Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- Seite 357 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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niemals von Religions wegen etwas im Wege.stand, beweist bereits die heilige Schrift selbst, in der (zweites Buch Mose 25ff)' von der Erbauung des Stiftzeltes gesprochen wird: „Ferner sollst du einen Leuchter von gediegenem Golde anfertigen; in getriebener Arbeit soll dieser Leuchter angefertigt werden" (II, 25, 31), und weiter heißt es (II, 31, 1) von dem ersten, Künstler: „Ich habe Bezalel namentlich berufen und ihn erfüllt mit göttlichem Geiste, mit Kunstsinn, Einsicht, Wissen und allerlei Fertigkeiten, um Kunstwerke zu ersinnen in Gold Silber, Kupfer..." Das beweisen auch die Stickereien, Gold- und Schmiedekunstwerke in den Synagogen, die zum Schmucke des Gottesdienstes verwandt wurden. David Kaufmann erbrachte den Nachweis, daß die Illustrationen der jüdischen Handschriften größtenteils von jüdischen Künstlern angefertigt wurden, und Albert Wolf, der große Sammler und Forscher, nennt in einem kritischen Artikel (Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde 1902, Heft 9) eine lange Reihe von jüdischen Kunsthandwerkern und Künstlern aller Zeiten und Länder. Natürlich sind es hauptsächlich Goldschmiede und Steinschneider, bei denen sich das Gewerbe vom Vater auf den Sohn vererbte; denn das Erlernen der bildenden Kunst war den Juden enorm erschwert, sie waren hierin größtenteils aus ihre eigenen Kreise angewiesen. Erfahren wir doch, d aß noch in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts einem jüdischen Maler der Besuch der Galerien in einer deutschen Stadt verboten wurde! Im 16. Jahrhundert erfahren wir von dem frühesten jüdischen Kupferstecher David Laudi, der in Cremona arbeitete. Die Söhne des Porträtmalers Mose del Castelazzo in Venedig waren bekannte Kupferstecher. Im übrigen fließen die Nachrichten aus Italien spärlich. Aber in Holland, wo sich die / Juden verhältnismäßiger Freiheit erfreuten, herrschte größere, Kunstbeflisienheit unter ihnen. In Amsterdam wurde manches , ' Buch mit Kupfern von jüdischer Hand geschmückt — der Name Salom Jtalia im Amsterdam weist allerdings auf die Lom- , bardei hin — späterhin schufen Juden selbständig wie auch * reproduzierend graphische Werke, wobei nur die beiden Namen, Abraham Lion Zeelander (1789 bis 1856), und Moritz Dessauer genannt seien, die beide Mitglieder der Akademie waren und von denen der zweite nach Werken von Don und Overbeck stach. In Deutschland hören wir auch schon im 16. Jahrhunderts von dem jüdischen Kupferstecher Meyer Ehajjim aus Landau. Dort wie in England, Holland und Frankreich finden wir im 18. Jahrhundert jüdische Graphiker, die alle Tüchtiges leisteten, deren Namen jedoch heutzutage nur wenig oder fast gar nicht bekannt sind. Der große Aufschwung, den die graphischen Künste iw den letzten Jahrzehnten genommen, das immer mehr wachsende - Interesse der Allgemeinheit an dieser intimeren Kunstgattung, hat auch manchen der größten Künstler unserer Tage, zu.. denen wir glücklicherweise einige Juden in erster Linie zählen, können, der Graphik zugeführt. Jozef Israels, der Altmeister der holländischen Kunst, hat uns mit der Radiernadel ebenso ergreifende Werke geschenkt, wie sie sein Pinsel hervorgebracht hat, und Max Liebermannsgraphisches Werk weift Blätter auf, deren Großzügigkeit an Rembrandt erinnert. Der schwarze Strich gewinnt bei ihm, ein Leben, daß wir das Lichtspiel der Sonne und des mensch-, lichen Körpers bis in die kleinsten Feinheiten hinein