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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-30 · Heft 31 (30.7.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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150 Personen Platz bietet und nach^ drei Seiten freien Ausblick' gewährt. Die geräumige, allseitig geschützte Veranda schließt sich dem Speisesaal an. Sie ist mit Schiebfenstern versehen und hat' einen direkten Ausgang nach dem Garten. In den beiden Obergeschossen sind je zwei Schlassäle, ein größeres Einzelzimmer für Krankheitsfälle und -ein Badezimmer untergebracht, das erste Obergeschoß für Mädchen, das zweite für Knaben bestimmt, zusammen für mindestens 150 Kinder. Jeder Schlafsaal hat an drei Seiten Fenster und einen oder mehrere Balkons, so'daß in ausreichender'Weise für Luft und Licht gesorgt ist. Neben jedem Schlafsaal befindet sich ein Zimmer für'eine Aufsichtsperson, die von hier aus einen Ueberblick über den ganzen Saal hat. Denjenigen Kindern, denen das Baden in der See von ärztlicher Seite untersagt ist, werden in der im Hause befindlichen Badeanstalt wärme Bäder verabreicht. Der jüdischen Hilfsbereitschaft verdankt auch das Hospiz sein Entstehen: ein jüdisches Haus, auf dessen Zinne der Mögen Dovid weithin sichtbar ist, ein Wahrzeichen des jüdischen Geistes, der diesem Hause innewohnt. Der Verein plant die Errichtung eines zweiten Hospizes in einem Solbade. Ueber die Tätigkeit des Vereins in den Jahren 1905 bis 1908 ist folgendes zu berichten: hie Wirkung des Aufenthalts in Duhnen war, wie in den Vorjahren eine durchaus erfreuliche; die Aufnahme erfolgte in drei Kurperioden, von Mitte Juni bis Mitte September. Der Andrang namentlich zur mittleren Kurzeit von Mitte Juli bis Mitte August war so stark, daß die Räume des Hospizes, welche zur Aufnahme von 150 Pfleglingen eingerichtet sind, für die Zahl der Gemeldeten nicht ausreichten. Besucht wurde das Hospiz im Jahre 1905 von 159 Knaben und 157 Mädchen, 1906 von 172 Knaben und 135 Mädchen, 1907 von 225 Knaben und 170 Mädchen, 1908 von 193 Knaben und 146 Mädchen. Frankfurt a. M. 16. Juli. Der „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" (Schornre 8ebabos8), hier vor elf Jahren errichtet, ist bestimmt, den den Sabbat haltenden jüdischen Handlungsgehilfen eine Stütze im Falle der Stellenlosigkeit zu sein. Gegen einen äußerst mäßigen Jahresbeitrag — in der untersten Klasse nur 6 Mark — gewährt er seinen Mitgliedern bei Stellenlosigkeit eine Entschädigung, die sie vor der bitteren Wahl bewahrt, Hunger zu leiden oder aber eine Stelle anzunehmen, ln der-sie den Sabbat nicht halten können. Damals, im Jahre 1898, war das Gebiet der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit noch ein völlig unbebautes, und auch die großen konfessionellen kaufmännischen Verbände beschäftigten sich wohl mit dieser Frage, wagten sich aber nicht an ihre praktische Lösung. Der „Verien zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" hat die Genugtuung, daß seine Einrichtungen auf diesem Gebiete sich während der ganzen Zeit auf das trefflichste bewährt haben, so daß Aenderungen sich nicht erforderlich zeigten. Heute erlebt der Verein die noch weit größere Genugtuung, daß das Kaiserliche Aufsichtsamt für Privatversicherung ihm nach eingehender Prüfung der Vereinsstatuten und der Geschäftsführung die Genehmigung zum Geschäftsbetriebe für das gesamte Deutsche Reich durch Senatsbeschluß vom 16. Juni d. I. erteilt hat, womit dem Verein auch die Rechteeiner juristischen Person erteilt sind. Der Verein hat diese Gelegenheit benutzt, um bei der hierbei vorgenommenen Statutenänderung auch gleichzeitig eine Aenderung seines Namens zu bewirken, die künftig ein Moment zum Ausdruck bringen soll, das bei der Gründung des Vereins nicht vorhergesehen werden konnte. Es betrifft dies die Stellenvermittlung des Vereins, die von Jahr zu Jahr mit wachsendem Erfolge tätig war. Der Name des Vereins wird daher künftig: „Israelitischer Stellen-Vermittlungs- und Versicherungsverein" (8ebomr6 8etiabo3s)'lauten. Wie bekannt sein dürfte, erfolgt der Betrieb dieser Stellenvermittlung seitens des Vereins in Verbindung mit den 8obornr6 8ebaboss-Vereinen in Berlin und Breslau unter der Firma: „Israelitische Stellenvermittlungs-Zentrale, Frankfurt a. M." — Es ist nun neuerdings-gelungen, auch den bisher mehr abseits stehenden gleichartigen Hamburger Verein zu einem engen Anschluß an die Stellenvermittlungs-Zentrale zu bewegen. Damit ist das lange angestrebte Ziel: sämtliche kaufmännische Vakanzen und Bewerbungen der Sabbat haltenden Kreise an einem Orte zusammenlaufen, zu lassen, endlich erreicht. Für Prinzipale wie Angestellte ergibt sich daraus die Möglichkeit, innerhalb dieses Kreises auf möglichst rasche Befriedigung ihrer Wünsche rechnen zu dürfen. