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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-30 · Heft 31 (30.7.1909) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
Seite 369 (sequence 11)
Language
German
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' -- .369 - Aber damit haben sie sich nicht begnügt. Sie haben den von der ganzen Kulturwelt verehrten Mann, mit dessen künstlerischen Leistungen-und philosophischen und theologischen Anschauungen man ja nicht übereinzustimmen braucht, als einen Poseur und Faiseur, als einen Heuchler und Betrüger öffentlich - hingestellt. . Damit haben die Antisemiten nur sich selbst charakterisiert. ' E .. Ludwig Nhisnd und kirchenrst Är. Wsllermsnn. Von Dr. A. Köhut. ur wenige Jahre war es Ludwig Uhland beschieden, - seine akademische Laufbahn zu verfolgen. Man weiß, daß der akademische Senat in Tübingen den berühmtesten -schwäbischen Dichter des vorigen Jahrhunderts und den ausgezeichneten germanischen Forscher, besten 1822 erschienene grundlegende Schrift über Walther von der Vogelweide und andere Arbeiten ihn mit einem Schlage in die Reihe der ersten deutschen Germanisten gestellt hatten, zu einer außerordentlichen Professur der deutschen Sprache vorgeschlagen hat. Die württembergische Regierung besann sich aber volle anderthalb Jahre, denn der schneidige und gesinnungstüchtige Freiheitssänger, der stramme Demokrat war ihr nichts weniger als eine per8ona grata. Endlich erfolgte seine Ernennung, und 1830 nach den Osterferien begann er in Tübingen seine Vorlesungen im größten akademischen Hörsäal „über die Geschichte der deutschen Poesie im XIII. bis XIV. Jahrhundert". Trotzdem er als Dozent große Erfolge erzielte, und obschon er, wie alles im, Leben, mit dem größten Eifer auch die akademische Karriere erfaßte, so war doch sein Lehramt an der Universität schon im Herbste 1832 zu Ende. Ludwig Uhland hatte nämlich Nicht Urlaub erhalten, um seinen Sitz in der der schwäbischen Negierung . Opposition machenden Kammer einzunehmen, infolgedessen er seinen Abschied nahm, welcher ihm am 22. November 1832 vöm Minister Schlaher „sehr gern" erteilt wurde. Diese kurzen drei Jahre gehörten zu der schönsten Erinnerung des großen Dichters und edlen Menschen, und noch als Greis sprach er sehr gern mit seinen Freunden über jene schöne Zeit, welche er im Kreise seiner zahlreichen Schüler verlebte. Ludwig Uhland las nicht frei, alle seine Manuskripte waren sorgfältig ausgearbeitet, und er dozierte mit kräftiger und markiger Stimme. Einer seiner Schüler, Dr. Klüpsel berichtet uns, daß er sein Bestes gab, weil er sich mit ganzer Seele in den Stoff der germanistischen Forschung, welche er seit seiner frühesten Jugend mit Begeisterung trieb, vertieft hatte. Das, was er vortrug, war nicht ein zum Behuf der Vorlesung im Drange des täglichen Bedürfnisses niedergeschriebenes Heft, sondern die Frucht vieljähriger Arbeit. Wie sehr er die Studenten zu begeistern wußte, beweist schon die eine Tatsache, daß er gleich nach der ersten Vorlesung durch einen, stattlichen Fackelzug und ein Ständchen geehrt wurde. Von den Schülern Uhlands, die insgesamt mit Verehrung an ihm hingen, haben sich mehrere literarisch, im Berus oder sonst im öffentlichen Leben, einen geachteten Namen erworben. Mögen hier einige derselben angeführt werden. Zuvörderst seien Hier die Professoren Adelbert v. Keller, Franz Pfeiffer und Wilhelm Ludwig Holland genannt. Die-- selben , haben/sich durch die Herausgabe von „Uhlands Schriften zur -Geschichte der Dichtung und Sage" (acht Bände,; Stuttgart 1865 bis 1873) um die Manen ihres Meisters so- . « wohl wie um die germanische Wissenschaft ein hohes Ber-'! dienst erworben.: Doch nicht allein Germanisten: von Fach waren Schüler Uhlands, sondern auch Juristen/ Theologen, Philosophen, Mediziner usw. So