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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-06 · Heft 32 (6.8.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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V- ■ | W der Väter zu stärken, sei hier kurz noch einiges über die Benutzung der Wanderbibliothek mitgeteilt. Die fünf Serien der Bibliothek' zirkulierten von Vierteljahr zu Vierteljahr im Berichtsjahr 1908/1909 in folgenden Gemeinden: Julibis September in Neu salz, Frankenstein, Wartenberg,, Oels und Löwenberg; im Oktober bis Dezember in Militsch, Schweidnitz, Jauer und Landshut» im Januar bis März 1909 in Striegau, Löwenberg, Brieg, Glatz und Löwen, im April bis Juni 1909 wieder in Frankenf stein, Militsch. Sagan, Schweidnitz und Trachenberg. Der Verband hat ferner zehn Verbandsgemeinden durch Gewährung von Prämien für die Lebensversicherung unterstützt und seine Fürsorge auf die Erhaltung der kleineren Gemeinden durch Gewährung von 1700 Mark an Subventionen bewiesen. Der Verband umfaßt jetzt sämtliche jüdischen Gemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz und heißt von jetzt ab, am Beginn seines nunmehr dreizehnten Lebensjahres, nicht mehr Verband von Synagogengemeinden usw., sondern „Verband der Shnagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz". Im Berichtsjahr haben zwei hervorragende Mitglieder des Verbandsausschusses, die Herren Stadtältester Pringsheim-Breslau und Heinrich Kohn- Liegnitz ihren 80. Geburtstag unter Teilnahme des Verbandes begehen können. Im vergangenen Jahre sind auf Veranlassung des Verbandes 20 Schulen der Verbandsgemeinden ° inspiziert worden. Die Inspektionen haben in den Gemeinden Bernstadt und Trebnitz durch Herrn Rabbiner Fabian-Breslau, in Guhrau.durch Herrn Rabbiner Dr. Theodyr-Bojanowo. in Neusalz und Steinau durch Herrn Rabbiner Dr. Lukas--Gl ogau, in Haynau, Jauer, Löweuberg und Lüben durch Herrn Rabbiner Dr. Peritz-Liegnitz. in Namslau. Löwen und Städtel-Schwirz durch Herrn Rabbiner Dr. Goldmann- Oppeln, in Brieg, Glatz, Münsterberg, Reichenbach, Strehlen und Striegau durch Herrn Rabbiner Dr. Deutsch- Breslau, inBunzlau durchHerrnRabbiner Dr. Freund-Görlitz stattgefunden. Um den Eifer der Schüler anzuspornen, sind -in jeder der inspizierten Schulen an die besten Schüler Prämien verteilt worden; als solche sind sowohl Gebetals auch Erbaüungs- und Unterhaltungsbücher verwendet worden. Die Inspektion des Religionsunterrichtes ist eine Einrichtung, die sich durchaus bewährt hat, denn von der sachgemäßen Unterweisung der Jugend in der Lehre und dem Glauben der Väter hängt die Zukunft des Judentums ab. *** Kolberg, 1. August. Das am vergangenen Donnerstag abend im Festsaal des Strandschlosses zum Besten des jüdischen Kurhospitals veranstaltete Konzert hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Es bot des Guten und Schönen soviel, daß gewiß jeder Besucher den Saal hochbefriedigt verlassen hat. Den Reigen der musikalischen Darbietungen eröffnete Fräulein Bertha Schkolnick mit der ^s-vur-Ballade von Chopin. Sie erwies sich als eine hervorragende Pianistin, die durch ihren künstlerischen Vortrag und ihre hohe technische Fertigkeit rauschenden Beifall des Publikums hervorrief. Ihre Schwester, Fräulein Jenny Schkolnick, stand ihr als Violinkünstlerin ebenbürtig zur Seite. Sie brachte mit unfehlbarer Sicherheit und seelenvollem Vortrage den ersten Satz des 6-äur- Konzerts von Spohr und die äußerst schwierige Fantasie Oapriee von Vieuxtemps zum Vortrag und entfesselte damit wahre Beifallsstürme des begeisterten Publikums. Angenehme Abwechslung im Programm boten die gesanglichen Darbietungen des Fräulein Malve Sternfeld und des Herrn Emil Schlegel. Erstere hatte mit ihren Liedern von Fielitz, Reger und Hildach eine sehr glückliche Wahl getroffen. Ihre wohlgeschulte Stimme, wie ihre gute Aussprache muß besonders lobend hervorgehoben werden. Herr Schlegel sang den Prolog aus „Bajazzo" von Leoncavallo und das Lied von der ewigen Liebe von Brahms mit tiefer Empfindung und warmer Begeisterung. Den Schluß des wohlgelungenen Konzerts bildeten Vorträge des jugendlichen Klaviervirtuosen Jascha Spiwako, die hohe Anerkennung verdienen und vom Publikum mit großem Beifall ausgenommen wurden. Schließlich sei noch des Herrn Kapellmeisters Robert Bühler gedacht, der sich mit Fräulein Bertha Schkolnick in die schwierige, aber wenig dankbare Aufgabe der Begleitung geteilt hatte und sich dabei als gediegener Pianist und feinfühliger Musiker erwies. II. Kassel/ 2. August. Der hiesige „Verein für israelitische Armenpflege" versendet soeben