Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-16 · Heft 29 (16.7.1909) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228852-3228882--65707-3277847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

und voller galanter Phrasen und Wendungen, mit denen er jede Anrede oder jede Antwort schmückt; seine Artigkeit ließ ihn. nebenher alle Gespräche vermeiden oder ablenken, die Bezug-aus Juden haben könnten, denn er setzte stillschweigend voraus, daß so etwas den Damen schmerzlich wäre. Diesen Apponyi brachte ich einmal mit seiner Artigkeit in eine grausame Verlegenheit. Er hatte ,eine Partie nach dem Biliner Fels mit den beiden Frauen arrangiert und mich als vierten Mann dazu eingeladen: er hatte kalte Küche mitgenommen, und im Wirtshause, wo wir abtraten, bestellte er noch Suppe und ein Gemüse und Obst usw. Während er in geschäftiger Eile mit seinen kürzen Beinen die Sehenswürdigkeiten des miserablen Städtchens belief, bestellte ich heimlicherweise beim Wirt noch ein Gericht, nämlich Schweinebraten, der zufällig da war. Wir setzen uns zu Tisch und Apponyi ist glücklich wie ein König; plötzlich erscheint mein Schweinebraten, Apponyi erbleicht, die Reputation seiner Galanterie droht in Trümmern zu gehen, und als ich nun gar mit lauter Stimme zu den Hebräerinnen sagte: „Hier ist etwas, was Sie nicht essen dürfen," so. geriet er sichtlich in eine innere Verzweiflung. Den Streich hat er mir niemals vergeben. Hochachtungsvoll Dr. S. Ra hm er. . <r Geehrter Herr Redakteur! - ' j in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" aus Ihrer S**' hochgeschätzten Feder stammende Artikel über Kleist veranlagt mich zu folgenden Bemerkungen: Gewiß kennen Sie das Epigramm Kleists „Die Susannen". (Nr. 21, S. 175, .IV. 33b. von Kleists Werken. Herausgegeben von Siegen, Hesses Verlag.) , „Euch aber dort, euch kenn ich! Seht schreib' ich dies Wort euch: Schwarz auf Weiß hin: was gilts? Denkt ihr — ich sag' nur nicht was." Kleist kannte also auch das Hebräische. Im 4. Auftritt des V. Aktes der „Hermannsschlacht" finden wir sogar Verse, die uns an Fragen erinnern, welche die Mischna auf» wirft, und zwar im Traktat Aboth, III. Abschnitt. § 1: Akabja, Sohn des Mahallel. sprach: „Betrachte drei Dinge und Du wirst nie ist Sünde verfallen. Bedenke, woher Du gekommen bist und wohin Äu gehst, und vor wem Duwirst dereinst. Rechenschaft zu geben haben!" Und nun die Szene bei Kleist. Varus rückt in den Teutoburger Wald ein, die Schlacht, die gewaltige, steht bevor, der römische Feldherr soll sein Leben und des Augustus Legionen verlieren, da tritt eine Alraüne, (eine weise Frau) auf, mit Krücke und Laterne, und Varus, der Stegesgewisse, spricht sie an: »Auf diesem Weg, den ich im Irrtum griff, Stammütterchen Cherüskas, sag' mir an, Wo komm' ich her? wo bin ich? wohin wandr' ich?" Man merke wohl, Varus stellt diese Fragen im eigentlichen Sinne des Wortes, er will Auskunft haben über seinen Marsch, aber' ganz anders faßt sie die weise Frau auf, sie sagt: Die Alraune: Varus, o Feldherr Roms, das sind drei Fragen! Auf mehr nicht kann mein Mund Dir Rede steh'n! Varus: Sind Deine Worte so geprägt, : Daß Du wie Stücken GoldeS sie berechnest? Wohlan es seh ich bin damit zufrieden! Wo komm' ich her?" Die Alraune: „Aus nichts, Quintilius Varus!" Und nun vergleiche man die Antwort, welche die Mischna auf die erste Frage gibt. Wir können sie hier in ihrer ganzen materialistischen Schärfe nicht wiedergeben, wir umschreiben sie also und sagen: „Aus einem gemeinen Keime, aus einem widrigen Stoffe". ' Varus versteht die Antwort der Alraune offenbar nicht ganz oder will sie nicht verstehen.. Er sagt also: Varus: „Aus nichts!