Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
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Ihm erwidert der Vorsitzende im Namen des Ausschusses: Die Aufgabe des -Verbandes sei es, mit Bedacht den' Boden zu schaffen, auf dem die ausgestreute Saat aufgehen könne. Es könne nimmer die Aufgabe des Verbandes , sein, Kantorenfchulen zu gründen; das sei Sache der Gemeinden. Aufgabe des Verbandes wäre es lediglich, die Wege zur Erreichung dieses Zieles in idealer Meise anzubahnen. ' Der andere Vertreter der Berliner Kollegen, Sacher-Berlin, erklärt es als ein Verschulden des Ausschusses, daß von den 2000 Kantoren Deutschlands erst 200 Mitglieder des Verbandes seien. Es hätten Provipzialvereine gegründet werden müssen, dann würde der Verband mehr Mitglieder zählen. . .Der Vorsitzende weist auch diesen Angriff auf die Verbandsleitung zurück, indem er darauf hinweist, daß das, was der Vorredner als Unterlassungssünde bezeichnet habe, nicht zu treffe, da der Ausschuß durch eine umfangreiche Propaganda, durch Einsetzung von Vertrauensmännern in allen Provinzen wohl bemüht war, alle Kollegen im Reiche als Mitglieder des Verbandes zu gewinnen; aber auf einem großen Teil lastet der Druck der ungewissen sozialen Stellung derart, daß sie für die idealen Bestrebungen unseres Verbandes nicht zu haben sind. Das Mitgliederverzeichnis des „Allgemeinen Deutschen Kantorenverband" zeigte aber,' daß von den hervorragenden Kantoren Deutschlands auch nicht einer fehlt, daß hauptsächlich der wirtschaftlich und geistig hochstehende Teil der deutschen Kantorenschast sich um das Banner des Verbandes geschart habe. Zu dem zur Beratung stehenden Punkt „Ausbildung zum Kantorat" überreichte Kollege Leibowltz-Posen eine Resolution, worin der Ausschuß ersucht wird, mit hervorragenden Kollegen in Berlin und den Provinzial- Hauptstädten Vereinbarungen zu treffen, daß sie jüngeren Kollegen gegen mäßiges, bis zur Erlangung einer Stelle gestundetes Honorar Unterricht im Kantorat erteilen, und daß ferner aus der Verbandskasse unbemittelte, aber besonders begabte. Kantorenschüler durch Darlehen unterstützt werden. Diese Anregung wird zur weiteren Beratung und Durcharbeitung vom Ausschuß dankend angenommen. Es wendet sich nun die. Debatte dem Punkte „Unterstützung des Alters, der Invalidität, der Witwen und Waisen" zu. , Der Vorsitzende weist darauf hin, daß der Ausschuß es nicht für zweckmäßigigehalten habe, zu den.vielen Kassen eine.neue hinzuzufügen und daher bemüht gewesen sei, mit. der gut fundierten. „Hilfskaffe" in Berlin in eine enge Verbindung zu gelangen. Die Verhandlungen seien soweit gediehen, daß eine gemischte Kommission zur Vorberatung der Wege, auf welchem die gemeinsame Aktion statt-, finden könne, eingesetzt sei. . 3« der weiteren Debatte, an der sich die Kollegen Leibowitz- Posey,. Oswald-Posen, Neustadt-Berlin. Lemke-Kostyn beteiligen, wird teilweise bemängelt, daß für die Reliktenversorgung usw. überhaupt für die materielle Besserstellung des Kantors.-der . Verband nicht genügend wirke und nur die idealen Interessen vertrete. Von. Ausschußseite wird seitens des Vorsitzenden darauf hingewiesen, daß der Verband in dieser Richtung nur durch Einwirkung auf die betreffenden Behörden tätig sein könne- und. daß er sich keine Gelegenheit entgehen, lassen wird, für die diesbezüglichen Interessen des Kantorenstandes, einzutreten. Fabisch-Göttingen widerspricht entschieden der Behauptung, als ob der Verband nur -die .idealen Bestrebungen-mit Nachdruck vertrete. Eine Kasse zu gründen, wie vorgeschlagen sei, die die Versorg» rtg des Alters, der Invalidität und der Relikten bezwecke, liege für. den Verband außer dem. Bereiche der Möglichkeit. , Er könne höchstens nur eine Unterstützungsbezw. Hilfskasse gründen; um dazu zu gelangen, habe der Ausschuß bisher keine Mühe gescheut,. wie dies die eingehenden Verhandlungen mit der .Hilfskasse" bezeugen.. Um das von den Kollegen Gewünschte nämlich eine Alters- und Reliktenversorgung.zu erhalten, dazu könne nur durch aufklärende Schritte bei den Gemeindeorganisationen gesorgt werden. Und haß auch, darin der, Ausschuß seine Pflicht getan habe, bezeugen seine Eingaben an den.D.eutsch-Is.raelitischen Gemeindebund und seine. Forderungen, die er• angesichts der zweiten Lesung des „Entwurfs -eines Gesetzes, betreffend die Verfassung der. jüdischen Religionsgesellschaft in. Preußen" auf die Aufforderung des Deutsch Israelitischen. Gemeindebundes erhoben hat. ....... Kollege Davidsohn bemängelt die Stellung des