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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · p. Seite 403

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
Seite 403 (sequence 7)
Language
German
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„ - 408 - und alle Juden^aus der Stadt fortzuschicken." — Noch eine oder zwei solcher Maßregeln, und die so gründlich vernichtete Stadt Odessa wird» zweifelsohne wieder ausblühen! fügt der „Rjetsch" mit vollem Rechte zu. Als wir diese Zeilen des Schmähblattes lasen, stiegen in uns die Erinnerungen an vergangene Zeiten auf. Die Gründer der großen Handels- und Hafenstadt an den Gestaden des Schwarzen Meeres, — nunmehr der dritten Stadt im Zarenreiche — waren durchaus keine Russen, noch viel weniger „gebildete" Rumänen, sondern intelligente Griechen, Italiener und Juden! Jawohl, Juden! Und zwar Juden aus Brody in Galizien! Wir Persönlich kennen da viele jüdische Familien, die schon 1818 unter Alexander I. Bank- und Handelshäuser hatten oder vertraten, und die mit dem Westen Europas schon damals in geschäftlicher Verbindung standen. Der Grund zur Stadt Odessa wurde von der genialen Kaiserin Katharina II., der Groben, im Jahre 1794 gelegt. Wir erinnern uns noch aus den 70er Jahren des verflossenen Jahrhunderts, daß die Straßen der Stadt Odessa keine russischen, sondern — italienische Aufschriften, und zwar Strada (Straße): Greco, Jtaliana und Ebreo hatten! Auch russische Bank- und Getreideexporthäuser gab es damals und gibt es auch heute dort noch nicht. Seit den 70er Jahren gibt es wohl Banken, die vielfach von Juden geleitet werden. Diesen drei obenerwähnten Nationalitäten hat Odessa allein in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens die Blüte zu verdanken. Allerdings, als die Geschäfte sich bedeutend ausdehnten und einen großen Umfang annahmen, etablierten \ sich später auch deutsche und französische Firmen daselbst. Aber von echten Russen war keine Spur! Und nun kommt so ein Mensch — der nicht einmal Russe ist — und begrüßt in flammenden Worten die fruchtbare Tätigkeit seiner berühmten Kollegen, der Odessaer Stadtverordneten, die vor wenigen Tagen gewählt und in ihr Amt eingeführt wurden. Ja, die große, gebildete Odessaer jüdische Gemeinde — ungefähr hu n de rtachtzig tausend Menschen — geht einer sehr traurigen Zukunst entgegen! Welche schöne, segensreich wirkende wohltätige Anstalten und Institute bestehen da! Wieviel Mühe und Arbeit haben sich wackere Männer im Laufe fast eines Jahrhunderts gegeben, um dieselben ins Leben zu rufen, und nun wollen die „biederen Menschenfreunde", die neuen antisemitischen Stadtväter, sie samt den Juden vernichten! Ja, zerstören ist sehr leicht, aber etwas zu schaffen und aufzubauen, und zwar nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft, dies ist allerdings viel schwerer! Wir wissen, daß der Wunsch der großen und kleinen Antisemiten nicht in Erfüllung gehen wird; aber traurig ist es schon, die Tatsache konstgtjeren zu müssen, wie in den letzten paar Jahren sich das Stadtbild von Odessa und seiner Vertreter verändert hat. Ja, es sittd jetzt ganz andere Zeiten dort und auch ganz andere Lieder, die man am Pontus Euxinus vernimmt! stellen soll. Die überwiegende. Meinung ist dafür, daß dieses Denkmal in Wilna zu errichten sei. Gleichzeitig mit dem Ansuchen um Bewilligung der Errichtung dieses Denkmals wird die Frage einer allgemeinrussischen Sammlung aufgeworfen werden. Der Vorstand der Petersburger Gemeinde besitzt schon einen kleinen Fonds zu diesem Zwecke. Es wäre nur recht und billig, den zahlreichen