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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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»'•«, ■ Dxx (KemetndeVote. ”■ "*•',m Veilsge zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums. SorrrlponÄknrm und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 24. Oktobern Der heutigen Reprä sent a n t e n - V e rfammlung. lagen zunächst verschiedene Rechnungsabschlüsse pro 1908/09 zur Beratung und Entlastungserteilung vor. Der Abschluß desReichenheimschen Waisenhauses ergibt an Einnahmen einschließlich des Gemeindezuschusses 61851.15 Mark, an Ausgaben 60 744.20 Mark. Im Anfänge des Berichtsjahres zählte die Anstalt 70 Zöglinge (40 Knaben. 30 Mädchen). Im Laufe des Berichtsjahres sind 12 Zöglinge (6 Knaben und 6 Mädchen) entlassen und ebensoviele neu ausgenommen worden. Hiervon besuchten 10 Knaben und 5 Mädchen höhere Schulen, 15 Knaben und 15 Mädchen die Knabenbezw. Mädchenschule der jüdischen Gemeinde und 15 Knaben und 10 Mädchen städtische GemeindeschNlen. Von den auS der Anstalt entlassenen Zöglingen wurden 2 der Mutter zurückgegeben, von den übrigen wandten sich 7 dem -kaufmännischen Berufe zu, darunter 1 Zögling mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst. 1 Zögling will Elektrotechniker werden, 1 Mädchen hat den Kindergärtnerinnenberuf, eines den Schneiderinnenberuf gewählt. Die Verpflegungskosten beliefen sich pro Kopf und Tag auf 65.66 Pfg. (gegen 68.82 Pfg. im Vorjahre). — Bei der Baukommission ergab sich ein Minderverbrauch von 2920.88 Mark. Die Einnahmen beliefen sich auf 46 611.50 Mark, die Ausgaben aus- 43 690.62 Mark. — Ter Rechnungsabschluß fürdie gottesdienstlichen Veranstaltungen an den hohen.Festtagen des Jahres 1908 ergibt an Einnahmen 147 646.30 Mark, und zwar an Gemeindezuschuß 72 266.85 Mark, Erlös aus Platzmieten 74139.50 Mark. Erlös aus Mizwothgeldern 267 Mark. Die Ausgaben beliefen sich auf insgesamt 160127.16 Mark, so daß ein Mehrverbrauch von 12 480.86 Mark zu verzeichnen ist. Aus der recht interessanten Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben für die einzelnen Säle gibt der Referent Herr BenasLevy einige bemerkenswerte Beispiele. Die Säle Philharmonie, Mozartsaal und Tiergartenhof bringen nur soviel ein, wie sie kosten; Beethovensaal, Langenbeckhaus und Deutscher Hof erfordern etwa 1500 Mark Zuschuß, bei allen übrigen Sälen ist ein Zuschuß von 2400 bis 5000 Mark erforderlich. Die Jugendgottesdienste erfordern eine durchschnittliche Ausgabe von 2200 bis 2900 Mark. Die Gesamtunkosten für den Jugendgottesdienst betrugen 32621.35 Mark. Herr Manheimer bekämpft bei dieser Gelegenheit wieder die Mizwothgelder und fordert mit Nachdruck die Aufhebung der für eine Großgemeinde unwürdigen Institution. Die Energie, mit der Herr Manheimer die Beseitigung dieses alten Brauches von Jahr zu Jahr fordert, ist geradezu bewunderungswürdig, er kann jedoch mit Genugtuung diesmal einen Erfolg verzeichnen. Die Zahl der Befürworter der Mizwothgelder ist recht klein geworden, zu ihnen zählen die Herren AroN Hirsch, Loewenthal und Emil Pincus, die im Interesse der Synagogenvorsteher und der Synagogenbesucher die Beibehaltung fordern. Herr Loewenthal, nach dessen Ansicht sich infolge dieses Brauches niemals Schwierigkeiten in der Praxis ergeben haben, tritt dafür ein, die Einnahmen aus den Mizwothgeldern der Armenkommission, zu überweisen, um jedes Odium zu beseitigen. Herr Professor Blaschke erwartet nicht eine Abhilfe der Störungen, wenn die Mizwothgelder abgeschafft werden. Die Gegner, zu denen in der heutigen Diskussion sich die Herren Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn, Lewinski, Geheimrat Blumenthal und Direktor Minden bekennen, weisen darauf hin, daß die geringen Einnahmen aus den Mizwothgeldern bereits erkennen lassen, wie wenig berechtigt der Verkauf sei. Herr Direktor Minden hält es für ausschlaggebend, daß derartige Ehrenämter nicht verkauft werden dürfen, was unseren modernen Anschauungen direkt ins Gesicht schlage. Die lange Diskussion endete mit der mit großer Mehrheit' erfolgten Annahme eines Antrags Blumenthal/ daß der Gemeindevorstand die vereinigten Synagogenvorstände auffordern solle, einen Modus zur unentgeltlichen