Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- Seite 558 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Mer: .wchh7.Me«Mtzdey-uMoZhischvlAnskM ^dex,MeMbSsprochenen- Stücke: ist.E^er^nns so sehr "aMeressiert, fandern auch die Art und Meise, wie der. Verfasser seine Beweise und Gegenbeweise,: bezüglich der Interpretation .dieser Stücke von protestantischer Seite, fast, alle gerade der der Entstehung her Evangelien zeitlich entsprechenden jüdischen Literatur entnimmt. So finden wir die Mischna sechsmal,-den Talmud dreimal und die Tosista ebenfalls dreimal zitiert. Außerdem hat noch Pep Verfasser im Anhänge ausgewühlte Stücke aus dem alten.Testament (Amos 1,: 3—8, 7, 7—9 und 8, 1—3; Jeremia 1/11—14;. Ezechiel 14, 13—19; Proverbia 9, 1—185 Hiob 14, 1—12; Sirach 41, 1—10,. 42, 1—10), aus der zweiten babylonischen Rezension der Schöpfung (1—40) und aus dem Koran (Sure 26, 105—140) als Parallelen zum Abdruck gebracht, die den. Beweis erhärten sollen, daß die Reden im neuen Testament ebenfalls ursprünglich in gebundener Form abgefaßt sein mußten und so den die ganze semitische Literatur jener Zeit beherrschenden Gesetzen unterworfen waren. Weniger am Platze war es jedoch, daß der Verfasser Stücke aus dem neuen Testament in der hebräischen Uebersetzung von Delitzsch gebracht hat. Der Arbeit entsprechender wäre es gewesen, wenn dieselben. Stücke in der ursprünglichen syrischen. Sprache in hebräischer Umschrift abgedruckt worden wären, da der Verfasser in der Einleitung (S. 3 oben) ausdrücklich hervorhebt, „die Reden Jesu' seien ursprünglich in einer aramäischen oder einer hebräo-aramäischen Mischsprache gehalten und niedergeschrieben worden". Es sei hier noch hinzugefügt, daß die Anmerkung 1 auf S. 14 auch in der Mischna (Nazir VI, 11) wörtlich enthalten ist. In demselben Rahmen bewegt sich auch die Zweite Studie über das Johannes-Evangelium, in welchem nicht weniger als 21 Responsionen nachgewiesen sind. Das Stück z. B. über „Tag und Nacht" (Kap. 11, V. 9—10) ist ein Fünszeiler und bildet eine Responsion für sich, eine Jnclusio, indem die zweite mit der vierten, die dritte mit der fünften Zeile korrespondieren. „Sind nicht, des Tages zwölf Stunden? Wer des Tages wandelt, der stößt sich nicht; Denn er sieht das Licht dieser Welt. Wer aber des Nachts wandelt, der stößt sich; Denn es ist kein Licht in ihm." Von einem herrlichen Ausbau zeugt auch das Stück Kap. 16, V. 20—33, das vom Verfasser „Das Wiedersehen" betitelt ist. Es bezieht , sich auf den Ausspruch Christi: „Ueber ein Kleines und ihr seht mich nicht mehr." In der ersten Strophe (Vers 20—23) korrespondieren die zweite und -dritte Zeile mit der zweiten und dritten Zeile von unten. Dört wird die Traurigkeit in Freude verwandelt, (dritte Zeile von oben); hier wird die Freude niemand wegnehmen (Zeile 8 von oben). Dort empfindet das Weib Traurigkeit vor der Geburt (vierte Zeile); hier füllt sich das Herz der Jünger mit Traurigkeit wegen der Scheidung (Zeile 7). Anders gebaut ist die zweite mit der letzten und die vorletzte mit der dritten^ und zum Ausdruck wird in dieser Jnclusio gebracht,, daß Jesus mit seinen Jüngern nicht mehr in Bildern, sondern frei heraus sprechen werde. , Der Raum gestattet nicht, noch aus weitere Einzelheiten einzugehen; hervorgehoben soll noch an dieser Stelle Kap. 17. Vers 1—26 werden: die sogenannte „?raeoatio sunmri smeräotis" „das Hohepriestergebet", das Abschiedsgebet Christi, das .aus fünf größeren Strophen