Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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neuen Gesetz leistet.die Regierung den Gehilfen der Geistlichen in din kleineren Gemeinden einen Zuschuß zu ihrem Gehalte bis 1000 Kronen jährlich. Da in Ungarn die jüdische Religion offiziell anerkannt und gleichberechtigt ist, so haben.auch die Rabbinergehilfen den Anspruch auf diese Staatshilfe. Die erwähnte Anfrage des Kultusministers dürfte aber kaum irgendwelchen wirklichen Nutzen für die jüdischen Gemeinden zur Folge haben, da die Regierung bisher den gesetzlich vorgesehenen Zuschuß an die Rabbiner selbst auch nicht geleistet har. * Frankreich. — Paris, 14. Juli. Amll.d.M.hat hier der Verwaltungsrat der „Jewish Colonization Associatio n" unter Vorsitz seines greisen Präsidenten M. N. Leven getagt. Anwesend waren die Herren: Dr. Blau-Frankfurt a. M., P. Esrera, H. G. Lousada, Dr. A. Netter, Vertreter der „Alliance Israelite Universelle"; C. L. Netter, Vertreter der Berliner, F. Philippson, Vertreter der Brüsseler Gemeinde und S. Reinach, ferner der Direktor Dr. Sonnenseld und die beiden Sekretäre E. Schwarzfeld und D. Cazes. Nachdem das Protokoll der Sitzung vom 28. Juni 1908 vorgelesen und genehmigt war, gab der Präsident einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit ber „Jewish Colonization Association" im abgelaufenen Jahre. Für Herrn Jsaäc Dreyfuß-Frankfurt a. M. ist noch kein Ersatz gefunden. Ferner wurde die Bilanz für 1908 vorgelegt und Decharge erteilt. Der Rechenschaftsbericht des Präsidenten Leven bringen wir in der nächsten Nummer zum Abdruck. Für heute nur kurz die folgenden Notizen: In den argentinischen Kolonien wären am Schluß des Berichtsjahres 15 771 Seelen Ackerbaubevölkerung (etwa 2500 mehr als im Vorjahre), die 84507 Hektar bearbeiten. Die Resultate ihrer Arbeit erlaubten ihnen nicht nur, sich zu ernähren, sondern auch noch Abzahlungen zu leisten. In 37 Schulen werden die 2529 Schulkinder der Kolonisten von 109 Lehrern unterrichtet. — Auch die Kolonisation in Brasilien macht gute Fortschritte. Die Seelenzahl beträgt 327, die Bodenfläche 4OO Hektar. — Auch bei den in den Vereinigten Staaten und in Kanada eingewanderten Juden bemüht sich die „Jewish Colonization Association", sie einer Existenz, besonders der Landarbeit, zuzuführen. In den Vereinigten Staaten beschäftigen sich bereits 2OOO jüdische Familien mit Ackerbau. — Die 20 Kolonien in Palästina mit 66OO Seelen entwickeln sich gleichfalls günstig/' — In Rumänien, wo den jüdischen Kindern fast alle öffentlichen Schulen verschlossen sind, subventionierte die „Jewish Colonization Association“ 32 jüdische Schulen und in Rußland 51 jüdische Elementarschulen und 38 jüdische professionelle Schulen. Die in Rußland und in Galizien errichteten Leihkassen wirken segensreich. [ ■' SÄ* - Vlin Osh und fern. Der Komponist Friedrich Gernsheim feierte am 17. d. M. seinen 70. Geburtstag. Am Großherzoglichen Konservatorium M Sondershausen fand an diesem Tage eine Gernsheim-Feier statt. — Dem Arzt der österreichischen Botschaft hier, Dr. Emil Klein, wurde der Professor-Titel verliehen. — Dem Rittergutsbesitzer Rich ard Israel auf Schulzendorf ist der Rote Adlerorden : IV. Klasse verliehen worden. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen XL. O. B. B., hat durch seine Vermittlung im Monat Juni 182 Personen in feste Stellung gebracht und außerdem noch 58 Personen vorübergehnd Beschäftigung nachgewiesen. — Eine Einladung zu Vorlesungen an der Harvey-Society in New York erhielt soeben Professor Dr. A. Magnus Levy. Die Vorlesungen vor den Mitgliedern der Gesellschaft soll im kommenden Winter stattfinden. — Drei hervorragende deutsche Mediziner habenpn Laufe dieses Monats die fünfzigste Wiederkehr des Tages begehen . können, an dem sie ihren Doktorgrad erhielten. Den Reigen eröffnete am 11. der ehemalige Göttinger Kliniker Geheimrat Ebstein, . der Verfasser der „Geschichte der biblischen und talmudischen Medizin", ihm folgt unmittelbar den nächsten Tag der ausgezeichnete Erlanger Physiologe Rosenthal, ein Lieblingsschüler des unvergeßlichen . Dubois, und dann Geheimrat Prof, Hermann in Königsbergs—- Dem praktischen Arzt, Geheimen Sanitätsrat;Dr. Sam u el Pirawer;zu Schöneberg,; wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. —- Der Landgerichtsrat Moritz Wechselmann zu Memel hat den Roten Adlerorden IV..Klasse, erhalten. — In Wongrowitz wurde zum Rabbiner Dr. Friedmann, biher. in Grätz, gewählt. Derselbe tritt zum September sein Amt an. Der von jüdischen Blättern gefeierte Geheime Justizrat Prof. Schloßmann in.Kiel war .längst getauft. .