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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-26 · Heft 48 (26.11.1909) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
Seite 567 (sequence 3)
Language
German
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erwirken, daß nicht nur der augenblicklichen Not abgeholfen, sondern daß gar manche Familieder ihr entsprechenden Erwerbstätigkeit zugesührt werden könnte. — — ■ Ich muß mich aufs entschiedenste dagegen verwahren, als wollte ich auch nur im allergeringsten mit diesen Bemerkungen unserer - Armenverwaltung oder der irgendeiner anderen Großgemeinde einen Vorwurf machen. Es sind Anschauungen, die ich aus allgemeinen Erwägungen ausspreche, und ich bin gern bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, wenn ich mich irre. . .,;i Dir Woche. Berlin, 23. November, der siebenten deutschen Nationalkonferenz zur yI Bekämpfung des Mädchenhandels wurde ein Vortrag „Die Stellung der Frauen zum Mädchenhandel , und seine Bekämpfung" von Fräulein Bertha Pappenheim aus Frankfurt a. M. gehalten. Rednerin nahm auf ihre, während ihrer Reisen in Rumänien usw. gemachten Erfahrungen Bezug und stellte das folgende Bekämpfungsprogramm auf: die Rettung der Opfer, Bestrafung der Verbrecher (Mädchenhündler), Aufsuchung der Quellen und Ver-. Hütung des Nebels. Daß hier von Juden und mit jüdischen Mädchen entsetzliche Verbrechen getrieben werden, ist leider eine offenkundige Tatsache; man darf vor solchen Greueln die Augen nicht verschließen, muß vielmehr jeden Schritt, der zur Abstellung solch entsetzlicher Taten an der Menschheit geschieht, billigem und unterstützen. Gewiß darf man, ohne in eitle Selbstrühmung zu verfallen, sagen, daß Juden im allgemeinen, wie ihre Kinder so auch ihre Untergebenen, gut behandeln; kommt einmal ein Fall vor, wo sich das Gegenteil zeigt, wie er in einem neuerlichen Prozeß aufgerollt worden, der schon mehrfach die Gerichte beschäftigt hatte, so muß man nur der Verrohung der einzelnen, darf aber nicht dem Judentum schuld geben. Und darum kann man auch einen'Sensationsartikel, wie ihn das ^Deutsche Volksblatt" zu Wien (13. und 14. November) bringt ^nAudMhänden. Die Leiden eines Dienstmädchens" ruhig entweder geradezu ins Reich der Fabel verweisen, oder mindestens übertrieben nennen; ■ die Erzählungen, wie hier einem Dienstmädchen von einer jüdischen Herrschaft mitgespielt sein soll, sind gewiß zum mindesten stark übertrieben, ft' Dasselbe Wiener Blatt fabriziert noch unglaublichere .Märchen. Es verbreitet nämlich die Räubergeschichte, daß die Polizei' ist Jrkuts k eine jüdische Flugschrift beschlagnahmt hat, in der.aufgefordert wurde, die jüdische Herrschaft über die Welt zu verbreiten. Die zitierte Stelle aus dieser . Schrift soll lauten: ... ... „Der Knechtschaft, welche das Christentum über alle europäischen Staaten und Völker verhängt hat, ist schon das Ende gekommen. Diese Sklaverei ist abgeschafft worden, und die Völker Europas müssen endlich die Freiheit erlangen. Diese Freiheit bekommt aber die Welt nur aus der Hand des jüdischen Volkes, desselben Volkes, - welches vor neunzehn Jahrhunderten den Urheber dieser Knechtschaft mit dem schimpflichsten Tode bestrafte. Vermeidet und tretet nicht in die monarchistischen und ihnen ähnlichenVerbände ein, weil sie nichts sind, denn die Macht gehört uns Juden allein. Uns gehört die Industrie, Handel, Bankwesen, Börse und das ganze Geld der Welt. Wir beherrschen die öffentliche Meinung und die Presse. Die Regierungen sind gegen uns ohnmächtig und müssen das tun, was wrr ihnen befehlen.? Wir . dringen im die Armee ein, die bald auf unserer . Seite stehen wird. Ihr müßt mit uns gehen,? weil wir die allmächtige Gewalt repräsentieren und weil wir die einzigen sind/ welche euch von der Sklaverei, des Christentums befreien