Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1909)
- Date
- 1909-09-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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73. Jahrgang Nr. 37. Berlin, 10. September 1909. Der Gemelndevore. Deilsge zur „Allgemeinen Leitung de>S Judentums. Oarrelponden?m und Mschnchten. Deutschland. y. Berlin, 6. September. Der Verein für Errichtung einer jüdischen Blindenanstalt für Deutschland hat sich Sonntag in einer nach Dräsels Festsälen einberufenen Versammlung definitiv konstituiert. Es wird dem Vater des Gedankens, Herrn Fabrikbesitzer William Neumann, wie dem eifrigen vorbereitenden Komitee zur hohen Genugtuung gereichen, jetzt schon unmittelbar vor der Ausführung eines so hoch bedeutsamen sozial-jüdischen Werkes zu stehen. In kaum acht Monaten, seitdem man an die Ausführung des Gedankens ging, sind 2700 Mitglieder gewonnen, 35O00 Mark aufgebracht, und eine ganze Anzahl weiterer Gemeinden, Logen und Vereine haben ihre ideelle und materielle Förderung zugesagt. Mit diesen Mitteilungen eröffnete Herr W. N e u m a n n am Sonntag die konstituierende Versammlung, worauf Herr C. Schätzer in eindrucksvollem Vortrage über Zweck und Ziele der Blindenanstalt referierte. Der Zweck des Vereins ist die „Errichtung und Erhaltung einer Anstalt zur körperlichen, geistigen, sittlichen und religiösen Erziehung blinder jüdischer Knaben und Mädchen," sowie „zur gewerblichen Ausbildung jüdischer Blinder." Ferner die Errichtung und Erhaltung „eines damit verbundenen Heims für erwachsene jüdische Blinde." Die Statuten, die ohne wesentliche Aenderung angenommen wurden, schließen sich an die Satzungen des Wiener Blindeninstituts an und sehen einen Vorstand und einen Prüfungsausschuß vor. Da der Sitz des Vereins Berlin ist, so ist es erklärlich, daß bei der vorgenommenen Vorstandswahl von den 30 Herren 16 ihren Wohnsitz in Berlin haben. Gewählt wurden die Herren! Rabbiner Dr. Blumenthal, Iustizrat Louis Cohn, vr. phil. Ludw ig Cohn. Rabbiner Dr. Eschelbach er, Dr. W. Feilchenfeld, Dr. Ad. Gutmann, die Handelsrichter Ad. Koehler und W. L oewenthal, Fabrikbesitzer W. Neumann, Geheimer Kommissionsrat Th. Potsdammer, Professor Dr. No sin. Stadtverordneter Max Salinger. C. Schätzer, Paul Schlochauer, Kommerzienrat Gerson Simon und Fritz Wallach. Ferner Jakob Treu mann-Bamberg, Rabbiner Dr. Kopf stein-Veuthen, Kommerzienrat A. Sternberg-Breslau, Justizrat Kapferer-Köln, Justizrat Dr. Blau und PH. Schiff-Frankfurt, Dr. M. Kauf.mann- Freiburg, Mart in Heilbuth-Hamburg, Geheimer Oberregierungsrat Dr. Mayer-Karlsruhe, Professor Falkenheim-Königsberg, Ad. Goldschmidt-Leipzig, Justizrat Osener-München, Sanitätsrat Dr. Elkeles-Posen und Geheimer Kommerzienrat v. Pflaum- Stuttgart. In den Prüfungsausschuß wurden die Herren Stadtverordneter Dr. Levi. Bankier O. Wassermann, Heinrich Frankel und M.Schwarz gewählt. Nachdem die jüdischen Blinden Fräulein Hirsch- Hamburg, Konzertfängerin, der Orgelvirtuose Altmann und Herr Dr. Ludw. Cohn aus ihren Erlebnissen in nichtjüdischen Blindenanstalten, die Ersprießlichkeit und den Segen eines Instituts für jüdische Blinde, in welchem diese in einem jüdischen Milieu erzogen werden, geschildert hatten, teilte Herr Bornstein-Bentschen mit. daß die städtischen Behörden seiner Heimatstadt auf Initiative des dortigen Gemeindevorstandes den Beschluß gefaßt hätten, dem heute gegründeten Vereine städtisches Terrain unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, falls man beschließe, die Anstalt in Bentschen zu errichten. Das freundliche Anerbieten wurde mit Dank ausgenommen, eine definitive Beschlußfassung aber ausgesetzt, da auch von anderer Seite ähnliche Anerbietungen vorliegen, und der Vorstand sich erst später darüber schlüssig machen kann. Jedenfalls soll die Anstalt noch im Laufe dieses Jahres ihre segensreiche Tätigkeit beginnen. — Berlin, 7. September. Wie der Deut sch-Israelitische Gemeindebund im Inseratenteil dieser Nummer bekanntmacht, sollen am 1. Oktober 1910 aus der ihm unterstehenden Montefiore- Stistung 500 Mark im ganzen oder geteilt an jüdische Lehrer in Deutschland als Prämie für hervorragend tüchtige Leistungen im Unterricht jüdischer Lehrkräfte oder Kinder im Gartenbau und in Handfertigkeit verliehen werden. Bewerbungen sind bis zum 1. Oktober 1909 dem Bureau" des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes (Berlin W., Steglitzerstr. 