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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-10-15 · Heft 42 (15.10.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Dr. Weiße, Rabbiner in Berlin; Dr. Werner, Rabbiner in München; Dr. Wolfs, Rabbiner in Bischheim im Elsaß; Dr. Zimels, Rabbiner in Karlsruhe i.B.; Dr. M. S. Zuckermandel, Rabbiner des Mora Leipzigerschen Beth-Hamidrasch in Breslau. — Berlin, 10. Oktober. Am 20. September fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine ^Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, der Herr Direktor Ephraim Cohn aus Jerusalem als Gast beiwohnte. Es wurde eine Reihe von Bewilligungen für Zwecke der Auswanderersürsorge und für Schulen in Deutschland, der Schweiz, Bulgarien, Galizien, Rumänien, Rußland, der europäischen und asiatischen Türkei vollzogen. Unter anderem wurden die Subventionen erneuert: für die vom Hilfsverein entsandten deutschen Lehrer an der Schule der israelitischen Kultusgemeinde in Philippopel; für den Kindergarten in Kolomea; für den Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien als Zuschuß für die von ihm unternommene Aktion zur Unterbringung und Ausbildung galizischer Knaben bei Handwerkern in Westösterreich; für die Schule „Reschith Daath" und die Anstalten des Schulvereins „Cultura" in Bukarest; für die Kunst" gewerbeschule „Vezalel"; für das Jnformationsbureau fürAuswanderer in Basel, die Kinderstube in Mannheimusw. Ferner fand das Tätigkeitsgebiet des Hilfsvereins durch Neubewilligungen wieder eine Erweiterung. Für Stipendiaten der Handwerkerschule „Ciocanul" in Bukarest, die erfreulicherweise nach zweijähriger Schließung wieder eröffnet werden kann, wurden 3000 Franken gewährt. Zwei weitere Schulen in Rumänien wurden neu subventioniert. Der Hilfsverein hat es auch übernommen, tüchtige deutsche Lehrkräfte für diese Schulen zu beschaffen. Einem lebhaft empfundenen Bedürfnis ist durch die Bewilligung von Mitteln für Kindergärtnerinnenkursein Jerusalem abgeholfen worden. Infolge der großen Ausdehnung, die das vom Hilfsverein der Deutschen Juden inaugurierte Kindergartenwesen im Orient gewonnen hat und im Hinblick auf die Erweiterung, die demselben noch bevorsteht, hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, Kindergärtnerinnen aus dem Orient selbst für den Orient heranzubilden.' Die immer weitere Heranziehung einheimischer Elemente zu der schönen und fruchtbaren Aufgabe, die Vorerziehung der jungen Generation für die Schule und die Entwicklung ihrer Kräfte und Triebe zu leiten, ist nach vielen Richtungen hin von hohem praktischen und ideellen Werte. Zur speziellen Begründung des Antrages betreffend Errichtung von Kindergärtnerinnenkursen in Jerusalem, machte Herr Direktor E. Cohn die folgenden Ausführungen: „Es ist schwer, geeignete Kindergärtnerinnen .aus Europa, die den Bedürfnissen des Orients, insbesondere in bezug auf ausreichende Kenntnisse in der hebräischen Sprache, entsprechen, zu gewinnen. In den Kindergärten in Palästina kann aus praktischen und pädagogischen Gründen einzig und allein das Hebräische in Betracht kommen. Wegen der Vielsprachigkeit der Juden in Palästina, die aus aller Herren Länder stanuuen, ist eine Einheitssprache nötig, und diese kann nach den gegebenen Verhältnissen nur Hebräisch sein. Auch andere Organisationen erkennen dies vollkommen an. Zur Teilnahme an den Kindergärtnerinnenkursen werden außer den bereits in Kindergärten tätigen Hilfskräften namentlich die Absolventinnen aus der Mädchenschule des Hilfsvereins herangezogen werden. Der Kursus wird zunächst auf etwa 20 Schülerinnen zu rechnen haben." Herr Direktor Ephraim Cohn gab alsdann noch einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Schul- und Erziehungswerks des Hilssvereins der Deutschen Juden in Palästina, insbesondere in Jerusalem, aus dem nur folgendes angeführt sei: „Der Hilfsverein unterhält und unterstützt in Palästina an 20 Institute mit nahezu 2000 Zöglingen. Die Leistungen des Hilfsvereins werden von allen Seiten anerkannt; auch die Alliancekommission hat in spontaner Weise gelegentlich ihrer Anwesenheit in Jerusalem ihre lebhafte Anerkennung über die dortigen Anstalten des Hilfsvereins der Deutschen Juden, die sie besucht hat, Lehrerseminar, Mädchenschule und auch dieLämelschule, zum Ausdruck gebracht. Etwa 20 Lehrer sind bisher aus dem Seminar, das im Jahre 1904 begründet wurde, hervorgegangen. Auch in den Kolonien beginnt sich die Tätigkeit des Hilssvereins bereits bemerkbar zu machen. Die mit dem Lehrerseminar in Jerusalem teilweise kombinierte Handelsrealschule