Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1909)
- Date
- 1909-08-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228887--65795-3277940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
73. Jahrgang Nr. 34. Berlin, 20. August 1909. Drilsgr zur „Allgemeinen Leitung dr§ Judentums". kürrrlpondrn?en unll Mschrichtrn. DemMany. — Berlin^ 17. August. In den nächsten Tagen wird die Rednerliste des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur.''-..in)Deutschland zur Versendung gelangen. Dieselbe ist, wie bisher, auch allen nicht zum Verband gehörigen Vereinen, Logen usw. zugänglich und kann vom Sekretär des Verbandes Herrn Albert Katz (Pankow bei Berlin, Florastraße 58), an den auch alle den Verband betreffenden Anfragen und Zuschriften zu richten find, gratis bezogen werden. Zugleich mit dieser Kundgebung gestattet sich der geschäftsführende Ausschuß des Verbandes die Anregung, daß sämtliche Literaturvereine die kommende Vortragssaison. mit einem Gedenkakt für den dem Verband und seinen Bestrebungen -so jäh entrissenen, hochverdienten Vorsitzenden Dr. Gustav Karpeles seligen Angedenkens eröffnen mögen. — Berlin, 17. August. Am.14. d. M. ist Adolf Kamphausen in Bonn, ordentlicher Professor der alttestamentlichen Theologie, kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres gestorben. Der Dahingeschiedene war einer der hervorragenden nichtjüdifchen Bibelforscher und ist in weiteren Kreisen namentlich durch seine Mita.rbeit an Bunsens Bibelwerk und seine Teilnahme an den Bestrebungen für eine Revision der Lutherschen Bibelübersetzung.bekanntgeworden. Am 10. September 1829 in Solingen geboren, studierte er in Bonn Theologie und Philologie und ließ sich dort 1855 als Privatdozent für..altteftamentliche Exegese nieder, siedelte jedoch noch in demselben Jahre nach Heidelberg über, um Karl Josias v. Bunsen, der kurz vorher seinen Abschied aus dem diplomatischen Dienst genommen hatte, bei Vollendung seines großen Bibelwerkes zu unterstützen. Mit Bunsens Sohn Georg, dem späteren Reichstagsabgeordneten, sowie mit Johannes Blenk und Martin Häug war er in ausgedehntem Maße an den umfangreichen Vorarbeiten zu diesem monumentalen Werke beteiligt; den dritten Band und überhaupt den größten Teil der Erläuterungen zum Alten Testament hat er wesentlich allein verfaßt und daS Ganze nach Bunsens Tode mit Holtzmann zum Abschluß gebracht. Auch an anderen Werken Bunsens, so an den letzten Bänden von dessen „Aegyptens Stelle in der Weltgeschichte" und an einzelnen Abschnitten des geschichtsphilosophischen Werkes „Gött in der Geschichte" hatte er hervorragenden Anteil. Daneben las er während seines Aufenthalts in Heidelberg auch an der Universität über Bibelexegese. jAls Bunsen 1859 seinen Wohnsitz nach Bonn verlegte, folgte ihm Kamphausen dorthin und nahm auch seine Lehrtätigkeit an der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität wieder aus. Im Jahre 1863 erhielt er eine außerordentliche, 1868 eine ordentliche Professur für alttestamentliche Theologie. Im Studienjahr 1893/94 war er Rektor der Universität. Im Jahre '1871 wurde er in die für die Revision der.Bibelübersetzung Luthers eingesetzte Theologenkommission berufen, der er bis 1900 angehörte und in der er eine sehr, rührige Tätigkeit entfaltete. (Vgl. seine Schrift „Die berichtigte Lutherbibel", 1894.)/.' Daneben war er auch literarisch eifrig tätig. Äußer zahlreichen Beiträgen zu theologischen Zweitschriften und Sammelwerken, zu Sybels „Historische Zeitschrift" und zur „Allgemeinen Deutschen Biographie" veröffentlichte er eine Reihe von Schriften,- die sich fast durchweg auf die Kritik und Erklärung. des Alten Testaments beziehen und unter denen »Das Lied Moses" (1866). „Die Hagiögraphen des altenBundes-'(Uebersetzung und Kommentar. .,1863/68). „Die Chronologie der hebräischen Könige".. „Das Buch Daniel und die neuere Geschichtsforschung", „Das Verhältnis der Menschenopfer zur israelitischen Religion" (1896) hervorzuheben sind. Seit mehreren Jahren war der greise Gelehrte von der Abhaltung von Borlesungen entbundem Ehrefeinem Andenken. . ...V ' . ' Berlin, 16. August. In der jüngsten Zeit sind dem Hilfsverein der Deutschen Juden eine Reihe von Zuwendungen . für seine humanitären Zwecke gemacht worden, darunter folgende größere: 1. Die Eheleute Wilhelm Lippmann in Nikolaiken übergaben dem Hilfsverein ein Kapital von 10000 Mark. 2. Der verstorbene. Rentier Richard Ledy in Berlin hat testamentarisch dem Hilfsverein ebenfalls 10 000 Mark vermacht. ----- Berlin, 15. August. