Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1909)
- Date
- 1909-08-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Ms er später in die Welt hinauskam und in Berlin ein bedeutendes Geschäft gründete, hörte er nicht auf. für seine Armen zu sorgen. Zugleich aber hegte er den Wünsch, auch für die anderen, ihm nicht bekannten Armen etwas zu tun, dadurch, daß er auf eine Reorganisation des Armenwesens in Elsaß-Lothringen hinzuwirken suchte. Er fand die Gelegenheit dazu, als er in den achtziger Jahren den jetzigen Rabbiner Dr. Ginsburger in Sulz (O.-E.), welcher damals seinen Studieren Berlin oblag, kennen lernte. Ihn veranlaßte er, mehrere diesbezügliche Artikel in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu veröffentlichen. Diese Artikel ließ Herr Bloch vervielfältigen und versandte sie an die maßgebenden Persönlichkeiten in Elsaß-Lothringen. Außerdem suchte er wiederholt durch persönliche Zuschriften im Sinne einer Reorganisation des Armenwesens auf die Konsistorialmitglieder einzuwirken. Wenn auch die Sache zunächst ohne Resultat blieb, so war es für ihn doch genug, daß man wenigstens in der letzten Zeit begonnen hat, der Angelegenheit einiges Interesse entgegenzubringen. Aeußerst. verdienstvoll war das Wirken des Herrn Bloch für die Sache des Friedens. Er gehörte unstreitig zu den überzeugtesten und rührigsten Mitgliedern der Friedensgesellschaft, wie er überhaupt ein Menschenfreund in des Wortes echtester und wahrster Bedeutung gewesen ist. Sein Andenken wird unvergeßlich sein! Oesterretch-Nnsarn. □ Wien, 15. August. Ein interessanter Rechts fall, der die mährischen Schulbehörden seit.einigen Monaten beschäftigte, ist jetzt dem Unterrichtsministerium zur Entscheidung vorgelegt worden. Die politische Jsraelitengemeinde Lomnitz unterhält eine Schule, an der bis vor einem Jahre der jetzige Bürgermeister Schiller die Stelle des Oberlehrers bekleidete. Nach seinem Rücktritt wurde ein katholischer Oberlehrer angestellt, da inzwischen die katholischen Schüler die Mehrheit an der Schule erlangt hatten. Im Oktober vorigen Jahres stellte nun das Lomnitzer Pfarramt an den Ortsschulrat der Jsraelitengemeinde das Verlangen, aus Gemeindemitteln ein Kruzifix anzuschaffen und im Schulzimmer anzubringen. Der Ortsfchulrat wies dieses Verlangen in einer motivierten Eingabe an das Lomnitzer Pfarramt zurück, erklärte jedoch, daß gegen die Anbringung eines Kruzifixes während des katholischen Religionsunterrichtes selbstverständlich nichts einzuwenden sei. Das Pfarramt versäumte die Rekursfrist und wendete sich nun an das bischöfliche Ordinariat in Brünn, das der Schule in der Jsraelitengemeinde Lomnitz ein Kruzifix zum Geschenk machte. Die Schulgemeinde und der Ortsschulrat verweigerten aber die Annahme dieses Geschenkes, worauf der k. k. Bezirksschulrat Brünn (Land) die Anbringung des geschenkweise überlassenen Kruzifixes im Schulzimmer für zulässig erklärte und nur die Entfernung während der Stunden des jüdischen Religionsunterrichtes verfügte. Zugleich wurde der Schulleiter angewiesen, diese Verfügung durchzuführen. Gegen die Weisung des Bezirksschulrates wurde nun die Beschwerde an den Landesschulrat erhoben. Der Landesschulrat wies mit Erlaß vom 23. Juni d. I. die Beschwerde mit der Verschärfung zurück, daß das Kruzifix permanent in der Schule zu belassen sei, gestattete aber'auch, daneben ein jüdisches Symbol anzubringen. Gegen diese Entscheidung des Landesschulrates wurde der Rekurs an das Ministerium für Kultus und Unterricht eingebracht. *.* Meran, im August: Die verflossene Saison des Kurortes übertraf durch ihre Frequenz alle vorhergehenden, was ein Beweis für das Aufblühen Merans ist. Ebenso wie die Kurverwaltung für die Errichtung jener Institute sorgt, die ein moderner Kurort verlangt, so haben auch die Königswarterstiftung und der Verein „Asyl für mittellose kranke Israeliten" in Meran in diesem Jahre bewiesen, daß auch sie, soweit es in den Bereich ihrer Pflicht fällt, sich ihrer Aufgaben in dem Weltkurorte Meran bewußt sind. Die Königswarterstiftung hat ihre Sorge auf eine repräsentable Behandlung und Verwaltung der Kultusangelegenheiten gelenkt und sich durch den von allen Tempelbesuchern rühmend anerkannten Gottesdienst, ferner durch Besorgung des Religionsunterrichtes und schließlich die Anlage des neuen Friedhofes, der von derselben die größten Opfer forderte, großes Lob verdient. Nicht minder groß ist das Verdienst des noch ganz jungen Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten", der