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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-10-22 · Heft 43 (22.10.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Nach Beilegung ciüer persönlichen Differenzen zum gemeinsamen Handeln in dieser hochwichtigen Angelegenheit zusammengefunden. In den zu diesem Zweck geführten Verhandlungen ist allseitig das Bestreben hervorgetreten, für das leider vakante Amt eine Persönlichkeit zu wählen, welche durch hervorragende rabbinisch-talmudische Kenntnisse, verbundeu mit echt wissenschaftlicher Bildung und ausgezeichneten Charaktereigenschaften würdig ist, Nachfolger der Hamburger Oberrabbiner zu sein, die stets zu den Zierden ihres Standes gehörten. Unter diesem Gesichtspunkte haben die Komitees für die zu erfolgende Wahl der Vertrauensleute, die bei der Wahl des Oberrabbiners mitzuwirken haben, nachfolgende sechs Herren nominiert, die völlig auf diesem Standpunkte stehen: Hertz Heinrich, Michel David» Emil Helft, Sigm. Hilsheim, D. Isaak und Hermann Philipp. Das Nepräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt gestern eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Es lag zuerst ein Antrag des Herrn Paul Laskar vor, die Armenkommission um drei weibliche Mitglieder zu verstärken und dementsprechend das Reglement der Armenkommission abzuändern. Zur Begründung wurde von Herrn Laskar darauf hingewiesen, daß in anderen jüdischen Gemeinden bereits Frauen in der Armenpflege tätig sind und sich auch gut bewährt haben. In der allgemeinen städtischen Armenpflege in Hamburg wirken seit dem Jahre 1908 Pflegerinnen mit. In der Diskussion wurde der Wunsch geäußert, daß dieser Antrag zugleich zu einer Reorganisation der Armenpflege benutzt werde und der Gemeindevorstand der Anstellung eines Armendirektors , nähertreten möge. Es lag weiter die Erklärung vor, daßdieArmenkommission sich in ihrer letzten Sitzung bereits mit der Zulassung weiblicher Personen zur Armenpflege beschäftigt habe und demnächst. diesbezügliche Anträge an den Gemeindevorstand richten werde. Es wurde nun beschlossen, den Antrag Laskar zu vertagen und zunächst die Vorlage des Gemeindevorstandes abzuwarten. Der Antrag des Gemeindevorstandes bei etwaigen Pensionierungen von Lehrkräften der Israelitischen Töchterschule, welche jetzt 20 Jahre oder länger im Amte tätig sind, als Pension 75 Prozent vom Gehalt zu bewilligen, wurde nach kurzer Debatte angenommen. Ein weiterer Antrag des ' Gemeindevorstandes bezweckt, der neu zu gründenden Gesellschaft zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek und Lesehalle ab Juli 1909 vorläufig auf zwei Jahre eine Subvention von 1000 Mark jährlich zu ' bewilligen. Herr Dr. H. C. Plaut ersucht um Annahme des Antrages, damit die geplante Bibliothek baldigst eröffnet werden könne. Der Antrag des Vorstandes fand denn auch mit einem Amendement Annahme, worin das Kollegium den Wunsch ausdrückt, daß die Bibliothek nach Ablauf der zwei Jahre als Gemeindebibliothek fortgeführt werde- Zum Mitglied des Schulvorstandes der Töchterschule wurde an Stelle des"zum Gemeindevorsteher erwählten Herrn Heinrich Levy Herr Wilhelm Bambus gewählt. V Ems, 14. Oktober. Die Verwaltung des „Israelitischen Zentral-Waisen» und Mädchenheim" versendet soeben nachfolgendemBericht für die Zeit vom 1. April 1908 bis zum 1. März 1909: „Das verflossene, zwölfte Berichtsjahr bedeutete für das Israelitische Zentral-Waisen- und Müdchenheim in Ems ein ruhiges, erfolgreiches Weiterschreiten auf dem gewohnten und altbewährten Wege. Die Anstalt hat sich der Pflege und Erziehung der ihr anvertrauten armen und verwaisten Mädchen in ungestörter Sorg-; falt hingeben können. Entsprechend den Anlagen und Kräften jedes einzelnen empfingen die Zöglinge ihre Ausbildung in der städtischen Volksschule, einige auch in der höheren Töchterschule. Der Geist des Hauses, als der ernster Arbeit gepaart mit Frohsinn und wahrer Religiosität, blieb erhalten und gab unseren Kindern ein gesundes, freies Wesen. Die Zahl der Zöglinge betrug am Ende des Jahres 32, von denen 28 schulpflichtig und 4 bereits aus der Schule entlassen waren. Die Schulentlassenen wurden in der Wirtschaftsführung ausgebildet, worin alle während der ganzen Zeit ihres Aufenthaltes in der Anstalt angeleitet werden. Im Laufe .des Jahres haben sechs Zöglinge die Anstalt verlassen. Die Fortschritte unserer. Kinder in der Schule waren gut; ebenso ihr Betragen in und außer dem Hause. Der