85) einzureichen. *** Berlin, 3. September. Das jüdische Genesungsheim zu Le hnitz für Frauen und Mädchen hat für die Herbstmonate noch einige Plätze verfügbar. In den Sommermonaten muß stets eine größere Anzahl von Gesuchen um Aufnahme in das Heim abgelehnt werden, daher empfiehlt es sich, Eingaben für die Monate Oktober. November sofort, unter Beifügung eines ärztlichen Attestes, an das Bureau des Vereins Jüdisches Genesungsheim-Berlin, Rosenstratze 2/4, zu richten. *** Berlin, 7. September. Am 4. d. M. ist Philipp Stein, der bekannte Berliner Schriftsteller und Theaterkritiker, an den Folgen eines Schlaganfalles, im Alter von 56 Jahren gestorben. Stein hat als Publizist in den Jahren des literarischen Sturms und Drangs, als die „Freie Bühne" für die Ziele des Naturalismus kämpfte, in der vordersten Reihe der Kämpfer gestanden. Als langjähriger Theaterkritiker und Kunstreferent trug er viel zum Durchringen der neuen Ideen und modernen Knnstanschauungen bei. In einer seiner verschiedenen theatergeschichtlichen Publikationen hat Stein auch die Jahre des Berliner Kampfes um Ibsen dargestellt. Stein schrieb ferner auch eine der besten modernen Schauspieler- Monographien: sein Buch über Adalbert Matkowsky. Als Herausgeber der Reden Bismarcks und des Briefwechsels Goethes zeigte er vielseitige Kenntnis und Geschmack. In den letzten Jahren redigierte er neben der Damenzeitung „Bazar" auch einige der wertvollsten Publikationen der Gesellschaft für Theatergeschichte. Die Beerdigung findet morgen auf dem Friedhof in Weißensee statt. ----- Berlin,5.September. Die „Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee" erfreut sich nach wie vor einer starken Besetzung. Die in der Zahl von 80 bis 90 Mann ständig die Anstalt frequentierenden Kolonisten finden dort Obdach, Verpflegung und Arbeitsverdienst. Jetzt beim Herannahen des Winters ist der Vorstand dafür besorgt, auch den vielfach in unzulänglicher Kleidung eintretenden Schützlingen warme Wintersachen zu beschaffen. Ein Fonds für derartige Ausgaben ist aber nicht vorhanden; daher ergeht an edle Menschenfreunde die Aufforderung, der Kolonie gebrauchte Kleidungsstücke zuzuwenden. Man verlange Abholung durch Postkarte an die „Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee" oder durch telephonischen Anruf: Amt Weißensee, Nr. 192. ----- Berlin, 6. September. Der ani 30. Mai gegründete Verband der jüdischen Jugend vereine Deutschlands hat nun seine Tätigkeit ausgenommen. Die erste Vorstandssitzung fand am 15. August d. I. mit einer sehr reichhaltigen Tagesordnung statt. Aus dem Protokoll über diese Sitzung sei folgendes hervorgehoben: 1. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorsitzenden des Vorstandes wird Herr Dr. Alfred Apfel (Jugendverein „Gabriel Rießer", Cöln) betraut. 2. Zwecks besserer Handhabung der Verbandsgeschäfte werden verschiedene Dezernate geschaffen und zwar, a) die Führung der Finanzangelegenheiten wird Herrn Felix Meyer („Montefiore-Verein", Frankfurt a. M.) übertragen; b) die Statuten- und Aufnahmekommission besteht aus den Herren Alfred Fischer (Jugendverein Hannover) und Referendar Regensburger (Jugendverein Braunschweig); c) Die literarische Kommission bilden die Herren Dr. Apsel-Cöln und Dr. Rosenkranz-Berlin; 6) Mit der Geschäftssührnng des Verbandes wird Herr Rabbiner Dr. Finkel, der bisherige provisorische Geschäftsführer weiter betraut. Außer den 24 bisherigen Verbandsvereinen haben ihren endgültigen Beitritt die Vereine Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Halle, Essen, Danzig, Halberstadt, Spandau und Bochum erklärt. Auch liegen Aufnahmegesuche von mehreren Vereinen vor, bieder Statuten-und Aufnahinckommission überwiesen wurden. Der Vorstand regt den Zusammenschluß der Vereine zw Provinzial- resp. Bezirksverbänden an, da er