Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
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Aeber. all diese Uebelstande hat. die ^Kommission in einer Eingabe an den Deutsch-Israelitischen > Gemeindebund berichtet und um Eiywirken , dieser! Organisation auf. die . Gemeinden zwecks Abhilfe dieser Uebqlstände gebeten. - Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund erwidert aber, daß. er dazu. außerstandesei. - Auch der Entwurf des .neuen Gesetzes zu einerOrganisation, der preußischen Juden hat die Cr- ' Wartungen des Kantorenstandes arg enttäuscht. Durch den Ausschuß wurdendaher der/Kommission die Wünsche des Kantorenstandes - übermittelt. Cs ist nun Ausgabe des Verbandes, dafür zu wirken, : daß diese Wünsche in der dritten Lesung Berücksichtigung finden. > .. - Dem eingehen den Referat, das äußerst beifällig ausgeno mmen; wurde, folgte eine längere Debatte, an der sich die Kollegen Oswald- Posen,. Davidsohrr-Gleiwitz, Leibowitz-Posen, Levh-Frankfurt a. M., Fabisch-Göttingen, der Vorsitzende, sowie der Referent beteiligten; sie zeigte Uebereinstinimung in allen diesen unfern Stand so überaus bewegenden Fragen. Da unsere Organisation aber nur etwas ■; erreichen kann, wenn die ganze deutsche Kollegenschaft zur Mitarbeit herangezogen wird, so wird, angeregt durch die Kollegen Leibowitz und Oswald-Posen, dem Ausschuß die Gründung von Zweigvereinen empfohlen. All die in der Debatte gezeitigten Ideen werden von dem Vorsitzenden äußerst dankbar begrüßt, mit dem Bemerken, daß ihrer Verwirklichung die nächsten Arbeiten des Ausschusses gewidmet sein sollen.. Außerdem fand folgende vom Referenten, Bellak-Zittau und Davidsohn-Gleiwitz abgefaßte Resolution einstimmige Annahme: „In der Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes zu Breslau am 1. Juni d. I. ist die Absendung folgender Resolution an den Ausschuß des Judengesetzes einstimmig beschlossen worden: Der Allgemeine Deutsche Katttorenverband vermißt in der vorgeschlagenen Fassung des geplanten Gesetzentwurfes, die Verfassung der jüdischen Religionsgesellschaft in Preußen betreffend, di^ genügende Berücksichtigung, und Würdigung seines Standes. - Er spricht die Erwartung aus, daß die Vorschläge, die der Allgemeine Deutsche Kantorenverband seinerzeit durch seinen Vorsitzenden derü Ausschuß zur Vorberatung des Gesetzentwurfs unterbreitet hat; eingehende Beachtung finden werden. Er bittet ferner höflichst, einv entsprechende Anzahl von Vertretern des Kantorenstandes aus deck Allgemeinen Deutschen Kantorenverband in die betreffende Kommission kooptieren zu wollen," Es folgt nunmehr der Bericht der beiden Kassenrevisoren, welche die Übersichtlichkeit und Akkuratesse der Zwischen Kassenführung rühmend hervorheben und Entlastung beantragen, welche dem Schatzmeister von der Versammlung mit einem Dankesvotum einstimmig erteilt wird. Hierauf erhält der Obmann der Kommission für die Schaffung eines Fachorgans, Kollege Jacobsohn, Friedenau- Berlin, das Wort zu seinem Bericht über den Stand dieser Frage, Referent bespricht iu seinem ausführlichen Bericht die verschiedenartigen Projekte, die der Kommission im Laufe der Jahre zur Begutachtung Vorgelegen haben. Die eine Meinung ging dahin, ein eigenes, selbständig erscheinendes Organ, zu gründen, das mehrmals im Jahr, je nach Bedürfnis, erscheinen sollte, Die andere Meinung wollte im Anschluß an ein bestehendes jüdisches Blatt eine Fachbeilage, entweder wöchentlich oder monatlich erscheinend, herausgeben. Da aber jedes Projekt dem Verbände erhebliche jährliche Opfer auferlegt, so konnte die Kommission, trotzdem sie in eingehende Verhandlungen mit verschiedenen Zeitungsverlegern getreten war. sich für einen der Plane nicht entscheiden und überläßt es der Generalversammlung, darüber zu beschließen. Eine anregende Debatte reiht sich an den vortrefflich orientierenden Vortrag des Kollegen Jacobsohn. Die Beratungen ergaben die einstimmige Annahme folgender Resolution: „Die Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes zu Breslau erklärt sich nach Anhörung des Referats über die Frage der Schaffung eines Fachorgans mit dem darin zum Ausdruck gebrachten Standpunkt des Ausschusses einverstanden. Sie hält danach die Herausgabe eines periodisch erscheinenden Fachblattes in irgend einer Form zur