erkennen? können. Daneben sind noch Heinrich Redlich, der berühmteste, polnische Radierer, und Louis Jacoby in Berlin in Ehren zrp nennen. .... Unter den jüngeren Radierern ist vor allem Hermann Struck zu nennen, der mit seinen jüdischen Charakterköpfen j und palästinensischen Landschaften den Lesern dieses Blattes -f ■ röohl bekannt sein wird. Hermann Struck, der die Technik des Radierens in allen Abarten meisterlich kennt, so gut, daß ihn sogar Liebermann in technischen Fragen zu Rate zieht, ,'A hat nun in einem Buche (Die Kunst des Radierens. Ein j Handbuch. Verlag Paul Cassirer, Berlin) die verschiedenen j! Verfahren in leicht faßlicher Form zusammengestellt, das „eine Anleitung sein soll, die Künstler und kunstverständige Dilettanten in den Stand setzt, die schöne Kunst des! Schwarz und Weiß selbständig zu erlernen." Dem Kunst- J liebhaber soll das Buch zugleich den Blick schärfen, um die j Erzeugnisse der Radierkunst besser und intensiver genießen zu können. % \ Denn was Alfred Kerr in einer launigen, poetischen Ein- ' - .> j leitung sagt, daß nämlich selbst bei Liebhabern die unsinnigsten '! Anschauungen über die Technik herrschen, ist eine Wahrheit, | die ich nur zu oft bestätigt gefunden habe. - - i Hoffentlich schafft das mit vielen interessanten und guten Abbildungen versehene Strucksche Buch hierin etwas Wandel. - J Die genauere Kenntnis der Technik wird der Graphik neue “ j \ Freunde zuführen und die bisherigen zu zielbewußterem Sehen! und Sammeln anregen. . j Das Verdienst des Werkes liegt darin, daß es kein J | trockenes Lehrbuch ist, deren es ja auf jedem Gebiete genug j gibt, sondern daß wir endlich einmal ein Büchlein besitzen, das -3 { unterhaltend und doch belehrend zugleich jeden anregen wird, - der sich für Kunstfragen interessiert.;'4 j Denn mit dem Bewundern eines Kunstwerkes ist es nicht;/] | abgetan; eine, jede Arbeit will verstanden sein, nicht nur von ^J. dem Schaffenden, sondern auch von' dem Empfangenden- 4-; Und wenn dieser der Arbeit als solche auch folgen kann, wenn Z er die Schwierigkeiten kennt, mit denen der Meister zu kämpfen j! hatte, wenn er die Wege verfolgen kann, die jener eingeschlagen hat, um zu dem. erwünschten Ziele zu gelangen, dann wird auch die Freude eine größere sein, der Genuß wird sich inten-? siver gestalten, und beiden Teilen ein Ansporn zu weiterer Kunstpflege gegeben werden.;; Hermann Struck beginnt sein Buch mit einer kurzen Besprechuug des Kupferstiches; es folgt dann als -Hauptteil die;; Erklärung des Radierens und schließlich noch die der Schwesterkünste, Lithographie und Holzschnitt. In einem Anhänge werden die beigegebenen Abbildungen, die von fünf Originalradierungen von Liebermann, Zorn, Munch, Baum und Struck — Beigaben, die das Werk zu einem äußerst wert- { vollen Besitztum machen — begleitet werden, in ästhetischer . Hinsicht besprochen und die gewonnenen technischen Kennt- I Nisse in die Betrachtung mit eingeflochten. Da kann denn der Leser an sich selbst beobachten, wie nützlich und genuß- ' reich solche Hinweise sind, und jeder, der das Buch gelesen, ,r .f wird sicherlich mit erhöhtem Interesse fortan graphische Werke betrachten und somit zur Verbreitung der Kunst beitragen. - Und wenn erst das Allgemeininteresse für die Kunst größer geworden sein wird, wird auch der fast unbeachtet .*[ gebliebenen Kunst der Juden mehr gedacht und die falsche j Anschauung zerstört werden, als hätten die Juden sich erst V neuerdings der bildenden Kunst zugewandt und in früheren i . Zeiten infolge eines religiösen Verbotes diese Betätigung über- Haupt nicht geübt. , Äj