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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-16 · Heft 29 (16.7.1909) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
Seite 345 (sequence 9)
Language
German
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345 Staates angesehen werden. Was 'die Juden als Mitglieder einer Religionsgemeinschaft anlangt, so'sind im § 39 des gedachten Edikts die Bestimmungen wegen des kirchlichen Zustandes desselben noch Vorbehalten. Es müssen daher in dieser Beziehung die älteren Gesetze, welche, wie erwähnt, in Ansehung, der bürgerlichen Verhältnisse gänzlich, aufgehoben sind, zur Anwendung kommen. Diese von uns aufgestellte Ansicht ist in einem Prozesse, welcher gegen die hiesige jüdische Gemeinde..-geführt worden Ist, vor dem Königlichen Kammergericht in; zwei Instanzen und demnächst von dem Königlichen Geheimen -Obertribunal als richtig anerkannt worden. 1 " In dem General-Iuden-Privilegium vom 17. April 1750 ist nun gber im § 29 die Wahl des Rabbiners ausdrücklich dahin bestimmt worden, daß aus der Jüdenschaft 32 Männer herausgehoben werden., welche sich über die Wahl des Rabbiners vergleichen. Es ist auch, wie die beider hiesigen jüdischen Gemeinde sich befindenden alten Urkunden ergeben, der Oberrabbiner von jeher auf diese Weise, nämlich von den 32 Männern in Gemeinschaft mit den Verwaltern der Gemeindeangelegenheiten gewählt worden. Die Statuten für die jüdische Gemeindev in Breslau enthalten eine von jenen gesetzlichen Bestimmungen 'abweichende Art zu wählen. Selbst wenn — was wir jedoch dahingestellt sein lassen wollen und müssen — durch dieses Statut jene gesetzliche Bestimmung im General-Judenkollegiüm nicht obrogiert sein sollte, so ist doch jedenfalls gewiß,'daß die Zahl der wählenden Gemeindemitglieder in dem Statut größer ist,' als die in jenem Gesetze bestimmte. Auf die. von uns oben angegebene Weise sind nach Inhalt vorhandener alter Urkunden in der hiesigen jüdischen Gemeinde gewählt worden: 1. der Oberrabbiner David Fränkel am 4. August 1743, so daß die Zahl der Wähler zusammen 43 war; -2. der Oberlandrabbiner Hirschel Lewin am 29. März 1772, so daß die Zahl der Wähler im ganzen 62 war. ’ Die Rabbinerassessoren Herz und Mendel sind am 5. September 1743 von den Gemeindeverwaltern mit Zuziehung von 15 Gemeindemitgliedern, und der Räbbinerassessor Weyl am 23. März 1784 nüt Zuziehung von 32 Gemeindemitgliedern gewählt worden. Gegenwärtig fungiert hier gar kein Oberrabbiner oder.Rabbi. Die Funktionen des Rabbinats werden von den Herren Oettinger und Rosenstein besorgt. Der Herr Oettinger ist nämlich unter dem 7. August 1820 lediglich von den Aeltesten der hiesigen Jüdenschaft von dem Vorstande der Gemeinde zum Rabbinerassessor bestellt worden.- Nachdem am 14. Februar 1826 erfolgten Tode des Vize-Oberlandrabbiners Wehl ist der Rabbinerassessor Oettinger unter dem 16. desselben Monats nur vonden Aeltesten und Vorstehern der Gemeinde ersucht worden, diejenigen Funktionen einstweilen zu übernehmen, welche mit dem Amte eines Rabbiners in 'der Gemeinde verbunden sind, und zwar als interimistische Rabbinat'sverwalter, Der Herr Rosenstein ..ist .gleichfalls lediglich von den Aeltesten und Vorstehern der hiesigen Jüdenschaft. unter dem 16. April 1826 als interimistischer Rabbinerassessor angenommen worden. In diesem Verhältnis hat sich seither nichts geändert. Berlin. 