wird im nächsten Frühjahr die ersten Abiturienten entlassen können. In Jerusalem selbst werden die vom Hilfsverein subventionierten oder ganz unterhaltenen Anstalten von etwa 1000 Zöglingen besucht. Es sind drei Kindergärten vorhanden, eine Mädchenschule, ein Mädchenheim und die Lämelschule, die mit dem Werke des Hilfsvereins eng verbunden ist. Die Mädchenschule hat eine besonders schnelle und erfreuliche Entwicklung genommen. Sie hat beinahe schon die Besuchsziffer der Lämelschule erreicht, zu der sie eine Art Parallelinstitut ist. Der geschäftsführende Ausschuß nahm mit Genugtuung von dem Bericht des Herrn Direktor Cohn über die Entwicklung des Schulwerks des Hilfsvereins in Palästina Kenntnis; insbesondere gelangte die Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß sich die prinzipiellen Grundlagen, die der Hilfsverein seinem Schulwerk in Palästina in bezug auf den Sprachunterricht durch die Berücksichtigung des Hebräischen und der Landessprachen von Anfang an gegeben hat, bewährt haben, und dasselbe somit den Bedürfnissen des praktischen Lebens in jeder Beziehung entspricht. Schließlich erfolgte noch eine Reihe von Bewilligungen für notleidende Städte und Institute in Rußland. Gemeinsam mit dem Hilfskomitee für die Osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., das unter dem Vorsitz des Herrn Philipp Schiss steht, wurden für Städte, die durch schwere Brandschäden betroffen wurden, vor allem für das kürzlich durch eine verheerende Fenersbrunst heimgesuchte Krementschug 4500 Mark bewilligt. Ferner gewährte der Hilssverein der Gesellschaft „Hilfe durch Arbeit" in Wilna 2000 Mark, der Gesellschaft Trud in Odessa 3000 Mark. Zur Unterstützung von Schülern in Saratow, die in den Schulen des Ansiedlungsrahons keine Aufnahme fanden, wurden 2000 Mark beigesteuert. V Berlin, 12. Oktober. Wir werden um Ausnahme nachstehenden Aufrufes ersucht: Mit dem stetig zunehmenden Wachstum unserer Gemeinde steigert sich auch die Zahl der Hilfsbedürftigen in einer Weise, daß wir den Ansprüchen, welche ganz besonders an unsere Mie tsunter stützungsanstalt herantreten, nur zu einem kleinen Teil genügen können. Gehört doch zu den hervorragendsten Lebensbedürfnissen die Wohnung des Menschen! Dem Armen, der um das tägliche Brot zu kämpfen hat, ist es oft bei den größten Anstrengungen und Entbehrungen nicht möglich, für die fällige Miete zu sorgen, und segensreich wirkt unsere Anstalt, wenn sie dann helfend einzutreten in der Lage ist. Wir betrachten es als erstrebenswertes Ziel unserer Wirksamkeit, diese auch auf die ..verschämten Armen", auf die Unterstützung würdiger, in ihren Verhältnissen zurnckgekommener Gemeindemitglieder, auszudehnen, wobei es sich zuweilen um größere Mietsbeträge handelt, als wir sie in der Regel geivähren und bei den uns zu Gebote stehenden unzureichenden Mitteln zu gewähren imstande sind. Unsere Mietsuuterstützungsanstalt, 1798 in das Leben gerufen, ist dem Vorstande unserer Gemeinde über ihre Tätigkeit Rechenschaft zu geben verpflichtet; — als Mitglied der Zentralstelle für Wohltätigkeits-Anstalten schöpft das Kuratorium nicht nur aus seinen persönlichen Recherchen, sondern auch aus den Listen jener die gründlichsten Informationen über die Verhältnisse der Petenten, so daß fast mit Bestimmtheit gesagt werden kann, daß es seine Hilfe stets nur dahin gewendet hat. wo es auf das dringendste erforderlich war. Generationen sind dahingegangen, liebenswerte Freunde und Gönner; neue müssen wir nun werben, sollen wir unsere ehrwürdige Anstalt unseren Amtsnachfolgern in Lebensfähigkeit übergeben könen. Vertrauensvoll wenden wir uns daher an den stets bewährten Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen mit der herzlichen und dringenden Bitte, die Zahl unserer Mitglieder durch ihren Beitritt zu vergrößern. Möge unsere Bitte williges Gehör finden, möge die Hand reichlich spenden, was das Herz liebevoll gewährt! — Der Vorstand der Mietsunterftützungsanstalt vom Jahre 1798: Emil Pincus, Vorsitzender; Julius Cohn, Martin Lesser, Berthold Pinthus, Oscar Rathenau. Oscar- Wassermann, Arthur Zamory. Berlin, 10. Oktober. Wie der Verein „jüdische Blindenanstalt für Deutschland" uns mitteilt, sind in der Sitzung vom 4. Oktober folgende Herren in den Vorstand gewählt: Augenarzt Dr. Wilh. Feilchenfeld, 1. Vorsitzender; Fabrikbesitzer William Neumann, 2. Vorsitzender; Justizrat Louis Cohn, 1. Schriftführer; Geh. Kommissionsrat Potsdammer, 2. Schriftführer; Bankier Fritz Wallach, 1. Schatzmeister; Kommerzienrat Gerson Simon.

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