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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-10-15 · Heft 42 (15.10.1909) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
Seite 504 (sequence 12)
Language
German
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Gesprächen und Bonmots glänzenden Elegant'gekannt und tzlÄke heute zum erstenmal Gelegenheit gehabt, eine ernste Sprache von ihm zu vernehmen. „Ich bin stolz darauf, zu den Priestern des öffentlichen Gewissen zu zählen. Ich akzeptiere diese Bezeichnung selbst mit dem ganzen Ton der Ironie, die Sie in Ihre Worte legten. Es rst gut, daß die Werkstatt der Presse sich nicht in ein geheimnisvolles Dunkel hüllt, sondern offen steht und vom Publikum überschaut werden kann. Unser Heiligtum liegt an der großen Heerstraße des Lebens, wir predigen vor offenen Türen und müssen auf jede Kritik gefaßt sein." „Was Sie sagen, klingt vortrefflich, vielleicht überzeugend, aber. . . nun es ist doch nicht alles Gold, was glänzt — auch nicht in ihren Kreisen." —- „Wohl möglich! Aber jetzt muß ich Sie bitten, auf unser Gespräch zurückzukommen." „Gut denn, kommen wir darauf zurück, und zwar in möglichster Deutlichkeit. Was verlangen Sie von mir?" „Ich verlange nichts, sondern bitte, daß Sie die Existenz einer Familie, die Ihnen nahegestanden, nicht durch eine Handlung vernichten, die Ihnen ein Vertrag scheinbar als ein Recht einräumt. Entsagen sie der Führung eines Prozesses, der gewonnen, Ihnen nichts bringt, dem Verlierer aber die Existenz kostet. Was nützt Ihrem früheren, sogenannten Kompagnon seine Geschicklichkeit, sein Können und seine Anstrengungen, die ihn jedenfalls in den Stand setzen würden, eine neue Stellung zu gewinnen, wenn er unter dem kaudinischen Joch der Gerichtsvollzieher steht, das ihn stets niederbeugt, sobald er aufatmet, sobald er wieder auskommen zu können glaubt." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Als Fortsetzung zu den bis 1894 in der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins veröffentlichten Uebersichten ist im Juni 1908 erschienen „Systematische Bibliographie der Palästinaliteratur". Aus Veranlassung des Deutschen Palästinavereins bearbeitet von Dr. phil. P. Thomsen. Band I. 1895-1904. Leipzig und New Jork, Rudolf Haupt. Verlag 1908. XVI. 201 S. Preis Mark 5.-. Die Bibliographie verzeichnet die gesamte Literatur, also nicht nur Bücher, sondern auch Zeitschristenaufsätze, Notizen, Bemerkungen und Rezensionen in folgender Ordnung: I. Allgemeines und Bibliographisches (Bibliographien, Zeitschriften, buchhändlerische Anzeigen und Kataloge. Antiquariats-Kataloge, Biographisches). II. Geschichte (Kreuzzüge!) III. Historische -Geographie und Topographie. IV. Archäologie (Reisen, Ausgrabungen). V. Neue archäologische Funde (Mosaiken, Inschriften usw.). VI. Das moderne Palästina (Politisches, Handel, Sitten, Religiöses, Sprachliches, Kolonisation, Zionismus, Mission, Gesundheitliches). VII. Geographie (Reisen, Geologie, Klimatologie, Fauna und Flora, Karten,' Bilder). Sorgfältige Register erleichtern den Gebrauch des Buches. Alle fünf Jahre soll eine Fortsetzung erscheinen, der nächste Band (1905—1909) im Jahre 1910. Als Mitarbeiter sind 'ge- ■ Wonnen Dr. phil. N. Hartmann-Tübingen (für das Gebiet des Islam), vr. med. C. Thomsen-Dresden (für den medizinischen Teil) u. a. Da vom nächsten Bande ab den Titeln der Bücher und Aussätze kurze In ha ltsangaben bezw. Kritiken beigefngt werden sollen, bittet der Unterzeichnete die Herren Verleger, Redakteure, Buchhändler um gütige Zusendung der in Betracht kommenden Literatur (Bücher, Karten, Aufsätze, Anzeigen, Preislisten, Antiquariats-Kataloge usw.) und sichert gewissenhafte Anführung bezw. Prüfung des Zugesandten im nächsten Bande zu. Von mehr als 30 Zeltschristenredaktionen des In- und Auslandes ist eine solche Unterstützung bereits zugesichert bezw. ausgeführt worden. Zu jeder weiteren Auskunft sind Verfasser und Verlag gern bereit. vr. phil. P. Thomsen. ■ -$#<-' - Sxrechssal. Sehr geehrter Herr Redakteur! <^?n Nummer 40 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zitieren .