besteht. Leider aber ist an manchen Stellen die Gliederung und Strophik nicht mehr ganz durchsichtig, woran die schlechte Ueberlieferung des Textes die Schuld tragen mag. Die^beiden veröffentlichten Müdien könnten in Praktischer Beziehung von bahnbrechender Bedeutung werden, indem erstens die protestantischen. Theologen sich mit etwas größerem Interesse den ersten zwei vor- und nachchristlichen Jahrhunderten jüdischer Literatur widmen, und daß zweitens die jüngeren jüdischen. Theologen einigen Fleiß für das Studium der Literatur des Urchristentums aufwendeten, da sich ja entschieden durch die Kenntnis letzterer neue Gesichtspunkte für das Judentum jener Zeit gewinnen lassen. Hoffentlich wird auch der Verfasser, wie seine früheren Arbeiten, auch diese neuen Studien zum Gegenstand eines Teiles seiner Vorlesungen wenigstens in den nächsten Semestern machen, wodurch die jungen Hörer in ein neues Gebiet eingeführt werden. 4&&.. Jüdische Gräber und Grubschnkten. Bon Dr. Marcus Landau-Wien. er englische Dichter Thomas Gray (geboren 1716) hckt mit seiner berühmten Elegie auf .einem Dorskirchhof den Reigen der Gräberbesinger eröffnet und, merkwürdigerweise, im sonnenhellen, lebensfrohen Italien die eifrigsten Nachfolger gefunden. Noch am Anfänge des 19. Jahrhunderts haben Foscolo und Piedemonte ihre „Lepoleri" gedichtet. Jetzt ist die Gräberpoesie nicht mehr in der Mode. Man besingt nicht mehr die Gräber, aber man durchsucht sie. Einen großen Teil unserer prähistorischen Zeit verdanken wir den Funden in Gräbern,, und über uns. näherliegende Zeiten erfahren wir vieles aus den Grabschriften. Es gilt dies besonders von den jüdischen, die wir manchmal noch, dort finden, wo es keine Juden mehr gibt. So z. B. in Hierapolis in Phrygien, wo die jüdischen und nichtjüdischen Grabmäter aus dem zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. erst am Ende des neunzehnten wieder aufgesunden und beschrieben wurden. Walter Judeich hat 362 Sarkophaginschristen von dort herausgegeben?) Die jüdischen Sarkophage stehen dort, wie die der Griechen, ganz frei auf dem Boden und haben durchweg griechische Inschriften. In diesen wird, so wie bei den heidnischen, die Beisetzung Fremder im Sarkophage verboten, manchmal unter Androhung hoher Geldstrafe. Legate zur Schmückung der Gräber mit Blumen, was jetzt bei frommen Juden nicht üblich ist, werden in den Grabschriften erwähnt. Man erkennt, daß es Judengräber siud, wo dies nicht -ausdrücklich angegeben ist, teils an den Namen, teils an d'er^ Bestimmung, daß die Schmückung mit Blumen an bestimmten jüdischen Festtagen stattzufinden hat. Diese Judengräbstätten sind viel interessanter als. die ungefähr gleichalterigen in den römischen Katakomben außerhalb der Porta Sebastians, die den weiten Weg weniger lohnen als die der Stadt näher gelegenen altchristlichen Katakomben^ Ueber die dbrt (in der Villa Randanini) befindlichen Grabsteine haben unter anderen Emil Schürer in seiner Abhandlung „Die Gemeindeverfassung der Juden in Rom in der Kaiserzeit" (Leipzig 1879) und Marucchi in „OMaoombo romaiie/', Rom 1905, berichtet und mehrere Inschriften mitgeteilt. Lange Zeit hat der Eigentümer den Zutritt nicht mehr gestattet, unter dem Vorgeben, die Besucher würden sich in den finsteren Gängen ohne Führer verirren, und einen Wächter oder Führer anzustellen lohne sich beiden: schwachen 1)'Im' -vierten Ergänzungshest zum „Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts", Berlin 1898. ./