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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-09-10 · Heft 37 (10.9.1909) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 37 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 Typus. Am auffallendsten ist aber die Abweichung in der Kopfform. Im allgemeinen sind die Juden kurzköpfig d. h. die Länge des Schädels übertrifft dessen Breite nur um 20 Millimeter im Durchschnitt, so daß der Kopf eine rundliche Form aufweist, während die jemenitischen Juden eine ganz andere Kopfform haben. Die Länge des Schädels übertrifft die Breite nicht selten um 50 Millimeter, so daß sie als echte Langköpfe bezeichnet werden müssen, wie die Angehörigen der sogenannten Mittelmeerrasse in Südeuropa, besonders in Süditalien, ganz Spanien und Nordafrika. Richtige Kurzköpfe waren unter den 78 Männern nur fünf. Das Gesicht ist oval, oft gegen das Kinn zu spitz zulaufend; die Nase ist meist grade, die semitische gekrümmte Nase ist in der Minderzahl, die. sogenannte Judennase war nur einmal vertreten. Daher ergeben sich so bedeutende Verschiedenheiten in der Körpergestalt von dem sonstigen jüdischen Typus, daß zwischen den jemenitischen Juden und den europäischen keine nähere Rassenverwandtschaft bestehen kann. Dieser Ansicht scheinen die Araber selbst zu sein, denn sie äußerten sich einem Forscher gegenüber: Die Juden hier sind gar keine Beni-Jsrail; es sind Araber, die das Judentum angenommen haben. Aber freilich könnte man in den seit Jahrtausenden isoliert wohnenden Jemeniten mit gleich gutem Rechte echte Nachkommen der alten Juden sehen; in den europäischen Juden dagegen läge dann das Produkt einer zwei Jahrtausende dauernden Rassemischung mit Völkern ihrer jeweiligen Umgebung vor. Wir wissen, daß in den Zeiten des ausgehenden Heidentums die Uebertritte zum Judentum außerordentlich häufig waren — römische Kaiser erließen Verbote dagegen — und auch im ganzen Mittelalter waren solche nicht selten. Auf dem speziellen Forschungsgebiet des Dr. Weißenberg in Südrußland entstand um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Ehr. das mächtige Reich der Ehazaren, das sich in seiner Blütezeit vom Kaspisee bis zum Dnjepr ausgedehnt hat. Der Großherr und der Adel waren im 9. und 10. Jahrhundert Anhänger der mosaischen Lehre. Damals muß also viel fremdes Blut den dortigen Juden zugestossen sein. Wenn man also einen jüdischen Typus aufstellen will, so sind die europäischen Juden kein geeignetes Substrat dafür, und zum Leidwesen der rassereinen Arier, die es übrigens ebensowenig gibt, muß ich den Standpunkt vertreten, daß unsere Glaubensgenossen m Europa als Rasse betrachtet, in der i überwiegenden Mehrzahl überhaupt keine Semiten, sondern! ein Mischvolk sind. Ob diese Mischung verschiedener Rassen, wie manche Forscher, z.B. der Berliner Anthropologe v! Lu sch an, annehmen, schon im alten Kanaan vor sich gegangen ist, das jüdische Volk aus Semiten (Kananäern und Hebräern,).Hettitern und Amoritern zusammengeschweißt sei, bleibe als zu unsicher dahingestellt. Die jemenitischen Juden können also sehr wohl den uralten jüdisch-semitischen Typus bewahrt haben, der den Juden in der Diaspora zumeist verloren ging. Die auffallende Beobachtung, daß sie in ihrer Erscheinung dennoch den osteuropäischen Juden gleichen, läßt sich einerseits durch zufällige Aeußerlichkeiten (Paies), anderseits durch die Tatsache erklären, daß gleiche kulturelle Zustände und gleichartige Beschäftigung nicht ohne Einfluß auf die Erscheinung des Menschen bleiben; man denke