— Geheimer Sanitätsrat Dr. Friedrich.End emann, Ehrenbürger von Kassel, ehemaliger nationalliberaler Reichstags-; und Landtagsabgeordneter, ist im 76. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene gehörte zu den Gründern des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, dessen Vorstand er jahrelang angehörte. Besonders um die Bekämpfung der antisemitischen Bewegung in seiner Heimat hat sich Dr. Endemann große Verdienste erworben. — Das Rabbinat in Aschaffenburg wurde bisher durch einen von der Kultusverwaltung aufgestellten Verweser versehen. Da keine Aussicht auf baldige Gesundung des DistriktsiRabbiners Dr. Wachenheimer besteht, verlangt die Königliche Regierung die Wahl eines Rabbiners durch die Gesamtgemeinde. — Der Geheime Kommerzienrat v. Pflaum in Stuttgart spendete anläßlich seines 70. .Geburtstages 100 000 Mark als Hilfsfonds für notleidende Arbeitslose. Ueber ein Nachspiel zum Prozeß Gersdorf-Blvch wird aus Mühlhausen i. E. gemeldet: Der Rittmeister Graf Gersdorf, bekannt durch den Prozeß, der sich an den Selbstmord des Einjährigen Bloch knüpfte, ist durch Kabinettsorder in das vierte Infanterieregiment nach Graudenz versetzt worden. — Die Königs-Hausierer haben in Nim es das Denkmal von Bernhard Lazare zerstört. — In Ancona hat ein aus Bürgern bestehendes Komitee einen Ausruf erlassen, in welchem um Geldbeiträge zur Errichtung eines Denkmals für jene 24 Juden gebeten wird, welche im Jahre 1556 auf Befehl des Papstes Paul IV. in Ancona den öffentlichen Flammentod erlitten. — Das Jüdische Deputierten-Kollegium von England nahm anläßlich des Besuches . von. Chomjakow, dem Präsidenten der russischen Duma, nebst 20 Deputierten in London, Gelegenheit, ihnen' eine Deputation zu schicken, die ihnen die elende Lage der russischen Juden vor Augen führte und um Besserung des Zustandes ersuchte. — Eine Anzahl Rabbiner in Russisch-Polen hat sich an das Ministerium des Innern gewendet, die Erlaubnis zur zweiten Rabbinerkonferenz in Warschau zu erteilen. Das Gesuch wurde damit begründet, daß verschiedene wichtige Fragen in der ersten Warschauer Konferenz nicht erledigt worden sind. Das Ministerium soll jedoch beschlossen haben, weitere Rabbinerkonferenzen einstweilen nicht zu gestatten, um die Beratungen der Rabbinerkommission in Petersburg nicht hinauszuschieben. — In Lodz wurde zum Rabbiner der deutschen Gemeinde anstelle des zurückgetretenen Dr. Jelski Dr. Brandt gewählt. Er hat bereits sein Amt angetreten. — In Lodz weilen seit einigen Monaten zwei Mitglieder der englischen Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden, Samuel Joffe und L. Ginsburg. Sie verbreiten die Bibel in hebräiicher Sprache und im jüdischen Jargon, sind sehr tätig und agitieren vorwiegend in den jüdischen Stadtvierteln. Selbstverständlich werden sie da schief angesehen und haben schon mehrmals anonyme Drohbriefe bekommen. Sie ließen sich dadurch nicht einschüchtern. Als jedoch neulich Ginsburg wieder auf der Nowomiejskastraße erschien, wurde er von etwa zehn Männern überfallen, die ihn in einen Hausflur hineinzogen und furchtbar durchprügelten. — Der Sultan hat dem Großrabbiner Chaijm Nahum Effendi.den Großkordon des Medschidie-Ordens verliehen. — Emanuel Carasso, der jüdische Abgeordnete für Salonichi, wurde im Parlament mit 151 Stimmen zum Mitglieds der Untersuchungskommission über die letzten Unruhen in Ada na gewählt. Dort waren bekanntlich Armenier und Juden seitens der griechischen Bevölkerung blutigen Verfolgungen und Plünderungen ausgesetzt. Aus diesem Grunde ist auch von Adana aus an die Hohe Pforte das Verlangen gerichtet, daß eine Kommission von Israeliten an den erwähnten Untersuchungen teilnehmen solle. — Rev. M. Silber in St. Louis hat an der dortigen Universität Medizin studiert und den Doktorgrad erworben. Er beabsichtigt aber nicht, die Praxis auszuüben.