Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- Seite 410 (sequence 2)
- Language
- German
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treten und die großen gemeinsamen Aufgaben viel WfolgreichsrNnd' wirksamer durchführen könnten. ' ' ^lllen diesen Plänen aber hat ein mit der geringen ÄaMität .vo^MSHeg^M-O8-.StimmW angestomwener Antrag^FriKdmann uNMGensffeK den Hodessto^ versetzt, der Antrag lautet wöMsch: ' iSei der-Organisation der jüdischen Gemeinden?Preußens ist über die lokale Gemeinde, über die Bezirksgemeinde eine weitere Organisation nur insoweit zu schaffen, als es zur Kildung und zur Unterhaltung von Bezirksgemeinden, sowie zur Bildung von Ruhegehaltskassen erforderlich ist. - Eine Organisation von Provinzgemeinden und der Landesj gemeinde ist nur insoweit zu bilden, als durch dieselbe die; Selbständigkeit derGeMeinVen in keiner Weise 'beeinträchtigt^! ''' 'wird."-' ' ' : ’'V v! Um' dielen Antrag und seine Bedeutung,, richtig zu.^würdigen,^ müssen wir jeden Satz gesondert betrachten, da der erste Satz weit mver öen zweiten hinäüsgehk uM-ganz anddre Ziel^-veVfök§k, nnd' wer weiß, ob alle Mitunterzeichner des Antrags und alle,--^Le-für, ihn - stimmten, sich der Tragweite dieses ersten Satzes voll bewußt waren, ..ob sie auch wirklich voll und ganz wollen, waS dieser erste Sah besagt. Für viele war dochnur die Besorgnis bestimmend^ es könnten den größeren Organisationen Befugnisse eingeräumt werden, die in das bisherige Selbstbestimmungsrecht der Einzelgemeinden be-?schränkend eingrelfen, und für viele war doch dies entscheidend für ihre Zustimmung zum Anträge Friedmann, bestimmend also nur das, , was der zweite Satz des Antrags klar und deutlich genug ausdrückt. Was aber besagt der erste Satz? Nur zur Bildung und Unterhaltung von Bezirksgemeinden und zur Bildung von Ruhegehaltskassen dürfen . zusammensassende Organisationen geschaffen werden.' Jede andere Tätigkeit ist damit diesen Organisationen verboten. Verboten ist ihnen die Vertretung der Preußischen Judenheit nach außen hin, insbesondere . Den Behörden - gegenüber, verboten die Stellung von Anträgen an .Staatsbehörden und Parlamente, wo es sich um Gesetzgebungsfragen und. Verwaltungsanordnungen handelt, die tief in ^unseW Rechte..«ingreifen, verboten die Einreichung von Beschwerden, ..wo wir:, uns. im.; unseren.Rechten verletzt fühlen, - vereitelt unsere .Sehnsucht nach Mer Gesamivertretung der ganzen Judenheit, die nach.außen.offiziell. als -solche anerkannt ist und, wie bereits erwähnt,. 4mit gtznz -anderer Untorität wie bisher die einzelnen privaten VersLinigungen für: unser Recht nach, außen eintreten könnte, verboten ist - »die Unterstützung einzelner leistungsschwacher Gemeinden, erlaubt -nur die Unterstützung von Bezirks Verb Luden, verboten ist die Schaffung i.und Unterhaltung von Wohlsahrtseinrichtungen und Bildungsanstalten -für; die. einzelnen Provinzen un.d für ganz Preußen, verboten dies, . alles,;. obwohl M mit der- Selbständigkeit der ..Einzelgemeinden, nicht r.d.as geringste:zu. tun hat, obwohl es diese Selbständigkeit gar nicht vbk^hrt,^verbo.ten gerade dje.wichtigsten Aufgaben, welche bisher die reiwilligeyMexbänd.e.M-treuere Hingebung geleistet haben.. Wie gut, daß wir bereits unser Altersheim für unsere Provinz geschaffen haben, . der.zukünssigen PHohinzgemeinde .wäre nach, dem Anträge.Friedmann ,,eiye 'snlHerjWöMng.M^o^p'.. Gm wie dringendes Bedürfnis ist --s'üv, MsW^-MW M^Mtztzdung'.-emeS,. Lehrerseminars in '"unserer c-Mitte- M; deH.MMschen^hrernlänAel Wzuh^^ .und' wie sehn- AM;zn'ihMtz gMK'Mch '.Viele,, 'daß die, geplagten;;WodvMMeMh^n /Sie. Ländesgemeinde unsrem. solches Seminar .verbietet ^dyr Hn.heag Friedmann. Wys bleibt für eine Landesgemeinde noH^^nstürl.-.üSxrA,' ^wÄrn^Vre^tzseöße -- ..RuhL^ehaltsk^se. .^üx,diy, Deußischen Beamten gebildet i^ und., ihren ^Menen BorstcM^.D).^ ihre^MEDtzi^wastuNg/Ä^Din'HP? Nichts, Ae,Fanndann. vom^Schguplaße.äbtreten,^weil'^r jedeWerte'r^Tätig- . kei^uerbotM.ist.... Dabei' ist. in dem 'Anfrage mcht einmal "an" die ...Versorgung.. der.,Witwenund.Waisen gedacht^al^o 'auch 'dies^als - hAV MAMA« AVrttlAM SaA> Al'ÄA»iTtÄ' 1t ' .ZMh. Lehrex mqch .eurer. .Kassesüp He^äMmig ^on'H Und ist^^-tzße!SWoM.'