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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-19 · Heft 47 (19.11.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang Nr. 47. Der OemetndeVote. — Veilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums" Lorrelponden?rn und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 14. November. Der heutigen Nepräsentantenversammlung lag zum geschäftlichen Teile zunächst die Mitteilung des Gemeindevorstandes vor, daß die Resolution Minden, bei der Fundamentierung der Synagoge Fasanenstraße darauf Rücksicht zu nehmen, daß geeignetenfalls später die Errichtung eines Turmes keine Schwierigkeit biete, abgelehnt worden sei. Trotz des nochmaligen Eintretens des Maiwermeisters Herrn Weile für die Resolution nahm die Versammlung das ablehnende Votum ohne Diskussion zur Kenntnis. Zum geschäftlichen Teile waren ferner folgende, von sämtlichen liberalen Mitgliedern Unterzeichneten drei Anträge eingegangen: 1. den Gemeindevorstand zu ersuchen, möglichst bald, spätestens aber mit der Einbringung des nächsten Etats eine Vorlage zu machen, durch welche die Anstellungsverhältnisse, die Gehälter, die Pensionierung und Reliktenverforgung der Beamten der jüdischen Gemeinde nach festen Grundsätzen geordnet werden; 2. den Gemeinde- Vorstand zu ersuchen, eine Vorlage wegen der Einrichtung des Gottesdienstes in der Synagoge Fasanenstraße zu machen und dabei durch stärkere Berücksichtigung der deutschen Sprache und Verkürzung des Gottesdienstes den Forderungen der liberalen Glaubensgenossen gerecht zu werden; 3. die Repräsentantenversammlung hält es für wünschenswert, daß die Frauen mehr als bisher zu den einzelnen Verwaltungszweigen herangezog en werden und in allen Kommissionen, zu denen sie herangezogen worden, Sitz und Stimme haben. Der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, der von diesen Anträgen dem Gemeindevorstand Kenntnis geben will, hat diese Anträge auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gestellt. — Mit der Annahme derZuwendungder Rentiere Cecilie Bernhardt zur Grabeserhaltung (1000 Mark) und zu Wohltätigkeitszwecken (12000 Mark) erklärte sich die Versammlung debattelos einverstanden. Die Zinsen der zweiten Stiftung sollen alljährlich am 8.. August an zwei bedürftige Kranke oder Rekonvaleszenten jüdischer Konfession verteilt werden. — Die Vorlage betr. Annahme eines Vermächtnisses der Frau Caecilie Langner geb. Mendelssohn im Betrage von 15OO0 Mark führte zu einer sehr langen Diskussion. Nach der Bestimmung des Testamentes soll das Kapital an den Magistrat der Stadt Berlin gezahlt und von diesem für alle Zeit verwaltet werden. Von den jährlichen Zinsen soll nach Abzug der Verwaltungskosten die eine Hälfte ein auf der hiesigen Universität rite immatrikulierter Studierender der medizinischen, juristischen oder philosophischen Fakultät als Stipendium zur Fortsetzung oder Vollendung seiner Studieu erhalten. Der Stipendiat muß entweder evangelisch oder jüdischer Konfession sein, und es soll, sofern nicht verwandte und dadurch bevorzugte Bewerber vorhanden sind, zwischen beiden Konfessionen möglichst abgewechselt werden. Die andere Hälfte der jährlichen Zinsen soll eine Braut jüdischer Konfession, die den Nachweis sittlicher Führung beibringt, als Mitgift zu ihrer Verheiratung erhalten. In einem früheren Testamente ist für drei Kinder einer Nichte der Erblasserin ein Legat von insgesamt 12OOO Mark ausgesetzt gewesen; diese Zuwendungen sind aber in einem späteren Kodizill „nach reiflicher Ueberlegung" widerrufen worden. Der Magistrat von Berlin hat sich auch geweigert, der Tochter der Nichte eine einmalige Abfindung von 500 bis 1OOO Mark zu gewähren, und.deshalb ist dem Magistrat der Stadt Berlin die landesherrliche Genehmigung zur Annahme des Legates versagt worden. Nach den testamentarischen Bestimmungen tritt nunmehr die jüdische Gemeinde unter denselben Modalitäten als Legatarin an die Stelle dev Stadt Berlin. Der Gemeindeoorstaud ist bereit, das