Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1909)
- Date
- 1909-08-13
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Worten die Wünsche der Gemeinde aus und überreichte ihm ein kostbares Ehrengeschenk. Auch Kommerzienrat Ephraim als ehemaliger Schüler des Jubilars, sowie Frau Kommerzienrat H ey m ann als Vorstandsdame des Frauenvereins, fanden sich in Bad Salzbrunn ein, um dem hochgeschätzten Seelsorger, Lehrer und Freund ihre Glückwünsche entgegenzubringen. In seltener körperlicher und geistiger Frische nahm der greise Jubilar die ihm dargebrachten Huldigungen entgegen und richtete an die Gratulanten herzliche Worte des Dankes.' An der im engsten Kreise veranstalteten Geburtstagsfeier nahm auch der aus Berlin herbeigeeilte Neffe des Jubilars. Herr Professor Dr. Lazarus, teil. Möge der Allgütige unserem greisen Rabbiner noch viele, viele Jahre verleihen. . R. F. Leipzig, 5. August. Von zwei Jubiläen im benachbarten Oesterreich-Ungarn will ich den lieben Kollegen in diesen Zeilen berichten und damit zum Ausdruck bringen, daß gegenseitige herzinnige Anteilnahme die Kollegen allerorten eint und bindet. In Satoralja-Ujhelh seierte mit zurückgelegtem 60. Lebensjahre der vielen seiner Schüler diesseits und jenseits des großen Teiches bekannte Kantor Eisik . Eibuschütz sein 40 jähriges Amtsjubiläum. Sein Werde- und Wirkungsgang wird durch die Namen Preßburg, Krakau, Debreczin und Ujhelh bezeichnet. Die Art. wie er in seine erste Stellung gelangte, ist so eigentümlich und für den Kantorenstand charakteristisch, daß sie in diesem kurzen Berichte hervorgehoben zu werden verdient. Eibuschütz war als Sänger im Gefolge des zur Probe berufenen Mosche Laudzger aus Jaroslaw nach Preßburg gekommen und erhielt die Stelle, für die sein Meister kandidierte. Eibuschütz, ein vielbewunderter Tenor-Chasan, ist Komponist vieler Rezitativs und Chöre, die typisches Chasonus behandeln, an den Sänger aber — im doppelten Sinne — hohe Anforderungen stellen. — Das zweite, ebenfalls 40 jährige Amtsjubiläum feierte, zugleich mit feinem Wegzuge aus Prag, der langjährige Chordirigent am Tempel in der Geistgasse, der k. k. Musikdirektor David Rubin. Die Jubiläums- und Abschiedsfeier gestaltete sich zu einem Feste, an dem weiteste Kreise innigen Anteil nahmen; denn David Rubin gilt nicht nur als einer der berufensten Vertreter edlen, geradezu klassischen Chorgesangs für die Synagoge, sondern Rubin genoß in Musik- und Künstlerkreisen des musikfreudigen Prag hohes Ansehen und volle Wertschätzung. Das trat an seinem Ehrentage deutlich hervor. Ehrung auf Ehrung erfolgte seitens des Gemelndevorftandes, des Synagogenchores, vieler musikalischer Gesellschaften und künstlerischer Vereinigungen, und wenn David Rubin jetzt in den Ruhestand getreten ist, so folgen ihm nach seinem derzeitigen Ruhesitze in Wien unsere herzlichsten Wünsche. Hamburg, 6. August. Der „Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder" (Ferienkolonien) hielt eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn L. Mathiafon ab. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß auch diesmal das dem Verein gehörende Seehospiz in Duhnen bei Cuxhafen sehr stark in Anspruch genommen sei, so daß nur noch in der letzten am 15. August beginnenden Kurperiode für etwa 20 Kinder Platz vorhanden sei. Nachdem kürzlich zu Beginn der Sommerferien 150 Kinder Aufnahme gesunden haben, werden auch in diesem Jahre in der dreimaligen Kurperiode von Juni bis September an 340 schwache Kinder dort einen je vierwöchigen Aufenthalt gefunden haben. Wie der Vorsitzende weiter mitteilte, plant der Verein die Errichtung eines zweiten Hospizes in einem Solbads. --- Frankfurt a. M., 30. Juli. Während heute in Westeuropa die Sterblichkeit der Juden überall geringer ist wie die der christlichen Bevölkerung, ist in früheren Jahrhunderten das Umgekehrte der Fall gewesen. Dies wird u. a. von Dr. W. Hanauer, Frankfurt a.M., in seiner Arbeit über die „Geschichte der Sterblichkeit und der öffentlichen Gesundheitspflege in Frankfurt a. M." (Deutsche Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege, 1908) für Frankfurt a.M. zahlenmäßig nachgewiesen. Während aber im 17. und 18. Jahrhundert die Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung im allgemeinen größer war wie die der christlichen, war die Kindersterblichkeit bei den Juden geringer wie bei den Christen. Das konnte daher rühren, daß die Kinderzahl bei den Juden eine kleinere war wie bei den Christen und daher der Nahrungsspielraum, der auf das einzelne Kind entfiel, eifi größerer. Die Ergebnisse derBerechnungenDr.Hanauers stimmen mit den von Professor Kraeauer angegebenen Zahlen.ziemlich : überein, was um so bemerkenswerter ist, als Dietz in seinem „Stammbuch der Fran^rrter Juden" die Behauptung aufstellte, daß!