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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-12 · Heft 46 (12.11.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 46 (12.11.1909)
Date
1909-11-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Kindern aus ganz Deutschland eine Heimstätte zu bieten, erreichen. Die Zöglinge sollen bei uns die Fähigkeit erwerben, sich mit ihren hörenden Mitmenschen in der Lautsprache zu verständigen und zugleich in unserer Anstalt eine sittlich religiöse Erziehung erhalten. Nur dadurch' 'wird es möglich, daß sie im Alter nicht der Not anheimfallrn, und daß das Proletariat unter den jüdischen Taubstummen schwindet. Möge unsere Bitte die nötige Beachtung finden, zum Wöhle der von der Natur vernachlässigten Kinder! Postsendungen sind an Herrn Adolph Salomon, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstraße 35/36, zu richten. H.W. Aus der Provinz Pose«, im Oktober. Herr Abraham Apolant in Posen feierte seinen 92 jährigen Geburtstag. Anläßlich dieses seltenen Festes versammelte sich außer den Angehörigen noch eine große Zahl von Freunden und Bekannten, dem. Jubilar ihre innige Teilnahme zu bezeigen. Herr Apolant befindet sich trotz seines hohen Alters noch körperlich und geistig wohl. — Der Friedensverein Hierselbst feierte in diesen-Tagen sein 25jähriges Bestehen: Herr Rabbiner Caro, der beim Begehen des Lebabuotb- und Lobemini areretb-Festes vor den versammelten Mitgliedern alljährlich halachische Vorträge hält, sprach am vergangenen Lebemini areretb zum 50. Male. In Anerkennung dessen wurde der Jubilar in vielfacher Weise geehrt. — An dem Neubau des S. B. Leitzschen Alten- und Siechenheims in Posen, Judenstraße 15/18, ist eine Gedenktafel mit folgender Aufschrift angebracht worden: „An dieser Stätte befanden sich während einer Reihe von Jahrhunderten die im Jahre 5668/1908 abgebrochenen Gemeindesynagogen." Die Tafel wurde auf Veranlassung des Vorstandes der Synagogengemeinde angebracht. — In Neumark (W.-Pr.) verstarb plötzlich Herr Rentier Salomon Henschke im 74. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene zeichnete sich durch Frömmigkeit und Wohltun aus und galt bei allen als Berater und Helfer, wie es Herr Gemeinderabbiner Dr. Pick-Strasburg W.-Pr. in seiner Trauerrede so treffend darlegte. — Z irke. Hier wurde der zum Magistratsmitglied gewählte Rentier Plonski durch den Bürgermeister in sein Amt eingeführt. -- Crone a. Br. Der hiesige israelitische Frauenverein feierte sein Vereinsfest durch Theater und Tanz. Zur Darstellung gelangten unter Leitung des Lehrers Frankenstein drei Einakter, die gut gespielt wurden. Außerdem gab der hier als Gast weilende Geiger Boden von der Berliner Oper eine Reihe Violinstücke zum besten. — Posen. In der israelitischen Waisenknabenanstalt wurde die Jahrzeitsfeier für den hier verstorbenen Hauptmann Stern abgehalten. Im Anschluß an die Abendandacht sprach der Waisenhausinspektor das Gebet für das Seelenheil des Dahingeschiedenen. Vorher sangen die Knaben das „^.äauu-aulom", und zum Schluß der Feier trug ein Knabe das Laääi8ob-Gebet vor. — Jannowitz. Hier begingen der Synagogendiener Jakob Chick und seine Ehefrau Ernestine geb. Hirsch die Feier ihrer goldenen Hochzeit. Gleichzeitig konnte der Jubilar auf eine 25jährige Tätigkeit in der jüdischen Gemeinde zurückblicken. Dem verhältnismäßig rüstigen Ehepaar, das sich unter der gesamten Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut, wurden von allen Seiten zahlreiche Glückwünsche zuteil. Bürgermeister Stiller überreichte ein kaiserliches Gnadengeschenk von 60 Mark, ferner gaben die Vorstände der Synagogengemeinde und des Israelitischen Frauenvereins wertvolle Geschenke. — Schmiegel. Hier fand die Wahl des Gesamtvorstandes der Synagogengemeinde statt. Es wurden gewählt als 1., 2. und 3. Vorsteher, Kaufmann Bernhard Becker, Kaufmann H. Kurzezunge und Rentier Moritz Gerstmann; als Stellvertreter, Kaufmann G. Jakob und Handelsmann M. Katz. — Herr Adolf Arnheim, einer der ältesten Hamburger Bürger und zugleich das älteste Mitglied der dortigen israelitischen Gemeinde, ist im 96. Lebensjahre verstorben. Der Verblichene, aus Gollnow, Provinz Posen, stammend, war von Profession Schneider. In jungen Jahren kan: er nach Hamburg und erwarb dort bereits 1855 das Bürgerrecht. Er war einer der ersten Juden, die dort den Bürgereid leisteten. Trotz seines hohen Alters erfreute er sich bis zu seinem Tode voller geistiger und körperlicher Frische. Seine letzten Lebensjahre brachte er im Altenhaus der Deutsch. Israelitischen Gemeinde zu. — Labischin. Bei der hier abgehaltenen Stadtverordnetensitzung wurde der zum Beigeordneten gewählte Herr M. Lippmann in sein Amt eingesührt. — Wronke. Hier starb im 8l/Jahre der Rentier Gumpert Cohn. Der Verstorbene war viel, fach ehrenamtlich tätig. 