Vermächtnis unter den an.dasselbe geknüpften Bedingungen anzunehmen; er ist ferner geneigt, sofern die Erteilung der landesherrlichen Genehmigung von der Gewährung einer oder mehrerer Abfindungssummen abhängig gemacht werden sollte, der Forderung zu entsprechen. In der Debatte hierüber sind die Meinungen der Repräsentanten sehr geteilt. Während Herr Geheimrat Geiger für sofortige Ablehnung eintritt, und Herr Professor Blaschke nochmalige Ausschußberatung zur Prüfung der erhobenen Bedenken empfiehlt, erklärt sich doch die Mehrzahl der übrigen Redner für die Annahme des Legates, allerdings unter der Einschränkung, daß die Abfindungssummen in ihrer Gesamtheit nicht mehr als 1000 Mark betragen. — Debattelos werden dann noch die Zuwendungen des Rentiers Hermann B ab an die Alterversorgungsanstalt (5000 Mark) und an das Krankenhaus (5000 Mark), des Herrn Franz Loewenstein an die Alterversorgungsanstalt (3OO Mark) zur Errichtung einer Iahrzeitstiftung, der Kinder des verstorbenen Justizrat Dr. Lachmann an die Armenkommission (20 000 Mark) zur Erhöhung des Kapitals der Dr. Edmund Lachmann-Stistung und schließlich die Zuwendung (4000 Mark) des Börsenmaklers Gustav Bleichröder zur Grabeserhaltung. — In die bauleitende Kommission für den Bau' der Synagoge Fasanenstraße sollen drei Mitglieder des Gemeindevorstandes, sechs Repräsentanten, zwei Mitglieder der Baukommission und zwei Mitglieder der vereinigten Synagogenvorstände entsandt werden. Aus dem Repräsentantenkollegium werden hierzu die Herren Weile, Dr. Ignatz Cohn, Loewenthal, Kommerzienrat Gerson Simon, Geheimrat Blumenthal und Emil Pincus bestimmt.— In die gemischte Deputation zur Beratung der Anträge Lewinski auf Aenderung der Veranlagung zur Gemeindesteuer werden die Herren Lewinski, Dr. Ignatz Cohn, Direktor Minden und Emil Cohn abgeordnet. Mit der Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten erklärte sich das Plenum, einverstanden. — Bei der Bewilligung einer Ausgabe für den Umbau und die innere Einrichtung der Wochentagssynagoge in der Synagoge Lindenstraße bringt Herr Geheimrat Blumenthal die Verhältnisse in den Wochentagssynagogen zur Sprache. Erstritt besonders dafür ein, den Zugang zu den Wochentagssynagogen würdiger zu gestalten, den Frauen besondere Plätze frei zu halten und dem Betteleiunwesen in und vor den Synagogen wirksam zu steuern. Die Herren Dr. Ignatz Cohn, Loewenthal, Professor Blaschke und Kommerzienrat Simon unterstützen diese Anregung. — Dem Religionsverein Agudath Achim in Pankow, der um eine Subvention von 1450 Mark vorstellig geworden war, wurden 1OO0 Mark pro 1909/10 zugebilligt. — Zur Vermehrung des hebräischen Unterrichts auf der Mittelstufe und zur Einrichtung eines Anfängerkursus im Hebräischen für die Religionsschule in Friedenau werden jährlich 270 Mark bewilligt. — Die Genehmigung einer Ausgabe zwecks Teilung von Klassen der 10. Religionsschule wurde ausgesprochen. Herr Geheimrat Geiger empfiehlt hierbei dringend dem Gemeindevorstande, die.Vorlagen, welche Schulangelegenheiten be» treffen, schneller als bisher zur Erledigung zu bringen. — Nach Bewilligung einer Subvention von 15OO Mark an den Religionsverein „Osten" nahm die Versammlung den Bericht der zur Revision der Kassen und des Depositoriums eingesetzten Kommission entgegen. In seinem Referat hierüber hält es Herr Lewinski für unmöglich, auf Grund der jetzt bestehenden Einrichtungen eine eingehende Revision. der Steuereinziehungsstelle vornehmen zu können. Er regt deshalb die Einsetzung einer gemischten Deputation an, um über eine geeignete und sichere Kontrolle zu beraten. Ein dahingehender Antrag wurde von .der Versammlung angenommen. Den übrigen Teil der umfangreichen Tagesordnung füllten unwesentliche Vorlagen ans. An. der sich anschließenden kurzen' ge h e im en Sitzung wurde u. a. als Chordirigeyt für die Synagoge Lindenstraße. Herr Kapellmeister Bertrand Sänger an Stelle des pensionierten Dirigenten William Wolf gewählt.

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