Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- Seite 551 (sequence 11)
- Language
- German
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551 „Und wer sind die hiesigen Angehörigen des Mädchens?" fragte Ledermann. „Ein gewisser Alfred Steinsels, der die Schwester zur Frau hat." „Steinfels? Ist das nicht der Associe von Edmund Grosser?" „Man sagt, Steinfels und Grosser sind auseinander, und Grosser habe einen Prozeß gegen ihn angestrengt. Steinfels' Verhältnisse seien infolgedessen sehr bedrückte." „Hängt der Unglücksfall vielleicht damit zusammen?" „Durchaus nicht, meine Herren," antwortete . Sieders, „Steinfels' Prozeß macht mir keine Sorge. Es gibt noch Richter in Preußen, die die ganz unqualifizierbaren Forderungen des Ehren-Grosfers auf ihren moralischen Gehalt prüfen werden, und dann, die Familie steht unter meinem besonderen Schutze, man hat ja schließlich auch seine' Beziehungen, die man mal in gerechter Sache geltend machen kann..." „Bravo, Dr. Sievers!..." Einige der Herren schüttelten ihm die Hand. „Dr. Sievers verleugnet seinen Heimatsboden nicht," sagte einer der Umstehenden. „Und das jüdische Herz!" fügte der Bankier hinzu. „Das Geheimnis dieses jammervollen Unglücks aber hat das bedauernswerte Mädchen mit ins Grab genommen," fuhr Sievers fort und sah Saulmann schärfer an,, „die Ursache dieses Selbstmordes wird nicht bekannt werden..." Ein Atemzug der Erleichterung entfloh, nur dem beobachtenden Blicke Sievers bemerkbar, Saulmanns Lippen.! „Aber, nun' Adieu, meine Herren, die Börse beginnt.! Adieu Herr Dr. Saulmann, ich wünsche Ihnen einen heiteren i Verlobungsschmaus."! Ende. Die Aüdin. Eine Dichtung von Adolph Donath - Berlin. am der Frühling in die Gasse, Und von seinen hellen Strahlen Schimmerten der Mädchen Haare Wie von glänzenden Opalen. Und es weitete die Sehnsucht Die ergrauten Ghettomauern, Wo Gestrüpp und Dornensträucher Um des Volkes Freiheit trauern. Wo der Widerhall nur zittert, Wenn die Juden Tote bergen, Wenn die' Erde rinnt auf Erde Von den holzgebauten Särgen. Kam der Frühling in die Gasse... Nur die schöne Rahel klagte, Weil der Vater ihr die letzten Wünsche seines Lebens sagte. Und der Wohllaut ihrer Stimme Klang wie seelisches Frohlocken- Und die Hände waren weißer Als die weißen Maienglocken. Rahel war die reichste Jüdin. Ihres Herzens Kostbarkeiten Linderten die stumme Armut Weltvergessner Einsamkeiten. Rahel war die ärmste Jüdin. Trug man doch den Einzig-Guten, Ihren Vater, dorthin, wo die Ewig»Friedevollen ruhten. Seit dem Tod des weisen Jakob Waren Jahre schon verflossen. Dreimal hatte schon der Frühling Seine Blüten ausgegossen. In dem Haus des weisen Jakob Schien das Leben ausgestorben, Gleich als hielte ein Geheimnis Sich darinnen scheu verborgen. Und man merkte, wie die Juden Aengstlich still vorüberschlichen. Das Erinnern an den Weisen War seit langem schon gewichen. Denn das Ghetto hatte seine Schönste Rahel längst verloren. Weil sie, liebend, einen Fremden Sich zum Manne auserkoren. Und das Volk der Gasse sagte, Daß der Glaube sie geschändet. Daß sie bloß aus eitlen Lüsten Ihre Weiblichkeit verpfändet — - Denn ins Haus des alten Jakob, Den die ganze Stadt verehrte, Dessen weisen Rat und Ausspruch Auch der Fremde stets begehrte, Schlich der Tod. Die schöne Rahel Faltete die jungen Hände, Als der rote Glanz der Sonne Glühte durch des Zimmers Wände Und des Toten Stirne küßte, Wie zum Dank, daß er geboren, Um zu bessern, die den Glauben An ihr eignes Selbst verloren. Rahel war die schönste Jüdin. Ihres.Mundes Perlenzähne Glänzen wie der Silberschimmer Einer bergkristallnen Träne. In der schwarzen Glut der Augen Und dem Feuerschein der Wangen Schien das zaubergleiche Bildnis Einer Märchenwelt zu hangen. Und des Ghettos schönste Jüdin Oeffnete des Friedhofs Pforte, Um den Totensang zu singen An des Vaters gutem Orte. Immer wenn der Sabbat nahte, An dem Abend, der vom Leide Ein Erlösen bringt und Heilung, Und das Volk im Feierkleide Ihres Vaters Erde schmückten Junge Gräser, Epheuranken, Kleine weiße Glitzersteine, Die des Frühlings Wärme tranken. Leise zog sie aus der Erde Einen Grashalm nach dem andern, Legte Steinchen drauf und ließ die Tränen zu tzkem Toten wandern. Und sie weinte lange Stunden, Bis zum Abend, da die Sterne, Wie Neriräumte Jugendtage, Grüßten^) blauen F.erne, Und fitz, ^e^tej ^vie'ein MädHen^' Das >)er' Ääter.dodu Nicht ge/ökat?ünA^M JhrÄMMMAj «tfgg fff! it ö NO nsAsix Snsll 0nii<5 no6 siiaft * ch*u6 schlsm mi ,tfl9izmA chis (088k Zum Gebet des Herrn versammelt, Strahlte Licht aus den umflorten Fenstern des verfluchten Hauses Und aus allen seinen Pforten- Also feierte die Rahel Ihren Vater, und sie ehrte Seinen Glauben, der in ihrer Seele glühend weiterwährte, Und alljährlich, wenn der Frühling In die Gasse war gekommen, Und der letzte Gruß des Tages In den Wolken war verglommen, Muckte ,Rahel auf dem Grabe ^"^EiNH^G^shaW nach den: andern. 'Omte Memchen dräüf und.' lieft die 5,1,9 ZMntzn D Fern TÄen'Äanöern.". . ~y*„en P M _ ,n9htl3J9© N9t9NK»l9xSgsUO nnils*0lk, -709k notf) 9t79<jnuflrfloL. iacttf, £jn uü, ftjß 8oG .IwT .1 iti nsduß. 596 9ifti(b]9© ruZ. (- .609 r .8*966953$ Ä 39gNttZ> JIOÖ gOl'lM JO? O t3UstNO3$