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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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suchung Friedmanns ihn für gesund erkannte. : der Versammlung wurde eine Summe von 50 £ gesammelt, um Friedmann in den Stand -zu - setzen, .seine Zulassung durchzusetzen. Dann wurde. eine. Petition an den Präsidenten Taft unterzeichnet, die ihn ersucht, eine Revision des^Falles anzyordnen.7 Friedmann hat übrigens schon eine ganze Reihe von Stellenangeboten für den Fall seiner Zulassung' erhalten. Das ist ein Fall, der vielleicht durch das Eingreifen bemittelter Passagiere .noch zu einem günstigen Ende geführt werden wird. Ein ähnliches Schicksal ereilt tagtäglich. Hunderte-Namerllose, die vom Hafen der .Freiheit" in die russische Barbarei zurückgestoßen werden, wo ihrer nunmehr, wo. sie auch die losen Bande des Besitzes gelöst haben, die fic: dort mit der Heimatgemeinde verbanden, ein doppelt trauriges Los wartet. Von Mh und ssrrn. — In E h a rlo tt e n b u rg ist am 16. d. M. der Geheinie Sanitätsrat Dr. Mannheim Lande, Stabsarzt a. D. aus Wiesbaden, im Alter von 77 Jahren gestorben. — Vor Kurzem feierte die älteste @inwohnerin von Lauenb urg (Pomm.), FrauWitweJettel Ri eß, ihren 104. Geburtstag. Sie ist zugleich die älteste Frau der ganzen Provinz Pommern und ist noch körperlich und geistig frisch. — Unter den anläßlich der Jubelfeier der Universität Leipzig zu Ehrendoktoren ernannten Personen befindet sich auch unser Glaubensgenosse der Biologe Jg c qu es Lob. — Bei der im Juni/Juli abgehalteuen Seminarschlußprüsung in .Würzburg haben sämtliche 13 Zöglinge des Oberkurses der israelitischen Lehrerbildungsanstalt das Examen vor der Königlichen Prüfungskommission mit gutem, zum Teil sehr gutem Erfolge bestanden.. Die Durchschnittszensur.für alle Kandidaten liegt zwischen I und II, kein Kandidat erhielt eine geringere Gesamtnote als II. — Das Israelitische Konsistorium hat den Straßburger Museen wertvolle Ältertumssunde überwiesen, die in einem ihm testamentarisch vermachten Hause, dem sogenannten Neuweiler Hof, heim Abriß ■ gesunden worden sind. Das Erbbaurecht an dem Hause hat das Konsistorium allerdings weiter verkauft, aber die Altertumsfunde blieben doch sein Eigentum. Auf Veranlassung des Gemeinderäts soll der Bürgermeister dem. Konsistorium für diese Schenkung den Dank der Stadt übermitteln. — Oberrabbiner Dr. Alexander Rosenberg in Arad, einer der hervorragendsten Rabbiner Ungarns, ist jüngst verschieden. Während des Leichenbegängnisses wurdenAy den Gotteshäusern aller Konfessionen die Glocken geläutet, auch wohnten der Trauerzeremonie die Geistlichkeit sämtlicher Konfessionen und die Honoratioren an.—,Das fünfte ung a r i sch e Jnfanterl^ regiment in Szatmar Nemeti feierte kürzlich den 43. Jahrestag der Schlacht bei Custozza, in der sich dieses Regiment ruhmvoll Ausgezeichnet hatte. Auf einem Feste, das die Bürgerschaftdem Regiments an diesem Tage gab, sollte den: pflichtgetreuesten Soldaten eine Belohnung erteilt werden. Als der würdigste wurde für diese Auszeichnung von den Offizieren der Korporal Isaac Grünseld vorgeschlagen; und es wurde ihm in Gegenwart der Truppen unter öffentlicher Belobigung der Preis zuerteilt. — Der jüngst verstorbene Arzt Dr. Jakob Sandor in Budapest, setzte testamentarisch eine Reihe. Legate aus, u. a. 30000 Kronen als Stistungsplatz. an der Ludowica-Honvedakademie für einen israelitischen Jüngling, 6000 Kronen dem israelitischen Mädchenwaisenhause, H00 Kronen dem israelitischen Spitale, 4000 Kronen dem Adele Brodh-Kinderhospitale, 2000 Kronen dem israelitischen Knabenwaisenhaüfe und 1000 Kronen der israelitischen Gemeinde in Apatin. — Der Advokat- Maurice Leven, jüngster Sohn des Präsidenten der ^Illoneeisradlite und derG, A., ist zum Kabinetchef im Ministerium für öffentliHK Arbeiten, Herr Advokat Bernard Laroque in gleicher Eigenschaft in das Justizministerium berufen worden. — Wie sehr der Antisemit-is mus in Wärschäu um sich greift, geht: daraus hervor, daß', mehrere Hauswirte daselbst beschlossen haben, von' den jüdischen Mietern 50 Prozent.höheren -Mietszins zu verlangen als^von den Nichtjuden. - .Selbst bis in die Krankenhäuser ist der Judenhaß gedrungen. Denn es wird berichtet, daß man den jüdischen Patienten erhöhte Preise für Arzeneien anrechnet und - häufig solche, die sich weigern/ dieser Ungerechtigkeit Folge, zu leisten, von der Behandlung i ausschließt. An Stelle, des verstorbenen Abgeordneten Pergament hat die Kadettenpartei den jüdischen Rechtsanwalt A. Brodsky in Odessa als Kandidaten für die Ersatzwahl in dieDuma ,ausgestellt. Seine Wahl gilt als gesichert, da die Kadetten.