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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-08-06 · Heft 32 (6.8.1909) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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384 „Der Unglückliche! Alfred, ich bitte Dich, kannst Du ihm nicht helfenV „Aber Kind, hier in Rußland! Ich?" „Suche den Paß ... dort im Winkel, wo er geschlafen .. Ohne sich weitere Rechenschaft über sein Tun zu geben,' stürzte Alfred nach dem Platze zu. Es war ihm, als hatte Agathe recht, als müsse er, der selbst soviel Glück empfunden an diesem Abend, für den Aermsten etwas tun. .. Ein wirres Durcheinander von Paketen- Kleidungsstücken, Mänteln, Tüchern und Reisebündeln war dort aufgehäufk. Dazwischen Körbe mit Lebensmitteln, ja sogar die schnatternden, piepsenden Töne lebendigen Geflügels drangen ihm entgegen. Die mit dem Zuge angekommenen Leute hatten dort in dem dunkeln Winkel bis zur Weiterfahrt ihr Handgepäck nach vollzogener Revision aufgestapelt. Es schien unmöglich, aus diesem Chaos etwas herauszufinden. Ratlos stand er einen Augenblick da und ließ seinen Blick über den wüsten Haufen dieser ärmlichen Habseligkeiten schweifen. Eine Ratte, die unbekümmert um den Lärm im Vordergründe an einer weggeworfenen Wurstpelle knabberte, huschte bei seiner Annäherung unter den Sachen hinweg-Ein Ekel ergriff ihn, und er wollte schon umkehren, als ein Schrei, wie ihn nur ein Mensch in Todespein ausstößt, ihn festhielt... „Boze moj Boze!“1) rief neben ihm eine Weiberstimme. —-Man hatte den Mann dort wieder gestoßen. Steinfels wendete sich um. als er über etwas stolperte. Er bückte sich und hielt einen Stiefel in der Hand, aus dem, als er ihn aufhob, ein Papier, ein grobes, graues Papier herausfiel. Er rieß es hastig aus... in demselben das rötlich-braune Büchel mit den grünen Seiten, ein — deutscher Paß! (Fortsetzung folgt.) Sxrechsaal. A*>er Hilfsverein der Deutschen Juden sieht sich veranlaßt, folgende Erklärungen zu veröffentlichen: 1. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat sich niemals zum Programm des Zionismus bekannt oder zionistische Tendenzen gefördert. Allerdings ist er immer bereit, ohne Voreingenommenheit mit jeder Organisation in konkreter praktischer Arbeit sich zusammen zu finden. 2. Die hebräische Sprache dient in unseren Kindergärten als Unterrichtssprache, weil sie bei den vielsprachigen Elementen die gegebene einheitliche Unterrichtssprache ist. Es ist dies eine pädagogische Notwendigkeit, der sich niemand verschließen kann, der die Verhältnisse an Ort und Stelle kennt. Hat doch aus denselben Erwägungen heraus auch der Chachan, Baschi in Konstantinopel neuerdings verfügt, daß sämtliche Berichte und Eingaben an ihn, um die Vielsprachigkeit zu vermeiden, in hebräischer Sprache äbgefaßt sein sollen. 3. Bei der Auswahl der Lehrer und Lehrerinnen wird der Hilfsverein ausschließlich davon geleitet, Persönlichkeiten anzustellen, deren religiöser und sittlicher Lebenswandel zu keinen Bedenken Anlaß gibt, und deren pädagogische Fähigkeiten dem ihnen anzuvertrauenden Amte entsprechen. Der Hilfsverein hat mit seinem Lehrpersonal die . besten Erfahrungen gemacht, und es ist ihm nie bekannt geworden, daß seine Lehrer und Lehrerinnen die vom Hilfsverein aufgestellten Grundsätze für die Erziehung und den Unterricht nicht innehalten. Die Grundsätze unseres Erziehungswerkes haben sich aufs trefflichste bewährt. Nach der Verschiedenheit der lokalen Bedürfnisse — nur diese sind maßgebend — ändern sich selbstredend auch Unterrichtssprache und Unterrichtsgegenstände. Im Orient bezweckt unser Schulwerk, eine bodenständige, mit den Heimatsprachen vertraute, ihrem Vaterlande ergebene, mit ausreichenden Kenntnissen für ihr Leben und Wirken in der Heimat ausgerüstete und ihr Judentum ächtende Jugend heranzubilden. 