Religionsunterricht wurde wie bisher im Hause von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Weingarten erteilt. Spiel, Turnen und Spaziergänge in die Umgegend gaben dem Leben in der Anstalt fröhliche . Abwechslung. Die Gesundheitsverhältnisse waten durchaus gute. Dem-Anstaltsarzte, Herxn Dr-. meä. Stemmler, sowie dem. Zahnarzte Herrn Ernst Frey sprachen wir für ihre bewährte selbstlose Behandlung unserer Zöglinge den wärmsten Dank aus. Die Pläne zum Neubau wurden dem Magistrat zur Genehmigung eingereicht,.'von demselben .jedoch zurückgegeben, da nach der neuen städtischen Bauordnung von beiden Grenzen der.Nachbargrundstücke je drei Meter ferngeblieben; werden müßten. Der Bau kann, daher vorerstt nicht zur Ausführung gebracht werden. Herr Kirchberger, der lange Jahre der Verwaltung angehört hatte, hat seinen Austritt angemeldet. Jir der Generalversammlung vom 29. November wurden die Herten Justizrat Dr. Blau in Frankfurt a. M. und Zahnarzt Frey in Ems einstimmig in den Vorstand gewählt. Leider können wir unseren diesjährigen Bericht nicht schließen, ohne der bedauerlichen Tatsache Erwähnung zu tun, daß die Einnahmen im letzten Jahre erheblich ctb*: genommen haben. Um so dringlicher und inniger ergeht daher : diesmal an alle edlen'Menschenfreunde im deutschen Vaterlande und weit über dessen Grenzen hinaus unsere Bitte, uns die bisher erwiesene'Gunst und Hilfe nicht nur zu erhalten, sondern im ver-' : stärkten Maße freundlichst zuzuwenden, auf daß wir nun endlich zur Ausführung des lang geplanten Werkes schreiten, und unseren armen, verwaisten Zöglingen eine neue, behagliche und gesunde Heimstätte bieten können. 8. Aus Kurhessen, 19. Oktober. Am.15 d. M. .wurde Lehrer Amram, Borken, unter großer Beteiligung zu Grabe geleitet. Es - ist leider nicht erlaubt, die vielfachen Verdienste des Verstorbenen um die Lehrerfrage zn würdigen, da er letztwillig sich jeden Nachruf verbeten hat ulld dieses so verklausuliert, daß diese Zeilen wohl schon zu viel sind. Er ruhe in Frieden! g. Speyer, 14. Oktober. Auch in diesem Jahre fand hier am Sitze der Königlichen Regierung gelegentlich der Anstellungs- Prüfung der Schuldienstexpektanten die genannte Prüfung eines jüdischen Kandidaten statt. Zu diesem Zwecke hatte die Königliche Negierung hier unter dem 16. September den. Bezirksrabbiner Dr. Landsberg aus Kaiserslautern zum Mitglied der Prüfungskommission ernannt und denselben aufgefordert, drei Themata aus der israelitischen Religionslehre zum Zweck der schriftlichen. Prüfung einzureichen. Dieselben lauteten: a) Systematische Religionslehre: „Die ethische und pädagogische Bedeutung der sogenannten Speise- . gesetze" (IV2 Stunde Arbeitszeit); d) Kirchengeschichte: „Der letzte Verzweiflungskampf der Juden gegen die Römer, mit besonderer Berücksichtigung der Tätigkeit des Flavius Josephus" (1 Stunde Arbeits- . zeit); e) Kirchendienst: „Inhalt der für den Sabbat bestimmten Psalmen" (Va Stunde Arbeitszeit). Die mündliche Prüfung, die Herr Dr. Landsberg hier in Gegenwart der Prüfungskommission vorzunehmen hatte, fand am 11. Oktober statt und erstreckte sich in ein-, gehender Weise auf die Prüfung' aus der jüdischen Geschichte, aus der Neligionslehre und aus der Bibelkunde. Das Resultat wird erst, in einigen Wochen veröffentlicht. */ Straßburg, 20. September. Die hiesige „Bürger-Zeitung" bringt folgende offene Anfrage an das kaiserliche Ministerium, für Kultus und Justiz: „Als kürzlich die neue Synagoge in Sichrmeck eingeweiht wurde, glänzten merkwürdiger Weise das Ministerium, das Bezirkspräsidium, die Kreisdirektion und sogar der Herr Oberrabbiner ■ durch Abwesenheit. Als aber in Morsbach in Lothringen die neuerbaute Kirche eingeweiht wurde, da erschienen der Bezirkspräsident Graf v. Zeppelin-Aschhausen aus Metz, der Kreisdirektor aus Forbach, Frh'r. v. Wöllwarth-Lauterburg und der Herr Bischof Benzler aus Metz. Wir fragen uns: Ist das recht? Ist da Parität eingehalten worden zwischen den Konfessionen im Lande? Gleiches Recht für alle, ohne Unterschied des Glaubens, das müßte das Losungswort der Regierung sein. Daß dies aber nicht der Fall ist, beweist zur Genüge der obere Fall. Pflicht des Kaiserlichen. Ministeriums ist es hier, den Befehl auszugeben: Die Bezirkspräsidenten und Kreisdirektoren haben entweder zu den Einweihungen der Gotteshäuser aller drei Konfessionen zu gehen oder zu keiner. Mehrere Israeliten." MM

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