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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-27 · Heft 35 (27.8.1909) · p. Seite 416

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
Seite 416 (sequence 8)
Language
German
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werden alle Kinder des alten Bundes durch Ihre Gegenwart erfreut haben, aber ich fürchte, daß die hebräische Musik Ihre Ohren zermartert haben wird. Die Berliner Juden find reich und gewöhnen sich seit einigen Jahren daran, ihren Kindern eine gute Erziehung zu geben in der Hoffnung, eines Tages werde Gott ein Auge auf sein Volk werfen und es zum Herrscher des Weltalls machen. Ich gestehe, daß ich nicht viel davon erwarte, aber nichts erhebt die Seele höher, als die Vorstellung bedeutsamer Geschicke, die uns verkündigt sind, und die Juden sind von einer solchen Vorstellung erfüllt. " Tags vorher hatte die Königin Ulrike an ihren Bruder geschrieben: „Am meisten überraschte mich die r lkhung, die das auserwählte Volk Gottes seinen Kindern gibt; ich glaubte wirklich mich in Gesellschaft von Personen von Rang und Stand zu, befinden". * Ein neuer Band des Briefwechsels zwischen Wilhelm und j Karoline v. Humboldt (Band III. Berlin 1909) enthält in Wilhelms Berichten aus Berlin 1808 bis 1810 einzelne merkwürdige Notizen über die beiden Frauen, mit denen Wilhelm in seiner Jugend auf das Vertrauteste verkehrt hatte, Rahel Levin uttd Henriette Herz. Ueber die erftere schreibt er 28. Januar 1809: „Die kleine Levin rühmt sich sehr der Freundschaft Alexanders. Wenn man sich nun der Alexanderschen Briefe erinnert, scheint das wunderbar, doch spottet er freilich und schmeichelt sehr oft zugleich. Der Tugendruf der Kleinen hat eben nicht zugenommen, sonst ist sie wie vormals, nur unendlich allein." Am 3. Juli 1817 berichtet er, daß er manchmal von Rahel Billette erhalte, in der evidenten Absicht, „es nicht ganz mit mir zu verderben". Häufiger spricht er über die Herz, er erwähnt mehrfach, daß der Minister Dohna ihr nach dem Tode ihres Mannes seine Hand angeboten habe, setzt freilich etwas höhnisch dazu, daß sie nun bei jenem völlig vergessen sei. Am 6. Februar 1810 schreibt er: „Ich brachte neulich einen Abend ganz allein bei ihr zu. Sie ist sehr zärtlich, und man muß offenherzig gestehen, doch noch sehr hübsch. Die Schönheit hat große Rechte, das sieht man an ihr. Uebrigens treibt sie das Lernen noch wie ehemals. Sie übersetzte aus dem Voltaire ins Spanische, als ich hinkam." Ueber die Herz handeln noch folgende andere Stellen: „Hier in Frankfurt jetzt als Herrscher zu erscheinen, wo ich vor 22 Jahren als Student sehr verliebt in die Herzen herumging, macht mich oft sehr lachen. Der Mensch bleibt aber immer der nämliche. Damals zählte ich Tag und Stunden, wo ich wieder in Berlin sein würde und rechnete es immer im Kalender aus. Jetzt streiche ich in Berlin ebenso jede Woche und freue mich, wenn der Raum bis zum 1. Julius kürzer wird. Zürne^mir aber nicht, liebe Seele, daß ich meine kindische Verliebtheit in die große Schwester (wie Wolzogen sie immer nennt) mit meinem Gefühl für dich in Vergleichung bringe. Es ist nur ein Scherz, denn sonst leidet nicht einmal die Ungeduld der Sehnsucht irgendeine Vergleichung." „Die Schwester,'da ich einmal von ihr spreche, ist übrigens von großer Zärtlichkeit und wirklich doch noch, wenn irgend etwas Toilette hinzukommt, sehr schön. „Und ich bin galant!" Wenn wir allein sind, sind wir aus Du und Du und dem Bruderkuß. Die gleichen Ehren genießen Dohna und Schleiermacher. Mich soll nur sehr wundern, ob, wenn sie mit Dir und mir allein ist, sie diese Vertraulichkeit in einen bescheidenen Schleier hüllen wird. Sie ist noch immer dieselbe, sie lernt ewig und