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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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war der Arbeiter nicht verpflichtet eine Arbeit zu verrichten, die auf die Gesundheit einen schädlichen Einfluß ausübt. Ueber Frauen- und Kinderarbeit finden sich im Talmud keine speziellen Bestimmungen. Auswüchse in dieser Richtung, wie sie leider unsere moderne Zeit kennt, kamen nicht vor, das Gesetz hatte daher keine Veranlassung, spezielle Vorschriften über die Frauen- und Kinderarbeit zu erlassen. Neben den Tagelöhnern gab es noch Dienstboten. Man kannte daher schon im alten Israel eine Dienstbotenfrage. Ueber ihre Behandlung sagt der Talmud: „Wer einen Knecht oder Magd ins Haus aufnimmt, soll in ihnen den Bruder, die Schwester sehen. Daher darf der Herr ihnen nichteinen schlechten Wein vorsetzen, wenn er selbst guten trinkt und nicht minderwertiges Brot, wenn er selbst feineres ißt; er darf sie nicht auf bloßer Streu schlafen lassen, während er auf weichem Pfuhle ruht. An Sabbaten und Feiertagen waren natürlich die jüdischen Arbeiter, die freien wie die unfreien von jeder Arbeit befreit, auch von den nichtjüdischen Arbeitern konnte eine Arbeit nicht gefordert werden, es sollte dadurch ein Ueberarbeiten verhütet werden. Die ungeheure Bedeutung der Sabbat ruhe für die Hygiene hat die moderne Arbeiterschutzgesetzgebung voll anerkannt, indem sie die Sonntagsruhe gesetzlich vorschrieb und das alte jüdische Gesetz hat auch hier wieder eine glänzende Bestätigung und Anerkennung gefunden. Mit demselben Eifer, mit welchem die jüdische Lehre den Wert der Arbeit predigtmit derselben Strenge verlangt sie die Enthaltung von der Arbeit am Sabbat als absolute Notwendigkeit. Die volle Enthaltung der physischen und geistigen Kräfte von der Alltagsarbeit gewährt eben jene Sammlung neuer Kräfte, Wiederherstellung der Elastizität der Gewebe und Organe des Organismus, die einer neuen, ausdauernden und voll wirksamen Wiederaufnahme der Tätigkeit zur Grundlage dient. Der körperlichen und geistigen Arbeit einen vollen Tag entledigt, kann der Mensch zur vollen Erholung vorschreiten und vor Ermüdung und Ueberanftrengung, vor der vorzeitigen Abnützung seines Organismus geschützt werden. Seitdem man weiß, daß irt den übermüdeten Organen giftige Produkte nachzuweisen sind, deren Ausscheidung eine nur langsame ist, unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß materielle, in der Physiologie des Organismus gegebene Grundlagen, für die Notwendigkeit der Sabbatruhe vorhanden sind, und daß mit dem Gebo Leder vollen Ruhe eines Tages ein großes Gesundheitsgebot gegeben ist. Die ermüdeten Organe erhalten einzig und allein durch die längere Ruhedauer des Sabbats ihre ursprüngliche Frische wieder, freigemacht von den durch die Arbeitsleistung angesammelten giftigen Abfallsprodukten und Schlacken. Gleichzeitig trägt das in dem Sabbatgebot enthaltene Gebot der Heiligung, der Veränderung der Gedankenrichtung von dem Alltäglichen zum Höheren, von dem brutal Materiellen der Alltagsforderungen des Lebens zur beschaulichen Jnsichkehrung oder zum Genüsse der Freiheit in der Natur dazu bei, die physische Bedeutung der Arbeitsentlastung zur Wiederherstellung der Frische von Körper und Geist zu unterstützen. Und, wenn Israels Volk, sagt Prof. Vaginsky, den Drangsalen der Verfolgung, den unermeßlichen Qualen der Jahrhunderte, den Schmähungen und Herb peinigenden Herübwürdigungen Jahrtausende hindurch hat erfolgreich Widerstand leisten können, so hat es ganz sicher nicht zum mindesten dies der ausgeprägten und am längsten festgehaltenen Sabbatheiligung zu danken gehabt. Die Kompagnons. Roman von Ernst Heilmann. VII. Steinfels sah seine Frau erstaunt an. „Nach Hause? Nach Berlin? Ja, weshalb denn? Du wirst uns nicht stören. Sein Geschäftseifer läßt sich aushalten.-Er will wohl nur zeigen, daß ihm das Unternehmen wichtig ist — — — in seiner Korrespondenz habe ich von diesem Interesse noch nichts verspürt." — Sie schwieg. Es war ihr, als sollte sie ihm Andeutungen geben, was wohl seinen unerwarteten Entschluß, herzukommen, hervorgerufen haben könnte. Sie wußte, sie fühlte mit dem Instinkt des Weibes in solchen Dingen, was ihn herführe. Aber ein unerklärliches Gefühl uon Scham und Furcht schloß ihre Lippen. „Uebrigens er wird nicht zu lange bleiben. Er wird sich langweilen; das amüsante Leben, an das er gewöhnt ist, wird ihm hier fehlen." „Alfred!" Er blickte verwundert aus und lachte. „Ja, hier bin ich ihm über mit meiner schönen, liebenswürdigen Hausfrau ..." „Ach, geh> doch!" Wie ein Hauch der Befremdung zog es durch seine Seele. Was hatte sie nur? Woher diese unbegreifliche Laune? „Bitte, Agathe, sei nett und denke daran, daß wir hier in unseren Mauern ihm Gastfreundschaft erweisen und die Honneurs werden machen müssen." Der Gedanke belustigte sie. „Wahrhaftig?" „Natürlich!" Darauf wußte sie nichts zu sagen, sie nahm daher einen Brief ihrer Schwester auf. „Höre nur, was Else schreibt: „Meine einzige Agathe! Es geht uns gut, die Kinder sind vergnügt und gesund und ich ebenfalls — — das ist die Quintessenz meiner Epistel, die damit eigentlich ihr Ende erreicht haben könnte, was ihre Wichtigkeit anbelangt, gelüstete mich nicht danach, Dir auch von minder wichtigen Dingen zu plaudern. Berlin scheint jetzt wie ausgestorben. Alle Welt hat jetzt bei Beginn der Ferien Sommerreisen angetreten. Von unseren Bekannten sind fast alle verreist. Vorgestern verabschiedeten sich Hedda Hinkel und Dr. Sievers, und heute war Herr Grosser da, um mir zu erzählen, daß er zu Euch reise, während seine Frau und Luise ins Bad gingen. Ich schicke Dir mit ihm Deine blaue Matinee, die Du dort vielleicht gebrauchen kannst, da Du so viel länger bleibst, als Du ursprünglich beabsichtigtest,, und Dein weißes Batistkleid. Ich habe es mit neuen heliotropfarbenen Schleifen garniert, was zu der Stickerei reizend aussieht; es ist wie neu." „Na, dann kann sich Grosser auf die Grenze freuen." Agathe lachte. „Du meinst?" „Ein Herr mit Damentoiletten, das ist verdächtig." Sie blickte wieder in den Brief und fuhr fort: „Herr Grosser hat sich übrigstens auf das liebenswürdigste bereit erklärt, alles mitzunehmen,-und so habe ich für Alfred auch die Brieftasche mitgeschickt, die ihm schon zu Weihnachten bestimmt war."; „Famoses Mädel!" Agathe fuhr zu lesen fort: „Für Lueie habe ich neue Schuhe gekauft, gelbes Leder, sie ist ganz glücklich damit, und für Erich habe ich zu den Trikothäschen eine dunkelblaue Barchent-

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