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die Israelitische Stellenvermittlungs-Zentrale im ersten Semester 1909 9t Stellen besetzt'hat gegen 72 im Vorjahre. Es muß daher als Ehrenpflicht jedes kaufmännischen Angestellten — auch der weiblichen — betrachtet werden, sich der Versicherungskasse des Vereines als Mitglied anzuschließen. Hoppstädten (Birkenfeld), 18. Juli. Das Fürstentum Birkenfeld wurde in der vorigen Woche wieder durch den Besuch seines Großherzogs erfreut. Beim Aufenthalt in unserem Orte wurde demselben unser Landesrabbiner Dr. Baron vorgestellt, und der Fürst bekundete in der Unterhaltung mit ihm sein wohlwollendes und lebhaftes Interesse für die Verhältnisse der jüdischen Religionsgemeinschaft und deren religiöse Institutionen. — Gleich den Geistlichen der übrigen Konfessionen war auch der Landesrabbiner zur Großherzoglichen Frühstückstafel auf das Schloß in Birkenfeld geladen. o Burgkuirdstadt, 16. Juli. Unsere Kultusgemeinde hat leider einen schweren Verlust erlitten. Am 1. d. M. starb nach längerem, mit größter Geduld ertragenen Leiden Frau Jda Rothschild im Alter von erst 58 Jahren. Dieselbe war 32 Jahre erste Vorstandsdame und feit einigen Jahren Ehrenmitglied des israelitischen Frauenvereins. in welchem sie mit größtem Interesse alle Angelegenheiten wahrgenommen und in jeder Weise mit aufopferungsvollem Pflichteifer gewirkt hat. Galt es an das Krankenlager eines Vereinsmitgliedes zu eilen, oder bei Sterbefällen werktätige Liebe zu üben, so war sie immer eine der ersten. Auch bei allen anderen Gelegenheiten, in Freud und Leid war sie stets hilfsbereit und auch in dieser Beziehung eine Zierde unserer Gemeinde. Die zahlreiche Beteiligung bei deren Beerdigung gab Zeugnis von der allgemeinen Achtung und Liebe, der sich die Heimgegangene bei allen Konfessionen zu erfreuen hatte. Möge ihr die Erde leicht sein! — Aachen, 19. Juli. Professor Borchers von der hiesigen Technischen Hochschule bezeichnete in der Rede, mit der er seinem Amtsnachfolger, Professor Hartwig, das Rektorat übergab, die religiöse Intoleranz, die sich auch - auf den Hochschulen geltend zu machen versuche, als den verhängnisvollsten Druck, als einen Druck, welcher langsam, aber sicher zu den gefährlichsten Gegenwirkungen führe. .Und bezüglich der Rivalität unter den Studentenkorporationen bemerkte der Redner: „Sich für besser zu halten und besser scheinen zu wollen als andere, ist ein mehr oder weniger billiges Vergnügen, das meist auf dem unfruchtbaren Boden geistiger Beschränktheit wächst." * OesterretH-Nnsaw. □ Wien, 19. Juli. Um unsere Misere voll zu machen, beginnt man jetzt sogar den leidigen Sprachenstreit auch in jüdische Kreise zu tragen. In Böhmen will man einen tschechisch-jüdischen Gemeindebund gründen. Das ist die neueste Ausgeburt des nationalistischen Dusels, an dem sich leider auch unsere jüdische Mitbürger vielmehr als notwendig beteiligen. Dabei existiert schon ein bömisch-jüdischer Gemeindebund, von dessen Tätigkeit allerdings bis jetzt wenig zu hören und noch weniger zu verspüren war. — Der Selbstmord des jungen Barons Oskar v. Rothschild hat hier großes Aufsehen gemacht: Man kann sich denken, wie die antisemitische Presse das willkommene Thema ausbeutet. Die Beerdigung fand in aller Stille statt. Baron Albert Rothschild hat aus diesem Anlaffe folgende Zuwendungen für wohltätige Zwecke verfügt: je zehntausend Kronen für die Armen Wiens uttd die israelitische Kultusgemeinde, hunderttausend Kronen für den Studentenunterstützungsverein und den gleichen Betrag für eine mathematisch-astronomische Stiftung, deren Statuten erst ausgearbeitet werden. Der Verstorbene hatte eine Vorliebe für diese Studien. — In Lemberg, wo ein Jude Dr. Aszkenase, zum dritten Vice-Bürgermeister gewählt wurde, fand die feierliche Enthüllung des Josselowicz-Denkmals in Anwesenheit eines großen Publikums statt. Berek Jofselowicz, dessen hundertster Geburtstag erst vor kurzem gefeiert wurde, hatte bekanntlich am polnischen Freiheitskriege als- Oberst teilgenommen Und sich durch seine Tapferkeit und Kriegstüchtigkeit ausgezeichnet. — Der ungarische Kultusminister Graf Apponyi hat den Verband der jüdischen Gemeinden in Ungarn ungefragt, welchen Zuschuß sür die Rabbinergehilfen er von der Regierung beanspruche. Nach dem

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