über 60.Prozent Stimmen der ersten Wahlkurieverfügen..In Kiew., wurde, wie „Rjetsch" berichtet, wieder eine Z e-n so r st e l l e. für jü dis che Druck-, schriften errichteh Die Zensorstelle für jüdische Publikationeuwurde: im Jahre 1905 aufgelassen.: Ueber die Gründe dieser neuen. Maßregel wird: nichts .bekanntgegeben.. —/In. diesem .Jahre werden^/in der Moskauer Universität im ganzen 50 Judenim Polytechnikum-!, in allen anderen Lehranstalten gar keine Juden ausgenommen werden- — Die jüdische Gemeinde von - T h e o d o si a hat .jüngst das Jubiläum ihres tausendjährigen Bestehens gefeiert. Man hat ziemlich sicheren Anhalt dafür, daß die dortige Synagoge bereits auf eine tausendjährige Vergangenheit zurückblicken kann. Sie ist -auf einem Berge gelegen und war, lange- Zeit unbeachtet, unbenutzt geblieben. Zeitweise war sie durch einen Erdrutsch zu einem. unterirdischen Dasein verdammt. Erst vor wenigen Jahrhunderten haben pietätvolle Häntze das ehrwürdige Bauwerk ausgegraben und seiner,früheren Bestimmung übergeben, der es seither ohne Unterbrechung gedient hat. — Aus Petersburg wird der „N. I. K." von ihrem, dortigem Korrespondenten geschrieben: In der Kanzlei des Kultusministeriums ist folgende Bekanntmachung auDgehängt worden: „Es wird hiermit bekanntgegeben, daß der Minister für Volksbildung Schwarz, Juden, die sich an ihn mit Gesuchen wegen Aufnahme über die-Pro^entnorm hinaus in den höheren Bildungsanstalten wendennicht empfangen wird." — Herr Gerald Lowther, der englische Gesandte in Ko n stantinoper stattete dem Oberrabbiner einen Besuch ab. Dieser Umstand ist deshalb bemerkenswetk, als es das erstemal ist, daß -ein Vertreter einer Großmacht seit dem Bestehen' der Konstantinopeler jüdischen Gemeinde dem Oberrabbiner seine -Aufwartung 'gemacht hat. Die offizielle Wertschätzung der'Juden seitens der 'türkischen Regierung geht auch daraus hervor, daß der neue türkische Finanzminister, Djawid Beh, seiner. Abstammung nach Jude ist. Er gehört nämlich einer reichen jüdischen Familie an, die Ende des 48. Jahrhunderts von der Bewegung des Sabattai - Zewi fortgerissen, sich schließlich ihres Judentums entledigte und sich dem Mbhammedamsmus zuwandte. — In Saloniki ist der Advokat Salem züm Regierungsrat ernannt worden. — Der Parlaments-Deputierte Carusso in Saloniki ist zum Vali vonAdanä ernannt worden. — Samuel Edelmann aus Philadelphia wurde züm Attache in der Botschaft zu Konstantinopel ernannt. Der neue Attache ist ein 24 jähriger sehr begabter junger Mann. — Das vornehmste amerikanische Frauenjournal The Ladies Home Journal"- veröffentlicht in seiner jüngsten Nummer an leitender Stelle einen Artikel über das Ueberhandnehmen der Ehescheidungen'in Amerika und gedenkt hierbei des jüdischen Ehelebens, indem es schreibt: „Der Jude veröffentlichhin. der Regel seine Verlobung, waszur Folge hat, daß solche Verlobungen in verhältnismäßig seltenen Fällen rückgängig gemacht werden. —Dem vor einigen Wochen verschiedenen Direktor der N ew Yorker-Metropolitain Oper, Richard Conried, würde eine großartige Leichenfeier veranstaltet. An der Stätte seiner Wirkung verabschiedeten sich seine Freunde von' seinen irdischen Resten unter den Klängen des Beethovenschen Traüermarsches, den das Opernorchester ausführte. Dann verrichtete'der Rabbiner die gewohnten Gebete, und-der Chor beschloß mit religiösen Gesängen die , würdige Feier. —Die jüdische Einwanderung nach Amerika betrug im amerikanischen Fiskaljahr vom 1. Juli 1907 bis 30. Juni 1908: 103 387 Personen,, d. i, gegen das Vorjahr (149 182) eine Abnahme von 35 795. Fm Verhältnis zur .Gesamteinwanderung, die noch mehr als die .jüdische gefallen ist, und sich in. diesem Jahre auf 782 870 beziffert, gegen 1 285 349 im Vorjahre, ist die jüdische Einwanderung hon 11-62 Prozent (1906/07) aus 13,26. Prozent gestiegen. — Unter den ein gewanderten Rassen nehmen die Juden,-wie im Vtzrjayre->-de.n.-.zweite^ Platz ein. Nur die. Süditaliener sind in größerer Zahl (110 547) eingewandert. Von den jüdischen Einwanderern kamen aus.. Rußlands.71 '978, Oesterreich-Ungarn 15 293, England 6260, Rumänien . 4455, ^Deutsch^ land 869, aus anderen Ländern 4532. . . - .

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