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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-11-05 · Heft 45 (5.11.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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gründen sei der Antisemitismus nicht zn bekämpfen. Er fuhr fort: „Ich habe das früher gemeint und immer und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestiert, welche Antisemitismus heißt. Aber es nützt nichts. Es ist alles umsonst.^ Was ich Ihnen sagen könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Daraus hört doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Haß und den eigenen Neid, auf die schändlichsten Instinkte. Alles andere ist ihnen gleich. Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. Man kann nicht auf sie wirken. Was soll man auch einem sagen, der dem „Rektor aller Deutschen" folgt? Der ist nicht mehr zn retten. Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz — ob es nun der Pöbel auf der Straße oder der Pöbel im Salon ist, das macht keinen Unterschied: Kanaille bleibt Kanaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille. Er ist wie eine schauerliche Epidemie, wie die Cholera — man kann ihn weder erklären noch heilen. Man muß geduldig warten, bis sich das Gift von selber austobt und seine Kraft verliert. Und das kann doch jetzt nicht mehr so fern sein. Endlich muß sich die Pest ja doch einmal erschöpfen. Vielleicht verschwindet nun der Wahn, der so viele Gemüter betört und unsere ganze Kultur um hundert Jahre zurückgeworfen hat. Aber alle Gründe und die besten Argumente helfen da nichts. Wer Gründen und Argumenten zugänglich ist, der kann ja überhaupt gar kein Antisemit sein. Der Antisemitismus ist nicht zu widerlegen, wie keine Krankheit zu widerlegen ist. Man muß warten, bis die im Grunde doch gesunde Natur des Volkes sich von selber aufrafft und den faulen Stoff aus sich wirft." F. Berlin, 31. Oktober. Das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens feiert — wie schon berichtet — die hiesige jüdische Lehrer-Bildungsanstalt am 8. d. M. durch einen vom Vorstand der Gemeinde veranstalteten Festakt in der Aula des Seminars, wozu auch an alle früheren Zöglinge Einladungen ergangen sind. Am Abend des 7. November findet im Verwaltungsgebäude der Gemeinde Rosenstraße 2/3 die Begrüßung der auswärtigen Gäste durch die hiesigen Kollegen statt. Im Anschluß daran soll eine Sitzung zur Konstituierung des Vereins „Lehrerhort", Unterstützungs- und Darlehnskasse für ehemalige Zöglinge der Berliner Lehrerbildungs-Anstalt, dessen Gründung in der letzten Versammlung der in Groß-Berlin ansässigen früheren Zöglinge beschlossen wurde, abgehalten werden. Das vorbereitende Komitee hat alle hierzu erforderlichen Schritte getan, und es steht zu hoffen, daß durch die Gründung des „Lehrerhort" ein bleibendes und Segen stiftendes Andenken an das Jubiläum geschaffen werde. Die zahlreichen Beitrittserklärungen aus allen Teilen Deutschlands und die bisher geleisteten und noch zu erwartenden Beiträge sichern den Bestand des „Lehrerhorts", dessen Notwendigkeit durch den beständig steigenden Mangel an Lehrerstellen immer dringender wird. Der Ausbau des „Lehrerhorts" zu einem „Lehrerheim" für invalide und pensionierte Lehrer nach dem Muster des hiesigen Lehrerinnenheims wird die Aufgabe und Sorge des neuen Vereins sein. Im weiteren Verlauf des Jubiläumstages wird ein Festmahl mit Kommers stattfinden, an dem außer den früheren Zöglingen und dem Seminarlehrerkollegium Vertreter von Behörden, Körperschaften und Schulen teilnehmen. Für einen würdigen Verlauf der Feier ist Sorge getragen. *** Berlin, 1. November. In der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, N., Artilleriestraße 14, wird im Winterhalbjahr 1909/10 Dozent Dr. Elbogen jeden Mittwoch, abends 8 bis 9 Uhr, über: „Judentum und Urchristentum" vortragen. Beginn Mittwoch den 3. November. Die Vorlesung ist für weitere Kreise bestimmt. Zutritt unentgeltlich. I-. Berlin, 1. November. Der bekannte Nationalökonom Professor Dr. Werner Sombart hält in der nächsten Zeit hier vier Vorträge .über: „Judaismus und Kapitalismus." Im einzelnen behandeln die Vorträge: „Die Bedeutung der Juden für das moderne Wirtschaftsleben. — Die Befähigung der Juden zum Kapitalismus. — Wie jüdisches Wesen entstand. — Die jüdische Religion in ihrer Bedeutung für den Kapitalismus." Der Termin für die einzelnen Vorträge wird in den Tagesblättern und an den Anschlagssäulen bekanntgegeben werden. Die Eintrittskarten sind in den bekannten Verkaufsstellen A. Wertheim, Bote & Bock und Buchhandlung Lamm, Neue Friedrichstraße, zu haben. 