können." * Wer die-antisemitische Rüstkammer kennt, der weiß, was er von diesen Ausführungen zu halten hat. Man korrigiert einfach die Wahrheit und fabriziert jüdische geheime Protokolle. Glücklicherweise ist in antisemitischen Aedattionen kaum! ein einziger,, der an die Echtheit dieses „Aufrufes" glaubt. Psychologisch unbegreiflich ist. es uns aber, daß es im 20. Jahrhundert in Deutschland noch Leser gibt, die sich ohne Empörung ein solches Lügengericht vorsetzen lassen. ft , - Der Blick wird allemal trübe, wenn ^r sich nach Rußland wendet. Um so willkommener heißen wirjeden Lichtstrahl, der dort erscheint. . Der Berliner. Börsen-.Courier vom 14. November berichtet folgendes: - . v , / - . . rr „Uef»ec die bevorstehende Besserung der Stellung der Juden in .Finnland schreibt man uns aus Helsingfors' vom/12. d. M.: „Be- 'kanntlich.haben die im Großfürstentum Finnland, wohnenden Juden bisher ein recht beschränktes Dasein geführt. Jetzt endlich ist Aussicht, vorhanden,- daß .eine erhebliche Besserung ihrer Lage bald , ein» tritt. Der sogenannte Verfassungsausschuß des Landtages, der mit der eingehenden Behandlung dieser Frage-beschäftigt gewesen ist, hat sich söebeu.mit'großer Stimmenzahl dahin ausgesprochen, daß es an der. Zeit sei, den in Finnland lebenden Juden Gerechtigkeit, widerfahren zu lassen und ydie meisten auf - sie bezüglichen Synderbestimmungen aufzuheben. Die Mehrzahl des Ausschusses ist jedoch der Meinung, es werde notwendig sein, gewisse Maßregeln zu treffen, um einer Masseneinwanderung von Juden (aus Rußland) vorzubeugen. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses befürworteten die. volle Gleichstellung, der Juden, erklärten sich aber schließlich bereit, um die vorläufige Lösung der Frage nicht zu erschwe ttzn den Vorschlag der Mehrheit zu unterstützen." . .. . Bei solchen Zuständen ist es begreiflich, daß viele? Juden — .die meisten hängen doch. teils aus Gewohnheit, teils aüs wirklicher Neigung an dem unseligen Lande, das Ihnen nur Schmerz bereitet — ihr einziges Heil in der Äuswand erung suchen. Es ist froh zu begrüßen, daß diese immer mehr v o n Palästina abgeleitet wird. Die,s geht aus einem'.Berichte des „Hamburger Fremdenblattes" hervorder so lautet:./ - „Vor kurzem hat die- „le^visli Territorial Organiration" in London ihre vor einigen Jahren begonnenen Bemühungen, jüdische Auswanderer aus Rußland, die sonst sich nach New Aork gewandt hätten, den Südstaaten der Union zuzuführen, .wieder-ausgenommen. Mit dem letzten Dampfer .des Norddeutschen Llohd. der nach.-Galvestqn expediert wurde, ist eine größere Anzahl von Schützlingen Lener Organisation mitgegaügen. Von dieser 'Seite sind schon, tausende Auswanderer nach den amerikanischen Südstaäten befördert' worben. Naturgemäß stockte diese Bewegung zur Zeit des letzten Wirtschaftlichen Niederganges der sich bekanntlich in Amerika am stärksten fühlbar gemacht hatte. Nach einem von jener Organisation erstatteten Bericht gesenkt sie künftighin in dieser Richtung intensiver-als bisher borzugehen, besonders da sie die weitestgehende Unterstützung für ihr^ Ziel, die. Auswanderung.von den amerikanischen.Haupteinwanderurrgshäfen abzulenken, in den Vereinigten Staaten-selbst findet. , Aus zahlreichen der- „Je\yisli Territorial Organisation" zugegangßnen. Brsefen^ hon Auswanderern, die mit ihrer Hilfe nach Galveston gebracht waren, geht hervor, daß die Ankömmlinge in den südwestlichen Staaten der Union viel leichter und zu lohnenderen Bedingungen Beschäftigung finden als in den bereits überfüllten Verkehrszentren der Oststaaten. Wie wichtig es ist, eine Verteilung der ‘ amerikanischest Einwanderer vorzusehen, ergibt sich daraus, daß von 5557 Zwischendeckpassagieren, die im vorletzten Monat v. I. in New York gelandet wurden, nicht

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