Zeit für noch nicht geboten. Dagegen * erachtet sie es für wünschenswert, daß von Zeit zu Zeit geeignete Mitteilungen über wichtige Angelegenheiten den Verbandsnlitgliedern-nach Maßgabe der finanziellen Lage des Verbandes zugängig. gemacht werden. — Ferner spricht sie den Wunsch aus, daß die von Mitgliedern des Verbandes ' erscheinenden Fachartikel mach vorheriger Prüfung durch einen Presseausschuß in entsprechender Anzahl von -Abzügen aus den betr. Zeitungen den Verbandsmitgliedern zügestellt werdend ' - /- '• v Hierauf referiert Kollege Hofstein-Dresden über ^Stellennachweis und Auskunftei." Er. vertritt in seinen Ausführungen den Standpunkt, für alle-Provinzen Stellennachweise zu errichten,- die nicht nur den Kollegen, sondern auch den-Gemeinden ein Ratgeber sein sollen. — Der Korreferent, Kollege Bellak-Zittau, hält es - für zweckmäßiger, nur Auskunfteien da-zu errichten,' wo noch keine bestehen, damit sie die Stellensuchenden über alles Wissenswerte unterrichten können. / Nach eingehender Aussprache erklärt sich die Generalversammlung mit der Errichtung von Auskunfteien einverstanden, ■ überläßt aber dem Ausschuß die Ausarbeitung des Planest ' .r''/-i:///.■;. Nun erhielt Fabisch-Göttingen das Wort zü * seinem Vortrag : „Der Jugendgottesdienst." Da der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag demnächst auf Wunsch der Versammlung veröffentlicht werden soll, so seien hier nur die Thesen wiedergegeben-: . - 1. Der Jugendgottesdienst ist a) ein Ersatz für den Gemeindegottesdienst. - - : b) ein Mustergottesdienst, in dem das zukünftige Gemeindemitglied in seiner Eigenschaft als Synagogenbesuchex herangebildet werden soll. 2. Der Jugendgottesdienst muß -nach Form und-Ausführung das getreue Bild des Gottesdienstes der betreffenden Gemeinde in mustergültiger Weise sein. 3. Da das Erstrebenswerte für.jeden Gottesdienst der Gemeindegesang ist, so hat der Jugendgottesdienst ihn ganz besonders zu pflegen, um vorbildlich für den Gemeindegottesdienst zu werden. 4. Der Jugendgottesdienst ist Gottesdienst, nichtUebungsstunde. Daher hat er alle liturgischen Anforderungen, wie -sie für den Hauptgottesdienst maßgebend sind, zu beachten. 5. In jedem Jugendgottesdienst muß eine - deutsche Ansprache . (Predigt) an die Kinder, ihrer Auffassungskrast gemäß/ gehalten werden. . " ■ - ' ■ '' - 6. Um den Jugendgottesdienst, in den Augen der Kinder dem Gemeindegottesdienst gleichwertig erscheinen zu lassen, ist er sowohl in bezug auf den Gesang der Gemeinde wie auch des Vorbeters musikalisch ganz wie. der Hauptgottesdienst auszugestalten. 7. Da erfahrungsgemäß Kinder nicht längere Zeit leise mit Andacht beten können, empfiehlt es sich, alle Gebefe laut vortragen zu lassen. 8. Mittel, den regelmäßigen Besuch des Jugendgottesdienstes seitens aller Altersstufen zu fördern, sind: a) Der Jugendgottesdienst muß als ein Bestandteil des Religionsunterrichts organisch mit der Religionsschule derart , verbunden sein, daß Leitung. Beaufsichtigung usw. in den Händen der Religionslehrer liegen; b) Um auch die erwachsenen, über 14 Jahre alten Schüler für den Jugendgottesdienst zu interessieren, empfiehlt es sich, daß ältere Schüler das.Vorsteheramt der Jugendgemeinde versehen, indem sie, wie der Vorsteher. des Gemeinde- . gottesdienstes, die üblichen Ehrenämter als Segan, Verteiler der Mizwoth usw. versehen. Im Anschluß an diesen Vortrag hielt dann der Vortragende einen diesen Forderungen entsprechenden Jugendgottesdienst, bei dem die versammelten Kantoren als Jugendgemeinde-mitwirkten. Jedem Teilnehmer der Generalversammlung war von dem Vortragenden der musikalische Teil in einem gedruckten Notenhest überreicht worden. Der Tagesordnung gemäß sollte sich nun der Vortrag des Kollegen Davidsohn-Gleiwitz „Die beruflichen und sozialen Pflichten des Kantors" anschließen. Da aber die Zeit zu weit vorangeschritten war, und alle zu erschöpft waren, wurde auf Wunsch des Referenten der Vortrag von der Tagesordnung abgesetzt. Bei dem letzten Punkt' der Tagesordnung „Verschiedenes" brachten mehrere Kollegen, wie Feldmann-Posen,^Jacobsohn-Friedenan. Meisel-Danzig^ Neustadt-Berlin verschiedene dankenswerte Anregungen in bezug auf spätere Tätigkeit des Verbandes, die mit Dank von dem Vorsitzenden zur Kenntnis genommen wurden. Nachdem Kollege Zivi