an den Künstler-, Gelehrten-, Schmiede-, Schneidertypus usw. So hebt sich von dem. bescheidenen Hintergrund, den das Schicksal der jemenitischen Juden abgibt, die große Frage der Rassezugehörigkeit der heutigen Juden ab, in der das letzte Wort der künftigen, exakten Forschung gehört, der hier noch ein weites, wenig bearbeitetes Feld offen steht. Die Kompagnons. Roman von, Ernst Heilmann. x. Schließen Sie die Augen, ich führe, ich trage Sie empor!" flüsterte Edmund Agathen ins Ohr und zog sie an sich. „Das ist grauenvoll," antwortete sie und versuchte seinem Rate zu folgen, aber immer wieder, wie unter dem Zwange einer Folter, riß sie dann die Augen in starrem Entsetzen weit auf, als wollte sie sich überzeugen, ob denn dieser lange Zug von Elenden, Ausgestoßenen kein Ende nehme. „Ruhen Sie ein wenig aus von den Strapazen dieses Weges, gnädige Frau." „Ich erhole mich schon wieder." „Sie bedauern gewiß, das unternommen zu haben? Die Herren hätten uns warnen sollen, das ist nichts für die Nerven einer zarten Frau." „O, nicht doch! Jetzt, wo es überstanden, freue ich mich, daß ich da bin. Das ist ja etwas Unfaßliches! Niemals hätte ich das für möglich gehalten! Das ist mehr, als das Versetzen von Bergen! Jaßna Gura ist heute selbst ein Berg, der aus Gläubigen besteht." Sie hatte sich erhoben und ließ ihren Blick durch die Kirche schweifen. Der altertümliche Ban reichte bis in die legendenbildende Zeit des Herzogs Wladislaw zurück. Dieser hatte, um das angeblich vom heiligen Lucas auf dunklem Zypressenholz selbst gemalte Bild der Mutter Gottes gegen die Tartaren zu schützen, das Kloster Anfang des XIV. Jahrhunderts erbaut. Langsam zogen die beiden durch den weiten Raum, an den kleinen Kapellen länger verweilend. In einem Beichtstuhl beobachtete sie einen ganz jungen Geistlichen, der mit ernstem Antlitz dort die Beichtgeheimnisse entgegennahm. Ein Lächeln zog durch Agathens Gesicht, wenn sie mit diesem priesterlichen Jüngling die Vorstellung Beichtvater verband.-Diese Jugend, selbst noch allen Lockungen und Verführungen unterworfen, jedem Ansturm der Gefühle Preisgegeben, soll den Sünden anderer Vergebung bringen? — Ideen und Vorstellungen verschiedenster Art schwirrten durch ihre Seele, und so ganz in Gedanken vertieft, bemerkte sie auch nicht, daß ihr Begleiter mit großem Interesse eine Dame beobachtete, die knieend mit gesenktem Haupte an einen Pfeiler lehnte, der mit einem Bildnis des heiligen Antonius geschmückt ist. Die Frau hatte ihren Kops mit einem Schleier verhüllt und schien in tiefster Andacht versunken. Aber wie sie da so inbrünstig hingegossen vor dem Heiligen lag, hatte der Saum ihres Kleides sich verschoben und ein zierlicher Fuß mit elegantem, offenem Schuh und dunkelseidenem Strumpf bekleidet, lugte aus einer Flut weißer Spitzen, die den Besatz des Unterrocks bildeten, hervor. Hinter diesem Schleier verbirgt sich ein Weltkind, sagte sich Grosser. Er betrachtete sie so starr, daß sein Blick sie bannte und sie wie von einem magnetischen Fluidum ergriffen,»auf einen kurzen Moment zu ihm emporschaute, dann um so inniger sich in ihre Gebete vertiefend. Dieser Augenblick hatte genügt. Er hatte ein bleiches, verlebtes, aber noch immer wunderschönes Antlitz gesehen, mit schmachtenden, feuchten Augen, rechte Versucherinnenaugen! Flugs war seine Phantasie bei diesem Abenteuer, und in seiner Genußsucht und Frivolität vergaß er sogar an Agathe. Er sah sich um und bemerkte etwas abseits von dieser Betenden einen Mann, der -

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