nimmt ewig Stunden, ohne jemals nur irgend interessanter zu werden. Aber gutmütig ist sie sehr. LaroHE! gehen auch wieder mitihr um, aber Carl hält sich strenger wie ich. Er sieht sie nicht allein und nicht aus dem alten Fuß. Ich denke. Du wirst darum nicht eifersüchtig werden." „Die Herz ist die einzige, die ich noch fortdauernd, indes freilich auf eine etwas schläfrige Art, besuche. Denn ich gehe etwa alle 14 Tage einen Abend zu ihr, bin dann gewöhnlich allein mit ihr, führe eine oft -stockende Konversation, gähne aber dermaßen (wie mir Prinzessin Luise schuld gibt, von Luchesini gelernt zu haben) durch die Nase, daß es kein Wunder wäre, wenn sie sich ordentlich erweiterte. Es ist wirklich wunderbar und schrecklich zugleich, daß diese Frau von (wie mir einmal die Levin nach Königsberg schrieb) kolossalen Formen, kolossalen Jahren (?) und kolossalen Erfahrungen doch im Grunde meistenteils rein langweilig ist." In dem Frankfurter Journal von 1814, in dem nach allgemeiner Annahme (die betreffende Nummer ist freilich weder in der Frankfurter Stadtbibliothek, noch in dem dortigen Stadtarchiv zu finden) ein politischer, patriotischer Artikel Börnes „Was wir wollen" abgedruckt ist, finden sich manche merkwürdige Notizen über jüdische Dinge. Sie beweisen — und das macht die Mitarbeiterschaft Börnes nicht unwahrscheinlich —, daß die Redaktion einen den Juden günstigen Standpunkt eingenommen hat. Aus diesem Grunde dürste es nicht uninteressant sein, einige dieser Notizen hier folgen zu lasten. In Nr. 87 findet sich eine Korrespondenz aus Mainz: Die österreichische und bayerische Administrationskommission habe verboten, „Heiratsakte zwischen Christen und Juden in Zukunft aufzunehmen, da solche Ehebündnisse, welche die noch provisorisch bestehenden französischen Gesetze nicht verbieten, mit dem verschiedenen Geiste und den beiderseitigen Religionsgrundsätzen sich nicht vertragen, auch den älteren deutschen Gesetzen zuwiderlaüfen". Der ganze Tenor dieser Notiz ist derart, daß man erkennt, der Artikelschreiber billigt das Vorgehen der neuen Verwaltung nicht, steht, vielmehr dem früher eingenommenen Standpunkte näher. Dies tritt noch klarer hervor in einem Artikel Nr. 91. 29. September, über die letzten, in Hinsicht der Juden in Rom und Sardinien ergriffenen Maßregeln, woselbst die alten Maßregeln wieder durchgeführt werden sollten. Die Notiz ist dem „Morning Chronicle" entnommen und hat folgenden Wortlaut: „Wir erwarteten nicht, daß irgendeiner der regelmäßigen Monarchen nach der durch ihre Wiederherstellung so wunderbar geoffenbarten Güte der Vorsehung nunmehr in seiner eigenen Regierung Verfolgungsmaßregeln dulden würde. Der Wechsel des Schicksals hat öfter merkwürdige Wirkung getan, indem er das menschliche Gemüt zu Handlungen des Wohlwollens hinriß; doch ist dieses nicht der Fall mit seiner Heiligkeit dem Papste und Seiner Majestät dem König von Sardinien". Dagegen soll Kaiser Alexander von Rußland, wie der Artikel weiter berichtet, in London manches gelesen haben über die Juden, was einen guten Eindruck auf ihn gemacht habe. Der Berichterstatter fährt fort: „Die Gesinnungen und der Einfluß dieses Musters der Könige erregen die Hoffnung,- daß bei der Einrichtung der europäischen Angelegenheiten dem Freunden der Menschheit und der Duldung wenig Klagen übrig bleiben werden". Auch sonst erkennt man in den kleinen Artikeln des Journalsdie Tendenz, Günstiges über die Juden zu berichten. So heißt es z. B. Nr. 107, 15. Oktober, in einer Korrespondenz aus Bockenheim über das Jubiläum der fünzigjährigen Regierung der Grafschaft durch den damaligen Kurfürsten von Hessen: „Vorzüglich suchte die dasige Judenschäst bei dieser

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