Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- Seite 372 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Müller erschien zugeknöpfter. . . . „Ich weiß nicht, welches. Interesse mein Chef ..." ' d „Aber mein lieber Herr Müller, Sie werden sich doch vor mir keine. Gene auferlegen. Was hier gesprochen wird, bleibt unter uns, Diskretion, Ehrensache" . . „Trotzdem weiß ich nichts Bestimmtes. Alles nur Vermutungen. Nur so viel steht fest, daß vor etwa zwei Jahren, als Grosser die Fabrik ungefähr ein Jahr lang hatte, er mit seinem Kompagnon über das Konsulat eine Unterredung hatte- Sie sprachen so 'laut und erregt, daß ich nebenan davon, unwillkürlich natülich, manches hören konnte". „Erzählen Sie, lieber Freund" . . . „Grosser schien Steinfels, das ist der sogenannte Kompagnon" ... „O, ich kenne seine Frau und Schwägerin" ... ,/Ne hochmütige Bourgoissecle mit "nem vernickelten Ehrbegriff — klar beweisen zu wollen, daß es für das Geschäft vorteilhafter wäre, wenn er den Titel Konsul trüge; der andere schien das nicht recht einsehen zu wollen. Es setzte böse Worte" . . „Nun, und den Konsul?" „Hi, hi, hi! . . der kommt noch! Jedenfalls ist er bar bezahlt. Einige Tage nach dieser Unterredung gingen verschiedene merkwürdige Leute bei uns ein und aus, so"ne verschnuffelten, schlauen Visagen, bis endlich eines Vormittags einer mit de distinguierte Haltung erschien. Buntes Bändel im Knopfloch, nobler Kahlkopf, elegante Manieren, goldener Zwicker und . . . leere Taschen wahrscheinlich. Drin gab"s seines Frühstück und komplimentöses Gerede. . . . Der Kahlkopf sprach von den Verdiensten des Herrn Grosser, auf die an rechter Stelle hingewiesen werden müsse." „Und dann?" fragte der Journalist in höchster Spannung. „Und dann ... na dann machte ich eines Tages der deutschen Bank "ne Visite, und am andern Morgen hatte der Herr Baron ..." „Nun?" „Zwanzigtausend 3V2prozentige preußische Konsols mit den Kupons in Händen als Opsergabe für brasilianische, oder portugiesische, oder belgische Stiftungen wahrscheinlich!" „Aber was sagte Steinfels?" „Gar nischt! Es war ja nicht sein Geld. Und wenn Grosser übergeschnappt ist, so hat Steinfels nichts drein zu reden . . . Suum cuique sagt der Lateiner; Grosser kann sich das leisten . . . aber's dicke Ende kommt nach. Drei Tage nachher war der Baron verspurlost — weg — auf Nimmerwiedersehen!" „Die Geschichte fällt mir eben wieder ein. Es machte damals rechtes Aussehen". „Na wir trugen nichts dazu bei. Wir meldeten uns nicht als die Geprellten." „Aber was kann Herrn Grosser jetzt plötzlich veranlassen, über den Betrüger etwas erfahren zu wollen? „Das weiß ich nicht! Die Geschichte bleibt unter uns ..." Müller erhob sich . . . „Natürlich lieber Freund . . . Und wenn Sie mir wieder einmal Gesellschaft leisten wollen . . . Zigarre und ein seines Gläschen finden Sie bei mir stets ..." „Danke, danke, Herr Doktor!" „Herrn Grosser sagen Sie, daß ich heute nach der Börse ihm Bescheid geben werde. Ich werde mich unauffällig über die Sache orientieren." „Werde alles ausrichten. Nochmals schönsten Dank für gute Bewirtung," „Auf Wiedersehen, Herr Müller!" m 8tt§; die Tür sich hinter dem Davongehenden geschlossen hatte, huschte ein zufriedenes Lächeln um Saulmanns