4. Das Fundament unserer Erziehungstätigkeit im Orient bilden naturgemäß die Kindergärten. Aber auf diesem Fundamente haben wir in der kurzen Spanne Zeit ein Schülwerk errichtet, wie in demselben Zeitraum nie eine Organisation zuvor. Das Schulwerk, an dem wir beteiligt sind, umfaßt heute 14 Kindergärten, 18 Knaben- und Mädchenschulen, 2 Handelsschulen, 1 Haushaltungsschule, 1 Lehrerseminar und 2 Mädchenheime. Außerdem hat der Hilfsverein zu der Begründung des jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina zu Haifa, das jetzt ins Leben tritt, die Initiative gegeben. 5. Unsere Schulen entsprechen, was den religiösen Standpunkt anbelangt, sowohl den religiösen Anschauungen der einheimischen Bevölkerung als auch den Forderungen der religiösen Autoritäten im Abendland. Das muß uns genügen. Hilfsverein der Deutschen Juden. James Simon, Vorsitzender. Geehrter Herr Redakteur! die Erwiderung des Herrn Lehrers W. Katz in AscheniX hausen in der Nr. 30 dieser Zeitung habe ich zu wiederholen, daß es auf Wahrheit beruht, daß die Gemeinde Aschenhausen in ihrem Statutenentwurfe aus dem Jahre 1881 bestehende Kultusgesetze zu beseitigen suchte. Da mir das Staatsbeamtengesetz Amtsverschwiegenheit auferlegt, bin ich nicht in der Lage, Akten des Großherzoglichen Landrabbinats zum Beweise für die Richtigkeit meiner Ausführungen zu veröffentlichen. Was den neuerdings vorgebrachten Paragraphen über Vorbeter usw. betrifft, so ist hierzu nur zu bemerken, daß sämtliche Gemeindefunktionäre, also auch die Vorbeter, bei Einführung eines neuernannten Landrabbiners diesem gesetzlichen Gehorsam anzugeloben haben, was der Herr Einsender selbst wissen muß. Stadtlengsfeld. 25. Juli 1909. Dr. Wiesen, Großherzoglich Sächsischer Landrabbiner. Geehrter Herr Redakteur! ^u Ihrer Mitteilung über den jüdischen Indianerhäuptling erlaube O ich mir. Ihnen folgendes zu bemerken: „Ende der 1860er Jahre wanderte in der Tat der Sohn eines jüdischen Lehrers aus Westfalen nach Neu-Mexiko (Vereinigte Staaten) aus. Im Laufe der nächsten Jahre ließ er mehrere seiner zahlreichen Geschwister Nachkommen, die ihren Eltern reichliche Unterstützung zukommen ließen. Der zuerst Ausgewanderte (nennen wir ihn B. S.) heiratete nach einigen Jahren eine Mexikanerin und wurde in den 1870er Jahren tatsächlich Häuptling eines Jndianerstammes. Bis vor wenigen Jahren, bis dahin reichen die Informationen, lebte er bei dem betreffenden Stamme hochangesehen. S. M. V^or einigen Jahren ist ein Mann aus Russisch-Polen nach Deutschland gekommen, um sich hier eine Stelle als Kantor und Schächter zu suchen. Er ist hager, hat ein schwarzes Bärtchen und steht im 34. Lebensjahre. Sein Name ist Moses Segolowitz, seine Heimat Neuhof bei Warschau. Er hat seine Frau und zwei Kinder nach achtjähriger Ehe in der größten Not in der Heimat zurückgelassen, ohne seitdem auch nur ein Lebenszeichen von sich gegeben zu haben. Rabbiner, Lehrer und Kantoren, sowie die Vorsteher und Pfleger der Armenbereine werden höflich ersucht, ihr Augenmerk auf die gesuchte Person zu richten-und mir gefälligst über den Aufenthalt nähere Auskunft zu geben. Graudenz, den 25. Juni 1909. D. Mannheim, Lehrer und Gemeindesekretar. Druck und Verlag von Rudolf Motse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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