-fÄr HMwüg^öy.' VezirMerdaudSn i Hennein. LMÜtz^nhss^LM^tthselh^MHM/HEMeiNeinb^lvtzNt. . nur..zu tziesjrm/Mecke.MD^WWndA.ins. D^rrrfen,, zumal. Ättii dstffe Hlrheit in'1)er..Mu^aHe^Mr Me' voruE^Wde j wäre? Ist das Bedürfnis nach'Äiumng Mcher ÄtzzirksverbäNe^tvo " lMoltvendigu-erscheint, 'einmal befriedigt, was doch in absehbarer 3eif%t erreichen ist. dann können auch^ die Provinzgemeinden, vom Schauplätze verschwinden, weil sie gar nichts mehr zu tün chnben. ^Nnd^tyo vleibt das Schiedsgericht unseres Verbandes, auf das wir .--^skolz:.find, Ws wrr als eine so wätvolle ErrungenschastMträchten? - Auch idiesMuß dann verschwinden. Unser Verband "konnte es begründen, der ProvinzgMeinde wate es verboten, dies Gericht weiter bestehen zu lassen. . Was der Schöpfer und erste Unterzeichner dieses Antrags, Justizrat Friedmann/ eigentlich will; hat er ja klar -genüg in seiner ersten Rede ausgesprochen. Er ist ein grundsätzlicher Gegner des ganzen Entwurfs. er wünscht überhaupt keinen Zusammenschluß in Provinzgemeinden und einer Landesgemeinde,'nach ihm hat sich das alte Judengesetz von 1847 ganz gut bewährt, und es liegt kein Bedürfnis zu einer Aenderung d.er Grundlagen dieses Gesetzes vor: Diese Tendenz ist es, von welcher der erste Satz seines Antrags erfüllt ist, und den zweiten Satz hat er zugefügt, UM diejenigen zu gewinnen, welche nur eifersüchtig über die Selbständigkeit der Einzelgemeinden wachen wollen, einer'Gesamtorganisation mit den Zielen- und Aufgaben-der jetzigen freiwilligen Verbände aber grundsätzlich zustimmen. So erlangte dieser in sich widerspruchsvolle Antrag die geringe Majorität. Aber der. Vortragende glaubt ebensowenig wie wir, daß es mit Annahme dieses Antrages sein Bewenden haben könne, und er schließt sein lesenswertes Referat mit folgenden Sätzen, denen gewiß alle Einsichtigen gern zustimmen werden: „Was ist nun. unsere Aufgabe für die Zukunft? Wenn die erste Tagung noch kein greifbares Ergebnis gezeitigt hat, so lag dies . daran, daß .der umfangreiche und. schwierige Entwurf erst einige Monate vorher den Gemeinden und Verbänden, noch dazu ohne orientierende Begründung, zuging, daß dir Zeit zu kurz war, um die großen grundsätzlichen Streitfragen, die aufgeworfen waren, eingehend zu erörtern, daß infolgedessen die Gegensätze noch schroff und unvermittelt aufeinanderplatztm, daß" Ueberrumpelungen möglich waren und übereilte,-in ihrer vollen Tragweite nicht sofort genau zu übersehende Anträge Beifall und Zustimmung .finden konnten. Jetzt liegt es nun an uns allen, nicht zu ruhen, die großen Streitfragen nicht einfchlasen zu lassen, die breiteste jüdische Oeffentlichkeit immer von neuem aufzuklären und dafür zu interessieren, um was es sich handelt, und was auf dem Spiele steht. In allen Gemeinden ..müssen diese Fragen an der Hand des Entwurfs immer wieder eingehend erörtert werden, nicht nür iü den Gemeindekörperschaften, sondern in allgemeinen Gemeindeversammlungen; die gegenseitigen Meinungen müssen reiche Gelegenheit zur Aussprache und sachlichen wechselseitigen Erörterung erhalten, alle Körperschaften, müssen Stellung nehmen, ihre Wünsche' und Anträge formulieren und begründen, mit anderen Körperschaften.; zu gemeinsamem Vorgehen sich verbünden, um ihren Bestrebungen durch die Macht der Zahl größeren Nachdruck zu geben, alles muß der Kommission für die dritte Lesung zur Berücksichtigung eingesandt werden. And vor allem, die große Bewegung, die durch den Entwurf einmal entfesselt .' ist, /sie darf nicht mehr zum Stillstand kommen; sie darf nicht ver-. sumpfen, sie muß in lebendigem Fluß erhalten werden, bann, das wage ich zuversichtlich zu hoffen, wird ein späterer Gemeindetag, dessen Mitglieder ganz anders norbereitet und unterrichtet, von einer stark ausgesprochenen öffentlichen Meinung getragen sind, die nach ganz anderer Klärung,.--Ausgleichung nnd./Annäherüng der großen Gegensätze an die Arbeit' getzew doch noch -ein Werk .zustande bring en, das 'einen Sieg des Gemeinsinns,- der opservvllen Hingabe an die großen Fragen unds.Interessen d?s gesamten Judentums,'einen Sieg - über gegenseitige, engherzige Sond.erinteressen und Kirchturmsfragen . bedeuten 'wird, ein Werk, das züm Aüsdruck' bringen wird,, daß wir .. ulte ein» große Gemeinschaft,' eine einzige große Gemeinde sind; daß Wir zur Währung unserer' heiligsten Güter^ zur Erhaltung unseres Audentüyrs eüg zusämüleüÄicken'' und geschloffen/ mit ‘ vereinten -'ÄrLsten.^uch^dld--Waff^l.^ssen.--'-Da-nn werden wir-die große '''.Mfgabe'EiffMeüMaS/MlLge Erbe nufererBäter. unverkümmert- und in^neüeM'GlaNze-'als.vine:MbM>rg^Krasi .unseren Nachkommen zu