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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
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' f' *SBan!ettcft? beteiligten/ bcfinbenf ft# :!titatrö&e; deren ich mich -auK -weinev^ Kinderzeit' sehr Mhl^eÄMeM D: HntzmanW ^Meyer a. Dev Verkehr war einsehr'reger; äuchunter? den- Bekannten erschienet vertraute - Namen, z. B. Verth old - Auerbachs -dessen erste Gattin eine Breslauerin war, D: Chwolson, ^der Mamr" von Cohns Stiestanteder große Petersburger .'Gelehrte,--(der trotz seines Uebertritts zum Christentum, seine sSymPathien für das Jüdentüm nie verleugnete. Mit der- Familie blieb er innigst vereint: den Eltern, namentlich der Mutter, widmete er eine rührende Pietät, der /Tod eines begabten Bruders, Richard, erregte ihm großen 'Schwerz (1858).' Erst 1866^ den Vierzigern nahe, verlobte er sich mit Pauline Reichenbach, einem gebildeten, aus angesehener - Familie stammenden Mädchen und führte mit ihr, länger als dreißig Jahre, eine zwar kinderlose, aber hochbeglückte Ehe. -Zeugnisse dafür sind dieanmutigen Verse, mit denen der Gatte die Gattin am Hochzeitstage zu besingen pflegte. Sein Haus, das mit feinem Verständnis zu schmücken er sich angelegen sein ließ, würde der Mittelpunkt edelster Geselligkeit; durch geistreiche Unterhaltung, humoristische Toaste wußte er den großen''Kreis von Verwandten, Schülern, Kollegen zu erfreuen und zu beleben. Reisen, u. a. nach England, wo Tyndall und Darwin besucht wurden, erfrischten das innig vereinte Paar; auch nach Italien und Konstantinopel. Ein großer Schmerz wurde dem treuen Sohne zuteil, als er den Verlust der Eltern zu beklagen hatte: im Februar 1882 starb die Mutter, nach 55jährigem Eheglück; ittr April 1883 der Vater, der wegen feinet geschäftlichen Tüchtigkeit geehrt, mit manchem Orden geschmückt, auch zum Geheimen Kommissionsrat ernannt Worden war, der nicht bloß mit väterlichem Stolz, sondern mit Interesse und Verständnis des Sohnes wissenschaftlicher "Entwicklung gefolgt war. Am 13. November 1897 feierte 'Cohn in voller Frische sein 50 jähriges Doktorjubiläum, am 24. Januar 1898 seinen siebzigsten Geburtstag, am 28. Juni 1898 starb er nach kurzem Unwohlsein. „Ihn, der die Rosen vor allem liebte, haben wir ganz in Rosen gebettet", schreibt die treue Gattin. Er war ein guter, edlerMensch. Die treffliche Frau, die ihn am besten kannte, charakterisiert ihn folgendermaßen: „Er rang sich empor zu einem erhabenen Standpunkt; er übersah das Kleine, Enge und faßte das Leben als Ganzes und Großes auf, und daraus erwuchs ihm seine Nachsicht mit den Menschen und. seine große, wahrhaftige Liebe zu ihnen, seine dankbare Würdigung auch des Geringsten. Daher kamen, der klassische Humor, der sein ganzes Wesen, durchdrang, und jene innere Heiterkeit, die man gewinnt, wenn man nicht nur genießt, sondern dem Widrigen und Schweren gegenüber sich in Selbstbeherrschung übt. Besonders fern waren ihm aber Neid und Mißgunst; er kannte nicht das Gefühl einer Zurücksetzung." 7 All sein Eifer aber galt der Wissenschaft. Von den Breslauer Professoren des Fachs — Nees vom Esenbeck, der freilich bald gemaßregelt wurde und Göppert — gefördert, arbeitete er mit Lust und Erfolg. „Mein einziges Vergnügen ist die Wissenschaft und doch befriedigt auch sie mich nicht ganz", notierte er im Januar 1850. Doch wurde er bald Herr solcher resignierter Stimmung. Schon im Herbst 1850; wurde er Privatdozent, fing an zu lehren und hörte nicht aus zu lernen. Mit seinen Kollegen kam er in angenehme, teilweise recht freundschaftliche Verhältnisse; von auswärtigen Fachgenossen trat ihm Pringsheim am nächsten; aber auch Forscher von .benachbarten Gebieten, der Chemiker Bunsen, Robert Koch .wurden seine Freunde; als er sich 1851 auf einer Naturforscherversammlung dem Geologen