Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 r. Westpreutzen, im November. Anfangs Herbst hielt der W estpre'ustische Rabbiner-Verband in Marienwerder seine Jahresversammltlng ab. Anwesend waren die Herren Dr. Gans. Pr. - Stargard; Guttmann, Culm; Kälter, Danzig; Loevy. Graubenz; Nordheimer, Schwetz; Rosenberg. Thorn; Silberstein, Elbing; Wehl, Könitz. Die übrigen Herren waren teils amtlich'/ teils durch pritmte Abhaltungen am Erscheinen verhindert. — Ter Vorsitzende Dr. Roseffberg eröffnete um 10f/2 Uhr die Sitzung und gab einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes seit der letzten Tagung. Insbesondere berichtete er über die vom Ausschuß des Westpreußischen Gemeinde-Verbandes gemeinsam mit dem Rabbiner-Verband unternommenen Schritte zur Gründung von Zweckverbänden und über die im Ausschuß des Rabbiner-Verbandes in Deutschland gepflogenen Beratungen und gefaßten Beschlüsse. Bei dem Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden ist der Vorstand vorstellig geworden, damit dieser die Regierung um die Uebernahme der Gesamtkosten für den Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten angehe, während dieselbe jetzt nur die Hälfte der Kosten für den jüdischen Religionsunterricht trägt und die Gemeinden für die andere Hälfte aufkommen läßt. Die diesbezüglichen Unterhandlungen sollen weiter verfolgt werden. — Nachdem der Kassen sichrer, Herr Dr. Guttmann, den Rechenschaftsbericht gegeben, ging man zur Erledigung des wichtigsten Punktes der Tagesordnung, der Beratung über den Normallehrplan für den jüdischen Religionsunterricht an Volks» und Religionsschulen der Provinz Westpreußen, über. Der in: Jahre 1901 ausgearbeitete und als Norm aufgestellte Lehrplan bedurfte nämlich der Ergänzung und Verbesserung. Unter Mithilfe des Westpreußischen Lehrer- Verbandes, dem der Plan in seiner letzten Sihung zur Beratung Vorgelegen und als dessen Vertreter die Herren Friedländer, Danzig, und Eeisenberg, Maricnwerder, an den gegenwärtigen Verhandlungen teilnahmen, wurde in eingehender Besprechung und unter Würdigung der gemachten Verbesserungsvorschläge der neue Lehrplan endgültig festgelegt und seine Drucklegung beschlossen. Auch über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Verfassung der jüdischen Religionsgesellschaft in Preußen, wurde beraten. Die gefaßten Beschlüsse sollen dem Vorstand des R. V. i. D. zur Weiterbeförderung an die maßgebenden Stellen zugestellt werden. — Die Sitzung zog sich bis gegen 5 Uhr nachmittags hin. Nach vollständiger Erledigung der Tagesordnung schloß dann der Vorsitzende die Tagung. X. Liffa i. P., 8. Novembern Mit dem am 5. d. M. verstorbenen Kaufmann Salomon Manheim ist einer der edelsten und besten Männer in unserer Stadt und Gemeinde dahingegangen Wie schätzbar seine Tätigkeit für die Gemeinde war, läßt sich daraus erkennen daß er 35 Jahre als Repräsentant und als Mitglied der verschiedensten Verwaltungskommissionen, Stiftungen usw. gewirkt hat. Welch ein hohes Maß des Vertrauens und der Anerkennung liegt darin ausgedrückt! „Ein großes Muster weckt Nacheiferung," sagt unser jetzt gefeierter Schiller. Und solche arbeitsfreudigen, selbstlosen, warmsühlenden Männer mögen unserer jüngeren Generation als nachahmenswertes Beispiel dienen, damit es unseren jüdischen Gemeinden nie an den für ihr Gedeihen und ihr Wohlergehen so notwendigen Kräften fehle. Aber auch als Stadtverordneter, als Mitglied des Bau- und Sparkassenausschusses usw. hat der Verblichene segensreich gewirkt und wesentlich mitbeigetragen zu dem friedlichen Verhältnis, das zwischen den verschiedenen Konfessionen in unserer Stadt herrscht. Sein Name wird daher in unserer Stadt und Gemeinde unvergessen bleiben. g. Breslau, 10. November/ Am 6. November starb hier, 74 Jahre alt, Frau Dr. Anna Honigmann geb. Bauer. Sie lvar eine vortreffliche Frau, die durch ihren Galten, den ausgezeichneten Dr. David Honigmarn, der ihr vor 25 Jahren nach langer glücklicher Ehe entrissen war, warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten erlangt hatte. Sie betätigte dies in eifriger Wirksamkeit und war auch unermüdlich ini Dienst der Ideen bemüht, die ihre Schwester Frau Lina Morgenstern zu bedeutsamen Taten zu gestalten verstand und versteht. Sie war eine liebenswürdige, geistig angeregte Frau, eine rühmenswerte Hausfrau und Mutter, deren Andenken'segenspendend bleiben soll. U. Hamburg, 5. November. Die Wiedereröffnung des Israelitischen Gemeinschaftsheims fand Sonnabend abend in.festlicher'Weise im großen Saale des Logenheims. Härtungsträße, statte Eingeleitet wurde der Abend mit „Andante religiöse“ von Francis Thome. Klavier: Herr Emil Elias; Violine: Herr Hugo Philipp. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. A. Löwenthal die Festrede. Er gedachte in tiefempfundenen Worten des verewigten Gründers des Gemeinschaftsheims, des unvergeßlichen Gustav Tuch, der es durch seine unerreichte Tatkraft verstanden hat, dieses Heim aus den kleinsten Anfängen zu seiner heutigen Entwicklung zu bringen. Viele segensreiche 'Institutionen hat Gustav Tuch der HambuMcr Gemeinde geschaffen, die seinem Namen für alle Zeiten ein ehrenvolles Andenken bewahren; aber besonders das Gemeinschaftsheim war ihn» ans Herz gewachsen. In diesem Heim konnte der edle Menschenfreund so recht seine soziale Fürsorge betätigen. Immer und immer wieder wußte er die reichen Gemeindemitglieder anzufeuern, das Heim auch pekuniär zu unterstützen. Gelehrte und Künstler verattlaßte er, hier Vorträge zu halten, damit den Besuchern des Heims stets das Beste auf dem Gebiete der Kunst uud Literatur geboten werde. Sein Hinscheiden war besonders für diese Institution eine klaffende Lücke, aber seine Mitarbeiter haben den festen Willen, im Gemeinschaftsheim nach seinem Beispiel .weiter zu wirken und zu streben.; Allein sie bedürfen dazu der Unterstützung weiterer Kreise, denn es gelte, die Schöpfung des edlen Menschenfreundes weiter auszubauen.: Der Redner richtete dann einen Appell an die Anwesenden, das Volksheim mit allen Kräften zu unterstützen. Im weiteren Verlaus seiner Darlegungen verbreitete sich der Vortragende über die soziale Bedeutung der jüdischen Volksheime, namentlich in einer Hafenstadt. Die bisherigen Erfolge dieser Institution haben den Vorstand veranlaßt, auch die: Neueinrichtung zu treffen, daß Diskujsionsabende eingerichtet werden; alle Wünsche der BesucherJollen nach Möglichkeit berücksichtigt werden, damit die Teilnahme an den Veranstaltungen sich immer mehr steigere. — Es folgte hierauf die Parsifal-Paraphrase von Wagner-Wilhelmi. Großen Beifall erregten die gesanglichen Darbietungen von Fräulein Agnes Leimdörfer. Es fand dann eine Teepause statt. Der zweite Teil des Programms bestand aus der Aufführung des einaktigen Lustspiels „Der Flüchtling" von Theodor Herzl. Ten Schluß der festlichen Veranstaltung bildete ein Reigen, der von Kindern vorzüglich ausgesührt wurde. Der Ertrag des Festabends war anscheinend ein ganz bedeutender, der nun den Zwecken des Gemeinschaftsheims zugute kommt. Der Vorstand des Heims besteht aus 19 Damen und Herren. Seit der Begründung des Heims bekleidete Gustav Tuch das Amt eines ersten Vorsitzenden. Zu diesem Amt wurde jetzt vom Vorstand Frau L, Hirsch gewählt. H. Cassel, 4. November. Am hiesigen israelitischen Lehrerseminar wurde heute die zweite Prüfung beendet, welche folgende Lehrer bestanden: Holzapfel aus Bornheim am Rhein; Klee? b lat t aus Bosen, Fürstentum Birkenseld; S ch i r atz k i und E sch Wege aus Marburg und Brandes aus Oberaula. Als Aufsatzthema war gestellt: „Licht, Liebe und Leben" im Unterricht. Lehrproben waren.: Hillel; Kaiser Karl IV.; Das Kamel; „Wenn du noch eine Mutter hast"; Das Königreich Württemberg; Multiplikation eines Bruches mit einer ganzen Zahl." Als Spezialfächer. hatten drei Herren j jüdische Geschichte, zwei Psychologie und einer neuere Geschichte gewählt. y== Frankfurt a. M., 14. November. Die vor einigen Tagen verstorbene Frau Franziska Speyer hat ein Testament hinterlasse»»-, in dem sie namhafte Stiftungen für gemeinnützige und wohltätige Zwecke machte. ''Es erhielten: die Georg und Franziska Speyer- Stiftung für die Frankfurter Akademie für soziale und Handels- Wissenschaften eine Million, das. von Frau Franziska Speyer zum An- . denken an ihren Mann errichtete Georg Speyer-Haus zur Herstellung neuer Heilmittel gegen verheerende Krankheiten gleichfalls eine Million. Annähernd gleich große Stimmen wurden gespendet für die Bekämpfung von Volkskrankheiten, zum Studium des Lupus, zur Erforschung des Krebses; ferner erhielten sehr große Spenden die israelitische Gemeinde in Frankfurt, der vaterländische Frauenverein zur Errichtung von neuen Spitälern und das Zentralkomitee zur Zahnpflege in den Schulen. Eine halbe Million bekam, das Armenamt