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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-09-24 · Heft 39 (24.9.1909) · p. Seite 468

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 39 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
Seite 468 (sequence 12)
Language
German
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Geehrte Redaktion! ' l ' ' 3n der Nummer'36 Ihrer Zeitung bringen Sie eiye längere Notiz über die Neuordnung der Anstellung und Besoldungsverhältnisse der Beamten der Synagogengemeinde Danzig. Da ich mich seit einiger Zeit, angeregt, durch die Verhandlungen auf der letzten Tagung des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes mit den in Ihrer Notiz behandelten Fragen eingehend beschäftige, habe ich mit regem Interesse Ihre Angaben gelesen, konnte mich über bei genauer Durchsicht des Eindrucks, nicht erwehren, daß Ihr Gewährsmann die, Neuordnung nur von einem, nämlich dem Kommissions-Standpunkts beleuchtet. Es ist für mich geradezu unbegreiflich, wie diese Neuordnung, die für alle beteiligten Beamten, soweit sie nicht Bureaubeamten sind, nur Erschwerungen und Nachteile mit sich bringt, „zur Freude der beteiligten Kreise" in Kraft getreten sein soll. Zur Erhärtung des eben Gesagten sei nur auf eine Bestimmung der Neuordnung hingewiesen: Das Grundgehalt des Rendanten, eines Bureaubeamten, ist anfangs gleich hoch wie das des ersten Religionslehrers und Chordirigenten, während das Endgehalt beider (nach 18 Jahren!) um 300 Mark zugunsten des Rendanten differiert., So ist es denn nicht zu verwundern, wenn nicht bloß in der Gemeinde, sondern auch im Vorstande eine sehr erhebliche Minorität besteht, die der Ansicht ist, daß es z. B. auch angebracht gewesen wäre, den guten, alten Traditionen der Danziger Gemeinde zu folgen und zumindest dem Rabbiner lebenslängliche Anstellung ^zü gewähren. Wenn die Kommission, die doch sicherlich das Beste der Gemeide im Auge hat, will, daß freie, unabhängige Männer du religiöse Erziehung der Kinder leiten sollen, dann soll sie ihnen nicht durch solche Härten die Freude am Berufe unterbinden. Männer, die über ihrem Haupte ewig das Damoklesschwert der Entlassung hängen sehen, werden nur allzuleicht in die Gefahr gebracht, sich selbst untreu zu werden. Das haben die Bestimmungen der alten Anstellungsordnung sehr wohl berücksichtigt. Doch die „Erfahrung, daß^die lebenslängliche Anstellung von Beamten sich nicht selten als ein Fehlgriff erwiesen hat, ließ es der Kommission zweckmäßig erscheinen, nötigenfalls lieber von diesem Vorbehalt (nämlich: von der Anstellung auf bestimmte Zeit durch besondere Vereinbarung abgehen zu können) Gebrauch zu machen, als von vornherein alle oder einzelne Beamte auf Lebenszeit an die Gemeinde zu fesseln." Das also ist der einzige Grund, gewissen Beamtenkategorien die lebenslängliche Anstellung zu versagen, selbst denen, die sich ihrer bisher erfreuen durften! Braucht man einer Kommission, in der Namen von solch gutem Klang vertreten sind, erst zu sagen, daß es falsch ist, auf Grund einzelner Erfahrungen einen ganzen Stand derart herabzudrücken? Ist es nicht eins der schönsten Vorrechte und eines der höchsten Ehrenpflichten der Großgemeinden, die materielle Lage ihrer Beamten nicht nur zu bessern, sondern, was die kleinen Gemeinden nicht immer zu tun in der Lage sind, vor allem sicher zustellen? -Und dieser Ehrenpflicht will sich die Danziger Gemeinde durch ihre neue Anstellungs- und Besoldungsordnung entziehendurch eine Neuordnung, die einen offensichtlichen Rückschritt bedeutet, da sie die Rechte der meisten von ihr betroffenen Beamtenkategorien zweifellos vermindert. Es liegt deshalb im Interesse dieser Beamtengruppen, im Interesse aber auch des Ansehens der Danziger Gemeinde, daß diese Neuordnung nur auf dem Papier bleibt, und daß die Danziger Gemeinde von dem von ihr selbst als notwendig erachteten Aushilfsmittel der besonderen Vereinbarung regelmäßig Gebrauch machen wird. * Hochachtend A. W. * Sehr geehrte Redaktion! Prof. Dr. Berliner hat sich durch seine „Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuch" zweifellos ein großes Verdienst erworben. Was aber insbesondere dieses Werk auszeichnet, ist der Freimut, mit welchem der strenggläubige Dozent des Berliner Rabbiner-Seminars die Schäden bloßlegt, die dem alten Siddur anhaften, mit speichern er bekennt, „daß manches im Textinhalte unseres Gebetbuches in-redaktioneller oder formaler Beziehung einer Aenderung, sei es-eine Verbesserung oder Berichtigung bedarf." Es bleibt nun abzuwarten/wie sich die zeitgenössische Orthodoxie zu den angeregten Reformen ihres streng konservativen Führers verhalten wird, und davon wird es dann abhängen, ob wir in absehbarer Zeit einen Siddur nach den Vorschlägen Berliners erhalten werden. Aber auch zum Machsor bedürfen wir . notwendig der „Randbemerkungen", und möchte ich dem Wunsche Ausdruck geben,daß auch diese von dem gelehrten.Verfasser der „Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuch" in Angriff genommen werden möchten. Denn Belehrung-und Aufklärung tun hier not; so manche Gebetstücke haben im Naeüsor Aufnahme gefunden, die. einer Verbesserung, ja vollständigen Umarbeitung bedürfen, und es hieße hier geradezu Vogel- Strauß-Politik treiben, wollten wir uns dieser Tatsache verschließen. Schlagen wir das Machsor von Jom-Kipur auf, da figuriert gleich an erster Stelle das auch von Berliner aus den Index gefetzte Kapporah - Umschlagen, der fNLN ferner daß vielumstrittene ^2' das nur dank seiner erhabenen, feierlichen, tiefergreifenden Melodie noch heute in vielen Synagogen die Glanznummer des stimmbegabten Kantors bildet. In der Tat, die Melodie wäre eines anderen der Stimmung des Tages entsprechenden hebräischen Textes wohl würdig. Schon Jsaac ben Schescheth einer der angesehendsten Rabbiner des Mittelalters, läßt sich auf die Anfrage eines Kollegen über das „Kol-Nidre" also vernehmen: „Jedenfalls ist es besser, Kol-Nidre gar nicht zu sagen. bbs 2D Dlpfc damit die Leute nicht leichtsinnig in den Gelübden werden (0^*132 DUW “fe*1 NÄ Nach meiner Ansicht, da einmal Deine Gemeinde eine Abänderung an der gewöhnlichen Formel sich gefallen ließ, könntest Du sie ganz abschaffen, selbst wenn Deine Gemeinde anfangs nicht gehorchen wollte... Gelingt Dir diese gründliche Abstellung, so werden Dich rühmen alle Weisen der Erde." (Aus „Der israelitische Volkslehrer" von Leop. Stein.) Es ließen sich diesen Beispielen unzählige hinzufügen, doch ist das nicht der Zweck dieser Zeilen. — Möge man sine ira et studio ohne Hast und Voreingenommenheit, unbefangen, Hand ans Werk legen, um eine Purifizierung der Gebete herbeizuführen, um unsere Gebetbücher von allem schädlichen Ballast zu befreien. „Wenig und klar, ist viel; Vieles, aber unklar, ist wenig." (Rabbi Juda Löw Margaliot.) Hochachtend Alex Herz-U. * Geehrte Redaktion! ✓ |>in mir persönlich als durchaus ehrbar bekannter, fleißiger und JC intelligenter junger Mann, im Besitz des Zeugnisses für die Prima, mehrere Jahre als Gärtner praktisch tätig gewesen, wünscht, nachdem er sich auch vergeblich bemüht hat, an jüdischen Friedhöfen eine Stelle zu finden, sich einem anderen landwirtschaftlichen Beruf zuzuwenoen. Seine Bemühungen, etwa bei den Moorkulturen des Reiches Anstellung zu finden, sind an den bekannten Hindernissen für Juden fehlgeschlagen. Da er seinen Gärtnerberuf als Jude nicht beibehalten kann, aber bei der Bodenkultur verbleiben will, so wünscht er sehnlichst, bei einem jüdischen Gutsbesitzer eine Stelle zu erlangen. Der junge Mann hat vorzügliche Zeugnisse, auch solche von der Königlichen Gärtnereianstalt in Zehlendorf, und ist bereit, sich in irgendeinem Fach der Landwirtschaft einzuarbeiten. Es ist ihm darum zu tun. sich eine dauernde Stellung zu erringen, und würde deshalb gerne sich auf die Eigenart des jeweiligen Betriebes einarbeiten. Ich bitte herzlichst die Herren Gutsbesitzer, die bereit sind, dem jungen Manne eine Stelle einzuräumen, mich gütigst benachrichtigen zu wollen. Dr. Arthur Kahn, Charlottenburg, Englischestr. 30. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin/

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