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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-27 · Heft 35 (27.8.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Familien Baerwald - gestiftet haben. /PürgerMeister-- Atedel . gratulierte im Namen der Stadt und sprach die besten Wünsche für' den Lebensabend des Jubilars aus. Von Seiten des (Gymnasiums waren erschienen Ghmnasialdirektor Professor Zhelonkä, Professor Rummel und Gymnasiallehrer Käding. Ersterer dankte Herrn Dr. Perlitz für^ seine 28jährige segensreiche Tätigkeit als Religionslehrer am hiesigen Ghnmasium. Der Jubilar dankte allen Herren für die freundlichen Worte. Die Vertreter der Körperschaften und viele Freunde des Jubilars blieben nunmehr einige Zeit gesellig beisammen. Viele Glückwünsche von nah und fern zeugten von der großen Liebe und Achtung, deren sich der Jubilar in allen Bevölkerungskreisen erfreut. Leb. Lissn i P, 22. August. Am 5. September d. I. feiert die Salomon-Joseph-Johanna Wollheimsche Stiftung zu Lissa in Posen ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Sie ist von Joseph W ollheim, der damals in Wien lebte, in Anhänglichkeit an seine Vaterstadt Lissa am 5. September 1859 gegründet worden. Aus kleinen Anfängen ist bas Institut zu seiner jetzigen Höhe emporgewachsen und stellt heute, nachdem es durch Anbau mehrfach vergrößert und erweitert worden ist, ein stattliches Gebäude dar in schöner Lage an der Westpromenade Lissas. Die Worte, die der Freund Joseph Wollheims', der bekannte Arzt Dr. Heinrich Scherbel, bei der Einweihung der Stiftung gesprochen hat: „Dieses Haus wird den festen Punkt abgeben, woran sich die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen in herrlichen Resultaten wird ankristallisieren können, um ein prächtiges und großes Gebäude heranwachsen zu lassen," sind in Erfüllung gegangen. Die Bestimmung, welche die Stiftung erfüllen sollte, hat dazu wohl nicht wenig beigetragen. Sie sollte zugleich ein Siechenhaus und ein Krankenhaus sein, und diesen ihren Zweck hat sie in den ersten fünfzig Jahren ihres Bestehens in hohem Maße erfüllt. Das Wollheimsche Institut galt insbesondere seit seiner Begründung als das jüdische Krankenhaus der Stadt Lissa, und die jüdische Gemeinde in Lissa hat oft in dringenden Fällen erfahren, wie notwendig eine solche Zufluchtsstätte für Kranke ist, und wie wohltätig sie wirkt. Seit dem 1. Juli d. I. ist auch eine Unfall-Rettungsstation im Stiftungsgebäude eingerichtet worden. IN dem Institute befindet sich auch ein Betzimmer. In diesem : werden die Sterbetage der Stifter und derjenigen Personen, für die j von andern Wohltätern undGönnern des Instituts der Wollheimschen Stiftung Zuwendungen gemacht worden sind, gewissenhaft durch i Gebete in Erinnerung gehalten. Das Kuratorium der Wollheimschen , Stiftung besteht gegenwärtig aus dem Vorsitzenden Justizrat Nürnberg, dem stellvertretenden Vorsitzenden und Schatzmeister Stadtrat Schreyer, dem Anstaltsarzte Sanitätsrat Dr.Simon . Scherbel (der jetzt 26 Jahre Arzt der Stiftung ist), dem Kontrolleur : Berthold Nürnberg, dem ersten Schriftführer Carl Kretschmer : und dem zweiten Schriftführer Emil Adam. Die Wollheimsche : Stiftung hat sich in den fünfzig Jahren ihres Bestehens bemüht, nach Kräften Gutes zu tun, Sorge, Not und Elend zu lindern. Armen ' Hilfe, Kranken Heilung zu bringen. Sie sucht auch ihren Wirknngs-; kreis auf immer weitere Gebiete der allgemeinen Wohlfahrtspflege und der Humanität auszudehnen. Wenn die Freunde und Gönner : der Stiftung ihr weiter ihr freundliches, werktätiges Interesse be-.' wahren und sie in ihrem segensreichen Wirken bereitwillig unterstützen, dann wird sie weiter wachsen, blühen und gedeihen. Das wird auch der altehrwürdigen Lissaer jüdischen Gemeinde zugute kommen, die mit ihrem herrlichen Tempel, ihrer schönen Schule und ihren sonstigen musterhaften, dem Wohle der Gemeindemitglieder gewidmeten segensreichen Einrichtungen es wohl verdient, eine neue Aera der Blüte und gedeihlichen Entwicklung zu erleben. ll. Frankfurt a. M., 19. August. Der „Verband der Vereine studierender Frauen" hielt dieser Tage seinen ersten Verbandstag hier ab, auf dem auch eine die jüdische Oeffentlichkeit interessierende Frage zur Erörterung und Beschlußfassung gelangte. Bekanntlich hat sich in Berlin auf Initiative und Betreiben des antisemitischen „Vereins Deutscher Studenten" ein weiblicher Zirkel an der Universität gebildet, der der gleichen antisemitischen Teutomanie huldigt, wie die männlichen Kommilitonen der.Stöckerei. Dieser Studentinnenklub zur Pflege jener Bewegung, die Kaiser Friedrich so äußerst treffend charakterisierte, nennt sich: „Deutscher >Mbv^ch^r^Fraüenve^H: ^Jüdische Studentin NW iveMn/statutenmäßig natürlich nicht-ausgenommen, und das ist der ganze Zweck der Uebung. Statt sich aber nun offen und ehrlich etwa „Verein atttifemitifMHGtrchensinnM^ okEWch W^rigstens nach einem ihrer sie" lieber „errötend" der^Spuren" ihrer männlichen Gebatter. Mit diesem ^^f^Ä^Wega^Äe^n^'aMßemitisHeyr.'G'ßiW^M> ' der weiblichen Studentenschaft an oezc.Verlier Universität sollte sich nun auf der Frankfurter Tagung dev '.