Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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13. Jahrgang Nr, 32. JUItlntttBfltß* 6-Au2ust ,909- Veilagr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" Korrespondenten und Mschrichten. Deutschland. — Berlin, 2. August. Der Verband der Deutschen Juden wird, wie schon mitgeteilt, seine diesjährige (dritte) Hauptversammlung in Breslau abhalten, und zwar am 17. Oktober. Die von nahezu allen Gemeinden und den wichtigen jüdischen Verbänden und Vereinen im Reich entsandten Delegierten werden Gäste der Jüdischen Gemeinde in Breslau sein, die bereits Vorbereitungen für deren Aufnahme trifft. — Am 16. Oktober sollen ein Empfang und eine Vorbesprechung im Breslauer Freundesaal stattfinden. Auf der Hauptversammlung, die öffentlich im großen (für zirka 1800 Personen eingerichteten) Saal des Konzerthaüses tagen wird, werden folgende Vorträge gehalten werden: von Herrn Rabbiner Dr. Guttmann, Breslau: „Die Idee der Versöhnung im Judentum*, von Herrn Justizrat Breslauer, Berlin: „Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen", von Herrn Abgeordneten Justizrat Wolfs- Lissa: „Die Juden der Ostmarken; was haben sie dem preußischen Staate und was hat er ihnen geleistet?" Die vorige Hauptversammlung tagte 1907 in Frankfurt a. M. im Saalbau und war von über 2000 Personen (darunter auch offizielle Vertreter der Regierungs- und Stadtbehörden) besucht. z. Berlin, 3. August. Gegenüber allerlei täppischen Anrempelungen von seiten antisemitischer Studentenvereinigungen erklärt die „Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes" klipp und klar: „Der „A. D. B." schließt seinem Partei- und konfessionslosen und seinem deutsch-nationalen Standpunkt entsprechend auf deutschem Boden stehende jüdische Studenten nicht aus, wie es auch früher vor der großen Antisemitenhetze alle studentischen Körperschaften nicht taten, auch Korps- und Burschenschaften nicht, ohne daß diese dadurch Schaden erlitten, und ohne daß sie. wie man jetzt so schön sagt, „verjudet" wären." Diese Erklärung wird hoffentlich die hämischen Stimmen der Gegner zum Schweigen bringen. — Berlin, 29. Juli. Vom Komitee zur Vorbereitung eines hebräischen Kongresses geht uns folgende Zuschrift zu: Nach einem langwährenden Stillstand in den Lebensäußerungen der hebräischen Sprache haben die das Judentum aufrüttelnden letzten Dezennien auch darin einen tiefwurzelnden und hochbedeutsamen Umschwung gebracht. Unsere Generation ist Zeugin dessen, wie aus demselben historischen Prozeß nicht nur eine umfangreiche und vielverfprechende^Literatur erwächst, sondern auch die hebräische Sprache frische Kräfte schöpft, um auf den jüdischen Organismus befruchtend zurückzuwirken. Noch sind es mühevolle Anfänge, tastende Versuche, in deren Dienst viele junge Talente ihre Individualität stellen, aber auch schon jetzt entwickelt sich neben einer allgemeinen hebräischen Presse, die allein Zehntausenden Juden die Güter des Geistes bringt und die jüdischen Volksinteressen konzentriert, neben einer im Aufblühen begriffenen Belletristik und einer auf alle Lebenswie Zeitprobleme reagierenden Publizistik ein ausgedehntes hebräisches Schulwesen, das hie und da in Osteuropa, namentlich aber in Palästina die Sprache der Väter zur Unterrichtssprache erhebt, weiter ausbildet und zu einem lebensfähigen Element adelt. Drüben im Osten gibt es schon ganze Scharen von Kindern, denen das Hebräische zur Muttersprache geworden, die im Hebräischen ihre psychische Vereinheitlichung stählen und auch in der Alltäglichkeit ihre Wiedergeburt voll erleben. Der Orient kennt bereits ganze Gebiete, in denen die durch ihre Geburt sprachlich getrennten Judenteile natürlicherweise nur im Hebräischen ein Verständigungsmittel finden, und beweist mit zwingender Logik, daß die Sprache-der Bibel mit ihren weiteren Formierungen das natürliche einigende Band der Gesamtjudenheit zu werden berufen ist. Selbst in jenen Ländern, in denen das Hebräische einem verwüstenden Jndifferentismus zum Opfer gefallen ist, fühlt man leise sich durchringende, bald bewußte, bald unbewußte Strebungen, ein merklich erwachendes und steigendes Interesse für die totgeglaubte und aufgegebene Sprache unserer