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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-09-17 · Heft 38 (17.9.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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7 3. Jahrgang Nr. 38. ► Berlin, 15. September 1909. Vellage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums^. korrelpondknsrn und Kschrichten. Deutschland. Berlin, 10. September. Die dritte Hauptversammlung des ,-Verbandes der Deutschen Juden", die im Oktober d. I. in Breslau zusammentreten wird, zufällig an demselben Orte, wo eben vorher die deutschen Katholiken tagten, beansprucht, abgesehen von ihrer allgemeinen Bedeutung, in der Oeffentlichkeit besonderes . Interesse dadurch, daß nach einem Vortrage des Breslauer Rabbiners Dr. Guttmann -,Die Idee der Versöhnung im Judentum", zwei Vorträge die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Ostmarken beleuchten werden, nämlich: 1. „Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen" (Justizrat Breslauer-Berlin; 2. „Die Juden der Ostmarken. — Was haben sie dem preußischen Staat und was hat er ihnen geleistet?" (Justizrat Wolfs-Liffa (Mitglied des Abgeordnetenhauses). — Die Vorbereitungen zur Aufnahme der aus allen Teilen des Reichs erwarteten 400 bis 500 Delegierten, welche die Gäste der Breslauer Gemeinde sein werden, trifft ein von dieser eingesetzter Ortsausschuß, an dessen Spitze der Geheime Justizrat Landgerichts rat Wollstein in Breslau steht. Neben den sonstigen Unterausschüssen wirkt diesmal ein Frauenkomitee, das sich den zu erwartenden Damen der Delegierten widmen soll; diese Neuerung ist um so berechtigter, als — ein erfreuliches Zeichen der Zeit — in diesem Jahre zum erstenmal auch unter den Delegierten selbst einige Frauen Sitz und Stimme haben werden. Während der Begrüßungsabend am 16. Oktober in der Breslauer Gesellschaft der Freunde nur die Versammlungsteilnehmer vereinen wird, ist die eigentliche Hauptversammlung am Sonntag den 17. Oktober vormittags im großen Saale des Breslauer Konzerthauses öffentlich. Zuhörerkarten werden in Breslau wie im Bureau des Verbandes in Berlin ausgegeben. Berlin, 10. September. Während des Monats September ist in der Galerie Schulte, Unter den Linden 75, eine Kollektion der wundervollen Schneelandschaften des Malers Abraham Neumann aus Zakopane ausgestellt. Ueber den Künstler und sein künstlerisches Können schreibt Fritz Stahl im Berliner Tageblatt: „Ehrliches und innerliches Erleben der Natur, auch wenn es nur ein kleines Stück ist, gibt immer wieder Neues. — Abraham Neumann nimmt seine Motive aus dem Winter seiner galizischen Heimat. Und trotz dem engen Gebiet wiederholt er sich nicht. Nicht einmal in der Grundstimmung. Sein Hauptstück, ein verschneiter Fichtenwald, in den die Sonne hineinleuchtet, ist voll von dieser sauberen Heiterkeit, die keine andere Jahreszeit hat. Daneben steht ernst und ruhig der „kalte Tag", der mit seinem Grau Haus und Bäume und Boden mit ihren verschiedenen Farben tonig verbindet. Ein Stück Steppe, braun unter grau und gelbem Abendhimmel, spricht eine tiefe Melancholie aus." x. Siffa i. P. 10. September. Die Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der Salomon-Joseph-Johanna Wollheimschen Stiftung in unserer Stadt am 5. September d. I. hat einen äußerst würdigen und schönen Verlauf genonimen. Außer dem Kuratorium der Stiftung, dem Gemeindevorstande, den Repräsentanten, dem Vorstan de des Israelitischen Kranken-Unterstützungsvereins, dem Vorstande ■ des Jüdischen Frauenvereins und vielen andern Gemeindemitgliedern hatte sich in der festlich geschmückten Aula der jüdischen Schule eine große Anzahl geladener Gäste eingefunden, darunter Landrat von; Kardorff,erster BügermeisterWollburg.BürgermeisterSchwidetzki,? mehrere Stadträte und Stadtverordnete, Geheimer Medizinalrat Kreisarzt Dr. Wegner u. a. Eingeleitet wurde die Feier durch die von dem Synagogenchor unter Leitung seines Dirigenten Lehrer Behle; vorgetragene Jubelhymne: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" worauf der Vorsitzende des Kuratoriums der Wollheimschen Stiftung' : Justizrat Nürnberg, die Festrede hielt. Diese ging davon aus. daß bei einer fünfzigjährigen Jubelfeier drei