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Lrie-Lritll-Logen, Monbijouplatz 10) versendet folgenden Juli-Bericht: „Anzeichen auf Befferung der Lage des Arbeitsmarktes waren nicht, zu verzeichnen, auch nicht zu erwarten. Die Erfolge stehen auf derselben Höhe, wie die desselben Monats im Vorjahre. Immerhin ein Fortschritt, wenn man die überaus große Stille, welche in kaufmännischen und gewerblichen Betrieben herrscht, in Betracht zieht. Die Vermittlung erreichte im Juli 171 feste und 21 vorübergehende Stellungen. Es dürste bekannt sein, daß der Verein die geeigneten Kräfte für die in Frage kommenden Vakanzen eingehend auf ihre Qualifikation Prüft und nicht schematisch arbeitet' Daß hierdurch den Wünschen der Herren Auftraggeber sowie der Stellungsuchenden gedient wird, bedarf keines weiteren Hinweises.' Neben der Stellenvermittlung wird auch der Schreibstube besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Diese steht durch sachgemäße Leitung durchaus auf der Höhe, sie übernimmt die Anfertigung von Schreibarbeiten verschiedenster Art, Vervielfältigungen, sowie Offert- und Reklamebriefen, Versand von Katalogen, Drucksachen, Preislisten usw. Die Preise sind äußerst niedrig gestellt. Mit der Hoffnung aus eine mehr und mehr beginnende Belebung der Geschäftslage schließt der - Bericht des Vereins. F. Berlin, 15. August. Das offizielle Organ des Berliner Vereins für Feuerbestattung und der internationalen Kommission „Die Flamme" enthält einen von jüdischer Seite eingesandten lesenswerten längeren Aussatz „Judentum und Feuerbestattung". In den intellektuellen jüdischen Kreisen hat man der Feuerbestattung niemals Schwierigkeiten bereitet, eher ist aus gesundheitlichen Gründen das Gegenteil der Fall, wie die große Anzahl von. Einäscherungen wohlhabender Juden beweist. Auch berichtet der „Verein für Feuerbestattung in Berlin" selbst in seiner soeben erschienenen Geschichte des Vereins, daß schon 1874 zu seinen Begründern eine Anzahl Juden, wie Dr. Baginski, Dr. Jakobsohn, Privatgelehrter Dr. Bernstein, Dr. Herzberg usw. gehörten, obwohl sich damals die offiziellen Kreise den Krematorien gegenüber viel ablehnender als' heute verhielten. Auch der Verfasser der in der „Flamme" jetzt erscheinenden Abhandlung „Judentum und Feuerbestattung" gehört dem Borstand, des Nürnberger Feuerbestattungsvereins an. Einzelnes in der interessanten Arbeit' wird wohl nicht ohne Widerspruch von beteiligter Seite bleiben. So wird auch auf „Fälle jüdischer Unduldsamkeit" gegenüber den Einäscherungen angespielt — gemeint ist' wohl die Entscheidung des Reichsgerichts für die Feuerbestattung gegen die portugiesisch-jüdische Gemeinde in Hamburg, welche sich geweigert hatte, auf ihrem Friedhof die Aschenreste der Mutter des Besitzers eines Erbbegräbnisses zur Beisetzung .aufzunehmen. Die ^Allgemeine Zeitung des Judentums" hat das Erkenntnis des Reichsgerichts bereits mitgeteilt... Selbstverständlich hat jede neu aufkommende Einrichtung ihre Freunde und ihre Gegner. So sagt „Die Flamme" mit Recht: „Wenn wir z. B. hören, daß der Chemnitzer Rabbiner sich bereit erklärt hat,, im dortigen Krematorium bei Einäscherung einheimischer' Und auswärtiger Juden die religiösen Funktionen aus-' züüben, so steht dazu im strikten Gegensatz das Verhalten des Würzburger Rabbiners. der/seit Jahren eine überaus'heftige Fehde gegen den Vorstand seiner Gemeinde sührh weil er: den Aschenresten eines der angesehensten Mitglieder derselben die von jenem gestattete Beisetzung auf dem dortigen jüdischen Friedhof) energisch verweigert w.?'. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" hat bereits vor vielen Jahren eine Abhandlung über die Feuerbestattung ' von dem inzwischen