^ die Gesundheitsverhältnisse und dementsprechend die Sterblichkeitsziffer der Juden in der Judengasse keine ungünstigeren, ja" sogar bessere gewesen seien, als bei der übrigen christlichen Bevölkerung. Interessant ist auch der von Rabbiner Dr. Horovitz geführte Nachweis, daß bereits in den Jahren 1776 bis 1820 eine bedeutende Abnahme der Sterblichkeit der Frankfurter Juden zu verzeichnen war. Um diese Zeit fingen nämlich die Verhältnisse aN'günstiger zu werden, denn jetzt wurde es einzelnen Juden gestattet, außerhalb der Judengasse zu wohnen. Bereits 1818 war daher die Sterbeziffer der Juden unter die der Christen herabgegangen. *** Stratzburg, 23. Juli. Nach dem Religionsdienerbesoldungsgesetz, welches nunmehr im Landesausschuß definitiv angenommen worden ist und mit dem 1. April 1910 in Kraft tritt, erhalten die Rabbiner ein Anfangsgehalt von 2000 Mark, steigend nach je drei Dienstjahren, so daß mit 25 Dienstjahren ein Höchstgehalt von 3400 Mark erreicht wird. Die Oberrabbiner erhalten ein Gehalt von 4000 Mark, steigend nach sechs Dienstjahren auf 4400 Mark. Alle diese Gehälter werden aus der Staatskasse gezahlt. Von jetzt ab erhalten die Rabbiner sowie, deren Witwen und Waisen Pensionen nach Maßgabe der Vorschriften, die für die Landesbeamten und deren Witwen und Waisen gelten und außerdem sind dem Diensteinkommen, welches der Pensionsberechnung zugrunde gelegt wird, für freie Dienstwohnung oder die an deren Stelle bezogene Entschädigung 400 Mark hinzuzurechnen. Hand in Hand mit dieser neuen Gehaltsordnung geht auch die Neueinteilung der Rabbinate; denn Elsaß-Lothringen hat bei einer jüdischen Bevölkerung von etwa 31 000 Seelen — sage und schreibe — 40 Rabbinate. Nach Hefter» einkommen der Regierung mit den drei Konsistorien soll die Zahl der Rabbinate zum 1. April 1910 auf 28 bezw. 25 reduziert werden. Aufgehoben werden die Rabbinate: BieSheim, Blotzheim, Bollweiler, Hattstatt, Bergheim, Niederhayenthal, Niederfkep t, Pf.astatt, Rixheim. Sennheim, Sulzmatt und Sierenz im Bezirk Oberelsaß. Im Unterelsaß die Rabbinate: Maursmünster, Lauterburg. Mutzig, Sulz und Wald und später wahrscheinlich noch Bischheim sowie Saarunion. Dagegen werden neugegründet: Ein zweites Rabbinat in Straßburg sowie zwei Rabbinate in Lothringen, deren Sitz nach Diedenhofen und St. Avold oder nach Mörchingen oder Forbach kommt. Während das Konsistorium des Unterelsaß sowie des Oberelsaß den Entwurf der Regierung angenommen hat, macht das Konsistorium von Lothringen der Ausführung dieses Projektes die größten Schwierigkeiten. Jedoch, soviel wir wissen, wird die Kaiserliche Regierung den einmal gefaßten Beschluß im Interesse der Judenheit Lothringens mit Energie durchführen. Luxemburg, 8. August. Donnerstag den 5. August verschied hier der Präsident des Konsistoriums, Herr Leopold Kahn im 81. Lebensjahre. Eine ansehnliche Trauerversammlung aus allen Ständen gab dem geschätzten Manne das letzte Geleite. Seine Verdienste um die Kultusverwaltung würdigte in der Grabrede der großherzogliche Landesrabbiner Herr Dr. Samuel Fuchs. Das lautere Lebensbild des Verstorbenen entwickelte der Redner im Rahmen des Psalmverses: „Der Mensch ziehe hinaus zu seiner Arbeit und verharre bei seinen Tagespflichten bis zum Abend. $ Gesterretch-Anssm. Sch. Wien, 6. August. Der Taufschein ist eine alte österreichische Spezialität, wenn es sich um Verleihung öffentlicher Stellen handelt. Da helfen alle Proteste nichts; immer wieder wird in öffentlichen Konkursen das Wort „Taufschein"- im Sperrdruck hervorgehoben. Dieses Papier darf im heutigen Oesterreich sozusagen in keinem jüdischen Haushalt fehlen, und unter den Augen einer von Lueger geleiteten Regierung werden die Rechte der jüdischen Bürger skrupellos ignoriert. Mit dem Sturze des immerhin etwas liberalen Unterrichtsministers Dr. Marchet ist im Schulwesen die antisemitische Tendenz mehr denn je Trumpf, und für die Besetzung von Lehrer' ' mmm