seinen Bericht für das letzte Geschäftsjahr und zeigt seinen Mitgliederwund Gönnern ein erfreuliches Bild sozialen Wirkens. Die Jahreseinnahme.betrug 13 162.15 Mark; zu dieser Summe steuerten 380 Mitglieder bei, die israelitische Gemeinde 1000 Mark und der Krankenpflege-Verein 500 Mark. Ausgaben waren in der Höhe von 12 870.93 Mark zu leisten; hiervon erhielten 1930 Durchreisende 4392.50 Mark; auswärtige Arme 3124 Mark, hiesige Arme 2136.40 Mark. Die Arbeiterkolonie Kassel-Bettenhausen und die Kolonie Weißensee wurden mit je 100 Mark bedacht./ Das Vermögen des Vereins betrug annähernd 24000 Mark. Den Vorstand des Vereins bilden die Herren: H. Rubensohn; N. Abt; Friedrich Hoffa; G. Rosenzweig und H. Blumenthal. q Frankfurt a. M./ 23. Juli. lieber das Heim des Jüdischen Frauenbundes erfahren wir aus dem Bericht der „Weiblichen Fürsorge" folgendes: Als die Erfüllung einer . Notwendigkeit auf dem Gebiete der weiblichen Fürsorge und als ein Geschenk an alle jüdischen Gemeinden Deutschlands ist in dem Heim des jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurta.M. am 25. November 1907 eine Stätte eröffnet worden, die Schutz und Erziehung für solche weibliche jugendliche Personen vorstellt, in denen die Kraft und der Wille zum Guten noch geweckt und gestärkt werden kann. Frau Louise Goldschmidt ist es zu verdanken, daß dieses wichtige und schwierigste Gebiet sozialer Arbeit betreten werden konnte, indem sie ein schönes. Haus mit einem Garten, anmutig am Walde gelegen, überließ. Das Heim selbst gilt als gemeinsamer konkreter Jnteressenpunkt der dem jüdischen Frauenbund angeschloffenen Vereine und Ortsgruppen. Darum ist auch der Vorstand des jüdischen Frauenbundes zugleich der Vorstand des Heims. Eine Heimkommission, deren Sitz in Frankfurt ist, leitet die Geschäfte des Heims. Ein derartiges Heim, welches die Tendenz hat, Fürsorge eintreten zu lassen, bevor es zu spät ist, und Schutz zu bieten in Fällen, in denen I sowohl die politischen Gemeinden als die konfessionell jüdische I Vereinstätigkeit versagen, besteht in Deutschland noch nicht. Prinzipiell wurde die Aufnahme abgelehnt von: a) ausgesprochen Schwachsinnigen; b) Personen vorgeschrittenen Alters — von 30 Jahren und mehr —; c) Personen, die nicht selbst den Wunsch haben, in ein geordnetes Leben einzutreten, und die schon zu lange Weg und Richtung verloren haben. Die Zahl der abgelehnten Gesuche betrug 10. Dagegen wurden Pfleglinge im Alter zwischen 5 und 25 Jahren am Familientisch vereint, wurden zwei junge Mütter in der für sie gefährlichsten Zeit kurz vor und nach der Entbindung in unseren Schutz genommen, konnte fünf Säuglingen in ihrer ersten Lebenszeit ihre natürliche Ernährung, Luft, Licht und Wartung gewährt werden, haben vier Pfleglinge zur Hausarbeit geduldig und geschickt gemacht, so daß sie sich dauernd in den erlangten Stellungen halten, endlich zwei Schulkindern eine frohe Kindheit gesichert. Die Leitung der Anstalt selbst, die streng rituell geführt wird, liegt in her Hand einer Hausmutter, deren Takt und Güte es obliegt, das Haus zu einem behaglichen Heim zu gestalten. Der Haushalt als solcher gibt wert- , volle Lehrmittel, indem er den Pfleglingen Gelegenheit gewährt, im Kochen, Waschen, Bügeln, in der Kinderpflege und/ in aller Haus¬ und Näharbeit, Hebung und Verwendung ihrer Kraft zu finden. Die Kosten des Betriebes werden durch Jahresbeiträge und Geschenke gedeckt. Denn es ist sehr wichtig, daß das Heim auch Fülle — begreiflicherweise sind es die traurigsten und dringendsten — ohne Pflegegeld aufnehmen können. Grundsätzlich wurde ein Pflegesatz von 80 Pfennig bis 1 Mark normiert, was freilich die Selbstkosten nicht deckt. Die Heimkommission des Jüdischen Frauenbundes besteht r aus den Damen Fräulein Bertha Pappenheim, 1. Vorsitzende, Frau Bertha Holzmann, 2. Vorsitzende, Frau Anna Oelsner, Schriftführerin. Frau Recha Schwelm, Kassenführerin, Schwester Oberin Minna Hirsch, Frau Gella Stern-Hirsch und Frau Johanna Stern-Goldschmidt. Oesterreich-Ungarn. W. Wien, 30. Juli. Ein braver und wackerer Mann, im Bannkreis der Seitenstettengasse aufgewachsen und ihr mit Leib und Seele ergeben, der mit seinen Jugenderinnerungen noch an die hervor- R ragenden Persönlichkeiten der'älteren Generation der Wiener Kultus- 1 gemeinde anknüpfte, Redakteur Friedrich Herrnfeld, ist Freitag den I 23. d. M. nach kurzem Leiden im 59. Lebensjahre gestorben. In I den zahlreichen Kreisen, mit denen Friedrich Herrnfeld während seiner I langjährigen journalistischen Tätigkeit in Ausübung seines Berufes I

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