^3 Sie einen Artikel aus Nummer 36 der „Päd. Zeitung" und bemerken dazu, daß dieser Artikel die Aufmerksamkeit der jüdischen Kreise verdient. Sie haben recht, nur fürchte ich, daß die flüchtige Lektüre dieses Artikels zu verhängnisvollen Mißverständnissen führen kann. Die „Zeitung des liberalen deutschen Lehrervereins" stellt die Simultanschule als erstrebenswertes Ziel hin, das bis jetzt nach ihrer Meinung noch nicht erreicht ist und unter dem heutigen Regime wohl auch nicht erreicht werden wird. Trotzdem gibt es genug Anhänger dieser Idee, und nicht wenige Freunde sind unter uns Juden zu finden, die sich begeistern für die Simultänschule, „in der die Kinder der verschiedenen Konfessionen nebeneinander sitzen, damit sie sich kennen und schätzen lernen." Gewiß, aber diese Konfessionen kennen wir ja ganz genau, die jüdische jedenfalls gehört nicht dazu. Die wird erst als vollberechtigt angesehen, wenn die neutrale Schule, deren Zeit nach dem von Ihnen zitierten Artikel noch nicht gekommen ist, Gemeingut der Nation geworden ist, in der Zeit, wo der jüdische Schüler neben dem christlichen dem Unterricht des katholischen, evangelischen oder jüdischen Lehrers folgt. Ja. auch des jüdischen Lehrers! Doch das liegt noch in weitester Ferne. In der heutigen Zeit, wo das gesamte Volksschulwesen konfessionalisiert ist, wo die Simultanschule (für die beiden christlichen Konfessionen) so stark von maßgebender Seite bekämpft wird, daß selbst diese Schulgattung — die unsere Glaubensgenossen immer mit der paritätischen, in der auch der Jude gleichberechtigt ist. verwechseln — immer mehr an Boden verliert, ist es eine Pflicht jedes charaktervollen Juden, für öie (jüdische!) konfessionelle Schule einzutreten, und die von der verehrlichen Redaktion zitierten Worte des liberalen Schulblattes können uns nur in dieser Meinung bestärken. Im anderen Falle könnte auch das Ideal der Zukunft nur unvollkommen erreicht werden, da der jüdische Volksschullehrerstand, wenn nicht eine energischere Förderung der jüdischen Schule jetzt einsetzt, zum Aussterben verurteilt wird. Die jüdische Schule und der jüdische Lehrer aber werden, abgesehen von ihrer immer vorhandenen kleinen Minorität, niemals ein Hindernis sein aus dem Wege der Entwicklung der deutschen Schule zu den Idealen der Zukunft. Darüber mag sich der konsequente prinzipienritterliche Liberalismus in unseren Reihen, der die Forderung des Tages übersieht, wirklich beruhigen. Ergebenst S. Keßler, Seminarlehrer. Münster i. W.. 29. September 1909. ' * Dringende Warnung! er Zigarettenarbeiter Sigmund Kirjatsefer aus Topard (Deutschrusse), 32 bis 34 Jahre, wohnhaft in Ludwigshafen a. Rh., zuletzt in Darmstadt, ein gesunder, arbeitskräftiger Mensch, der es aber bequemer findet, seit einer Reihe von Jahren vom Wanderbettel zu leben, beutet Unterstützungskassen und Private aus, indem er es meisterlich versteht, durch ein gewandtes Auftreten für sich einzunehmen. Seinen Angaben, seine Frau befinde sich in einem Krankenhause, er sei aus Ludwigshafen ausgewiesen worden, in Darmstadt werde er exmittiert, wenn die Miete nicht aufgebracht werde u. a. m., ist kein Glaube beizumessen, dieser äußerst raffinierte Schwindler wird wegen Fälschung eines ärztlichen Attestes steckbrieflich verfolgt. Worms, 23. September 1909. L. Oppenheimer. .Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. ' ... Verantwortlich für die Redäriion: Max Bauchwitz in Berlin.

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