^,Jch komm aus Arkon heut. Die römische Sibylle, seh' ich wohl, Und jene Wunderfrau von Endor bist Du nicht" Man beachte hier die ähnliche Lage, in der sich Saul I Sam. 28, 7. ff. und Varus befanden. Doch lassen wir:Varus weiterprechen: Varus: „Laß' sehn,'wie Du die andern Punkt' erledigst! ' Wenn Du,nicht weißt, woher des r Wegsi ich wandre: Wo geh' ich hin? , . , Die Alraune: Ins Nichts, Quintilius Varus." ... . . Betrachten wir die Antwort, - welche die Wschna auf diezweite Frage gibt und die wir schon wörtlicher wiederzugeben vermögen, so lautet sie : „An einen Ort des Staubes, des Moders und der Motte." Und nun kehren wir wieder zu Varus zurück. Auf die Antwort der Alraune sagt er: " Varus: Ins Nichts?., Du singst ja wie ein Rabe! Von wannen kommt Dir diese Wissenschaft?' '• Eh' ich in Charons düstern Nachen steige, Denk'-ich, als Sieger zweimal noch' Nom mit der heiteren Quadriga - zu durchschreiten! Das hat ein Priester Jovis mir veckraüt. ' > Triff' bitt ich Dich, der dritten Frage, Die Du vergönnt mir, besser auf die Stirn! Wo geh' ich her? Wo geh' ich hin?? Und wenn Du das nicht weißt, wohlan: In welcher Gegend hier befind ich mich?" Die Alraune: Zwei Schritt vom Grab, Quintilius Varus, Hart zwischen Nichts und Nichts? Man wird in diesem Zwiegespräch den Doppelsinn wohl erkennen, anders sind die Fragen gestellt, und im anderen Sinne beantwortet; Varus ist der Erdenmensch, der an Rom denkt und seinen Sieg, die Alraune stellt das ewige Schicksal dar, das Fatum, dem kein Mensch entgeht. Wie vermählt sich doch hier arischer, oder sagen wir hellenistischer Geist mit semitischem, Erde mit dem Himmel. Unwillkürlich denken wir an eine ähnliche Szene im „Macbeth". Aber es schwebt uns auch jene Unterredung vor, die der König Ahab pflog, ehe er in die Schlacht zog gegen Ben-Hadad und'in der er die Schlacht und das-Leben verlor. (I. Kön, 22.). Die Alraune war ihm Michajah, Sohn des Jemla, der ihm das unabwendbare Geschick verkündete, das wir in die Worte der Mischna kleiden können, die da lauten: „Wir alle, Schwache' und Starke, werden Rechenschaft ablegen müssen vor dem König der Könige, dem Heiligen, gelobt sei Er." (Aboth III, 1.) Ahnungslos ist Varus, gleich jenem Ahab, diesem Geschicke, das die semitische Weltanschauung kündete, verfallen, Hellenismus und Semitismus aber wohnen in demselben Zelte. (I. Mos. 9. 27.) Brünn, im Juli. '; Prof. Dr. Max Grünseld. .'V- ' Erklärung. - 3nt Vorworte zum zweiten Bande seines Werkes Tosefta Mischna und Laraitha usw." macht' Herr Dr. Zuckermandel mich für eine abfällige Rezension verantwortlich, welche Mein Kollege, Herr Professor Krauß in Nr. 10 : des „Literarischen. Zentralblattes" über den ersten Band seines Werkes.veröffentlicht hat. Ich erkläre hiermit, daß ich^ von dieser Rezension, .erst . nachdem sie erschienen war. Kenntnis bekam, und daß. ich mit Professor Krauß vorher weder über das Buch noch über die .Theorie Zuckermanhels jemals gesprochen habe. Ich, weise die Verdächtigung mit aller Entschiedenheit zurück. ' i . Wien, den 7. Juli 1909. Professor Dr. Schwarz. . :* Sehr geehrter Herr Redakteur! ‘ 'Tfn dem Artikel. „Der Salon. 1909" in Nr. 26 der Allgemeinen ZI Zeitung des Judentums heißt es. Max Liebermann feiere am 29. Juli dieses Jahres seinen sechzigsten Geburtstag. Liebermann ist jedoch am 20. Juli 1847 geboren, feierte also bereits vor zwei Jahren seinen sechzigsten Geburtstag. - . . - Hochachtungsvoll A Karl Schwarz.' Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. . Verantwortlich für die Äedäktiön: Mar Bauchwitz in Berlin. I'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.