Lippen. „Angenehmer Mitbürger," murmelte er in den Bart, „aber der Kerl ist zu gebrauchen, wenn ich über das Haus Grosser etwas erfahren will, was, wie es scheint, seit . gestern nachmittag leicht möglich sein dürfte. — Fräulein Luise Hausdorf. . . seine Schwägerin . . er setzte sich wieder an den Schreibtisch und begann eifrig zu schreiben: . . . „wir müssen in dieser Jagd nach dem Mammon, die jetzt in noch nie dagewesener Weise die Börse auf spürt und die Spieler bald in wilde Jäger, bald in gehetztes Wild verwandelt, nach höheren ethischen Momenten suchen, ehe wir dieses Haschen nach leichtem Erwerb verurteilen" . . . Das Mädel ist häßlich, aber schwerreich ... Hausdorf Gebrüder -hat einen riesigen Geldsack gehabt . . . wie entzückend dagegen die kleine Else und wie romantisch und schwärmerisch und treugläubig." Er fuhr in seiner von diesen Bemerkungen unterbrochenen Arbeit fort. „Uebrigens muß der alte Kognakgauner über die Damen auch manches wissen, denn sie gehören ja zu Edmund Grossers Kompagnon. Jedenfalls ist das alles interessant und folgenschwer . . . folgenschwer wird sich' das blinde „Hosiannageschrei" in das' „Kreuziget" verwandeln ... Er schrieb jetzt ohne Unterbrechung weiter mit fliegender Feder, denn ein Blick auf die Uhr hatte ihn belehrt, daß es Zeit sei, in die Redaktion und dann zur Börse zu gehen-„Punktum, Schluß!" Er faltete seinen Artikel zusammen, legte ihn in sein Portefeuille und ging in sein Schlafzimmer, um Toilette zu machen. „Frau Reimers, etwas warmes Wasser, wenn ich bitten darf..." „Sogleich, Herr Doktor!" Wohlgefällig betrachtete er sich im Spiegel: „Gut veranlagt!" sagte er zu sich selbst. Als er eine Viertelstunde später leichtem Fußes die Treppen hinabsprang, trällerte er vor sich hin: „Süße Kleine, glaub" an mich!" (Fortsetzung folgt.) Syrechsaal. Geehrte Redaktion! amens der Israelitischen Allianz und im eigenen Namen drücke ich Ihnen die innigste Teilnahme aus anläßlich des Hinscheidens Ihres um die Popularisierung unserer Literatur und Verbreitung der Kenntnis unserer Geschichte hochverdienten Redakteurs Herrn Dr. Gustav Karpeles. Das Andenken dieses edlen Mannes wird auch in seinem österreichischen Heimatlande stets in Ehren gehalten werden. Wien, 22. Juli 1909. Dr. Kaminka. A ‘ Löbliche Redaktion! nterfertigter bittet um Ausnahme folgender Notiz in Ihr hochgeschätztes Blatt: Erschüttert von dem plötzlichen Tode unseres hochverdienten Ehrenmitgliedes, des Herrn Dr. Gustav Karpeles, will Unterfertigter sich nicht darauf beschränken, demselben in corpore die letzten Ehren zu erweisen, sondern beabsichtigt, ihm eine besondere Gedenkfeier zu veranstalten und hierzu die dem Verschiedenen nahestehenden Kreise einzuladen. Mit Rücksicht aber auf die unmittelbar bevorstehenden Ferien, die zahlreiche Mitglieder des Unterfertigten von Berlin fernhalten, hat Unterfertigter beschlossen, die Feier bis auf das. nächste Semester zu verschieben. Wir werden uns alsdann erlauben, die Aufnahme einer dementsprechenden, weiteren Notiz in Ihr hochgeschätztes Blatt zu erbitten.; Der Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur i. A.: F. Jacobsohn, stuä. zur. Druct und Verlag von iRubolf M o sie in Berlin. Verantwortlich für die Stedaktion: Max Bauchwitz in Berlin.