Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Irkutsk 1× ep/2294887
- Odesa 1× ep/1000834
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zurückgehen. Die Mehrzahl der Steine stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert; einige Platten tragen reiche plastische Verzierung mit Pflanzenornament, Säulen und Rollwerk, Symbolen und Wappenschildern mit Tierfiguren. Die Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmäler empfiehlt, jene Steine, auf deren . Erhaltung aus geschichtlichen oder kunstgeschichtlichen Rücksichten besonderes Gewicht gelegt wird, dem Einflüsse der Atmosphärilien dadurch zu entziehen, daß man sie in an d^r Friedhofsmauer zu errichtenden überdeckten Nischen anbringt, ferner wären Inschriften von Steinen, die zu verwittern drohen, auf Bleitafeln zu gravieren und/auf, dem Steine unauffällig anzubringen- Steine, die schon stark in den Boden eingesunken, sind so/weit zu heben, daß wenigstens die Inschrift sichtbar wird, Fragmente, deren Zugehörigkeit erwiesen ist, mit Steinkitt zu befestigen. Auch wird empfohlen, die wertvolleren Steine dadurch vor dem Verwittern zu schützen, daß man sie dem Keßlerschen Fluatverfahren unterwirft. Zu vermeiden wäre alles, was die große Stimmungswirkung beeinträchtigen könnte, so das Fällen der Bäume, die Beseitigung.des unregelmäßigen Graswuchses, Anlegung von Schutzdächern über einzelnen Grabsteinen, Ueberarbeitung derselben oder das Ausziehen der Inschriften in Farbe oder Gold. — Die philosophische Fakultät der großherzoglich hessischen Landesuniversität sandte dem als Rabbiner und Gelehrten vielverdienten Dr. M. H. Friedländer gelegentlich seines 25 jährigen Doktorjubiläums in Anerkennung seiner bis in die letzte Zeit hinein fortgesetzte ersprießlichen literarischen Betätigung ihren Glückwunsch zum Gedächtnisse des Tages, an dem ihn die Fakultät vor 50 Jahren zum Doktor der Philosophie ernannt und erneuerte ihm das Diplom. Herr Dr. M. H. Fried länder, der mehr denn 40 Jahre als Rabbiner segensreich wirkte und noch, heute als Prediger und Exhortant in Wien sich großer Beliebtheit erfreut, ist durch seine ebenso interessanten als wertvollen historischen Arbeiten vorteilhaft bekannt. Die besondere Auszeichnung des greisen Gelehrten wird in weiteren Kreisen mit großer Genugtuung begrüßt werden. Rußland. LAT. Petersburg, 15. September. In der Petersburger Universität haben 95 jüdische Jünglinge Bittschriften um Aufnahme eingereicht; wieviel davon ausgenommen werden, ist noch unbekannt. — Aus Irkutsk (Sibirien) meldet der „Rjetsch": „Nach der Abreise des Shnodalrevisors, des bekannten reaktionären Geistlichen Wostorgow, entstand unter den lokalen Verbandsleuten eine Agitation, eine alleruntertänigste Bitte zu richten, einen Mas zu veröffentlichen, allen Personen jüdischer Abstammung zu verbieten, Zeitungen und Journale in russischer Sprache zu redigieren, und keinen Anteil an denselben als Mitarbeiter zu nehmen. Bis jetzt sind 25 Unterschriften gesammelt.— Wie Gerüchte verlauten, soll das Handelsministerium durch Zirkular. die Direktoren der Lehranstalten angewiesen haben, in Ausnahmefällen Vorstellungen um Aufnahme von Juden, die das Konkursexamen aushielten, über der Norm zu machen. — Der Prozeß des Rechtsanwaltes Gillerso hn wegen seiner bekannten Rede im Bjelostoker Prozeß ist auf den 22. Oktober bestimmt; Derselbe wird in Kowno verhandelt werden. Ursprünglich war derselbe in der Stadt Grodno bestimmt. — Mitte September wird auf dem Petersburger jüdischen Friedhofe die Enthüllung des Grabdenkmals des berühmten Bildhauers Mark Anto k.olsky s. A. stattfinden. Dasselbe ist aus Granit errichtet, und zwar in althebräischem Stile. Die Mittel zur Errichtung desselben haben die Freunde und Verehrer des großen Künstlers gegeben. — Im Kiew er Bezirksgericht wurde vor kurzem ein^ Prozeß verhandelt, der eine prinzipielle Bedeutung hat. Die jüdische Zahnärztin Rusakowskaja wurde nämlich angeklagt, daß, statt sich mit ihrem Fache zu beschäftigen, dieselbe in Kiew ein Apothekermagazin eröffnete. Das Gericht verurteilte dieselbe zur Ausweisung aus Kiew. — In der Kiewer Universität haben 200 Juden Bittschriften eingeriecht. Aus dieser Zahl werden bloß 80 ausgenommen. Mehr als 500 Vakanzen bleiben unbesetzt. — Für die bevorstehende Wahl eines Deputierten der Reichsduma