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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-30 · Heft 31 (30.7.1909) · page 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ fiir alles jüdische Interesse. Berlin, 30. Juli 1900. 73. Jahrgang. Nr. 31. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch Buchhandel oder Post (in Berlin u. Vororten durch unsere pertriebspellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Begründet von Rabbiner D*. LüdEg Philippson. VerlssL-LlveMm: BerHn, Jernsalemer Str. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion Expedition find an die Adresse: Verlag der ^Allgem. Zeitung des Judentums*» Berlin 8W., Jerusalemer Stratze ^6/4-, za richten. Gustav Btarpeles as Judentum hat einen großen Verlust erlitten. Einer seiner edelsten und besten Söhne, der weithin gekannte und allgemein beliebte Redakteur dieser Zeitung, Dr. Gustav Karpeles, ist am 21. d. M. in Bad Nauheim, wo er Heilung von einem tückischen Herzleiden zu finden hoffte, plötzlich vom Tode ereilt worden. Die erschütternde Botschaft traf uns alle, die wir ihm nahe standen, wie ein Blitz aus heiterm Himmel, und sie trägt nun Trauer und Klage in die weitesten Kreise unserer Glaubensgemeinschaft, die gleich uns den herben Verlust, von dem das Judentum und seine Literatur jetzt betroffen worden ist, auss schmerzlichste empfinden, mit uns den verheerenden Brand, den der Herr in diesen Tagen der Trauer um. das zerstörte Heiligtum, um die zerschellte Zionsharfe so jäh angezündet, aufs tiefste und innigste beklagen. Wie einst Salomo ben Gabirol seinem Schmerz über den Tod des Gaon Hai, möchten auch wir unserer tiefen Trauer mit den Worten Ausdruck verleihen: „Stimmt Klagen an, umgürtet Euch Mit Trauergewand! Gesang entfleuch! Gustav Karpeles — ist entschwunden." Ja, dieser edle Mensch, dieser überzeugungstreue Jude, dieser tapfere Kämpfer für die höchsten Ideale der Menschheit und für die Befreiung seiner Stammesbrüder aus den drückenden Banden der Finsternis und der Unwissenheit, er ist entschwunden, er ist dahin, fern unserm Auge, fern unserem Kreise, und wir Hinterbliebenen haben tausendfachen Grund, über seinen so unerwarteten Heimgang ernstlich zu trauern. Dr. Gustav Karpeles zählte zu den wenigen Bevorzugten, die der Verehrung und Liebe ihrer Zeitgenoffen schon bei Lebzeiten in hohem Maße sich erfreuen. In Eiwanowitz, einem kleinen Städtchen in Mähren, am 11. November 1848 als Sohn des hochgelehrten Rabbiners Elias Karpeles geboren, kam er in noch jugendlichem Älter nach Deutschland, besuchte in Breslau das Rabbiner-Seminar und studierte aus der Universität Philosophie und Geschichte. Nachdem er dort den Doktor der Philosophie erworben hatte, kam er nach Berlin und widmete fich hier mit großem Eifer literärgeschichtlichen Forschungen, die ) bald die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf ihn. lenkten. Seine universelle Bildung,- seine Kenntnisse auf dem Gehjete der jüdischen^ und deutschen. Literatur gewährten ihm nichts bloß einen ungewöhnlichen Ueberblick über: Orient - .und.. MHdent, sondern, .auch .interessante- Einblicker:in die,. Wechselwirkung deutschen und jüdischen Wesens, die für seine ganze literarische Tätigkeit bestimmend waren. . Schon seine erste im Alter von zwanzig Jahren veröffentlichte Publikation über Heine, zu deffen Geist er i aufblickte wie zu dem eines teueren Verwandten, galt i zugleich dem Judentums. Ja, schon der Titel dieser Schrift! „Heine und das Judentum" bezeichnete, wie einer seiner ' j Freunde treffend bemerkte, die zwei Hauptgebiete der Forschung, :i. die er in einem arbeitsreichen Leben unermüdlich bebaute.! Wir erachten es für überflüssig, das reiche literarische Schaffen,! die vielen Werke des Verblichenen hier mit Namen aufsj zuführen; wir wissen nur das eine: daß alles, was Gustav! Karpeles auf dem Gebiete der allgemeinen Literatur geleistet, direkt und indirekt auch die jüdische gefördert hat. Wir find der festen Ueberzeugung, seine vorzügliche Geschichte der j jüdischen Literatur, die anläßlich seines 60. Geburtstages in; zweiter Auflage erschienen ist, wäre nie entstanden, wenn er j nicht schon früher mit Studien der allgemeinen Literatur fich j befaßt hätte. Wir zitieren seine eigenen Worte, die er 1886 j als Vorbemerkung zur ersten Auflage seiner jüdischen Literaturgeschichte niedergeschrieben hat: „Von keinem [ dogmatischen und für keinen konfessionellen Standpunkt ist; diese Darstellung unternommen worden. Sie ist vielmehr einzig! und allein aus dem Bestreben hervorgegangen, den zahlreichen Bausteinen, die bereits zu dem großen, alle Nationen Und j Sprachen umfassenden Gebäude einer Weltliteratur gesammelt j worden find, die Darstellung einer Literatur anzureihen, die j eine der ältesten und zugleich auch eine der jüngsten ist, die | innerhalb jener allgemeinen Literatur wohl nicht den letzten Platz in Hinsicht auf ihre Bedeutung ausfüllen dürste, während j sie doch bis nun wo nicht den letzten, so doch sicher einen der j letzten Plätze unter den Literaturen * dM> KultMSvWyL . '£0 genommen hat." . ' -r ' 'Wf; ■ Mit besonderem Eifer widmete sich -der Verblichene seit' '""''"T* neunzehn Jahren der Leitung dieses Blattes und war wie deffen Begründer Dr. Ludwig Philippfon stets bestrebt, ohneven^_J liberalen Standpunkt zu verlassen, versöhnend und vermittelnd | zwischen den Parteien zu wirken und Freunden und Gegnern j Achtung vor den hohen Idealen des Judentums abzuringen. j Das war das Geheimnis seines Wertesden auch der , Gegner zu schätzen and zu würdigen , wußte, und so ist es 4 erklWW daß d6r Ruf unseres. verewigten Freundes an feine;

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