^Äcküd der Vereine studierender Frauen" befasien.)'Punkt'8 der'Tagesordnung läutete:"' „Stellungnahme des Verbandes gegenüber antisemitischen' Tendenzen in der Studentinnenschäft." Lei6er"'häL*man." "wenn auch nicht in den Debatten darüber, so doch in der zur Annahme gelängten Resoluti on, es verabsäumt, der „Katze die'Schelle" umzuhängen," die Katze Katze zu nennen, und" dem „verschämten" Antisemitismus" Rechnung tragend, sich damit begnügt, ' nür von einer „Absonderung" zu sprechen. Es wurde nämlich zu dem genannten Punkt 8 der Tagesordnung die folgende, das Worb" '„Antisemitismus" ängstlich meidende Resolution angenommen : /,Der Verband der' Vereine studierender Frauen bedauert, daß durch die Art der Absonderung des „Deutschen Akademischen Frauenvereins Berlin" ein Gegensatz nicht nur ‘ in die Berliner, sondern in die gesamte deutsche Studentinnenschaft getragen worden ist. Er verwirft alle Organisationen der-Studentinnen, die gegeneinander agitieren." Wer die näheren Verhältnisse, die zu dieser Stellungnahme gegenüber dem „Deutschen Akademischen Frauenverein Berlin" führten, nicht kennt, der wird aus dieser Resolution schwerlich den Sinn" herauslesen, daß es sich dabei um eine Kundgebung gegen das Eindringen des antisemitischen' Giftes in unsere studierende weibliche Jugend handelt. Man kann leider dem Verbandstäge der „Vereine studierender Frauen" den Vorwurf nicht ersparen, daß eine derart rücksichtsvolle Sanftmut ganz gewiß, auch vom nicht spezifisch jüdischen Standpunkt aus, d. h. rein objektiv betrachtet, nicht angebracht ist. Es kann der Frauenbewegung gewiß nicht dienlich '-sein, wenn man r ü ck st ä n d i g e n Erscheinungen in ihren Reihen nicht mit der "ernstesten Energie entgegentritt. Sie ist ihrer ganzen Natur Nach auf die Unterstützung und Förderung der" fortschrittlichen Elemente, nicht der rückständigen, angewiesen. Die letzteren sind bekanntlich die schärfsten Gegner der Frauenbewegung, die sie mit "allen Mitteln Niederhalten wollen. Stellt sich doch z. B. unter den kaufmännischen Vereinigungen keine so gegnerisch den Frauenbestrebungen entgegen, als der antisemitische „Deutschnationale Handlungsgehilfenverein," jener Gesinnungsbruder des „Vereins deutscher Studenten," der die kaufmännischen Berufsgenossinnen den „Juden" gleichstellt, indem er beide gleichermaßen statutarisch von der Mitgliedschaft ausschließt. Vielleicht sehen sich die -jungen Damen, die hier dem Antisemitismus Vorspanndienste leisten- und auf den antisemitischen „Leim krauchen," einmal ihre gesinnungsgenössische Presse an, die .nur blutigen Hohn und Spott für das EmanzipationsxingM'5''ver modernen Frauen hat. Das Gros, die überwältigende MäWität der studierenden Frauen sieht das auch recht wohl ein. Sie votierte daher in Frankfurt gegen die „Absonderung," aber nicht schärf-genug, und Pias schlimmer ist — nicht deutl ich genug! Das Frauenstreben und das moderne Ringen der Frau werden aufs ärgste diskreditiert' wenn man sich nicht' schärf und deutlich von dem Gift mittelalterlicher Rückstänvigkeit scheidet. " ' '; ü—n. Schwäbisch-Grnttri-, 17. August. Einer meiner Profess oren,der mit bollen Segeln imFahrwasser einesStöcker und Treitschke sich bewegte und aus seiner Gesinnung den Juden gegenüber sonst keine Mördergrübe machte, bekannte wiederholt, daß Kammersänger Sontheim ein Sänger sei, 'dem er keinen ähnlichen zur Seite zu stellen wüßte, und' der auf ihn von je den mächtigsten Eindruck gemacht habe.. DerZauberDieses gottbegnadeten Künstlers muß geradezu faszinierend gewesen" sein)'ganz' besonders in seiner Blütezeit unter König Wilhelm, der ihn durch" Kontrakt lebenslänglich an sein Hoftheater in Stuttgart fesselte.' Jahrzehntelang) war er der Stolz dieser Künstlerstätte,' galt doch seine Stimme als' der schönste lyrische Tenor seiner Zeit, voll bezaubernden Wohllauts'und' fähig, alle Register der Menschenseele anzuschlagen. ' Mit nicht minderem Interesse hörte man von Zeit zu Zeit, daß dieser' Wundermann; der' Könige- und

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