Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1909)
- Date
- 1909-10-08
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228894--65916-3278068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Gemeindeverband schafft also ein autonomes Judentum nach außen. Im Innern ist seine Aufgabe die gleichmäßige Organisierung aller Gemeinden, Uebung und Aufsicht des Religionsunterrichtes, Gründung wohltätiger Institutionen (Krankenhaus, Pensionsfonds für Gemeindebeamten usw.), Unterstützung ärmerer Gemeinden, Lösung aller Streitigkeiten zwischen Gemeinden untereinander oder mit einzelnen Mitgliedern und Gemeindebeamten. Es ist aber aus dem Wirkungskreise des Kongresses jede dogmatische Frage und rituelle Frage ausgeschältet. Wohl nicht gänzlich. Im Frühjahr wurden nämlich schon die Grundprinzipien des Gemeindeverbandes in einer fast von allen kroatischen Gemeinden beschickten Versammlung beraten und festgesetzt. Ein großer Teil der Versammelten wollte auch die religiösen Fragen in den Bereich des Kongresses hineinziehen. Die Majorität entschied jedoch, daß diese Fragen von einem aus Rabbinern bestehenden Subkomitee verhandelt, am Kongresse beraten werden können, jedoch der Beschlußfassung nicht unterliegen. Ferner wurde das Prinzip festgesetzt, die Autonomie der Gemeinden möglichst im heutigen Umfange zu erhalten, und infolgedessen die Institution der Distrikts-(Kreis-) Komitees nicht aufzunehmen. Nicht uninteressant ist es, wie das Verhältnis zwischen Laien und Rabbinern im Kongresse geregelt wurde. Die Rabbinerphobie hat hier nicht wie anderswo gesiegt. Das Zentralkomitee wird aus 12 Laien und 6 Rabbinern bestehen. Die letzteren werden von den Rabbinern selber gewählt. Außerdem können die Rabbiner von ihren Gemeinden als Kongreßdelegierte gewählt werden. Zur Erhaltung der Organe des Gemeindeverbandes soll teilweise der Landesbeitrag der jüdischen Konfession herangezogen werden. In kürzester Zeit wird der Gemeindeverband seine konstituierende Versammlung abhalten und dann an die Durchführung seiner Aufgabe schreiten. Es ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß die Landesregierung seinen Beistand mit Freude begrüßen wird, indem sie teils entlastet wird von solchen Agenden, die eigentlich nicht in ihren Wirkungskreis gehören, anderseits einen autoritativen Beirat erhält in jüdisch-konfessionellen Angelegenheiten. So war das laufende Jahr reich an Organisationsbestrebungen in Oesterreich, in Ungarn und in Kroatien. Die nächste Zukunst wird entscheiden, in welchem dieser drei Länder die Frucht dieser Bestrebungen zuerst reifen wird, ob in Ungarn, dem Lande der siegreichen Orthodoxie, oder in Oesterreich, wo Galizien nicht mithält, oder im kleinen Kroatien, wo wohl der Sinn für das Allgemeine geringer ist, dafür aber auch die zu beseitigenden Hindernisse keine großen sind. Dir Kompagnons. Roman von Ernst Heilmann. XIV. je maßen sich mit haßerfüllten Blicken. In beiden loderte der Zorn hoch auf, aber beiden gelang es, die Ruhe und Mäßigung zu finden, die vor einem Aeußersten zurückschrecken. „Sie werden Ihre übergroße Vorsicht, die einen beleidigenden Zweifel an meiner kaufmännischen Ehre ausdrückt, zu bereuen haben." „Ich muß es darauf ankommen lassen." „Ihr Verhalten entbindet mich jeder Rücksicht „Ichverlange keine Rücksicht, nur Gerechtigkeit. Aber um zu Ende zu kommen mit dieser peinlichen Unterredung, bitte ich Sie, mir mitzuteilen, was Sie mit dem ganzen Vorgehen beabsichtigen? Sie berufen mich plötzlich mitten aus einer Tätigkeit, die ineine ganze Sorge, meine ganze Aufmerksamkeit heischt, hierher, obwohl Sie wissen, daß ich dort keine geeignete Vertretung habe . . ." „Das sollen Sie bald erfahren. Ich bin entschlossen, unser Vertragsverhältnis aufzulösen, und zwar sofort, noch heute — in dieser Stunde. Müller reist noch heute abend nach Valentinowa, um dort die Liquidation vorzunehmen." Steinfels war totenbleich geworden, aber auch jetzt noch suchte er sich zu beherrschen. " ' „Und das hiesige Geschäft?" „Auch für dieses löse ich unsere Verbindung!" „Aber weshalb?" „Ich. habe es'satt, länger mit der Aussicht auf die goldene Ernte mich Hinhalten zu lassen. Die Aussaat dauert nun bereits mehrere Jahre-das Resümee ist — Verlust!" „Wessen Schuld ist dies beklagenswerte Resultat? Das Berliner Geschäft hatte bis zum Tage meiner Abreise nach Rußland nicht einen Heller Verlust aufzuweisen. Alles, was wir nach dieser Hinsicht zu erleiden haben, trat erst in der Zeit ein, wo ich abwesend, das Geschäft Ihrer Leitung überlassen war..." „Wollen Sie mir Vorhaltungen machen?" > „Unbedingt, denn ich bin nicht gesonnen für Dinge einzustehen, die ich nicht verschuldet habe . . ." sagte er auffahrend. „Darüber wird unser Vertrag entscheiden. Und Rußland . . ." „O, reden Sie mir nicht von Rußland! Dieser Farce dieser Komödie/dieser Spottgeburt eines industriellen Unternehmens! Da gehe ich hin, der größten Hoffnungen voll« kämpfe, arbeite, ringe, erreiche mancherlei und scheitere an der Hilfe, an der armseligsten Unterstützung, die ich beanspruche. --Briese, Telegramme bleiben tagelang unbeantwortet, was bei diesen Entfernungen immer einer Auflösung jedes Zusammenhanges gleichkommt, Materialiensendungen werden verzögert, und ich gehe dort rum, verzehrt in Ungeduld und Sorge, behindert in meiner Tätigkeit — eine halb lächerliche, halb traurige Figur ... eine tragikomische Gestalt inmitten dieser hastenden, drängenden, gewaltigen Bewegung des Geschäftsbetriebs in allen anderen Etablissements . .." Er hatte sich in eine heftige Erregung hineingesprochen, während der andere, scheinbar gleichgültig mit seinem Bleistift spielend, seinen Auseinandersetzungen folgte. „Trotzdem, die Karre kommt langsam vorwärts, denn so oft sie zurückzurollen droht, stemme ich mich mit Riesenkräften dagegen, und so stehen wir da, so existieren wir, die Fabrik von Ehrike und Comp. — — Berlin und Valentinowa, so bekommen wir auch eines Tages eine ansehnliche Lieferung... aber da zeigt sich, daß ich uns mehr zugetraut habe, als richtig war... wir sind nicht leistungsfähig. Ich berichte Ihnen hierüber, ich bitte, ich bettle, ich drohe, die erforderlichen Mittel und Hilfe werden zugesagt, dann hingehalten, verzögert... sie bleiben aus — — — verzweifelt mache ich mich allein ans Werk, den eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, so gut oder so schlecht es geht, so — schlecht es geht.. . denn unsere Lieferung wird als unbrauchbar und verspätet resüsiert. .. das ist die Geschichte dieses Verlustes." Er hielt erschöpft iune. x