Tinge unse" Herz erfüllen müssen: Freude, Gedächtnis und Rechenschaft, und schloß mit dem Gelöbnis des Kuratoriums, daß es weiter im Sinne des edlen Stifters arbeiten und wirken werde. Darauf beglückwünschte)Landrat v. Kardorff die Stiftung zu ihrem Jubiläum, betonte den Wohltätigkeitssinn der jüdischen Einwohner Lissas, und wünschte der Stiftung auch für die Zukunft ein gesegnetes Wirken. Erster Bürgermeister Wollburg überbrachte die Glückwünsche der städtischen Behörden, wobei er das fünfzig Jahre lange Wirken der Wollheimschen Stiftung auch in feiner wohltätigen Rückwirkung auf die Entlastung der Stadt in der Armen- und Krankenpflege rühmend hervorhob. Magistrat und Stadtverordnete haben der Anerkennung dafür durch die schöne Jubiläumsgabe von 500 Mark Ausdruck verliehen. Im Namen des Vorstandes der Shnagogengemeinde brachte der Vorsitzende desselben, Kaufmann Julius Baginskh, den Glückwunsch desselben dar, während Justizrat Wolff, der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, im Namen der Repräsentanten gratulierte und besonders darauf hinwies, wie selten, aber auch wie nützlich solche Institute für Sieche sind- Als letzter betrat Rabbiner Dr. Bäck die Tribüne und beleuchtete in zU Herzen gehenden Worten das segensreiche Wirken der Anstalt, worauf er den Beistand des Höchsten auch für die weitere gedeihliche Entwicklung der Anstalt erflehte. Zum Schluffe dankte Justizrat Nürnberg für alle der Stiftung und dem Kuratorium dargebrachten Glückwünsche, gedachte des Förderers aller wohltätigen Bestrebungen, Sr. Majestät des Kaisers, und brachte ein Hoch auf ihn aus, das von allen Anwesenden begeistert ausgenommen wurde, worauf stehend der erste Vers der Kaiserhhmne gesungen wurde. Nun beendete der Gesang: „Jauchzet Gott alle Welt" den offiziellen Teil der Feier. Es folgte hierauf eine Besichtigung der Anstalt, wobei' alle Teilnehmer an dieser Besichtigung ihre Bewunderung und Anerkennung äußerten über die gewonnenen Eindrücke, namentlich über die praktische, bequeme, anheimelnde Einrichtung der Anstalt und über die Behaglichkeit und Zufriedenheit, die sieb auf den Gesichtern aller Insassen wiederspiegelte. Es wurde allgemein bestätigt, daß die Anstalt nichts vermissen läßt, was zu einem, angenehmen Heim für altersschwache, sieche und kranke Personen gehört. Nach der Be» sichtigung der Anstalt fand ein Frühstücksessen im Ottoschen Hotel statt, an dem ungefähr 60 Personen teilnahmen. Die Reihe der Toaste eröffnete erster Bürgermeister Wollburg mit einem Trinkspruche auf Se. Majestät den Kaiser. Hierauf sprach Justizrat Nürnberg als Vorsitzender des Kuratoriums den Dank desselben für alle der Anstalt dargebrachten Glückwünsche aus. Mit weiteren Toasten auf den Vorsitzenden Justizrat Nürnberg, auf den Anstaltsarzt Sanitätsrat Dr. Sch erb el und die übrigen Mitglieder des Kuratoriums fand die schöne, erhebende Feier ihren Abschluß. Leider war es keinem aus der Familie des edlen Stifters vergönnt, der fünfzigjährigen Jubelfeier seiner hochherzigen Schöpfung beizuwohnen. Sie wohnen zu einem großen Teile im Auslande, und teils hohes Alter, teils Gründe der Gesundheit hatten sie am Erscheinen behindert. Aber durch Glückwunschschreiben und Telegramme hatten sie ihre Teilnahme an der Feier bekundet und ihrem hohen Interesse noch durch reiche Geldspenden besonderen Ausdruck verliehen. In gleicher Weise haben viele frühere Lissaer, so der Vorstand des „Lissaer Hilfsv ereins" in Berlin und eine große Zahl seiner Mitglieder, ferner Regierungspräsident Krahmer in Posen, Regierungspräsident v. Hellmann in Allenstein (früher Landrat in Lissa) u. a. ihre Glückwünsche ausgesprochen. Möge nun die Wollheimsche Stiftung, die unserer Stadt, unserer Gemeinde und dem gesamten Judentum zur Ehre und Zierde gereicht, weiter blühen und gedeihen; möge ihr. ferneres Wirken ein gesegnetes sein. ' — Tempelburg, 7. September. Zu einer erhebenden Festlichkeit gestaltete sich letzten Sonntag das 40jährige Amtsjubiläum des Predigers Lion Wolfs Hierselbst. Ohne Unterschied des Bekenntnisses erschienen im Laufe des Vormittags die Gratulanten im Hause des Jubilars, und ebenso fanden sich neben den jüdischen auch

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