mit erstaunlicher Kraft und Energie das großartige Genesungs- 3 —— heim mit an 100 Betten aus dem alten kleinen Asyl mit. 14 Betten geschaffen hat. Seit dem 26. Januar v.J. stand das Genesungsheim in vollem Betriebe und rechtfertigte das Vertrauen, das der Vorstand in den ärztlichen Leiter Dr. med. Koref und den geschäftsführenden Vizepräsidenten gesetzt hat. Durch die ganz außergewöhnliche Arbeitskraft dieser Herren war es möglich, das humanitäre Werk zu schaffen und in so -kurzer Zeit in Betrieb zu setzen. Es waren in den wenigen Monaten der ersten Frühjahrssaison über 100 Pfleglinge aus aller Herren Länder fast alle die ganze Saison hindurch im Hause in Pflege, und darf sich die Anstalt rühmen, sehr günstige Resultate erzielt zu haben. Das Genesungsheim wurde von vielen illustren Persönlichkeiten besucht, so insbesonders Dr. Schlesinger, Professor an der Wiener Universität, Dr. Stiller^ Professor an der Universität in Budapest, Dr. Münzer, Professor an der Prager Universität, welche übereinstimmend in dem uneingeschränkten Lobe des Genesungsheimes sagen, daß man durch die tadellose Reinlichkeit und Ordnung überrascht ist, und daß wir in Oesterreich glücklich sein können, für unsere Glaubensgenossen eine solche Heilstätte zu besitzen. Die Anstalt, welche streng rituell geführt wird, wird am 26. September wieder den Betrieb aufnehmen, und beweist die große Zahl von Aufnahmegesuchen, daß dieses Haus eine segensreiche Notwendigkeit ist. Wir sehen dem diesjährigen Jahresbericht mit Interesse entgegen, wünschen dem Hause das beste Gedeihen und lenken die Aufmerksamkeit aller Menschepfreunde und Wohltäter auf dieses eminent humanitäre Werk. L.N. Budapest, 12. Ilugust. Seine Majestät hat dem Präses derAltofner israelitis chen Kultus gemein de, Dr. Josef Stern, den Titel eines Königlichen Rates verliehen. Möge diese erfreuliche Tatsache hier verzeichnet werden und als Beweis dafür dienen, daß man .an politischer Bedeutung hervorragend, gesellschaftlich allerseits geehrt und anerkannt sein und dabei ein gutgläubiger Jude bleiben kann. Dr. Josef Stern, der langjähriges Mitglied der hauptstädtischen Repräsentanz ist, hat sich durch einen anerkennenswerten Eifer und seine außerordentliche Intelligenz bei der Kommune eine einflußreiche Stellung erworben, und war dabei stets bedacht, seiner Konfession im allgemeinen Ehre und Nutzen zu bringen, seiner Gemeinde im besonderen hilfreich beizustehen. In seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Gemeinde, ist ihm nichts zu mühsam, wenn es gilt, die Institutionen derselben in der Entwicklung um einen Schritt vorwärts zu bringen. Die Verehrung, welche die ganze Bürgerschaft des Bezirkes ohne Unterschied der Konfession ihm entgegenbringt, fand eklatante Aeußerung in einem Bankett, welches gelegentlich seiner Ernennung zum Königlichen Rat veranstaltet wurde, an dem neben zahlreichen Bekannten und Freunden auch der Oberbürgermeister Karl Ju lep und viele Zelebritäten der Stadtverwaltung teilnahmen. Wir wünschen unserem Präses eine lange, ersprießliche Wirksamkeit. Amerika. New York, 7. August. Die rigorose Handhabung der „Aliens Bill", wie sie neuerdings von dem Kommissar auf Ellis Island, William Williams, beliebt wird, zeitigt bisweilen recht absurde Fälle, die gewiß nicht geeignet sind, den traditionellen Ruf des „freien Amerikas" als Zufluchtsstätte der Verfolgten und Enterbten zu festigen. Ein jüdischer Tabakarbeiter, Hermann Friedmann, der fünfundzwanzig Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hatte, entschloß sich um die Weihnachtszeit des vorigen Jahres, seine frühere Heimat- Oesterreich, zu besuchenum einige Wochen mit seinen alten Freunden zu verleben. Wie groß war sein Erstaunen, als er bei der Rückkehr in seine neue Heimat von den Behörden nicht an Land gelassen wurde, sondern der Hamburg-Amerika-Linie zum Rücktransport nach Europa mit der „Amerika" überwiesen wurde! Grund: Körperliche Untüchtigkeit. -Der Fall 7 wurden bald auch unter den Kajütengästen des Dampfers bekannt, und sein trauriges Schicksal hatte dem armen Manne bald die allgemeine Sympathie erworben. Die schreiende Ungerechtigkeit, welche ihm widerfahren war, veranlaßte einige Passagiere zur Einberufung eines Protestmeetings, bei dem die Methoden 'der Einwanderungsbehörden aufs schärfste gebrandmarkt wurden. Es wurde ein Attest von drei angesehenen Aerzten, die zufällig an Bord waren, vorgelegt, welches nach gewissenhafter Unter- " <. --*W vir»* zS « r > I