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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-09-24 · Heft 39 (24.9.1909) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 39 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
Seite 467 (sequence 11)
Language
German
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467 „Schon gut, Herr Müller, das interessiert mich nicht und nochMüls-'-besten -Dänk!"--'- ' -- : Jago hatte seine Arbeit getan, das Gift war ins Ohr getränfelt-'und konnte, nun seine Wirkung tun. Mit freundlichem Kopfnicken und der wiederholten Versicherung, daß niemand etwas von diesem Gespräch erfahren sokle, wcir' der Buchhalter entlassen worden, und während Frau Grosser'über das Gehörte nachsann und überlegte, wie sie sich m der Angelegenheit zu verhalten habe, spielte: oben in dem Privatkontor ihres Mannes sich eine sehr bewegte Szene ab. . .. Agathe war untev Herzklopfen und einem , peinlichen Gefühl von Angst und Beschämung die Treppe hinausgestiegen die zu dem Kontor emporführte. Sie hatte, als sie gestern abend einen Brief Edmunds erhielt, in dem er sie in sehr ernstem und dringendem Tön um eine geheime Unterredung bat, bevor er zum Zwecke .wichtiger,- geschäftlicher Erörterungen mit ihrem Gatten züsammenträfe, geschwankt, was sie tun solle. Das Verlangen Grojsers schien ihr sonderbar, anderseits aber wieder sagte He Hch,daß durch eine freundschaftliche, ruhige BesprechuW ^pM'Sache, zu der ihn die -Rücksicht auf eine Dame zwang.- den Aufregungen und Streitigkeiten, die zwischen ihm und .-Alfred drohten, die: Spitze abgebrochen werden könnte. (Fortsetzung folgte v. SprechsgÄ. Sehr geehrter Herr Redakteur! Bur Naturgeschichte per.modernen Orthodoxie betitelt sich ein in Nr. 33 Ihres geschätzten Blattes erschienener: Artikel, der sich mit den religiösen Verhältnissen der Kopenhagens jüdischen Gemeinde beschäftigt. Vexidiqusso nennt sich: der Verfasser, will die Zeit seines Aufenthaltes in Kopenhagen dazu benutzt Habens sich aus verschiedenen zuverlässigen Quellen über die dortigen religiösen Verhältnisse zu informieren. Er spöttelt darüber, . daß. die angeblich streng orthodoxen; oder doch konservativen dortigen Juden es mit ihrem Rufe streng orthodoxen oder doch konservativen Geistes vereinbar finden, ihre Kinder — Knaben und Mädchen — einer Konfirmation unterziehen zu lassen, in welcher nach seiner, des Veridicus, Anschauung ein ganzes Bündel von „Jssurim" zusammengefaßt erscheint. Seine zuverlässigen Quellen haben ihn nicht einmal davon unterrichten können, daß diese Einrichtung auf einem Staatsgesetz beruht und durchaus keine freiwillige ist. Sie ist allerdings nicht, wie in Nr. 34 einin Hamburg lebender Däne berichtet, schon -150 Jahre alt, sondern durch König Frederik VI. zu Anfang des vorigen Jahrhunderts; eingeführt worden. Dieser freisinnige Fürst hat die Emanzipation der dänischen Juden - zu einer Zeit durch geführt, als in Deutschland-daran noch langenicht zu denken war, und ist dafür von dem antisemitischen Pöbel als Jödekong (Judenkönig) verhöhnt worden. Es kam damals in Kopenhagen sogar zu einem Aufstande, den der König --mit- Hilfe des Militärs unterdrückte. In Holstein, das eine ständische Verfassung hätte, konnte der König seine wohlwollenden Absichten gegen den Widerspruch der Ritterschaft, an deren Spitze her Herzog Christian von Augustenburg stand,, nicht durchsetzen- -Dies gelang erst Frederik VII., der mit der Judenemanzipation auch die obligatorische „öffentliche Religionsprüfung* (Konfirmation). durch Gesetz vom 14, Juli 1863 einführte. Sie hat dort obligatorisch bis 1879 bestanden, wo der Zwang durch preußische, bezw. Reichsgesetzgebung beseitigt wurde- Die verewigten Oberrabbiner.von Schleswig-Holstein, ä- A. Ettliriger und Dr. Löb zu Altona, wie auch die Rabbiner holsteinischer Provinzgemeinden, haben diese Konfirmation von Knaben und Mädchen auf Grund des Gesetzes ebenso vollziehen müssen, wie der verewigte Dr. Wolfs zu Kopenhagen und sein Nachfolger im Oberrabbinate, Profefsyr D." Simonsen und.' dessen jetzt im Amte befindlicher Nachfolger.. Ich glaube, daß diese unanfechtbaren Tatsachen wohl eher ein histopisches.oder kulturhistorisches Interesse beanspruchen dürfen, als. 3 die Mitteilung, „daß der überwiegende Teil der Gemeiüde usw. sich | von der mittelalterlichen Art des Gottesdienstes abgestoßen -fühlt."' Ich befinde mich in der angenehmen Lage, auf fremde Quellen! verzichten zu-können.