Opfern jenes blutigen Krieges durch baldige Errichtung des Denkmals den Tribut der Dankbarkeit darzubringen. Außer den jüdischen Helden, 'die auf den mandschurischen Schlachtfeldern in der Blüte ihrer Jahre verbluteten, gibt es noch eine große Zahl von jüdischen Aerzten, die Weib und Kind verließen und nach dem fernen Osten zogen, um den russischen Kriegern Linderung und Heilung zu bringen. Aber gar sehr viele von ihnen sahen ihre Heimat nicht wieder und fanden, fern von ihren Lieben, ein frühes Grab auf fremdem Boden! Auch diese Aerzte waren Helden (man sagt, daß sich dort dreitausend jüdische Aerzte befanden; jüdische Soldaten sollen dort ungefähr vierzigtausend gewesen sein), indem sie unter dem Donner der Kanonen und unter dem Fluge der unerbittlichen Kugeln, die keinen Unterschied des Glaubens und der Raffe kannten, die Verwundeten verbanden und ihre Schmerzen linderten. Auch sie verdienen nicht minder wie die tapferen jüdischen Soldaten, daß ihr Gedächtnis geehrt und der Nachwelt erhalten bleibe. Uns persönlich ist ein Fall bekannt, wo ein junger jüdischer Arzt, Dr. Jsakowitsch aus Odessa, den Feldzug mitmachle und verschollen ist. Sein tragisches Ende wirkte niederschmetternd auf die unglücklichen Eltern, und der Vater, der gebildete und sehr intelligente Salomon L. Jsakowitsch, der frühere Redakteur der „Jnjnoje Obozrenje", folgte im besten Mannesalter dem geliebten Sohne ins Grab nach! Und wie viele andere gibt es, die in den fernen chinesischen Steppen ihr junges Leben aushauchten. — Außer in Sebastopol, wo auf hem dortigen jüdischen Friedhofe das Denkmal der gemeinsam im Krim-Kriege (1853 bis 1856) gefallenen jüdischen Soldaten sich erhebt, worüber wir in einer unserer früheren Korrespondenzen ausführlicher sprachen, gibt es auch noch in Tiflis ein Denkmal zum Andenken der Opfer des russisch-türkischen Krieges ■ (1876 bis 1877). Dieses Denkmal ist den russischen Soldaten * im allgemeinen gewidmet. Unter den Gefallenen befinden sich unter anderen auch vr. meä. Gregoire Herzenstein aus Odessa und noch mehrere jüdische Aerzte, deren Namen aus dem Denkmal verzeichnet sind. So-ialhysirne und jüdilchr Volkssememlchakt. ij ' Und wenn man nun bedenkt, mit welchem glühenden' Patriotismus gerade die russischen Juden ihr Vaterland geliebt, wie sie auf allen Schlachtfeldern ihr Blut für dasselbe vergossen haben, so erscheint einem die Frage fast deplaciert, auf welche Art und Weise das Andenken der jüdischen Soldaten, die im russisch-japarischen Kriege gefallen sind, zu verewigen sei. Trotzdem hat sich der Vorstand der Petersburger jüdischen Gemeinden an den Hauptstab mit der Bitte gewendet, ihm die Liste der getöteten jüdischen Krieger, mit der Angabe des Geburtsortes, der Gattung des Dienstes, und dergleichen mehr, zu senden. Auf Mund dieser Beweisstücke wird die Frage entschieden werden, wo man ein Denkmal aus- Von 0r. med. W. H anauer-Frankfurt a. M. I. ls eine der jüngsten Früchte am Baume der medizinischen Wissenschaft ist die Hygiene zu betrachten. Begründet von Pettenkofer von der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ab, ‘ studierte sie mit Hilfe physikalischer, chemischer und physiologischer Methoden alle Einflüsse, die. auf die menschliche Gesundheit von Belang sind. Zu diesen Einflüssen gehören auch die Kleinlebewesen, und es ist daher die von Koch inaugurierte Bakteriologie mit der Hygiene eng verschwistert. Praktische Nutzanwendung fand diese neue hygienische Wissenschaft nach zwei Richtungen: Die persönliche Gesundheitspflege gibt die «

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