reichen Beifall. Aus den auswärtigen Vereinen: In Lippstadt sprach Lehrer Levisohn über Karpeles; Dr. Poritzky-Berlin über Hermann Heijermanns; in Camberg, Rabbiner Dr. E. Seligmann-Frankfurt a. M. über „Deutschtum und Judentum"; in Oppeln, Frau Regina Neißer- Breslau: „Die Berliner und Wiener Salons"; in Benthen, Rabbiner Dr. Goldmann-Oppeln über „Soziale und wissenschaftliche Strömungen des Judentums im 19. Jahrhundert"; in Myslowitz, Lehrer Berlin ger-Breslau: „Eine führende Persönlichkeit ans der Renaissance des Judentums im 19. Jahrhundert"; in Pleß, Rabbiner Dr. Braunschweiger-Kattowitz: 1. Gedenkrede auf Karpeles, 2. „Gabirol als Dichter und Denker"; in Fordon,Herr B. Loewenthal-Graudenz: „Ein Gang durch die moderne jüdische. Literatur"; in Kottbus, Privatdozent Dr. Falk Genf über Moses Mendelssohn als deutscher Dichter und Schriftsteller; in Köln a. Rh, Rabbiner Dr. L. Rosenthal über „Schiller und die Bibel". Ein neuer Verein ist in Fritzlar begründet worden. Den ersten Vortrag hielt dort Rabbiner Dr. Doctor-Kassel über „Gekrönte-Proselyten". *** Berlin, 19. November. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen U. O. B. B.) hat im Monat Oktober durch seine Vermittlung, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vollständig kostenlos erfolgt, 246 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 98 Personen vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. Der Verein unterhält eine Schreibstube, in welcher Vervielfältigungen und Schreibarbeiten aller Art. sowie Anfertigungen von Offert- und Reklamebriefen, Adressenschreiben, Versand von Drucksachen, Katalogen ufw.. zu billigster Preisnotierung sauber und exakt ausgeführt werden. D. III. Graudenz, 20. November. Das 2 5j ähr i g e Amt sjubiläum des Herrn Rabbiners Dr. Loevh in Graudenz in Verbindung mit seiner silbernen Hochzeit gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Des Morgens schon liefen viele Blumenspenden und wertvolle Geschenke ein, und das ging ohne Unterbrechung bis zum Nachmittag so fort. Zur Visitenzeit begann der lange Zug von Gratulanten und Abordnungen. Im Namen des Vorstandes der Synagogengemeinde brachte Herr Kommerzienrat Belgard Und namens des Repräsentantenkollegiums Herr Philipp Reich die Glückwünsche der Gemeinde zum Ausdruck. Die Gemeinde widmete ein Ehrengeschenk in Form eines kostbaren Silberkastens: Für den Israelitischen Wohltätigkeitsverein sprach Herr Stad trat Herz selb, für den Israelitischen Beerdigungsverein Herr Albert Jacobsohn, für den Israelitischen Frauenverein Frau Kommerzienrat Belgard. für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Lehrer Mannheim, für den Israelitischen Krankenunterstützungsverein Herr Apothekenbesitzer Birnbaum, für den Israelitischen Jungfrauenverein Fräulein Gertrud Altmann, für den Verein gegen.den jüdischen Wanderbettel Herr Bankier Jakob Bohm. In all diesen Vereinen ist der Gefeierte entweder Vorsitzender, Ehrenmitglied oder Vorstandsmitglied. Jeder. Verein spendete eine Widmung in irgendeiner Form. Daran reihten sich die Ansprachen des Herrn Schulrats Dr. Kaphahn für den Tierschutzverein, des Herrn Stadtbaurats a. D. Witt für den Gewerbeverein, in welchem Herr Rabbiner Dr. Loevy ebenfalls Vorstandsmitglied ist, ferner des Herrn Architekten Leb ins als stellvertretenden Vorsitzenden der Sanitätskolonne vom „Roten Kreuz", zu deren Ehrenvorstand Herr Dr. L. gehört. Besonders herzliche Worte sprach der Direktor der königlichen Strafanstalt Herr Storz. Herr Direktor Knuth von der Viktoriaschule überbrachte die Glückwünsche des Lehrerkollegiums und hob die segensreiche Tätigkeit des Gefeierten als Religionslehrer der Schule besonders hervor. Herr Direktor Grott tat ein gleiches namens der Oberrealschule und brachte ferner züm Ausdruck, daß es der Jubilar verstanden habe, zu dem ausgezeichneten Verhältnis zwischen den einzelnen Konfessionen in hervorragendem Maße

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