- da ich mehrfach an Sabbaten und einmal am T'issda heah den Gottesdienst in Kopenhagen besucht habe. Er findet i in der zwar nicht imposanten, aber würdig äüsgestatteten Synagoge }. (1833 erbaut) nach altem Ritus, unter Zugrundelegung desherkömmlichen Gebetbuches statt, : dem eine dänische Uebersetzung von Dr. Wolfs beigegeben ist. Letzteres hat auch verschiedene Gebetstücke in dänischer Sprache verfaßt. Der Gottesdienst wird in durchaus A ansprechender und würdiger Weise vom Kantor unter Assistenz eines Knabenchors und dessen Dirigenten geleitet. Der Chor hat nur 1 jüdische Teilnehmer, man ist dort noch in der glücklichen Lage, einen? jüdischen Gottesdienst aus eigener Kraft durchzuführen, ohne aus \ nichtsirdische Mitwirkung angewiesen zu sein. €b Veridicus ba§ i mittelalterlich nennt, weiß ich nicht, ebensowenig will ich entscheiden,. s; ob dieser Gottesdienst „an Formlosigkeit, an das 18. Jahrhundert erinnert." uÄ u > Däß sich „der größte Teil der Gemeinde" davon abgestoßen fühlt, haben die Gewährsleute des Veridicus vermutlich durch eine Umfrage bei den Mitgliedern „zuverlässig" festgestellt, sonst müßte man an- - nehmen, daß die Majorität einen Gottesdienst, von dem sie sich abgestoßen fühlt, längst geändert haben würde. Außer einem Gebe für" das Königshaus und die Staatsbehörden, woran sich der Segen für>^.die Gemeinde schließt, habe ich von dänischen Gebeten an Sabbaten nichts bemerktob an Festtagen solchegesprochen werden, kann Ich aus. eigener .Wahrnehmung nicht sagen. Veridicus spricht . zuerst von der mittelalterlichen Art des Gottesdienstes und bespöttelt dann die Streichung .des Jekum Purkan: usw. Daß er sich hier selbst widerspricht, ist ihm offenbar entgangen. Interessant: ist, daß er 1 „Schnödem“ und „Mischeberach“ zu den unerläßlichen ^Bestandteilen eines Gottesdienstes nach altem Ritus zu irechnen scheint. Er weiß anscheinend nicht, daß in großen orthodoxenGeMemden Deutschlands das Schnödem in den Gemeindesynagogen gänzlich-^unbekannt ist, 4 Wenn in Kopenhagen Schewowim-Tat gefastet wird,- worüber ich nicht. . i unterrichtet bin. so scheint mir das doch nur diejenigen - anzugehen, die sich an solchem Fasten beteiligen. 4 Daß ein Rabbiner es für erlaubt erklärt, ein Geschäft am Z Sabbat offen zu halten, wenn der Nutzen für wohltätige Zwecke verwendet wird, dürfte den zuverlässigen Gewährsleuten des Herrn h Veridicus so leicht - wohl niemand glauben. Bezeichnend für die h Ausfassungsweise des Veridicus ist das Geschichtchen von dex 4 Gesellschaft zur Förderung, der Wissenschaft des Judentums und dem von dieser arrangierten Ball, von welchem die Eltern der jungen Damen ausgeschlossen waren. Veridicus scheint zu glauben, daß zur J Veranstaltung eines Balles in Kopenhagen oberrabbinatliche Genehmigung erforderlich ist. Ihm schwebt vermutlich der Pschat jenes -1 Rabbi von Kapzanz vor, der auf die Frage, ob man tanzen dürfe i entschieden Haben soll: „Tanzen tor mon, aber Jüngelcher mit Jüngelcher un Mädelcher mit Mädelcher." Die . Tendenz des Veridicus - Artikels besteht in einer Verunglimpfung des Kopenhagener Rabbinats. Das ergibt sich unzweifelhaft aus der Behauptung, daß es dem Rabbiner „mit 4 großer Anstrengung gelungen ist, die Anschauung zu erwecken, daß | Judentum eine Mischung von koscherer Butter und peinlich geporschtem? Kalbskopf ist". Was Veridicus veranlassen kann, den Rabbiner einer j ihm völlig fremden Gemeinde in einem ihm ebenso fremden Lande | in dieser geschmackvollen Manier anzurempeln, wird ja sein Geheim- 2 nis sein. Jedenfalls habe ich keine Lust, in die * gleiche Tonart zu :A verfallen. Persönlich ist mir der Kopenhagener Rabbiner nicht bekannt, und i eine Kritik seiner Tätigkeit ist Angelegenheit'seiner Gemeinde. Was mich veranlaßt, * Veridicus entgegenzutreten, ist der Umstand, daß seine Auslassungen geeignet sind, in Deutschland eine völlig i schiefe Beurteilung der jüdischen Gemeindeverhältnisse Kopenhagens und in Dänemark ganz falsche Vorstellungen von der jüdischen 4 Journalistik in Deutschland hervorzurufen. Stettin. Judäus. § >.-; m

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