Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- Seite 420 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Mitteilungen. --- D r. I. Günzig: Rabbi Israel Baal»Schem, der Stifter des Chassidismus. Brünn 1908. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. Eine der traurigsten Epochen der Geschichte des Judentums. der ^osakenaufstand um die Mitte des 17. Jahrhunderts, der dem Judentum des Ostens tiefe Wunden geschlagen, fand in H. Grätz ihren klassischen Schilderer. Diese traurige Epoche, in welcher alle Geisteskräfte gefesselt und gelähmt daniederlagen, bot der Romantik umso fruchtbareren Boden, auf welchem die Saat derselben üppig in die Halme schoß. Sie zeitigte bekanntlich die Messiaffe, die Hellseher und Wundermänner, teils betrogene Betrüger, teils aber ethische Naturen, erhabene Charaktere, welche die Mitwelt mit dem Namen Baal-Schem »krönte, und die ihrerseits derselben mit dem Besten und Edelsten ihres Seins heimzahlten. Au diesen letzteren gehörte Rabbi Israel Baül-Schem, der Stifter des Chassidismus, geboren 1695 in dem kleinen Orte der Wallachei Llust. Die Person des Baal-Schem und die Entstehung seiner Lehre ins rechte Licht zu setzen und ihr ein historisches Gepräge zu geben, dies stellte sich die vorliegende Arbeit zur Aufgabe (S. 6) und die Lösung eben dieser, für die Kulturgeschichte des Judentums-so bedeutsamen Aufgabe ist gelungen. Was zunächst die Person des Baal-Schem und die Entstehung seiner Lehre betrifft, so schildern die ersten zwei Kapitel in stimmungsvoller Weise den Werdegang des Baal-Schem bis zu seiner „Entdeckung" (HissZAlos). Die Geschichte liebt es, sich in Wiederholungen zu ergehen. Und so mutet die Lektüre dieser „Erweckung" des Baal Schem zu seinem Lehrberuf wie eine Wiederholung etwa von Buddhas Leben und Wirken an. Der Autor versteht es, in gefälliger Diktion das Milieu plastisch herauszuarbeiten, aus welchem Baal-Schem hervorgewachsen, um sodann im dritten Kapitel die „Ursprünge des Chassidismus" kritisch zu analysieren. Ererblickt in ihnen zum Teil „den Protest einer impulsiven Masse gegen eine einseitige, ihr in kalten, übermäßig subtilen Forschungen dargebotene Darstellung des Judentums". (S. 29.) Einen interessanten Abschluß findet dieses Kapitel in einer bisher noch nirgends übersichtlich zusammengestellten Reihenfolge aller, unter dem Namen Baal-Schem bekannten Männer (Sekte 25). Der Vollständigkeit halber wäre jedoch etwa noch Lövi ben Bezalel. genannt der hohe Rabbi Löw von Prag, zu erwähnen gewesen, der ebenfalls unter dem Namen Baal-Schem figuriert. Kapitel 4 und 5 sind ausschließlich der Lehre Baal-Schems und ihrem „historischen Gepräge" gewidmet. Der Verfasser unternimmt eS erfolgreich, Baal Echems Theorien und Aussprüche historisch <zu fixieren und in ein System zu bringen. Wohlvertraut mit philosophischer Methodik und Dialektik gelingt es ihm, Baal-Schem dem modernen Leser als eine tiefethische Natur nahe zu bringen. Es gewährt einen eigenartigen Reiz, in diesem Manne, den wir bisher gewohnt waren, mit Grätz, als einen Einsiedler des rauhen Karpathengebirges zu betrachten, ein tiefangelegtes, pantheistisches Gemüt kennen zu lernen. „Außerhalb der Gottheit gibt es nichts. Ter Stoff oder die Materie, die vor unseren Augen erscheint, ist nur eine Modifikation in vielen Formen, in denen sich Gott in seinem Willen äußert, und wodurch er seine wirkliche Majestät verbergen und verschleiern will." (Seite 43.) In diesem „Wundermanne" Pydoliens "tritt uns eine Welt- und Lebensauffassung voll faszinierenden Zaubers entgegen. Die Grundstimmung ist (im Gegensätze zur Lurianischen Büßerstimmung) eine heitere und darum harmonische, gleichsam die vita contemplativä der klassischen Denker. „Wenn wir vor uns zwei Aerzte haben, von denen der eine durch bittere, der andere durch süße Medikamente zu heilen sucht, so ist es ja. selbstverständlich, daß wir dem letzteren den Vorzug geben werden." (Seite 53.) Kapitel 6 endlich dient dem