Väter. Wo aber, wie in den anderen Ländern der großen Judenmassen, das Interesse in die Tat sich umgesetzt hat, da haben die positiven Ergebnisse bereits ihre Geschichte hinter sich und sind eine Folge mannigfacher Unternehmungen und Notwendigkeiten. Allein, was alle diese über die ganze Welt zerstreuten Kräfte schaffen, entbehrt noch der Einheitlichkeit, des programmatischen Zieles, der kraftschaffenden und richtunggebenden Zentralisation. Aus dieser Erkenntnis erwuchs der Gedanke an die Unentbehrlichkeit eines Kongresses für Hebräische Sprache und Kultur, der sich mit den kurz gestreiften Problemen eingehend befassen und der Konsolidierung der hebräischen Kräfte organisatorisch dienen soll. Diese Erkenntnis hat auch das Unterzeichnete Komitee veranlaßt, von einer Spezialkonferenz die Aufgabe der vorbereitenden Schritte zu diesem Kongreß mit Freuden zu übernehmen, von der Hoffnung getragen, daß dieser Anfang zum Ausgangspunkt weiterer Entwicklungsmöglichkeiten werden wird. Aus dem Appell zur Einberufung des Kongresses geben wir im nachstehenden einen Auszug: „Es sind in unserer Zeit mancherlei Organisationen und Institutionen begründet worden zur Pflege der hebräischen Sprache, zur Förderung der hebräischen Literatur, zur Ausgestaltung der hebräisch-sprachlichen Erziehung; aber alle diese Gründungen und Gruppierungen, die nur dem Wohlwollen und der Initiative von Privaten überlassen sind, zersplittern ihre Kräfte, durchkreuzen einander oder streben gar einander entgegen. Jeder einzelne arbeitet nach eigener Einsicht und auf eigene Verantwortung, und darum.bleibt diese Arbeit nur Stückwerk. Streben wir daher danach, der hebräischen Kultur die Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, die ihr gebühren, so müssen wir den Weg aller Gemeinschaften gehen, die leben wollen: wir müssen eine Gesamtorganisation schaffen, die alle Kräfte des lebendigen Hebräismüs in sich sammelt und zu organischer Tätigkeit vereinigt. Um diese Organisation zu schaffen, berufen wir alle, die gleich uns ihre Notwendigkeit erkannt haben, zu einem Kongreß für hebräische Sprache und Kultur, der im Dezember dieses Jahres stattfinden wird. Die Aufgabe des Kongresses wird darin bestehen: 1. Die Grundlagen und das Programm einer Eesamtorganisation zur Förderung der lebendigen hebräischen Sprache, der hebräischen Literatur und der hebräisch-sprachlichen Erziehung auszuarbeiten. 2. Eine sichere reale Basis — etwa in der Form der Begründung eines Fonds — zu finden, die allen Teilen dieser Tätigkeit den Bestand sichern soll. Der hebräische Kongreß ist nicht die Versammlung dieser oder jener Gruppe und Partei, sondern eine allgemeine jüdische Versammlung, an der jeder Jude teilnehmen kann, der die hebräische Sprache als eine lebenskräftige betrachtet und an einer organischen Arbeit im Dienste ihrer Wiedergeburt mitzuwirken wünscht. Die Tagesordnung und die in Aussicht genommenen Referate sowie die genauen Angaben über Zeit und Ort werden demnächst mitgeteilt werden. Das vorbereitende Komitee in Berlin: Dozent Dr. E. Baneth. Rüben Brainin Dr. Martin Buber. Berthold Feiwel. S. I. Hurwitz. Dr. Schmarja Levin. Rabbiner Dr. Emil Levy. Dr. Heinrich Löwe. Privatdozent - Dr. Eugen Mittwoch. A. L. Motzkin. Rabbiner Dr. M. Warschauer Dr. L. Wilensky. Das Sekretariat: B. Gottlieb. Josef Lin. Adresse: Herrn Dozenten Dr. E. Baneth, für Kulturkongreß-Komitee, Berlin C., Rosenthaler Straße 25. rg. Liegnitz, 26. Juli. Der Verbandsausschuß der Synagogengemeinden des Bezirksverbandes Breslau» Liegnitz, der soeben seinen Bericht für das zwölfte Geschäftsjahr hat erscheinen lassen, hat zur Hebung des geistigen Lebens in den Verbandsgemeinden eine Wanderbibliothek geschaffen, die sich allmählich einzubürgern beginnt. Während die Gemeinden anfangs nur zögernd von der neuen Einrichtung Gebrauch machten, kommen jetzt die Wünsche um Zusendung der Wanderbibliothek in so großer Zahl, daß der Verband nicht allen gerecht werden kann. Besonders erfreulich ist, daß die jüdischen Jugendschristen der Bibliothek recht eifrig gelesen wurden... Da die Kenntnis der jüdischen Geschichte und das Verständnis für Lehre und Wesen des Judentums die wirksamsten Mittel sind, um in der Jugend die Treue zum Glauben