Verteilung der Mizwoth zu suchen. — Alsdann wurden die Rechnungsabschlüsse der Alterversorgungsanstalten, des zweiten Waisenhauses und des Krankenhauses dechargiert. Die Zahl der Insassen der Alterversorgungsanstalt in der Exerzierstraße ist um 19 gestiegen. Herr Manheimer bittet hierbei den Gemeindevorstand, bei der Einrichtung und Belegung der Zimmer ein schnelleres Tempo zuzulassen. Die Zahl der Petenten sei sehr groß, und die Anstalten verfügen über die Mittel, auch eine größere Zahl verpflegen zu. können. Der Abschluß des Krankenhauses ergibt an Ausgaben 275 444 Mark und an Einnahmen 271 862 Mark. Ueber 35 Prozent der Patienten sind unentgeltlich verpflegt worden; für die Poliklinik sind zirka 20 000 Mark verausgabt worden, Die Summe von 600 000 Mark ist zur Errichtung einer gynäkologischen Abteilung und einer Entbindungsanstalt bestimmt. Das Vermögen des Krankenhauses beziffert 'sich auf 2 334 806,74 Mark. — Der Nachtragsetat pro 1909/10, der irrtümlich eine Position zweimal enthalten hatte, wurde nunmehr nach Richtigstellung des Fehlers genehmigt. — Zur Anschaffung eines Bahrwagens wurden 420 Mark bewilligt. Ebenso erklärt die Versammlung ihr Einverständnis zur Anschaffung einer neuen Orgel für. die Neue Synagoge. Der Bau ist der Firma Walter <d Co. in Ludwigsburg zum Preise von 39 663 Mark übertragen worden,, welche für den Preis von 2300 Mark die alte Orgel mit Ventilator übernimmt. Die Errichtung der neuen Orgel soll noch vor dem nächstjährigen Passahfest vollendet sein. Nach Abbruch der alten Orgel wird die Firma leihweise eine Orgel aufstellen, so daß der Gottesdienst keine Unterbrechung erfahren wird. — Die Vorlage, betreffend den Bau der neuen Synagoge Fasanen st raße konnte heute, wenn auch erst nach langer Diskussion, verabschiedet werden. Die Referenten für die Ausschüsse I und III baten den Kostenanschlag in Höhe von 1 110 000 Mark und den Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Architekten He s s e l zu genehmigen. Der als Stellvertreter einberufene Architekt Herr Kuznitzky erhob mehrere Einwendungen gegen die Bestimmungen in dem Vertrage mit dem Architekten Hessel und wünschte u. a. die für die architektonischen Arbeiten und künstlerische Beaufsichtigung die Festsetzung einer Pauschalsumme, die weniger als 3,05 Prozent der Bausumme, wje sie der Vertrag gewährt, betragen soll. Die Versammlung konnte sich nach der Erwiderung des Gemeindesyndikus Justizrat Lilienthal den Bedenkest des Herrn Kuznitzky nicht anschließen und lehnte fast einstimmig die von letzterem gestellten Anträge ab. Dagegen wurden mit großer Mehrheit die Anträge der Referenten zum Beschluß erhoben. Der Dezernent des Gemeindevorstandes, Herr Seligsohn, konnte hitrzufügen, daß die bauleitende Kommission der Gemeinde mit den Vorarbeiten für den Bau vollständig fertig ist, und daß Bedenken gegen das Projekt im Polizeipräsidium nicht vorliegen. Innerhalb 10 Tagen dürfte die Baüerlaubnis eingehen, und deshalb sind bereits die Submissionen für die Ausschachtungsarbeiten ausgeschrieben worden. Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn richtetete an die bauleitende Kommission die Bitte, nicht das Prinzip darin zu sehen, möglichst viel hinter dem Voranschlags zurückzubleiben, insbesondere ersuchte er, der Ventilation der neuen Synagoge, sorgsame Aufmerksamkeit zu widmen. Ein Antrag Minden, bei der Fundamentierung der Synagoge darauf Rücksicht zu nehmen, daß geeigneten falls später die Errichtung .eines Turmes keine Schwierigkeit macht, vermochte noch sieben gegen sechs Stimmen aus sich zu vereinigen, obwohl bie ad hoc eingesetzte gemischte Kommission sich gegen den Turm, der garnicht in den Stil des ganzen Gebäudes hiNeinpaßt, ausgesprochen hatte. Nach Ansicht des Antragstellers ist nicht immer das Einheitliche, sondern manchmal gerade die Unregelmäßigkeit das Reizvolle, und derTurm würde ein weithin sichtbares point de vue bilde«. Herr B enasLevh bittet noch, der bäuleitenden Kommission . ans Herz zu legen, daß der Termin der Fertigstellung (sechs Wochen vor den jüdischen Festtagen 1911) auch wirklich innegehalten werden muß. Im Interesse der sehr ungeduldigen Charlottenburger Bürger bittet

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