Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- Seite 539 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dieses nicht schöne Wort würde von einem pensionierten Wiener Universitäts-Professor und Herrenhausmitgliede noch jüdischer Konfession geprägt, der offenbar die ganz eigentümlichen Verhältnisse in diesem Länbchen im äußersten Osten unserer Monarchie nicht kennt. In etwa zwanzig jüdischen, massenhaft besuchten Volksversammlungen wurde über die Landtags-Wahlreform in der Bukowina hitzig debattiert. Die Juden gingen in diesem Lande meist mit den Deutschen, wodurch dem Antisemitismus Nährstoff zugeführt wurde. Sie verlangen nun neben Deutschen, Rumänen, Ruthenen und Polen auch ihre eigene Vertretung. Freilich ist die Regierung nicht geneigt, auf dieses Verlangen einzugehen. Der vom Permanenz-Ausschüsse des Bukowinaer Landtags ausgearbeitete Entwurf wurde dahin abgeändert, daß die jüdische Kurie und der jüdische Kataster beseitigt wurden. Es werden Majoritäts- und Minoritätsmandate für jüdische Majoritäten und deutsche Minoritäten eingeführt. Neu ist auch die konsequente Hinweglassung der Bezeichnung „jüdisch" überall, wo sie im früheren Entwürfe vorhanden war und die Wahl und die Wahlkreiseinteilung für die Juden und Deutschen. Diese Einteilung soll sowohl Juden, als auch Deutschen sichere Bezirke schaffen. So will man auch ohne „Wahl-Ghetto" den Juden gewisse Mandate sichern. Die Regierung geht, wie der Minister des Innern behauptete, von der Absicht aus, alles zu vermeiden, wodurch die verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte der Juden irgendwie in Frage gestellt oder gar verletzt werden könnten. Sie sollen keine Sonderstellung einnehmen. Diese Absicht der Regierung muß sicherlich als eine wohlwollende bezeichnet werden. Nur wünschten wir, daß sie sich auch aus anderen Gebieten offenbarte. Oder sind manche Stellungen den Juden nicht ganz verschlossen? Warum haben wir nicht jüdische Mittelschuldirektoren, Militär-Auditoren, höhere jüdische Gerichts- und Ministerialbeamten? Sieht man nicht, wie der Abfall vom Judentum von Tag zu Tag zunimmt, und gar viele ihre Stellungen, die sie im Staatsdienste einnehmen, mit der Abtrünnigkeit von der angestammten jüdischen Religion erkaufen? Da sollte einmal gründlich Abänderung geschaffen werden. Es ist richtig, die Verhältnisse haben sich auch nach dieser Richtung gebessert. Aber ist es nicht traurig, daß die antisemitische Majorität im niederösterreichischen Landesschulrate z. B. mit ihrem Machtgebote es verhindern kann, daß jüdische Gymnasiallehrer in Wien eine Anstellung finden? Und dieses Beispiel einer antisemitischen Behörde findet natürlich in den Kronländern willig Gehör und Nachahmung. Es ist daher noch viel zu tun, um der wahren Gleichberechtigung der Juden, die verfassungsmäßig gewährleistet ist, zum Siege zu verhelfen. Diese Arbeit zu verrichten, ist auch Aufgabe der Juden selbst. Ein jüdischer Gemeindebund hat sich im April vorigen Jahres in Wien konstituiert. Es wurde, als er wieder zusammentrat, viel darüber debattiert, ob den Rabbinern auch eine Vertretung in diesem Bunde gewährt werden soll oder nicht, es ertönte das Feldgeschrei, hie liberal, hie orthodox, aber weiter hinaus kam man nicht. Der alte morbus juäaieus. Eine große Aufgabe harrt des Gemeindebundes und diese besteht darin: Mit allen gesetzlichen Mitteln für die Juden der Monarchie das anzustreben, was ihnen gebührt, volle Gleichberechtigung auf allen Gebieten der Justiz, der Schule, der Administration des Staates. Nun heißt es für den Gemeindebund, an die Arbeit gehen. Taten beweisen. Iwri. Dir Kompagnons. Roman von Ernst Heilmann. XVIII. das ging mich nichts an ... Ihre Schwester war in Ihrem Schutze ... ich hatte um die Angelegenheiten anderer mich nicht zu kümmern, obwohl es mir ausfiel, daß Fräulein Else Friedsohn ihr Bild einem Manne gab, der nicht ihr Verlobter ist. . ." „Das ist nicht wahr! Das kann nicht wahr sein!" „Leider doch! Als Doktor Saulmann dann um die Hand meiner Schwester warb, da glaubte ich,- die ich Mutterstelle bei ihr vertrat, das Recht zu haben, ihn über dieses Bild zu befragen..." „Und was sagte er, um Gottes Willen, was sagte er?..." „O, er war nicht indiskret! Aber was er so andeutete... es scheint in der Tat... Er hat Fräulein Else etwas stark den Hof gemacht. .. Diese jungen Mädchen bilden sich so leicht etwas ein.. . kommt's dann anders... wie es kommen muß ... natürlich und praktisch ... da man eine Ehe auf einer soliden Grundlage aufrichtet... während man zu seinen romantischen Abenteuern,, zu seinen Courmachereien sich an andere hält, ist das Unglück fertig!" Sie hatte ihren großen Trumpf ausgefpielt! Ihre Rache an Agathe, die sie haßte, war genommen. Die arme Frau saß völlig vernichtet, wie betäubt da.' Sie vermochte kein Wort herauszubringen, endlich keuchte Sie aus bebender Brust heraus: „Und dann — nachdem Sie das wußten .. . nachdem er selbst zugegeben, was ich noch immer nicht glauben mag... Else, dieses liebe, harmlose, sonnige Geschöpf... aber wann, wann ist es geschehen? Wo hat er sie gesehen?. . ." und plötzlich fiel es wie Schuppen von ihren Augen .. . Die oftmaligen Ausgänge Elses — ihr Aussehen — ihre Verstörtheit — laut aufschluchzend barg sie ihr Antlitz in den Händen, die Anwesenheit ihrer Peinigerin schien sie ganz vergessen zu haben. Diese betrachtete ihr Opfer kalten Auges. So hatte sie sie zu sehen gewünscht, gekränkt, gedemütigt, hilflos .,. Das war die Vergeltung für die bitteren Stunden, die sie ihr bereitet hatte. Als Agathe sich ausgeweint und einigermaßen beruhigt hatte, fing sie an: „Und Sie kommen also, um mir zu sagen, daß Herr Doktor Saulmann Ihre Schwester demnach nicht heiraten kann, da er, wi.e es scheint, Verpflichtungen gegen die meinige eingegangen ist? . . ." Die Gefragte stierte die noch immer leise Schluchzende mit weit aufgerissenen, fast blöden Augen an. Aus ihren Mienen sprach deutlich die Befürchtung, daß sie Agathe für verrückt halte . . . „Nicht . . . nicht heiraten werde? Es scheint, gnädige Frau, Sie wollen sich über mich lustig machen. Die Verlobung meiner Schwester wird in den allernächsten Tagen stattsinden, und der Zweck meines Besuches war vielmehr der. Sie zu ersuchen, Fräulein Elfe auf das Unpassende ihres Benehmens hinzuweisen . . . Ein junges Mädchen aus guter Familie, von guter Erziehung gewährt einem jungen Manne doch nicht solche Vorrechte . , „Aber um Gottes Willen. Sie können Ihre Schwester doch nicht einem Manne verloben, der einer anderen . . . noch