war z. B. der Dichter' und Kriminalist Ehr. Reinhold Köstlin, der als Professor der Rechte in Tübingen 14. September 1856 starb, ein Jünger Uhlands. Kein Geringer wie der berühmte Philosoph Eduard Zeller gehörte gleichfalls zu den Schülern Uhlands; an eine Arbeit des ersteren: „Ueber den Standpunkt der altgriechischen Kunst" knüpfte der letztere eine sehr interessante, knnstgeschichtliche Betrachtung, wenn er z. B. „das sinnige Auge" rühmt, womit der Verfasser seinen Gegenstand betrachtet habe. Zu den Zuhörern des Professors Ludwig Uhland gehörten u. a. noch: Ludwig Georgii, Hermann Reuchlin, Adolf -Helfferich, Wagner von Lauffenburg, Albert Schott und die Dichter Eduard Mörike, Gustav Pfizer, Hermann Kurz und Karl Fetzer. Einer der Lieblingsschüler Uhlands war der stud. theol. W.W ass erm ann, später Kirchenrat und geadelter Oberrabbiner in Stuttgart. Durch die Freundlichkeit desselben bin ich schon vor Jahren in den Besitz der beiden nachstehend abgedruckten und bisher noch nicht veröffentlichten Briese Ludwig Uhlands gelangt, welche beweisen, wie gern der Dichter jener Jahre der Dozentenzeit eingedenk war. Dieselben läuten: I. Entschuldigen Sie, hochgeehrter Herr Doktor, die verspätete Zurückgabe Ihrer freundlichen Mitteilung. Es hatten sich gleichzeitig sechs poetische Manuskripte auf meinem Tische zusammengesunden. Möchten nur auch die anderen alle mich gleich angesprochen haben oder noch ansprechen können, wie das Ihrige. Durch das bemerkte Zusammentreffen hat sich mir freilich die Erfahrung bestätigt, daß die Kritik in diesen Gebieten seit geraumer Zeit vorzugsweise dem germanischen Altertum zugewandten Studien sehr fern liegt. Um - einem neuen Erzeugnis im Fache der schönen Literatur seine Stellung richtig anweisen zu können» muß man mit dem gegenwärtigen Stande . derselben im ganzen näher bekannt sein, als dies bei mir der Fall ist. Ihre Erzählung hat, nach meinem Bedünken, Naturgemälde'und Sittenschilderungen aus dem Orient, so daß, was den Stil betrifft, die Spruchrede und, ohne Ueberladung, auch die Bildersprache des /Morgenlandes, mit den Vorgängen des inneren Lebens zu wirksamem Gesamteindruck verbunden. Dazu stimmt auch die gewählte Form, daß der Erzähler das Wort au seine Pflegetochter richtet; nur in dem Abschnitt erscheint dies mißlich, welcher den Fehltritt der Mutter schildert. Ich bin mit Mohammeds geschichtlichem Charakter zu wenig vertraut, um voraussetzenzu können, welchen Gang Ihre Darstellung fortan nehmen wird, aber gewiß eröffnet sich ihr ein weites Feld . bedeutungsvoller Entwicklungen eines gewaltigen Geistes und der von ihm hervorgerufenen Volksgeschichte. Mit freundschaftlicher Hochachtung Ihr ergebenster Tübingen, 21. Dezember 1855. ' L. U h l a n d. - - ■ . / ' . II. Hochgeehrter Herr Doktor! Seit Empfang Ihres schätzbaren Geschenkes drängten sich bei mir verschiedenartige Abhaltungen, die mir den stillen Genuß einer größeren poetischen Arbeit nicht gestatten wollten. Doch kenne ich ja den edlen Geist Ihrer nunmehr zum Abschluß gebrachten Dichtung schon aus der früheren, teilweisen Mitteilung und darf es jetzt nicht länger anstehen lassen, noch vor dem für nächsten Monat beabsichtigten Antritt einer Reise, Ihnen für die werte Gabe selbst und für die sehr freundlichen Zeilen, mit denen Sie dieselben begleitet haben, meinen herzlichsten Dank auszudrücken. Bei einer Rückerinnerung an jene wenigen Jahre, die ich dem akademischen Lehrberufe widmen konnte, werden mir die jugendlichen Geister lebhaft gegenwärtig, mit denen ich damals in nähere Äerührüng kam, und welche, wie sie mcmnig- ' fach begabt waren, nachher auch in so vielgeteilte Lebensbahnen eiw getreten sind.- 'Zeichen einer fortdauernden Anhänglichkeit haben mich —~ y?1-.»so*«’. °> »»_'-i g .>-v \

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