Kantors in dem obengenannten Gesetzentwurf und fordert eine entschiedene Stellungnahme des Verbandes zu den Beschlüssen des Gemeindetages, die den Kantor dem Küster und Totengräber gleichgestellt haben. Es . müsse unbedingt Protest gegen solche gesetzliche Behandlung des Kantors -eingelegt werden. Auf dem Gemeindetage waren Rabbiner und Lehrer vertreten, aber, die Kantoren wurden umgangen. Der Vorsitzende konstatiert, daß es ein Erfolg, für den Verband sei, wenn der. Allgemeine Deutsche Kantorenverband zu einer Meinungsäußerung zu dem Entwurf offiziell aufgefordert worden sei. Die von dem Ausschuß unseres Verbandes dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde vorgelegten Wünsche haben durch das Maßvolle ihrer Form Und auch inhaltlich bei allen in Betracht kommenden Faktoren den günstigsten Eindruck gemacht. Da der Punkt 5 der Tagesordnung noch Gelegenheit geben wird, sich zu diesem Punkte zu äußern, wird die Abfassung einer vorgeschlagenen Resolution bis dahin verschoben. . Es folgt nun der Kassenbericht des Schatzmeisters Zivi-Elherfeld. Da der Bericht gedruckt vorliegt, kann der Schatzmeister sich kurz fassen und auf den günstigen Abschluß Hinweisen. Bei der Debatte über diesen Bericht kZmmt es zu überaus heftigen Redekämpfen, da Kollege Sacher-Berlin die zu großen Ausgaben an Verwaltungskosten bemängelt, außerdem darauf hinweist, wie die Kosten für die Ausschußsitzüngen geringere wären, wenn Berlin und nicht Hannover, Leipzig, Frankfurt a. M. als Tagungsorte gewählt worden wären, wie er überhaupt bei dieser Gelegenheit eine zu geringe Rücksichtnahme aus Berlin, das mit Vororten zwanzig i Kantoren besitze, hervorhebt. Der Vorsitzende weist im einzelnen nach, ' wie diese Vorwürfe unberechtigt seien. Insbesondere könne die Verwaltung des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes nicht mit der „der Hilfskasse", deren Vorstandsmitglieder alle in Berlin.wohn- - Haft sind, verglichen werden. Die Zusammenstellung des Ausschusses ■£ des.Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes erheische notgedrungen -l; die höheren Verwaltungskosten. Er zeigt, daß, wenn der Verband ' r nur auf die Mitgliederbeiträge, die sehr unregelmäßig eiNgehen, 8 angewiesen wäre, er überhaupt keine Aktionsfähigkeit haben würde; denn zur Durchführung all der gesteckten Ziele' gehören entsprechende Mittel. Jedes einzelne Mitglied des Ausschusses bringt 7! Opfer au. Zeit, und .Geld. Daß nicht immer Berlin zum Tagungsort erwählt worden ist, das lag im Interesse des. Verbandes: Der. Ausschuß wollte die Kollegen, aus den verschiedensten Teilen ynseres Vaterlandes für die Verbandsideen gewinnen und tagte daherjedesmal an einem anderen Orte. Auch, waren, noch sonstige im Verbandsinteresse liegende Gründe für die Wahl der Tagungsorte maßgebend. Eine Absicht, .die Berliner Kollegen zu brüskieren, lag . also keineswegs vor. Gern wird der Ausschuß, der Einladung der.Berliner Kollegen folgendseine nächste Sitzung in Berlin abhalten. - . . Nach Wiederaufnahme, der Sitzung erfolgte zunächst die Wahl pon zweiKassenrevisyren, als welche dprch Zuruf Kollege Friedland-Breslau und Seminarlehrer Levisohn-Hannover bestimmt wurden. Auß Grund derBerbandssatzungen soll eine Hälfte des Ausschussesneu gewählt werden. Da in den. Satzungen, die. erstmalige Ausscheidung nicht genau bestimmt 7 : wird, beschließt die Versammlung einstimmig, diesmal die vier. Beisitzer neu zu wählen. Es scheiden daher die Kollegen.Rosenthal-Berlin, Hofstein-Dresden, .Iacobsohn-Friedenau-Berlin und Levh-Frankfurt am. Main aus dem Ausschuß. Die vorgenommene Mahl durch Stimmzettel ergibt die.Wiederwahl von. Hofstein-Dresden, Iacobsohn- Friedenau. und. Levy-Frankfurt. a. M. Neu gewählt wird Kollege Singer-Kattowitz. Da die Berliner Kollegen Wert darauf legen, daß auch ein Berliner Kantor im Ausschuß sitze, bemerkt der Vorsitzende, daß diesem Wunsche schon, in allernächster Zeit entsprochen werden '.4; wird, da ein Ausschußmitglied durch Umstände sich genötigt sieht, sein Amt im Ausschuß, niederzulegen.. An dessen .Stelle soll ein Berliner Kollege in den Ausschuß kooptiert werden.. , ■. ■». . Es folgt nunmehr das Referat des . Kollegen-Bkllak- Zittau: „Bericht über die Tätigkeit der?AnstellunLs.kMmisfioy". jj Zunächst gibt der Referent. eine 'packende, lebenswahre. Schilde-, rung der oft traurigen Lage der Kultusbeamten, und.zwar;inbezug >. auf Art der Anstellung, der Versorgung im Alter und der Hinterbliebenen, sowie hinsichtlich der mehr als kärglichen Besoldung.. , 4!