Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1909)
- Date
- 1909-08-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Beilage zur „Ällgemeinen Leitung deß Judentums. 73. ^adi-Zsux kir. 33. kerlill, 13. August 1909. korrklpondrn?en unü Mschrichtrn. Deutschland. — Berlin, 8. August. Die auf Grund der Beschlüsse der zwei internationalen jüdischen Konferenzen in Berlin vor einigen Monaten ins Leben gerufene „Allgemeine Jüdische Kolonisations- Organisation", welche sich die landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation von Juden im Orient zum Zweck setzt, hat bis jetzt an dem Ausbau ihrer Körperschaften und an der Beschaffung der ersten Grundlagen für einen Kolonisationsfonds gearbeitet. Sie hat sich ausschließlich auf Persönliche Propaganda innerhalb der führenden Kreise der Judenheit beschränkt, ohne an die breitere Oeffentlichkeit zu treten. Dank dieser mehrmonatlichen stillen aber emsigen Arbeit, ist es gelungen, die maßgebenden Persönlichkeiten der jüdischen Hauptgemeinden in Deutschland,' Oesterreich und Rußland für die neue Organisation zu gewinnen und sie zum Eintritt in den Zentralrat, respektive in den Vorstand der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations» Organisation" zu veranlassen. Die Bestrebungen der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" haben überall den lebhaftesten Anklang gefunden. Ganz besonders verdient es hervorgehoben zu werden, daß auch die führenden orthodoxen Kreise in Frankfurt und Berlin, der neuen humanitären Organisation sich anAschlossen und ihre Vertreter in die leitenden Körperschaften derselben entsendet haben, nachdem ihnen die Sicherheit gegeben worden war, daß dieses Werk — entsprechend den Ueberzeugungen derjenigen, denen es zugute kommen soll — in vollem Einklang mit den Anforderungen des überlieferten Judentums durchgeführt werden wird. Bei den Sammlungen für den Kolonisationsfonds der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" haben sich die hervorragendsten Persönlichkeiten der jüdischen Großgemeinden mit namhaften Spenden an die Spitze gestellt. Die Aufforderung des türkischen Kammerpräsidenten Achmed-Riza, die bedrückten Judenmassen in den Ländern der Türkei anzusiedeln, hat nun die Veranlassung gegeben, einen geschlossenen Kreis angesehener Mitglieder der jüdischen Gemeinde Berlins einzuladen, um sie mit der von der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" eingeleiteten neuen Orient-Kolonisationsbewegung, deren Charakter den Wünschen der türkischen Regierung vollständig entspricht, vertraut zu machen. Die Einladung ging von einer Anzahl von Förderern der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" aus, und zwar u. a. von Kommerzienrat Hermann Bamberg, Justizrat Dr. E. Friedemann, Kommerzienrat Gerson Simon, Aron Hirsch, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Senator und Oscar Tietz unterzeichnet. In der Versammlung, welche am 22. Juni im „Hotel Adlon" stattfand, ergriffen u. a. die Herren Justizrat Dr. E. Friedemann, Dr. Isidor Ginsberg, Rechtsanwalt Dzialoszynsi, Professor Dr. Kalischer, Mitglied der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, Justizrat Dr. Max Fuchs, sowie als Sachkundige Agronom Dr. S. Soskin und Kulturingenieur I. Treidel das Wort. Die Ansprachen und Referate genannter Herren sind von der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" in Form einer Broschüre herausgegeben worden, die Interessenten in beliebiger Anzahl zur Verfügung steht. Berlin, 8. August. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet aus Konstantinopel: „Der Ministerrat beschäftigt sich mit dem Gesuch zahlreicher jüdischer Gemeinden aus Rußland, die aus. zehntausend Familien sich zusammensetzen, nach der Türkei einwandern zu dürfen. Trotzdem der Großwefir das Gesuch befürwortete, konnte der.Ministerrat noch zu keiner Entscheidung kommen, da man darauf hinwies, daß durch die Gewährung der Bitte der russischen Juden zu den vielen ungelösten innerpolitischen Fragen noch eine Judengefahr hinzukommen könnte. Der Ministerrat wird seine Entscheidung erst in der nächsten Sitzung fällen." Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist diese am 27. v. M. auch im „P. Ld.". erschienene Nachricht völlig aus der Luft gegriffen. — Berlin, 9.August. Der Verein „Jüdische Blindenanstalt im Deutschen Reiche", dessen Zustanoekommen durch mehr als 2600 Beitrittserklärungen gesichert ist, wird am 5. September mit seiner konstituierenden Versammlung ins Leben treten. Wie verlautet, wird das neue Institut noch im Laufe dieses Herbstes mit seiner Tätigkeit beginnen. Aufnahmegesuche jüdischer blinder Kinder aus dem Deutschen Reiche können schon jetzt an die vorläufige Geschäftsstelle, Berlin NO. 18, William Neumann. Elisabethstr. 28/29, gerichtet werden, woselbst auch weitere Beitrittserklärungen zum Vereine mit einmaligen oder Jahresbeiträgen dankbar entgegengenommen und Auskünfte bereitwilligst erteilt werden. V Berlin, 10. August. Die Britisch.Ausländische Bibelgesellschaft hat seit ihrer Gründung im Jahre 1804 215 Millionen Bibeln und Bibelteile in die Welt ausgehen lassen. In 418 Sprachen hat sie nun die Bibeln oder Teile derselben drucken und verbreiten lassen. Die Gesamteinnahmen des letztenJahres betrugen 4760800Mark, die Gesamtausgaben 4 740 800 Mark, so daß sich ein Ueberschuß von etwa 20 000 Mark ergibt. Verkauft wurden etwa 884 000 Bibeln, 1 116 000 Neue Testamente und 3 933 000 Bibelteile, zusammen gegen sechs Millionen Bände, etwa 264 000 Stück mehr als in den letzten Jahren. In China allein wurden 1 233 000 Bände, in Japan 200 000 Bände, in Indien ebensoviele durch Bibelboten verkauft. In sechs neue Sprachen wurden im letzten Jahre Bibelteile übersetzt, Banauri in Nordindien, und Robha in Assam, Ora am Niger in Westafrika und Ndau in Ostafrika, Lau auf den Salomoninseln und Mailu und Tulu südöstlich von Neuguinea. Alle diese sechs Sprachen erhielten zum Zweck der Bibelübersetzung zum erstenmal eine eigene Schrift. 61. B—ch. Breslau, 6. August. Mit roten Wangen und blitzenden Augen kehrten soeben die Ferienkolonisten zurück, denen liebreiche Menschen für vier karge Wochen etwas von dem Sonnenschein gespendet hatten, der ihrem düsteren Heime fehlt. Und war diesmal auch die Sonne immer nur zu vorübergehenden Gastrollen erschienen, so läßt doch das blühende Aussehen der Kinder nichts zu wünschen übrig, und die Gewichtszunahme der einzelnen von drei bis acht Pfund sich steigernd, liefert den tatsächlichen Beweis des Erfolges. — 30 Mädchen hatte der Frauenvereiu der Lessingloge nach Charlottenbrunn entsandt, woselbst sie in eigener Regie des Vereins und unter Beaufsichtigung von Fräulein Dömbrowski aus Berlin trefflich untergebracht waren. 22 Knaben befanden sich in Jauer und Karlsruhe in bester Obhut und Pflege. Die in Karlsruhe ansässige Herzogin von Württemberg überwies den Kindern ein größeres Geldgeschenk, damit sie mit ihren Pensionseltern die nahegelegene Glashütte aufsuchen und das Glasblasen kennenlernen sollten. In Jauer hat sich wiederum Herr Sch äffer. der erste Vorsteher der Synagogengemeinde in hervorragender Weise der Kleinen angenommen, sie in der benachbarten Umgegend durch allerlei Kurzweil erheitert und mit Geschenken erfreut. Und wie wenig, gehörte dazu, in den Blicken dieser Kinder ein Glückesleuchten zu entzünden — sind sie doch noch aufnahmefähig für all das Schöne und Gute, das Mutter Natur und edle Menschen zu spenden haben. So hielten sie denn — voll des Entzückens ob all der ungewohnt frohen Eindrücke — wieder ihren Einzug in die Heimat. Hoffentlich geht der längst gehegte Wunsch der Schwestern, ein eigenes Heim für die Kolonisten zu besitzen, recht bald in Erfüllung. Vielleicht, findet sich ein Wohltäter, der dieses Ferienheim stiftet! *** Görlitz, 6. August. Unser hochverehrter Herr Rabbiner, Dr. Sam. Freund, beging am 30. v. M. in Bad Salzbrunn, wo er zur Kur weilte, seinen 80. Geburtstag. Eine vom Vorstand und Repräsentantenkollegium dorthin entsandte Deputation, bestehend aus den Herren Kommerzienräten Em. Alex. Katz, Sa ll y Hey mann und Kaufmann Leopold Cohn, drückte dem Jubilar in herzlichen