Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1909)
- Date
- 1909-10-08
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Gefterretch-Unsarn. 2. Wien, 29. September. Es ist etwas Ungewohntes, einmal' erfreuliches aus Oesterreich berichten zu können.. Ohne das Ereignis zu überschätzen, ist es doch von Bedeutung, daß bei den letzten Richterernennungen sechs Juden zu Oberland es gerichtsräten befördert wurden. Der Justizminister scheint die Verfehlungen des Gesamtministeriums reparieren zu wollen. Das Avancement der sechs Richter stellt keine Bevorzugung dar, mußten vielmehr nach dem Status jetzt erfolgen. Aber hierzulande bedeutet es, wenn einem jüdischen Bürger sein Recht wird, schon eine Bevorzugung. — Dank dem Einschreiten des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hatte.das f. u. k. Militär-Stationskommando verfügt, daß an den Tagen des Neujahrsfestes und am Versöhnungstage die jüdischen Soldaten nach Zulässigkeit des Dienstes dienstfrei belassen, und daß die Einjährig-Freiwilligen am Jom Kippur tunlichst von jedem Dienste befreit werden. Die Einjährig-Freiwilligen-Abteilung des hier garnifonierenden Train-Regiments, in welchem' 35 -40 jüdische Freiwillige dienen, sollte am Versöhnungstage um 6 Uhr früh zu einer Uebung in das Brücker Lager abrücken. Mehrere Väter von Freiwilligen wandten sich an die israelitische Kultusgemeinde und diese intervenierte am Vortage des Versöhnungsfestes mit Erfolg beim k. n. k. II. Korpskommando. Es wurde auf kurzem Wege dem Kommando des Train-Regiments ausgetragen, die Israeliten von derUebung zu befreien. — Am Tage nach Jom Kippur, «Sonntag früh morgens, hat der ' Religionslehrer L. Buxbaum seinem Leben durch Absturzaus den Fenstern seiner im dritten Stockwerke II-, Leopoldsgasse 26, gelegenen Wohnung ein gewaltsames Ende bereitet. Ueber das Motiv, das den Bedauernswerten zum Selbstmorde trieb, gibt nachfolgendes Schreiben Aufschluß, das er einer hiesigen jüdischen Zeitung hinterlassen hat. Es lautet: „Teile der geehrten Redaktion mih daß ich bereits am 8. Mai d. J. beschlossen habe, in den Tod zu gehen, weil mein Sohn Dr. Max Josef Buxbaum, praktischer Arzt in Hütteldorf, sich getauft hat. In einer Niederschrift „der dreifach zureichende Grund für die Berechtigung meines Selbstmordes" habe ich nachgewiesen, daß sowohl nach den Natur- und Vernunft-, als nach den allgemeinen ethischen und speziellen jüdischen Gesetzen meine Tat kein Verbrechen, im Gegenteil die größte Gottesverherrlichung ist. Hochachtungsvoll L. Buxbaum, Neligionslehrer." Ein trauriges Zeichen der Zeit. löulMNM. ----- Sofia, 23. September. Heute vormittag hat hier die Eröffnung des neuen israelitischen Tempels in feierlicher Weise stattgefunden. Der Zeremonie wohnten bei: der König und die Königin mit ihren Suiten, alle hier weilenden Minister, die Vertreter der anderen Glaubensbekenntnisse, die Militär- und Zivilwürdentrüger und zahlreiche geladene Gäste. Um IOV2 Uhr vormittag erschien das Königspaar, welches in der Vorhalle von dem Großrabbiner, Herrn Dr. Ehrenpreis, mit der bei diesem Anlaß üblichen religiösen Begrüßung in hebräischer und bulgarischer Sprache empfangen würde. Frau Dr. Ehrenpreis überreichte der Königin bei diesem Anlasse ein prachtvolles Bukett. Sodann wurde das Königspaar zum Altar geleitet, wo der Präsident der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Avram Davitsohn Lev y nach kurzer Ansprache dem König eine Schere überreichte und ihn bat, das Seidenband, welches den Almemor umfaßt, als Symbol der Eröffnung der Synagoge durchzuschneiden. Während dieser Zeremonie intonierte der gut geschulte Chor hebräische Psalmen. Sodann hielt der Groß- Geschichte der Juden vonDr.H.Mz weil. Professor a. d. 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