Leopold v. Buch vorstellen ließ, r . i.. M ■' /KJ. ■ hiwXBti'' fi A XrtA lögte otejeiJ: „ijy, |S3te weroen jiey ooey nicyt oon anoeren vor- . * stellen lassen. Sie sind ja selbst schon ein berühmter Männ." Die Anerkennung seitens der Behörden und Fächgenoffen ' blieb nicht aus. . Im Jahre 1859 Wurde er außerordentlicher Professor; 1865 war er Mitglied der Jurh bei einerPflanzen-; ausstellung in Amsterdam. IN Breslau wurde er Mitglied der städtischen Promenaden-Deputati'yn und bekleidete mänche städtischen Ehrenämter; in der schlesischen Gesellschaft für - vaterländische Kultur führte er lange Zeit den Vorsitz'in der botanischen Sektion. 1872 wurde er ordentlicher Professor, 1866 hatte er das pflanzenphysiologische Institut , begründet; bei der Errichtung eines neuen Gebäudes 1887 erhielt er.den Titel eines. Geheimen Regierungsrats; bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doktorjubiläums wurde er Ehrenbürger der Stadt Breslau. . V Ferdinand Cohns wesentliche Bedeutung für die Botanik besteht in seinen mikroskopischen Untersuchungen. . Als er in Breslau zu studieren begann, gab es dort überhaupt kein Mikroskop für wissenschaftliche Zwecke; sein Vater schaffte ihm 1846 ein solches an für 312 Gulden, eine für jene Zeip außerordentlich hohe Summe; mit diesem freilich recht unvollkommenen Instrument machte er. seine bedeutendsten- Entdeckungen. Schon in seiner Dissertation: Symbola ad seminis physiologiam, die sonst ausschließlich der Anregung seines Lehrers Göppert ihre Entstehung verdankte, wies er in einer These auf die Notwendigkeit pflanzenphysiologischer Institute hin. Seine ersten selbständigen Arbeiten, waren der Untersuchung über die Bildung der Zellwände durch das Protoplasma gewidmet: neben dem Zellenhautgerüste wurde der Zellinhalt genau erforscht. Der Algenflora.seines Heimatlandes Schlesien widmete er besondere Aufmerksamkeit. Bei diesen Betrachtungen kam er zu dem bedeutenden Satz, der das wesentliche seiner , Lehre enthält und der Grundstein der modernen Biologie geworden ist. „Das große Problem, das in den Uebereinstimmungen und den Differenzen zwischen Tier und Pflanze ruht, wird auf die Teile und Leistungen der Zelle zurückgeführt. Aus dem nun gebotenen Vergleich ergibt sich mit aller der Bestimmtheit, die überhaupt einer empirischen Deduktion auf diesem Gebiete beiwohnen kann, daß das Protoplasma der .Botaniker und die kontraktile Substanz der Sarkode der,Zoologen wo nicht identische, doch in hohem Grade analoge Bildungen sein müssen." Infolge dieser Studienrichtung wurde eine ganze Reihe von Arbeiten der mikroskopischen Tierwelt zugewendet; die Forschungen anderer vermehrend und erweiternd, untersuchte .er die Sexualzellen und Sexualorgane der Algen. Durchseine . Vorlesungen wurde er auch veranlaßt, der systematischen Botanik und der Pflanzenphysiologie sich, züzuwenden. Ein Institut dafür begründete er 1866, wozu die Unterrichtsbehörde die Räume, das landwirtschaftliche Ministerium eine nicht sehr bedeutende Geldunterstützung gab. Diese Beziehung führte dazu, im Institut auch eine Samenkontrollstation für landwirtschaftliches Saatgut zu begründen, die später als selbständige Anstalt abgezweigt wurde; das Institut selbst wurde die Pflanzstätte für viele hervorragende Botaniker der Neuzeit: Cohn begründete in seinem. Institute, den bescheidenen Mitteln entsprechend, in einfachster Weise, ein Seeaquarium, , das ihm zu großen Arbeiten über Infusorien und über systematische Anordnung der niederen Pflanzen veranlaßte. Eine ganz besondere Bedeutung erlangte er aber durch seine Studien über die Bakterien, die, von. 1870 an veröffentlicht, die Basis einer neuen Wissenschaft geworden sind. Durch sie wurde der Gelehrte der Begründer der - modernen fifftiiffttirt :£■ wV :'

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