der Stadt Odessa ist seitens der progressiven Elemente der Wähler der jüdische Rechtsanwalt Arkadjy Brodsky als Kandidat ausgestellt. Die Kandidatur desselben werden sowohl die polnischen, als die derUkraina- Organisationen unterstützen. Die Parteien der Rechten haben sich noch nicht über ihren Kandidaten geeinigt. — Die Juden, die im laufenden Jahre in der Moskauer Universität in der Zahl von 60 Personen ausgenommen wurden, was drei Proz ent von der Zahl der aüfgenömmenen Christen ausmacht, sind aus den Mauern der Hochschule hinaüsgeschleudert worden. Die Universitätsverwaltung erhielt vom Ministerium der Volksaufklärung eine Rüge dafür, daß sie'die Juden trotz der Allerhöchsten Bestätigung des Erlasses des Ministeriums vom 16. Oktober 1908 aufnahm. Gegenwärtig befinden sich in der Moskauer Universität ungefähr sechs Prozent Juden.. Nach Empfang dieser Zuschrift vom Ministerium, sah sich die Universitätsverwaltün'g gezwungen, ihren Beschluß über Aufnahme der 60 Juden abzuändern. Der Rektor beschloß, die Entschuldigungsbriefe ab drücken zu lassen, die den jüdischen Studenten zugeschickt werden, die seinerzeit die Mitteilung ihrer Aufnahme erhielten. Viele von diesen Studenten langten bereits in Moskau an, und schafften sich die Studentenuniformen an. In Anbetracht dessen, daß die Lage der Juden; aus der Universität hinausgestoßen, zu einer Zeit, wo überall die Äufnahme geschlossen sei, eine sehr schwere ist, beschloß die Verwaltung, beim Minister vorstellig zu werden/die bereits aufgenommenen Juden auf der Universität zu lassen. Amerika. Z. New Aork, 8. September. Vor seiner Abreise nach Rußland erhielt der neue russische Gesandte der Vereinigten Staaten von der Regierung und dem Präsidenten Taft den Auftrag, wiederum, in Rußland Unterhandlungen anzuknüpfen, um dem Paß amerikanischer Juden in Rußland allgemeine Geltung zu verschaffen. — Das von Juden aus Galizien und der Bukowina in New Hort in der 138 bis 140 Last Second Street begründete Morrah-Hospital hat für arme, ambulatorisch behandelte Patienten eine Freiapotheke eröffnet. — Ein schönes Denkmal jüdischer Nächstenliebe hat sich die Verwaltung des jüdischen Kindersanatoriums in Rockaway-Park errichtet. Dieser Anstalt ist das katholische St. Malachi-Waisenhaus benachbart. Als in dem Waisenhause vor einigen Tagen ein Feuer' ausbrach, dem ein großer Teil des St. Malachi-Waisenhauses und leider auch sechs Kinder zum Opfer fielen, nahm das jüdische Kindersanatorium die. Insassen der katholischen Anstalt auf und beherbergte sie wirtlich während zweier Tage. — Die Vereinigung jüdischer Farmer Amerikas wird im Alliance-Erziehungshaus in New York vom 2. bis 7. Oktober seine erste Jahresversammlung abhalten. 25 jüdische Farmervereinigungen der Vereinigten Staaten werden durch Delegierte vertreten sein. Zugleich soll während der Dauer der Zusammenkunft eine landwirtschaftliche Ausstellung verschiedener jüdischer Landwirt, schaftsschulen stattfinden. Durch eine Anzahl Preise soll der Landwirtschaft der amerikanischen Juden auf dieser Ausstellung die gebührende Würdigung ausgedrückt werden. Von Sah und Sern. — Vor Schluß der kürzlich in Berlin abgehaltenen zahnärztlichen Kongresses wurde über den Ort des nächsten Kongresses beraten, wobei von deutscher Seite Petersburg vorgeschlagen wurde. Einige russische Teilnehmer wiesen aber darauf hin, daß der Aufenthalt in Petersburg für die ausländischen jüdischen Zahnärzte mit Schwierigkeiten verbunden sein würde, und so wurde beschlossen, den nächsten zahnärztlichen Kongreß, der im Jahre 1914 stattfinden soll, in London abzuhalten. — Im jüdischen Mädchenhaus Pankow bei Berlin können zum 1. Oktober 1909 Mädchen von 13 bis 16 Jahren zur unentgeltlichen hauswirtschaftlichen Ausbildung ausgenommen werden. — Einem schweren Segelbootsunfall bei Helgoland sind zwei Berliner Glaubensgenossen zum Opfer gefallen, der Nervenarzt Dr. J. Loewe nthal und der Verlagsbuchhändler Richard Tändler. Die Beisetzung der Leichen hat am Sonntag unter großer Teilnahme auf dem Friedhof in Weißensee stattgefunden. — Herr Stahl aus Guatemala, der jedes Jahr seine Heimatstadt .Kempen aussucht, um die Gräber seiner Eltern zu besuchen, und bei dieser Gelegenheit stets Beweise seines guten jüdischen Herzens, wie seiner treuen Heimatliebe - liefet,..-./.hat iL»^Hie.sem-./Jtahre