10. Dezember 1838. Die Aeltesten der Jüdenschaft 'Meyer, Jacobson. Beerend. Zu der Erklärung dieses merkwürdigen AktenstülLes soll weiter nichts hinzugefügt werden. Die aktenmäßige Darstellung berichtigt manche Angaben, die bisher ganz allgemein gemacht wurden. Besonders interessant dürfte sein, daß eine so große Gemeinde, wie Berlin schon damals war, zÄölf Jahre lang von zwei Männern geleitet wurde, die nicht ordnungsmäßig /gewählt, sondern nureinseitig von dem Vorstande als interimistische Verwalter des bedeutendsten Amtes eingesetzt waren. Die Oompggnons. Roman von Ernst Heilmann. III. /Sprosser, dessen Vater in den Kriegsjahren 1870 bis 71 an ViLJ Lieferungsgeschästen ein Vermögen erworben, das er später in den Zeiten der daraus folgenden finanziellen Hochflut des Milliardentaumels und der Gründungsära bedeutend vergrößert hatte, er erschien sich noch zu jung, um tatenlos als Rentier sein Leben zu beschließen, und so kam es ihm gelegen, als Steinsels ihm den Kauf des Geschäftes antrug, das er bis zum Tode des früheren Besitzers geleitet hatte. Er suchte ein Geschäft, um eine Zerstreuung zu haben, eine regelmäßige Tätigkeit, die ihm sein Arzt dringend empfohlen hatte, als Gleichgewicht zu den Aufregungen des Börsenspiels, das er in geeigneten Zeitläuften betrieb. Alfred hatte natürlich keine Ahnung, welchen Umständen er den schier unerhörten Glücksfall dankte, einen so reichen Mann zum Assozie zu finden. Als er damals seiner Frau die Mitteilung brachte, daß er fortan nicht mehr als Sklave, sondern als freier Mann, als Mitinhaber für seine Familie sorgen werde, besser, glänzender, reichlicher als bisher, da war es wie ein Glücksrausch über sie .gekommen. Jubelnd hatte sie ihre Kinder an sich gezogen —, sie werden frei, reich, glücklich sein, im Wohlstand groß werden, zog es durch das Mutterherz. In der Tat hatte , sich in ihrem Leben seit Uebernahme des . Geschäfts manches verändert. Ein . gewisser äußerlicher Wohlstand war in das Haus eingekehrt. Kleine verbessernde Anschaffungen wurden gemacht, Agathe war nicht mehr so ängstlich besorgt bei jeder Ausgabe. Ihr Schönheitsgesühl, der ihr angeborene edle Geschmack, konnten sich entfalten und brauchten sich nicht, wie bis jetzt, ängstlich hinter der Hülle des Mangels zu verbergen. Sie wurde selbstbewußter, freier, sicherer in ihrem Wesen, sie fühlte sich in der neuen Lebensstellung! Ihr Herz und Gemüt wurden leichter — aber ihres Mannes Stirn'wurde sorgenschwerer! Das Geschäft hielt nicht, was er erhofft. — Mit dem Tage, wo es in andere Hände übergegangen war, trat ein Rückschritt ein. Die Ursachen, auf die er das zürückführen mußte, zu ändern, lag nicht in seiner Macht. Es vertrug sich nämlich mit Grossers Stolz nicht, die Praktiken eines Warengeschäfts anzuwenden, er duldete kein Firmaschild an seinem nobeln Wohnhause, in dessen Hintergebäude niemand ein Geschäft vermutet hätte, und während die moderne Geschäftspraxis die Reklame förmlich zur Notwendigkeit macht, tat er alles, um das Geschäft totzuschweigen. Es verletzte seine Eitelkeit, daß er, der Bankier, der Großkaufmann plötzlich wie ein gewöhnlicher Geschäftsmann sich einzüführen und den Konsumenten sich zu empfehlen habe. Es war ihm peinlich, mit Kunden zu verkehren, die Geduld und Nachsicht für die Kleinlichkeit ihrer Einkaufsmanieren zu haben. Bescheidene Vorstellungendie Alfred seinem Kompagnon machte, fanden eine höfliche, aber kühle Zurückweisung. „So hübe ich mir die Sache nicht gedacht, daß ich wie ein Materialwarenhändler täglich mit allerlei Volk werde verkehren müssen," hatte er einst auf eine Bemerkung von Steinfels geantwortet. „Aber geehrter Herr Grosser, man kann seine Kunden doch nicht nach Rang und Stand wählen!" i

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