8. Berlin, 31. Oktober. Das „Israelitische Lehrerinnenheim" in Lichterfelde begeht in den ersten Tagen des November d. I. sein zehnjähriges Bestehen. Für diesen echten Nuhehasen, der bisher nur einer kleinen Schar altersmüder Lehrerinnen dienen konnte, ist eine Erweiterung des Baues, veranlaßt durch eine Ueberzahl von Bewerbungen, dringend erforderlich geworden. Es ergeht daher 'an alle Menschenfreunde die herzliche Bitte, das segensreich wirkende Heim durch gütige Zuwendungen fördern zu wollen. Beiträge nehmen entgegen Dr. A. Oliven, Lützowstr. 89; Fräulein Münchhausen, Friedrich Wilhelmstr. 18; Frau Henriette May, Königgrätzerstr. 97. — Berlin, 24. Oktober. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder (E. V.) veranstaltet am Sonnabend den 13. November d. I. zürn Besten seiner Unterstützungskasse in der Philharmonie ein großes Wohltätigkeitsfest mit vorangehendem Künstlerkonzert. Hierzu haben bisher ihre Mitwirkung zugesagt:. Königl. Hofopernsängerin Frl. Frances Rose, Frau Jenny Heß- Alexander, Königl. Kammersänger Herr Ernst Kraus, Königl. Hof- Opernsänger Herr Baptist Hoffmann, Herr Professor Bernhard Dessau, Herr Severin Eisenberger, Herr Professor Heinrich Grünseld. Eintrittskarten zu 2 Mark, Reservierte Plätze zu 3 und 4 Mark, Logen- und Balkonplätze zu 3 Mark im Bureau des Vereins, Bülowstraße 10,5 (Amt YI, 1442) und bei A. Wertheim, Leipziger Straße und Kantstraße 3 zu haben. *** Kattowitz (Oberschlefien), 31. Oktober. Am 7. November findet hier die 25 jährige Jubiläumsfeier der Kattowitzer Konferenz statt, an welcher Delegierte aus allen Ländern teilnehmen werden. Das Programm umfaßt einen Festakt im Repräsentantensaal der Synagogengemeinde am Vormittage, wobei die Bedeutung des Anlasses gebührend gewürdigt werden soll, ein Bankett und eine große öffentliche Versammlung am Nachmittage, in welcher neben dem Präsidenten Wolfsohn einige hervorragende zionistische Parteiführer zu Worte kommen werden. In der jüdischen Bürgerschaft Oberschlesiens und Russisch-Polens sieht man dem Festtage bereits mit großem Interesse entgegen. (1. Zabrze, 28. Oktober. Am 24. d. M. hielt der Synagogen- Gemeindeverba nd des Regierungsbezirkes Oppeln feine 11. Hauptversammlung ab. Der im Jahre 1890 gegründeten Vereinigung, welche seit 1894 die Rechte einer juristischen Person besitzt, gehören sämtliche 26 oberschlesischen Gemeinden als Mitglieder an. Der Verband hat für seinen Bezirk ein Waisenhaus in Zabrze errichtet. Zum Verbandstage waren die Vertreter der Gemeinden in größerer Anzahl (zirka 28) sowie Mitglieder des oberschlesischen Rabbinerverbandes und ein Vertreter des Bezirks-Lehrervereins erschienen. Die Gemeinde Zabrze veranstaltete für die Deputierten, welche sie durch ihre Vorsteher mit Wagen vom Bahnhofe abholen ließ, ein splendides Frühstück. Die Verhandlungen, welche durch den Verbandsvorsteher Herrn Justizrat Berger-Königshütte geleitet wurden, ergaben ein erfreuliches Bild von der segensreichen Entwicklung des Verbandes. Die Hauptfürsorge gilt den kleinen Gemeinden, welche nicht imstande sind, aus eigener Macht einen Beamten für den Religionsunterricht zu besolden. So ist für Alt-Verun und die benachbarten Ortschaften ein Zweckverband mit einem Wanderlehrer begründet worden. Hierfür hat die Oppelner Regierung 300 Mark und der Deutsch - Israelitische Gemeindebund 200 Mark bewilligt. Zur Ausbildung von Kultusbeamten,' an denen ein großer Mangel herrscht, will der Verband Prämien gewähren. Wegen Bildung einer Prüfungskommission zur Erteilung des Religionsunterrichts schweben die Verhandlungen noch. Indes ist vom Kultusministerium trotz zweimaliger Anfrage kein Bescheid eingegangen. Für den Religionsunterricht hat der Verband neun Gemeinden Beihilfen, insgesamt 1130 Mark bewilligt. In 15 Gemeinden ist der Unterricht von dem Verbandsrabbiner inspiziert worden. Beihilfen hat der Verband gewährt u. a. dem Ferienkursus für Lehrer in Breslau, der Witwen- und Waisenkasse des Rabbinerverbandes, der Lehrer-Bildungsanstalt in Hannover. Die Gründung eines jüdischen Altersheims für Oberschlesien wurde zunächst durch den Magistrat der Stadtgemeinde Zülz angeregt, die hierdurch einen Zuzug von jüdischen Bürgern erhofft. Auch die Gemeinde Beuthen inOberschlesien hat sich zur Aufnahme des Heims bereit erklärt. Ueber die Anstellung eines Wanderrabbiners berichtete Stadtrat

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