1. Breslau, 27. Oktober. ' Gelegentlich der Tagung des Verbandes der deutschen' Juden war" auch die erste Mitglieder- Versammlung der Witwen- und Walsenkasse der Rabbiner Deut sch länds hierher einberufen. Sie fand am 18. d. M. im Sitzungszimmer I des Gemeindehauses statt und vereinigte eine Anzahl ordentlicher und außerordentlicher Mitglieder sowie Mitglieder des Kuratoriums, des Anfsichtsrats und Delegierte verschiedener Gemeinden. Herr Benas Levy überbrachte als Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde deren Grüße und gute Wünsche für das Gedeihen der Kasse. Den Vorsitz führte Professor Dr. Ma tj» bäum. Aus den Berichten über die drei bisherigen Geschäftsjahre ergab sich, daß gegenwärtig 24 ordentliche, 49 außerordentliche Mitglieder der Kasse angehören und das Vermögen eine ständige Zunahme aufweift. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die Beratung von Satzungsänderungen, die vom Kaiserlichen Äufsichtsamt mit Rücksicht auf das 1910 in Kraft tretende neue Reichsversicherungsgesetz gefordert werden. Das Kuratorium der Kasse hatte außerdem in Vorschlag gebracht, die bisherigen erschwerenden Bestimmungen über den verspäteten Eintritt bereits länger amtierender Rabbiner zu mildern. Sämtliche Anträge wurden von . der Versammlung einstimmig angenommen. Zum Schluffe wurde die Neuwahl des Kuratoriums vollzogen, das satzungsgemäß aus fünf Rabbinern und fünf Laien besteht. Die bisherigen Kuratoren Professor Dr. May bäum-Berlin, Rabbiner Dr. Freuden thal- Nürnberg, Rabbiner Dr. Grünfeld.Bingen, Rabbiner Dr. Cohn- Rawitsch, Aron Hirsch-Berlin, Ernst Wolf Meyer-Berlin. Benno Braun-Berlin, Manuel Schwarz-Berlin--wurden einstimmig wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Handelsrichters Jakob Weinberg-Berlin, dem der Vorsitzende einen, ehrenden Nachruf widmete, wurde Handelsrichter Hugo Heilmann-Berlin, an Stelle von Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, der eine Wiederwahl ablehnte, Rabbiner Dr. Vogel stein-Stettin in das Kuratorium berufen. . ' -- Gleiwitz, 4. November. Am 31. v. M. feierte Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz sein 25jähriges Amtsjubiläum. Seit einem Vierteljahrhundert steht er als geistiger Leiter an der Spitze der jüdischen Gemeinde Gleiwitz. Wie sehr sich der Jubilar während dieser Zeit die Wertschätzung und Hochachtung aller, auch der Andersgläubigen, erworben hat, das kam bei der Feier in trefflichster Weise zum Ausdruck. Angehörige aller Stände und Konfessionen, die verschiedensten Korporationen wetteiferten miteinander, Herrn Dr. Münz an seinem Jubeltage in der erhebendsten Weise zu ehren und ihm die aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen. . Um 12 Uhr mittags erschienen in der Wohnung des Jubilars vor allem der Vorstand und, das Repräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde und sprachen ihm durch den. Mund des Herrn Justizrats Schüller die Anerkennung und den tiefgefühlten Dank für seine Verdienste um die Gemeinde aus und verbanden damit die herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Als äußeres Zeichen der Verehrung überreichte sie ein prachtvolles Silbergeschenk. Weitere Geschenke überreichten auch eine ganze Anzahl von Vereinen. Herr Direktor Smolka gratulierte im Namen des Lehrerkollegiums des Gymnasiums, dessen Mitglied der Jubilar ist, und hob dabei das einmütige Zusammenhalten des Kollegiums besonders hervor. Die Glückwünsche des Oberschlesischen israelitischen Gemeindeverbandes überbrachte Herr Justizrat Berger- Königshütte. Nachmittags 3^ Uhr fand Festgottesdienst im prächtig dekorierten Tempel statt, der die Erschienenen kaum alle aufzunehmen vermochte. Der Festgottesdienst begann mit einem Psalm, vorgetragen vom Chor und von Herrn Oberkantor David so hn. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz, als Senior der oberschlesi- . schen Rabbiner, die Festpredigt, in der er auf die Verdienste des Jubilars näher einging und das Wirken eines Priesters näher beleuchtete. Im Anschluß an die Predigt sang Herr Oberkantor Davivsohn das von ihm selbst - verfaßte „Segne, o Herr, den Jubilar" mit Orchesterbegleitung. .Nunmehr sprach Herr Dr. Münz selbst. Er schilderte seine Tätigkeit während seiner 25jährigen Amtsperiode, wie er wirkte im Dienste seiner Gemeinde, und wie erbemüht gewesen sei, in steter Eintracht auch mit den anderen Konfessionen zu

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