Nachweis, wie „der Chassidismus ein brauchbares Instrument in der Hand der Vorsehung wurde zur Erhaltung des Judentums;" und zwar „in einer Zeit, in welcher den Menschen jene vernünftige wissenschaftliche Anschauung fehlte, das Erhabene Tiefe,^ Glückseligkeit und Seligkeit Bringende, in den Formen des jüdischen Gesetzes zu erkennen." (Seite 67.) In der Tat, die vorliegende Schrift studieren, heißt sein Vorurteil gegen den Chassidismus berichtigen/ In diese pöm fahlen - Mondlicht; wissenschaftlichen Dunkels beschienene Welt des Chassidismus von neuem hineingeleuchtet zu haben, ist das Verdienst der vorliegenden Arbeit. Neutitschein. Dr. Simon Mandl.. Sxrechsaal. Geehrte Redaktion! geborener Däne, viele Jahre in Hamburg ansässig, gestatte JA ich mir zu dem Artikel von „Veridicus" in Nummer 33 Ihrer werten Zeitung, die Konfirmationsfeier der Gemeinde Kopenhagen betreffend, zu erwähnen, daß die Konfirmation sämtlicher in Dänemark wohnenden Juden ein seit mehr als 150 Jahren staatsgesetzlich vorgeschriebener Akt ist, und daß kein Rabbiner daselbst ein unkonfirmiertes Brautpaar trauen darf. Standesamt^gibt es in Dänemark nicht, und nur bei Mischehen finden sogenannte „bürgerliche Trauungen" vor dem Magistrat statt. In meiner kleinen Heimatsgemeinde in der Provinz wurden die Konfirmationen in genau derselben Form, wie von „Veridicus" beschrieben, abgehalten; es ist daher näheliegend, daß auch diese auf eine kultusministerielle Vorschrift beruht. Auch in der heute noch streng orthodoxen Gemeinde Altona wurden auf Grund des oben erwähnten Gesetzes bis zum Jahre 1864 — bis dahin stand Holstein bekanntlich unter dänischer Oberhoheit — Konfirmationen abgehalten; mir sind persönlich verschiedene ältere Herren bekannt, welche in der Altonaer Synagoge vom damaligen Oberrabbiner Ettlinger konfirmiert worden sind. Also, nicht nur in Kopenhagen, sondern auch in einer orthodoxen deutschen Gemeinde fanden Konfirmationen statt, früher als irgendeine deutsche Reformgemeinde diese Einrichtung auch nur kannte — ja sogar früher als es Reformgemeindeu gab! Hochachtend Hamburg, 19. August. I—n. Sehr geehrte Redaktion! L^Lie werden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie folgenden Zeilen in der nächsten Nummer Ihrer werten Zeitschrift Aufnahme gewähren. „Den Artikel über den Prozeß Jesu hatte ich bald nach dem Erscheinen der betreffenden Ausführungen des Herrn Landrichters Mumm in der „Juristischen Rundschau" des „Berliner Tageblattes" vom 24. und 31. Dezember 1908 dem hochverehrten, nun Heimgegangenen Dr. Karpeles eingesandt, der mir schrieb, er werde gern meinen Aussatz in der „Zeitung des Judentums" veröffentlichen, jedoch könne er den Artikel, da er mit Beiträgen überlastet sei, nur später bringen. Er werde daher die spezielle Polemik gegen Herrn Landrichter Mumm in eine allgemeine Polemik umwandeln. Mein Artikel ist nun in seiner ursprünglichen Fassung erschienen. Da die geehrte Redaktion mir keinen Bürstenabzug vor der Veröffentlichung eingesandt, konnte ich die entsprechenden Aenderungen nicht vornehmen. Ich bitte nun, folgende sinnstörende Druckfehler in meinem Aussatze richtigzustellen: Seite 391, Kolumne d im Schlußabsatz soll in der Klammer heißen statt „wahrscheinlich wichtige Angabe, daß Jesu die Berührung mit Heiden" „nach einer sehr wahrscheinlich richtigen Angabe der Evangelien". Seite 392, Kolumne 1, Absatz 4 sind in der Klammer die Worte: Und oben zu seinem Haupte hefteten sie die Ursache seines Todes beschrieben, ebenfalls mit Anführungszeichen zu versehen, da^dieser Satz bei den Evangelisten übereinstimmend enthalten ist. Seite 392, Kolumne 2, Absatz 2 soll es statt des unverständlichen „es ist eine gute evangelische Formierung" heißen: „es ist eine gute evangelische Ueb erlieserung", auch nach Bousset, daß Pilatus über dem Kreuze Jesu schreiben ließ: „Das ist der Juden König." In vorzüglicher Hochachtung Rabb. Dr. Elsaß. Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in^Berli«. Ü